Beta 430 RR Racing im 1000PS Dauertest

Betas Racing Version wird im Dauertest richtig ran genommen

Welche Enduro wäre wohl interessanter zu testen als die des Weltmeisters? Beta räumt in der Enduro WM seit geraumer Zeit einen Titel nach dem anderen ab, also wurde es höchste Zeit, einer dieser so erfolgreichen Racing Betas mal genauer auf den Zahn zu fühlen.

Ok, also der Weltmeister Overall (klassenübergreifend, der Schnellste der Schnellen) Steve Holcombe ist mit 350ccm unterwegs, aber nachdem ich kein Weltmeister bin, sollte das fehlende Talent mit Hubraum ersetzt werden. Bekanntlich kann dieser ja nur durch noch mehr Hubraum ersetzt werden. Und bei Beta hat man richtig gute Auswahl. Hier hat man die Bandbreite von 350ccm, 390ccm über 430ccm und 480ccm bei den 4 Taktern volle Wahlfreiheit größerer Kubaturen. Bei den 2 Taktern ist die Palette ähnlich umfangreich. Diese reicht von 125ccm, 200ccm über 250ccm bis zu 300ccm. Um das Ganze noch verwirrender zu gestalten, hat man dann auch noch die Chance alle Bikes in der Racing Version zu ordern. Und wenn man die Datenblätter studiert, die Preise vergleicht, dann muss man sich fast schon eine Racing Version bestellen! Aber dazu später mehr.

Ende Mai war es dann soweit und eine 430er Racing wurde angeliefert und darf nun die nächsten Monate ihr Talent beweisen. Fast zeitgleich fand die Präsentation des neuen Modelljahres statt, ein halbes Jahr später folgen dann immer die Racing Varianten. Daher haben wir hier noch die aktuelle der schnellen Betas unter dem Allerwertesten!

Beta - die fesche Italienerin

Beim ersten Anblick in der Garage fällt auf, dass die Beta ein richtig hübsches Bike ist. Das Rot aggressiv, ebenso wie die Linienführung. Schlanke Plastics mit viel überlegten Details. Der schnelle Zugriff zum Luftfilter und die geniale Entriegelung der Sitzbank mit einem gut integrierten Knopf. Griffmulden am Heck sorgen für ordentlichen Grip, wenn man sich mal festgefahren hat. Das Cockpit im feschen Rot und einen richtig großen Benzintank mit 9lt. Damit sind auch ohne Probleme lange Endurotage oder Rallyeeinsätze ohne größere Zusatztanks locker möglich!

Nachdem die Grenzen nun endlich wieder offen sind, wurde die Beta sofort in den Bus verfrachtet und ab ging es nach Ungarn, um dort gleich mal den italienischen Dampfhammer in verschiedensten Terrains zu testen. Ajka schien fürs erste Abtasten perfekt. Eine sehr schnelle MX Strecke mit fetten Sprüngen und dazu Single Trails im Wald mit langen Auffahren, Bachbetten und alles was es sonst noch im Wald zu finden gibt.

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Ab auf die Strecke

Kurzer Drücker auf den Startknopf und die Beta läuft, Gang rein und auf zum MX Track. Und etwas fiel gleich auf, und zwar, dass eigentlich nichts auffiel! Klingt jetzt komisch, aber genau das ist eine sehr positive Eigenschaft. Die Beta ist eine sehr kommode! Es braucht null Eingewöhnungszeit, alles fühlt sich so an, wie man es erwartet. Der Motor läuft rund, fast vibrationsfrei. Die hydraulische Kupplung hat einen super Übergang und die Nissin Bremsen finden die goldene Mitte, gute Dosierung und konstanter Druckpunkt. Die Vorderradführung vorbildlich, biegt in den Kurven ohne Anlieger sauber ab. Dabei hatte ich immer das Gefühl alles im Griff zu haben. Die Motorleistung ist sehr kontrollierbar, bis Halbgas moderat und drehmomentstark, ab dann geht aber schon die Post ab. Jetzt kommen wir aber zu "Aber". Denn wie zu erwarten ist die Beta eine reinrassige Enduro und keine Motocross, welch Überraschung! Was ist damit gemeint: bei schnellerer Gangart kommt bei Anbremswellen und nicht exakt gesprungenen Tables Unruhe ins Fahrwerk. Zwar kann man das Fahrwerk mit wenigen Klicks stark beeinflussen und gut auf MX hin trimmen, sie bleibt aber dennoch etwas nervös, ist auf der weichen Seite zu Hause und hat keine großen Durchschlagreserven, macht aber für eine klassische Enduro trotzdem eine sehr gute Figur. Dafür hat sie sich noch recht gut verkauft.

Die Beta 430 RR in ihrem natürlichen Habitat

Kaum in den Wald abgebogen glänzt sie im klassischen Endurogelände umso mehr. Hier spielt sie ihre Karten voll aus. Man glaubt kaum auf einer 430er zu sitzen. Sie fühlt sich agiler und wendiger an als ich dies erwartet habe. Fast schon spielerisch lässt sie sich um enge Kehren herum zirkeln, wenn man nicht gerade vom Gas geht. Und hier im Unterholz, auf Singeltrails und Forstwegen ist die Fahrwerksabstimmung eine echte Punktlandung. Die Kayaba Gabel ist sowieso Top und das Federbein verrichtet unauffällig ihren Dienst nach Vorschrift. Natürlich stellt sich bei 430ccm im Gelände immer die Frage, ob dies nicht zu viel dem Guten ist? Meiner Meinung nach nicht, wenn die Leistung so smooth abgegeben wird wie von der Beta. Bei langen Steilhängen mit rutschiger Anfahrt einfach entspannt antreten und im Radius dann fest am Gasgriff umdrehen und die Beta schießt dich die Steilhänge hinauf, wie von einem Gummiband gezogen. Sehr geil! Auch sonst hat man das Gefühl eher auf einem Moped zu sitzen, so schlank ist sie gebaut und so intuitiv lässt es sich mit ihr durch den Wald zirkeln. Einen kurzer Gasstoß reicht und schon zoomt es dich zur nächsten Kurve. Nur bei ganz engen Kurven um die Bäume herum treten dann die rotierenden Kräfte wieder auf, hier schiebt der große Motor einfach gefühlt von hinten an. Physik lässt sich hat nicht immer weg retuschieren.

Was kann die Racing besser?

Also erstmals ganz klar die Closed Cartridge Kayaba Gabel! Diese Gabel ist einfach die Referenz. Selbst bei teureren Aftermarket Gabeln muss erst mal eine richtig perfekte Abstimmung gefunden werden, um sich hier einen Vorteil zu verschaffen. Die Gabel der Racing ist aus der Kiste raus schon richtig gut. Über die Optik lässt sich ja immer streiten, aber das Dekor schaut schon sehr sportlich aus. Dies zieht sich bei der Racing komplett durch. Der Sitzbankbezug mit Kartentasche, die Handschützer machen genauso viel Sinn, wie die breiteren Fußrasten mit Stahlpins, welche für super Halt sorgen. Richtig praktisch auch der rot eloxierte Schnellverschluss am Vorderrad, welcher den Radwechsel ungemein erleichtert. Daher ist die Racing mit allen notwenigen Teilen ausgestattet, um direkt von der Auslage heraus bei jedem Endurorennen sofort vorne mit dabei zu sein. Also bei einem Kaufpreis von EUR 10.590,- ist die Racing um 500er teurer als das Serienbike, aber definitiv jeden Cent mehr als wert.

Das wars mit dem ersten Eindruck und den ersten Stunden am Bike. Ich bin gespannt wie sie sich weiter schlägt, beim nächsten Mal werden die ersten Rennen hinter ihr liegen, und die ersten Servicearbeiten anstehen. Update folgt!

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Bericht vom 24.06.2021 | 4.366 Aufrufe

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