Kawasaki Ninja 1000SX 2021 im Reisetest

Wie tourt es sich auf dem klassischen Sportdampfer?

Alpenpässe und Motorradtreffs sind voll mit Reiseenduros und Crossover-Maschinen. Sie scheinen die perfekte Reisemaschine des modernen Motorradfahrers zu sein. Dabei wird eine klassische und traditionsreiche Klasse gerne übersehen! Jene der Sporttourer, die inzwischen eine spannende Alternative zu den häufig gesehenen Stelzensportlern bietet. Kawasakis Ninja 1000SX ist hier ein perfekter Vertreter.

Im Zuge unseres Sporttourer Vergleichs, der uns von Niederösterreich durch die Steiermark bis ins Salzkammergut brachte, konnten wir auch viel Zeit auf Kawas Ninja 1000SX verbringen, die langjährige Fans der Marke früher als Z 1000SX miterlebt haben. Während Vauli und Poky den Sporttourer bereits auf den sportlichen Aspekt getestet haben, konzentrierten wir uns diese eine Woche auf das komfortable Reisen mit diesem Motorrad. Als Basis unserer Tagestouren verwendeten wir das MoHo Hierzegger auf der Tauplitzalm.

Der Reihenvierzylinder punktet mit geschmeidigem Charakter

1.043 Kubik und 142 PS bei 10.000 Umdrehungen. Was am Papier nach purer Attacke klingt, stellt sich in Wahrheit als wahres Geschenk der Ruhe heraus. In der Stadt summt der Reihenvierzylinder der Kawasaki ruhig dahin und kann selbst bei circa 30 km/h im sechsten Gang bewegt werden. Somit wird kein Anrainer gestört und man kann mit gutem Gewissen an sein Ziel ankommen. Zusätzlich punktet das Aggregat mit seiner unglaublichen Laufruhe - wie man es von Reihenvierern gewohnt ist. Im freien Land, oder auf der Autobahn reicht jedoch der richtige Gang und ein wenig Drehzahl, damit die Ninja 1000SX fliegen lernt. Das maximale Drehmoment von 111 Nm liegt erst bei 8.000 Umdrehungen an, also braucht die Kawasaki einiges an Drehzahl, damit Überholmanöver schnell und sicher gelingen.

Hier liegt wahrscheinlich der größte Nachteil am Motorenkonzept. Während ähnliche Sporttourer mit Zweizylindern ihr Drehmoment bereits bei niedrigen Umdrehungen abrufen können, braucht es auf der Kawa einen niedrigen Gang. Rollt man also im sechsten Gang gemütlich auf der Landstraße und will überholen, muss der serienmäßige Quickshifter zwei bis drei Mal betätigt werden, damit sich der Motor wieder in seinem optimalen Leistungsband befindet und effizient seine Power von sich gibt.

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Kawasaki Ninja 1000SX Sitzposition: sportlich und überraschend gut für kleine Personen!

Auf den ersten Anblick wirkt die Ninja 1000SX wie ein wuchtiges Motorrad. Viel Verkleidung, ein Radstand von 1.440 mm und der fette 190er Hinterreifen sprechen die Sprache eines wahren Big Bikes. Doch einmal im 835 mm hohen Sattel Platz genommen (niedrige und hohe Sitzbank im Kawasaki Zubehör erhältlich), ändert sich das Bild schnell. Der Kniewinkel ist überraschend spitz und auch der Abstand zum Lenker ist für kleinere Piloten angenehm kurz. Dadurch gibt sie während der Fahrt ein sehr kompaktes Gefühl und wirkt alles andere als einschüchternd! Dank hoher Raiser befinden sich die Lenkerstummel zwar in einer sportlichen, aber nicht unangenehmen Position, während der ausladende 19 Liter Tank genügend Halt gibt, um die Handgelenke zu entlasten.

Elektronikpaket zeigt sich vollständig - könnte aber besser sein.

Serienmäßiger Quickshifter, serienmäßiger Tempomat, vier Fahrmodi, TFT-Display, Fahrmodi, 6-Achsen-IMU mit schräglagenabhängiger Traktionskontrolle und schräglagigem ABS und Connectivity. Wählt man noch die optionalen Heizgriffe, ist in der Ninja 1000SX ist alles an Bord, was man sich für eine Motorradreise wünschen kann. Vor allem die kurze Aufpreisliste muss man Kawasaki gut heißen - die Konkurrenz zeigt sich hier von einer anderen Seite! Doch leider muss man sagen, dass Systeme anderer Hersteller im direkten Vergleich eine Spur besser funktionieren. Lasst es mich erklären:

Aller Kritik voran ist das Wechseln der Fahrmodi. Zur Verfügung stehen SPORT - ROAD - RAIN - USER, die per Gedrückthalten eines Kippschalters gewechselt werden können. Nur leider muss für diesen Vorgang der Gasgriff permanent geschlossen sein, was das Wechseln während der Fahrt erschwert. Andere Hersteller lösen das eleganter und lassen einen Wechsel während der Fahrt zu - der Gashahn muss dann nur kurz zur Bestätigung geschlossen werden. Die Navigation durch das TFT-Display könnte zusätzlich eine Spur intuitiver sein.

Von Autobahn bis Bergstraße: Die Ninja 1000SX kann alles

Unsere Tour führte uns über die Autobahnen, Landstraßen und Bergpässe. Hier musste die die Kawa zeigen, wie vielseitig sie tatsächlich ist. Wie hat sie sich geschlagen? Hier die Antwort:

  • Autobahn: Dank ihrer Vollverkleidung und der sportlichen Sitzposition genießt man hohe Stabilität bei Autobahn-Tempo. Der Tempomat sorgt für Entspannung und das in der Neigung verstellbare Windschild leitet den Wind effektiv von der Brust. Einzig die Verstellung, die mit zwei Händen erfolgen muss, stört. Während der Fahrt geht hier nichts.

  • Landstraße: Hier zeigt sich die Ninja 1000SX von ihrer tourentauglichen Seite. Mit ihrem ruhigen Motorlauf und der komfortablen Fahwerksabstimmung gleitet sie fast schon über den Asphalt. Wird das Tempo höher und die Radien länger, kann das bequeme Seriensetting jedoch zum Nachteil werden. Dank Verstellmöglichkeiten an Gabel und Federbein kann dem aber entgegen gewirkt werden.

  • Bergpässe: In Spitzkehren und engen Radien wird der Kawa ihre klassische Sporttourer-Auslegung zum Nachteil. Aufgrund des doch vergleichsweise niedrigen Lenkers lässt sie sich nicht ganz so spielerisch in die Radien drücken - hier braucht es noch echten Körpereinsatz. Hat man sich aber einmal an das Setup gewöhnt, wird man bestimmt keine Probleme am Alpenpass haben. Schließlich wurde auch die Serienbereifung entsprechend ernst gewählt: Bridgestone S22.

Kawasaki Ninja 1000SX Preis: Überraschend günstig!

Aufgrund des Trends zu Crossover-Bikes und Reiseenduros ist die Auswahl an Sporttourern inzwischen gering. Hersteller, die solche Modelle noch anbieten, platzieren sie meist im Luxus-Segment, weshalb Preise um 20.000 Euro gar nicht so unwahrscheinlich sind. Trotz umfangreicher Serienausstattung, schafft es Kawasaki jedoch, die Ninja 1000SX weit unter dieser Grenze anzusiedeln. Hier ein aktueller Preisüberblick: Neue und gebrauchte Kawasaki Ninja 1000SX kaufen.

Fazit: Kawasaki Ninja 1000SX

Ein Sporttourer der alten Schule. Die Kawasaki Ninja 1000SX erfüllt alle Punkte, die man sich von dieser Bikekategorie erwartet. Hinzu kommt ein umfangreiches Elektronikpaket, das alles bietet, was man sich auf Reisen wünschen könnte - und das ohne Aufpreis! Dass die Bedienung vielleicht nicht ganz so intuitiv ist, wie es die Konkurrenz bereits schafft, verzeiht man ihr spätestens, wenn man einen Blick auf das Preisschild wirft.


  • seidiger Vierzylinder
  • bequeme und trotzdem sportliche Ergonomie
  • Windschutz
  • serienmäßiges Elektronikpaket
  • viel Stabilität dank Vollverkleidung
  • sehr zugänglich
  • Motor braucht Drehzahl
  • Elektronik könnte benutzerfreundlicher sein
  • Windschild nur mit zwei Händen verstellbar

Bericht vom 30.08.2021 | 16.090 Aufrufe

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