Die neue Honda CMX1100 Rebel im Fahrbericht

Cruiser auf Japanisch

Nachdem die ,,Custom Cool” 500er Rebel seit Jahrzehnten einer der beliebtesten Einsteiger-Cruiser ist, ist nun auch eine große Version erhältlich. Die neue CMX1100 Rebel baut auf dem liebenswerten Charakter der kleinen Schwester auf - aber mit deutlich mehr Schmalz, elektronischen Helferlein und, falls gewünscht, mit dem exklusiven Doppelkupplungsgetriebe von Honda. Echtes Big-Cruiser Feeling? Juliane hat die manuelle Version bei einer ausgiebigen Probefahrt auf kurvenreichen Straßen ausprobiert.

Besitzer der Rebel 500 waren bisher gezwungen, beim Aufstieg auf einen größeren Cruiser, die Marke zu wechseln. Logisch, dass Honda sich das nicht mehr gefallen lassen wollte. Nun gibt es endlich auch eine große Rebel. Optional gibt es sie mit dem Doppelkupplungsgetriebe DCT, das Honda für verschiedene Modelle anbietet. Wie dieses System in der neuen Rebel funktioniert, werden wir bald ausprobieren. Aktuell steht die manuelle Version im 1000 PS-Hof bereit.

Sitzposition der neuen Rebel 1100

Die Arme zum Lenker gestreckt, die aufrechte Haltung und die niedrige Sitzhöhe von nur 700 mm lassen sofort Cruiser-Feeling aufkommen. Die Füße sind allerdings nicht nach vorne gestreckt, sondern seitlich neben dem Motor platziert. Das macht den Kniewinkel etwas spitzer - mit meinen 169 cm passen die Beine genau in die Aussparungen am Tank. Vauli, mit 186 cm, hatte beim Probesitzen die Knie über der seitlichen Tank-Kante. Auch wenn die Position der Füße zunächst ungewohnt ist, ermöglichen sie eine etwas größere Schräglagenfreiheit. Bei den ersten Kehren angekommen bin ich davon positiv überrascht. Die 35 Grad Schräglagenwinkel sind etwas mehr als bei vergleichbaren Modellen. Zu Beginn kratzt es schon immer mal wieder, später habe ich den Dreh raus und durchfahre selbst spitze Kurven ohne aufzusetzen.

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Gewicht und Handling

Untypisch für einen Cruiser dieser Klasse ist das Gewicht. Nur 227 Kilogramm wiegt die 1100er komplett vollgetankt (wir haben nachgewogen). Bei der DCT-Version kommen noch 10 Kilogramm oben drauf. Insgesamt sind das ca. 30 Kilogramm weniger als Konkurrenz-Modelle. Dieses geringe Gewicht lässt sich nicht nur beim Manövrieren sondern auch beim agilen Handling in Kurven spüren.

Motor

Das Herzstück der Rebel 1100 ist ein bekannter Motor: der 1084-Kubik-Reihenzweier, der auch in der Africa Twin steckt. Für den Cruiser-Spirit wurde das Sport-Adventure-Aggregat etwas angepasst: Die Spitzenleistung von 87 PS bei 7.000 und das Drehmoment von 98 Nm bei 4.750 Umdrehungen liegen etwas niedriger als zuvor (Africa Twin: 102 PS und 105 Nm), die Schwungmasse wurde um 32% erhöht und das Auspuffsystem und die Ventilsteuerung wurden verändert.

Der Motor lässt die Rebellin in der 1100er herauskommen. Besonders der Druck im unteren und mittleren Drehzahlbereich fühlt sich fantastisch an und jeder Meter macht Spaß - ob in der Stadt oder auf der Landstraße. Etwas sanfter könnte das Ansprechverhalten sein, das unabhängig vom gewählten Mapping etwas hart ist. Vibrationen sind allerdings auch auf der flotten Autobahn-Etappe nicht zu spüren, der Blick in die Rückspiegel bleibt unverzerrt.

Vom Sound her klingt die Rebel zurückhaltender als die Africa Twin. Um einen V2-ähnlichen Klang zu erzeugen hat sie ebenfalls einen 270 Grad Hubzapfenversatz. Ein schöner Klang! An den Sound eines amerikanischen V-Twin kommt er aber bei Weitem nicht heran. Dafür hat die Rebel aber einen Vorzug für betroffene Regionen mit Fahrverboten: ein Standgeräusch von nur 93 dB.

Elektronikpaket

Das Elektronikpaket, das die Rebel dank der Organspende von der Africa Twin besitzt, beinhaltet eine Motorsteuerung über ,,Throttle-By-Wire. Über einen einfachen Knopfdruck mit dem linken Daumen kann während der Fahrt das Mapping ausgewählt werden. Im Sport-Modus ist die Leistungsentfaltung eher aggressiv, die Traktions- und Wheeliekontrolle auf niedriger und die Motorbremse auf hoher Stufe eingestellt. ,,Standard und vor allem ,,Rain regeln sanfter und die Sicherheitssysteme greifen früher ein. Die unterschiedlichen Charaktere der Mappings sind eindeutig spürbar. Der User-Modus kann selbst konfiguriert und die Traktionskontrolle auch deaktiviert werden.

Für den Komfort, besonders auf längeren Etappen, ist serienmäßig auch ein Tempomat mit an Bord.

Chassis

Das Fahrwerk von Showa mit einer 43-mm-Cartridge-Gabel und einem Doppel-Piggyback-Stoßdämpfer ist hinten wie vorne in der Federvorspannung einstellbar. Die Federwege sind mit 122 mm vorne und 94 mm hinten Cruiser-typisch gering (zum Vergleich Harley Forty-Eight: 92 mm - 54 mm, Indian Scout Bobber 120 mm - 50 mm). Leichte Unebenheiten der Fahrbahn werden gut absorbiert, stärkere Risse und Löcher werden aber direkt an den Fahrer weitergegeben. Die Sitzbank ist dafür komfortabel - auch noch nach drei Stunden im Sattel.

Allgemein fühlt sich die Rebel 1100 sehr stabil an, was unter anderem am Radstand von 1520 mm, dem tiefen Schwerpunkt und dem 18-Zoll-Vorderrad liegen könnte. Die Gussaluminium-Räder sind mit Dunlop D428 mit den Dimensionen 130/70-18 und 180/65-16 gekleidet.

Die Rebel hat, ebenfalls Cruiser-typisch, nur eine einzelne Bremsscheibe vorne. Ein radial montierter Nissin Monoblock-Vierkolben-Bremssattel mit großer 330 mm Einzelscheibe und ein Einkolben-Sattel mit 256 mm Einzelscheibe hinten verzögern zuverlässig - auch bei der steilen Bergabfahrt. Auch hier ist das niedrigere Gewicht im Vergleich zum Wettbewerb von Vorteil. Mit hochmodernen Sportmotorrädern darf die Bremsleistung natürlich nicht verglichen werden (diese werden normalerweise aber auch anders bewegt).

Preis und Farben

Und zu guter Letzt noch etwas Cruiser-untypisches: der Preis. Für ein modernes Bike dieser Klasse und mit der Ausstattung liegt die Rebel 1100 bei 10.620 € in Deutschland (11.620 € mit DCT) bzw. 11.290 € in Österreich (12.590 € mit DCT) deutlich unter der Konkurrenz. Zum Vergleich: die Indian Scout Bobber 14.500 (D) / 17.190 (Ö), die Triumph Bonneville Speedmaster 13.950 / 15.900. Die Harley-Davidson Iron 1200 kommt der Rebel vom Preis her noch am nächsten, allerdings gibt es diese nicht mehr mit Euro 5 (man munkelt aber, dass da nächstes Jahr wieder etwas kommen soll). Erhältlich ist sie in zwei Farbvarianten: Gunmetal Black Metallic und Bordeaux Red und mit vielen Zubehörteilen ab Werk lässt sich das Bike individuell gestalten oder noch komfortabler machen.

Bezogen auf das Gewicht und die Ausstattung gewinnt die Rebel gegen die Mitbewerber. Was Emotionen angeht - da holen mich persönlich die amerikanischen und britischen Modelle noch mehr ab.

Fazit: Honda CMX1100 Rebel

Die Honda Rebel 1100 ist ein sehr spaßiges, einfach zu fahrendes, agiles und druckvolles Cruiser-Motorrad, das vermutlich viele Freunde finden wird - ob Rookie oder alter Hase. Meine persönlichen Highlights sind der geniale Motor, die elektronische Ausstattung und das niedrige Gewicht in Kombination mit dem niedrigen Preis im Vergleich zum Wettbewerb. Ein gelungener japanischer Cruiser!


  • Druckvoller Motor
  • agiles Handling
  • umfangreiche Ausstattung
  • Ansprechverhalten könnte sanfter sein
  • kein Cruiser-typisches Auspuff-Bollern

Bericht vom 20.05.2021 | 28.614 Aufrufe

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