Bridgestone T32 Test

Mehr Profil für den T32

4 Tage, 2 Motorräder und ein neuer Reifen! Der Bridgestone T32 muss diesmal in einem besonders intensiven Test bestehen. Was kann der neue Touringpneu?

Mehr Profil für den T32! Diese Aussage bezieht sich natürlich nicht nur auf die Abmessungen der Profilrillen. Der ambitionierte Sporttourer Pneu möchte auch sein Image deutlich schärfen und an Profil gewinnen. Seit Bridgestone aus der MotoGP ausgestiegen ist, wurden jede Menge Ressourcen, Personal und Budgetposten frei. Diese flossen in die Reifenentwicklung und die Sportpiloten erfreuten sich zum Beispiel am derzeitigen Endgegner bei den sportlichen Pneus: Dem Bridgestone S22. Dieses heldenhafte Image blieb dem bisherigen Sporttouringpneu T31 verwehrt. Der Reifen machte einen guten Job, stand aber meist im Schatten der Pneus von Metzeler und Conti. Mit dem neuen T32 möchte Bridgestone dort hin wo man mit dem S22 bereits ist - an die Spitze.

BMW S 1000 XR und R 1250 GS beim Reifentest

Bei solch ambitionierten Zielen darf unser Test-Setup natürlich nicht kleinspurig sein. Wir organisierten uns via Luftfracht 2 Garnituren Bridgestone T32 aus Japan. Diese wurden nach Barcelona verschickt. Dort half uns Hispania Tours sie durch den Zoll zu kriegen und kümmerte sich um die Montage auf 2 prächtige Bikes seiner imposanten Leihmotorradflotte. Wir wählten eine BMW S 1000 XR und eine R 1250 GS als praxistaugliche aber auch fordernde Protagonisten für den neuen Touringpneu. Ganze 4 Tage möchten wir uns Zeit nehmen um Erfahrungen mit dem neuen Pneu zu sammeln. Warum gerade diese beiden Motorräder? Die R 1250 GS ist einerseits natürlich wahnsinnig wichtig. Zu Tausenden ist sie auf den Straßen da draussen unterwegs und viele Piloten zeigen Interesse am neuen Sporttouringpneu von Bridgestone. Auf der anderen Seite ist sie mit ihrem hohem Drehmoment von 143Nm auch sehr fordernd. Dieses Drehmoment bringt selbst reinrassige Sportreifen am Kurvenausgang schnell an die Grenzen. Kann der Touringpneu das starke Tier auf Spur halten?

Auf der anderen Seite ist die BMW S 1000 XR ein unfassbar schnelles Motorrad. Pneus welche hier stabil bleiben, haben eine imposante Testhürde genommen. Die Maschine bietet Fahrkomfort, Windschutz und ein hohes Reisetempo. Wir sind gespannt ob die tiefen Profilrillen auch bei hohem Reisetempo keine Schwächen zeigen.

Bei der intensiven Testfahrt in Andalusien verzauberte uns der Reifen sofort. Die vielfältigen Straßen zu inhalieren und in jeder Situation das Vertrauen genießen zu können spricht sehr für den Reifen. Beide Motorräder ließen sich spielerisch einfach aber trotzdem sehr harmonisch und neutral in den Radius dirigieren. Wir hatten oben in den Bergen teilweise relativ tiefe Temperaturen. Bis auf 7 Grad viel die Anzeige im Display. Zusätzlich dazu gab es auf den Nordflanken bei Zahara de la Sierra auch noch viele nasse Stellen. Auch in dieser fordernden Umgebung zeigte der neue T32 von Bridgestone keine Schwächen. Er wirkte auch nach Fotostopps sofort geschmeidig und spendete Vertrauen.

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Neuer T32 mit neuem Profildesign

Einige Versprechen von Bridgestone zum neuen Reifen sind für uns doch auch mit diesem aufwendigen Testsetup kaum nachvollziehbar. Bridgestone verspricht einen um 7% verkürzten Bremswege bei Nässe im Vergleich zum Vorgänger und 13% mehr Auflagefläche in Schräglage im Vergleich zum bisherigen Reifen. Diese Versprechen liefern nicht nur griffige Zahlen sondern auch einen Hinweis darauf, wo Bridgestone den Hebel angesetzt hat. Einerseits offenbar bei den Fahreigenschaften bei Nässe. Auf der anderen Seite aber auch bei der Kombination Karkassenaufbau und Profildesign. Am Ende des Tages wurden offensichtlich sämtliche Bereiche des Reifens erneuert. Der Mischungsaufbau ist ebenso neu wie die Profilgestaltung und der Karkassaufbau. Wobei besonders die Profilgestaltung dem kritischen Beobachter hellhörig macht. Denn die ständig neuen Profildesigns müssen doch irgendwann einmal den optimalen Zustand erreicht haben? Ein paar Stunden am Supercomputer sollten doch reichen um das optimale Profildesign für jetzt und alle Zeiten zu ermitteln? Das Profil vom T32 sieht in jedem Fall sehr technisch aus. Hier dürften in der Tat Supercomputer und Wissenschaftler das Zepter geschwungen haben. Der Einfluss von Designer war offenbar sekundär. Doch trotz dieser spacigen und technokratisch ja geradezu mathematisch wirkenden Optik sieht das Profil auch lässig aus.

Mehr Nassgrip für den T32

Das Profil vom T32 verdient jedoch einen zweiten Blick. Bridgestone nennt die kleinen Strömungskeile im Profil elementaren Bestandteil der sogenannten Pulse Groove Technik. Am Ende des Tages möchte man mit einem kleinen Keil im Profil eine Beschleunigung vom Wasserabfluß erzielen. Das Wasser wird quasi aus dem Profil herausgepresst. Leute die in eine höhere technische Ausbildung genossen haben und in Strömungslehre tatsächlich auch aufgepasst haben, werden der Profilgestaltung Glauben schenken.

Das tiefere Profil, der Focus auf Nassgrip samt neuer Mischung machte uns natürlich hellhörig. Verliert der Reifen dadurch etwa an Präzision bei tollem Grip?

Diese Befürchtungen wurden auf einer der wohl schnellsten und intensivsten Motorradstrecken der Welt zerstreut. Das 50km Kurveninferno zwischen Ronda und San Pedro ist erbarmungslos. Die Radien sind lange und schnell. Hier könnte man problemlos mit Slicks fahren - sie hätten kein Problem auf Temperatur zu kommen. Reiseenduroreifen kommen hier an ihre Grenzen. Vorderräder werden schmierig und schwammig. Der T32 präsentierte sich hier erstaunlich stabil und präzise. Die durchaus tiefen Profilrillen setzen der Stabilität und der Präzision also nicht zu. In unserem Testvideo haben wir für euch auch einige längere Onboardszenen mit dabei. Auch bei den herrlichen Duellen überzeugte die sportliche Seite vom Reifen. Wir trafen die Linie mit beiden Motorrädern immer exakt und das Handling überzeugte uns voll und ganz. Auf der anderen Seite blieb der Reifen auch auf der Autobahn wunderbar stabil und schenkte vertrauen.

Bridgestone T32GT

Erstaunlich ist auch der Aufwand den Bridgestone bei den sogenannten GT Spezifikationen betreibt. Der T32GT ist nicht nur eine eigene Variante. Er ist anders als früher eine spezielle Entwicklung für besonders schwere Motorräder. Beim Vorgänger hat man für schwere Bikes wie einer K1600GT oder auch eine FJR 1300 einfach eine zusätzliche Karkasslage mit installiert. Der Rest vom Reifenaufbau blieb gleich. Beim neuen T32 wurde auch die Profilgestaltung für die schwereren Tourer optimiert und anders gestaltet. Der Unterschied zwischen T32 und T32GT ist nun also noch größer als beim Vorgängermodell. Es lohnt sich also unbedingt den Empfehlungen von Bridgestone Folge zu leisten und auf das jeweils richtige Modell zu setzen.

Laufleistung Bridgestone T32

Laut Bridgestone wurde die Laufleistung um 10% erhöht. Diese Aussage zu verifizieren ist natürlich grausame Streberarbeit die wir gerne anderen überlassen werden. Denn dies würde eine 10.000 km Tour mit dem Vorgängerreifen im direkten Vergleich mit dem neuen Modell erfordern. Bei unserem Test konnten wir nur oberflächlich an dem Thema Laufleistung kratzen. Doch gnadenlose Erfahrungswerte werden spätestens im Sommer verfügbar sein. Unsere 1000PS Community auf 1000PS TV ist gnadenlos und postet als tolle Bereicherung ihre Laufleistungserfahrungen unter unseren Testvideos. Danke dafür!

Der Schlüssel zum Erfolg in der Entwicklung eines Sporttouringreifens liegt bestimmt darin, den Kompromiss zwischen Profiltiefe und Stabilität der Profilblöcke gut hinzukriegen. Denn für die Laufleistung aber auch für die Wasserableitung wäre ein tiefes Profil eine tolle Sache. Aber eben nur solange die Profilblöcke auch stabil genug sind und keine überdurchschnittliche Abnutzung an den Profilkanten entsteht. Auch für die Präzision und das gute Gefühl am Kurveneingang sind stabile Profilblöcke nötig. Je tiefer die Profilrillen sind, umso größer ist die Gefahr dass sich diese verbiegen und verformen. Die Profile steif und fest zu machen ist nur auf den ersten Blick eine gute Lösung. Denn man benötigt eine geschmeidige und flexible Mischung um guten Grip und tolle Traktion abliefern zu können. Somit ist die gesamte Entwicklung ein gewaltiger Kompromiss der wohl ausbalanciert werden muss. Meistens gelingt das den Herstellern sehr gut. Sehr selten kommt es vor, dass man den Focus zu sehr auf die Performance bei Nässe legt und dadurch die Leistung bei tollem Grip darunter leidet.

Wer am Stammtisch gerne als Nerd gelten möchte oder nervige Gesprächspartner verjagen will, kann gerne über die zahlreichen Technologien vom T32 referieren. Silica RICH Technologie, RC polymer, Nano Pro Tech Features stecken zum Beispiel im Vorderreifen. Beim Hinterrad installierte Bridgestone eine 3LC Mischung in einer CAP and Base Konfiguration. Die Zungenbrecher aus dem Vorderreifen stecken auch hinten mit drinnen. In der Praxis bewirken diese Innovationen, dass Bridgestone den Spagat zwischen Laufleistung, Komfort, Trockengrip und Nassgrip besonders gut hinkriegen möchte. Die Verwendung von verschiedenen Mischungen (3LC) dürfte eifrigen Lesern ohnehin schon bekannt sein. Der verwendete Gummi ist in der Mitte härter und sorgt für Laufleistung, an den Flanken etwas weicher und sorgt dort für eine größere Auflagefläche und guten Grip. Insgesamt war erstaunlich wie gut Bridgestone diese Kompromisse bei der Reifenentwicklung hinbekommen hat. Wir fuhren den Reifen bei sportlicher Fahrweise bei sehr hoher Betriebstemperatur aber leider auch im Regen. In beiden Situationen schätzten wir das harmonische und lineare Einlenkverhalten und schenkten dem Reifen vorne wie hinten viel Vertrauen. Auch das Handling überzeugte uns, trotzdem blieb der Reifen aber auch stabil. Die einzigen Einbußen die wir im Sattel hinnehmen mussten war die etwas geringe Eigendämpfung. Auf holprigen Straßen hätten wir uns über noch mehr Fahrkomfort gefreut. Hier stießen die Entwickler offenbar an die Grenzen der Grätsche!

Verfügbarkeit Bridgestone T32

Ein Testanruf bei der Firma Zweiradprofi machte klar, das der neue Reifen bereits in Europa verfügbar ist. Aber Insider berichten, dass der Naschschub an frischen Pneus zäher läuft als geplant. Verantwortlich dafür ist einerseits der frühe Saisonstart durch das gute Wetter aber auch die aktuell angespannte Lage durch die Containerkrise. Wer schon jetzt weiß dass er im Laufe der Saison einen T32 fahren möchte, sollte rechtzeitig kaufen.

Langjährige 1000PS Leser wissen um mein fehlendes Rückgrat und meine mangelnde Markentreue bescheid. Wie ein systemelastischer Politberater wechsle ich nach Belieben die Marke. Der imposante Fortschritt in der Reifentechnik treibt mich jedes Jahr in die Fänge der derzeit führenden Hersteller. Bridgestone hat nun eben viel Knete in die Entwicklung vom T32 geworfen. Für 1-2 Jahre ist der Reifen somit technologisch vorne und wird gerne von mir auf langen Touren genutzt. Sobald ein Mitbewerber die Ressourcen zum Gegenangriff bereitstellt, wechsle ich natürlich sofort die Fronten und setze wieder auf das neueste Produkt. Das ist eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite haben die einzelnen Marken auch eine DNA und grundsätzliche Prinzipien. Wer eine Marke mag und den Charakter der Pneus schätzt, kann die Neuheiten auch problemlos ein paar Jahre länger einsetzen.

Gebrauchte und neue BMW Motorräder

Günstige Alternativen zum Bridgestone T32?

Sehr wenig halte ich jedoch von der Verwendung von den günstigen Second Linern. Auch Bridgestone bietet den T31 weiterhin an. Im Internet geistern sogar noch einige betagte BT23 Pneus herum. Aus meiner Sicht ist es absolut sinnlos beim Thema Reifen zu sparen und auf ein älteres Produkt zu setzen. Gerade für Gelegenheitsfahrer macht es absolut Sinn das neueste Produkt zu erwerben. Denn sie fahren relativ wenig Kilometer und die zusätzlichen Kosten für das beste Produkt sind auf längere Sicht komplett lächerlich. Auf der anderen Seite ist ein kürzerer Bremsweg immer ein Gewinn und darf keinesfalls ignoriert werden. Am Ende der 4 Testtage empfehlen wir den neuen T32 unseren treuen Lesern sehr gerne und voller Überzeugung. Es gab wohl kein Terrain auf welchem wir den Reifen nicht probiert hätten. Das neue Produkt ist voll und ganz empfehlenswert und wird Freunde von sportlichen Tourenreifen bestimmt zufriedenstellen.

Bridgestone T 32

RadDimensionKennungStd - GT
FRONT110/70ZR17M/C(54W)STD
FRONT120/60ZR17M/C(55W)STD
FRONT120/70ZR17M/C(58W)STD
FRONT110/80ZR18M/C(58W)STD
FRONT120/70ZR18M/C(59W)STD
FRONT120/70ZR19M/C(60W)STD
FRONT110/80 R18M/C58VSTD
FRONT110/80 R19M/C59VSTD
FRONT120/70ZR17M/C(58W)GT
FRONT120/70ZR18M/C(59W)GT
REAR150/70ZR17M/C(69W)STD
REAR160/60ZR17M/C(69W)STD
REAR160/60ZR18M/C(70W)STD
REAR160/70ZR17M/C(73W)STD
REAR170/60ZR17M/C(72W)STD
REAR180/55ZR17M/C(73W)STD
REAR190/50ZR17M/C(73W)STD
REAR190/55ZR17M/C(75W)STD
REAR140/70 R18M/C67VSTD
REAR170/60ZR17M/C(72W)GT
REAR180/55ZR17M/C(73W)GT
REAR190/55ZR17M/C(75W)GT

Verfügbare Reifendimensionen Saisonstart 2021

Weitere Informationen zum T 32 sowie Freigaben für den neuen Sporttourinpneu findet ihr auf der Website von Bridgestone.

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Routentipps Andalusien

An dieser Stelle verlinke ich euch gerne ein paar Routentipps von unserem 1000PS Trip nach Andalusien. Marbella - Atlantik, Setenil de las Bodegas, Ronda und das Schlumpfdorf, Nachmittagsrunde Marbella, Puerto de las Palomas.

BMW S 1000 XR mit SW-Motech Rearbag
Beim intensiven Test vertrauten wir auf die vielseitige, flexible und günstige SW-Motech Lösung. Die "PRO Rearbag" ist schnell montiert und schluckt verlässlich unsere Kamerausrüstung.

Links zum Test

Reifenverschleiß - Laufleistung Bridgestone T32

Bei unserem 1000PS Reifentest haben wir auch den Verbrauch vom Profil ermittelt. Wir haben nach 1.000 km Laufleistung die Profilmessung an beiden Motorrädern wiederholt und folgenden Profilverbrauch am neuralgischen Bereich bei 30 Grad ermittelt. Der Reifen bietet vorne 5 mm und hinten 5,8 mm im Schulterbereich bei ca. 30 Grad Schräglage an Profil im neuen Zustand.

  • BMW R 1250 GS: 0,8 mm Verbrauch vorne, 0,7 mm Verbrauch hinten
  • BMW S 1000 XR: 1 mm Verbrauch vorne, 0,6mm Verbrauch hinten

Aus diesen Verbrauchswerten linear die Gesamtlaufleistung zu ermitteln wäre jedoch nicht seriös. Denn das Verbrauchsverhalten von Reifen ist nicht linear. Aber die Werte bieten einen guten Anhaltswert für den Reifenverschleiß.

Bericht vom 12.03.2021 | 11.731 Aufrufe

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