KTM 890 Duke 2021 - Erster Test des neuen Mittelklasse Nakeds

Neuer Herzog mit alten Tricks und mehr Dampf

Die KTM 790 Duke hat die Klasse ordentlich aufgemischt und war ein Preis-Leistungswunder. Können das Plus an Hubraum und Leistung die 890 Duke noch besser machen?

Testort Barcelona - genau das richtige Umfeld für die Duke

Die spanische 5 Millionen Stadt am Mittelmeer pulsiert auch während Corona (wenn auch nicht ganz so heftig) und ist Balsam für die gepeinigte Pandemieseele. Für Motorradfahrer ist sie aber auch deshalb interessant, weil man, wenn man den den Trubel hinter sich lässt binnen 20 Minuten auf den herrlichsten und einsamsten Bergstraßen einfach nur Spaß haben kann. Zudem bieten die grünen Hügel hinter der Stadt immer wieder phantastische Ausblicke auf die Metropole und das Meer.

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KTM 890 Duke - nach wie vor ein Skalpell

Wer sich gesorgt haben sollte, dass die messerscharfe Duke durch das satte Hubraumwachstum träger geworden ist, den kann ich beruhigen. Kein Gramm Gewicht hat sie zugelegt! Die Sitzposition ist nach wie vor sehr vorderradorientiert und ungemein aktiv. Die 890er drängt einen am Hahn zu drehen, dabei kommen einem die jetzt 92 statt 87 Nm und 115 statt 105 PS gerade recht. Unten herum ist der potente Reihenzweier ein ruppiger Geselle, überschreitet man die 3.000 U/Min Marke dreht er aber sauber hoch und hat einfach ungemein satten Druck. Mit spielerischer Leichtigkeit lässt sich die KTM von einer Kurve in die nächste werfen. Beim Rausbeschleunigen aus Kurven wird das Vorderrad nicht selten leicht, der serienmäßige Lenkungsdämpfer bringt hier zusätzliche Sicherheit. Das Fahrwerk ist sportlich aber nicht zu straff abgestimmt. Dieser Kompromiss ist KTM gut gelungen, was erfreulich ist, denn einstellbar ist die WP USD-Gabel mit Open Cartridge System nämlich nicht. Das Federbein lässt sich nur in der Vorspannung verstellen. Wem das letzte Zehntel am Track am Herzen liegt, dem sei das voll einstellbare WP-Fahrwerk der KTM 890 Duke R empfohlen.

Bissige Bremsen für die Landstraße am neuen Herzog

Richtig dimensioniert und mit 1-2 Fingern wunderbar zu bedienen sind die überarbeiteten Bremsen an der KTM 890 Duke. Die Doppelscheiben mit 300 mm Durchmesser arbeiten auch bei flotter Landstraßenhatz zufriedenstellend. Bei längeren Bergab-Passagen mit vielen Bremsmanövern lässt sich jedoch minimales Brems-Fading ausmachen. Während für 99% der Piloten (mich eingeschlossen) die Bremsleistung also in der Praxis ausreicht, empfiehlt sich bei besonderen Anforderungen - Stichwort Rennstreckenbetrieb - der Griff zur 890 Duke R, die mit ihren Brembo Stylema Ankern überragende Verzögerungswerte liefert.

Elektronikwunder KTM 890 Duke - Manches gibt es nur gegen Aufpreis

Hinsichtlich der angebotenen Elektronik setzte die 790 Duke bei ihrer Präsentation 2018 die Benchmark in der Klasse. Features, wie schräglagenabhängige Traktionskontrolle, Quickshifter mit Blipper und Kurven-ABS waren bei anderen Herstellern nicht gegen gutes Geld zu bekommen und KTM bringt alles serienmäßig in einem Mittelklassemotorrad - wow!

Umsomehr waren wir verwundert, dass bei den 890er Modellen trotz gestiegenem Preis der Quickshifter auf einmal aufpreispflichtig wurde! Noch dazu arbeitet er nicht ganz so großartig, wie man es aus der 790 Duke kannte und verlangt manchmal etwas forscheren Krafteinsatz am Schalthebel. Auch für Features wie die Einstell- und Abstellbarkeit der Wheeliekontrolle oder die Launch-Control wird man bei der 890er zur Kasse gebeten. Als tadellos anerkennen muss man, dass die Eingriffe der Elektronik kaum spürbar sind, obwohl sie einem bei digitaler Fahrweise schon einmal das Hemd retten. Eine spaßige Reminiszenz an die Zeiten, als die KTM Duke einer Supermoto noch mehr ähnelte, als einem Naked Bike ist der Supermoto-Modus des ABS. Mit blockierendem Hinterrad Kurven anzudriften, hat uns doch schon mit 12 Jahren am Fahrrad erfreut, auf der 890 Duke ist es nicht anders.

Ergonomie und Sitzhöhe - die 890 Duke passt so gut wie jedem!

Flotte Turns mit viel Zeit im Sattel erfordern ein Mindestmaß an Komfort, zumindest für Genussfahrer wie mich. Die Sitzbank, auf der der Pilot in 820 mm Höhe über dem Boden Platz nimmt, ist hart genug für gutes Feedback am Popometer und dennoch nicht unnötig unbequem, was längere Ausfahrten ohne Schmerzen ermöglicht. Der Kupplungs- und Bremshebel an der Duke ist einstellbar, der Lenker hat eine angenehme Breite und das Bedienkonzept gibt keine Rätsel auf.

Als angenehm sportlich lässt sich die Sitzposition auf der 890er beschreiben. Kurze Strecken sind auch mit Sozius gut machbar, der abgetrennte Sitzpolster auf dem man hinten auf der Galerie thront, ist in zweierlei Hinsicht angenehm: Zum einen bietet er dem Mitfahrer genug Komfort und Platz, der Fahrer verdrängt einen nicht, zum anderen bietet der Höcker hinter dem Fahrersitz Halt, wenn man der Duke (solo) die Sporen gibt.

Verarbeitung, Display und Connectivity

Die KTM 890 Duke vermittelt einen hochwertigen Gesamteindruck, die Verarbeitung passt, die Spaltmaße sind gut. Die, wie besprochen zur Genüge verbaute, Elektronik ist samt zugehöriger Verkabelung gut versteckt. Einzig die altbackenen Rückspiegel und die im niedrigen Geschwindigkeitsbereich quietschenden Bremsen wollen nicht ganz zum ansonsten tadellosen Finish passen.

Die Displayeinheit ist dieselbe, die wir schon aus der 790 Duke kennen. 4,3 Zoll groß und mit einer logischen, intuitiven Menüführung ausgerüstet, bietet die Darstellung eine tolle Schärfe und Helligkeit. Das Display wechselt in Sekundenschnelle (etwa beim Einfahren in einen Tunnel) automatisch zwischen Tag- und Nachtmodus und ist tadellos ablesbar. Gegen 8,99 Euro lässt sich in den App Stores der gängigen Betriebssystemanbieter die KTM My Ride App runterladen. Sie erlaubt es, das Telefon mit dem Motorrad zu verbinden und u.a. via Headset über die Schaltereinheit an der Duke Anrufe entgegenzunehmen. Die Turn by Turn Navigation, wie man sie aus anderen KTM-Modellen (mit größeren Displays) kennt ist für die Duke nicht vorgesehen. Schade, wäre sie doch mit Sicherheit das Feature, dass den Preis für die App am ehesten rechtfertigt.

Macht die Traktionskontrolle fast arbeitslos - der ContiRoad

Als Erstausrüstung hat die neue 890 Duke den ContiRoad, einen neuen Secondliner aus dem Hause Continental motiert. Mit 120/70/17 vorne und 180/55/17 hinten bietet die Duke hier klassisch bewährte Naked Bike Dimensionen. Obwohl der ContiRoad preislich nicht in der Oberliga spielt, kann ich dem Reifen nur Gutes abgewinnen. Durch kurze Aufwärmzeit und massig Grip, macht er die Traktionskontrolle beinahe zu einer obsoleten Spielerei. Er passt großartig zum agilen Skalpell, was kein Wunder ist, da KTM 50 verschiedene Pneus auf der Duke montiert und getestet hatte, bevor man sich schließlich für den ContiRoad entschied.

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KTM 890 Duke 2021: Technische Daten und Verfügbarkeit

Wer es ganz genau wissen möchte klickt gleich auf den Link zu den technischen Daten der KTM 890 Duke 2021 in Tabellenform. Angebote und die korrekten Preise für euer Land zum neuen Mittel-Klasse Herzogs findet ihr wie gewohnt bei uns am Marktplatz. Beste Nachricht für alle Interessenten: Die KTM 890 Duke ist ab sofort beim KTM-Händler deines Vertrauens verfügbar!

McGregors Senf zur KTM 890 Duke 2021

Das Skalpell macht seinem Namen alle Ehre und ist für ein sportliches Landstraßenmotorrad ideal dimensioniert. Die schmale Taille und das niedrige Gewicht machen die 890 Duke extrem agil und die Kurvenfresserei macht auf wenigen Naked-Bikes so viel Spaß. Obendrein verwöhnt der gelungene Sound aus dem Serienendtopf bei jedem Beschleunigungs- und Bremsvorgang die Ohren mit bollerndem Grollen und Sprotzeln. Erfreulich: mit 93 dB Standgeräusch ist sie trotz des mächtigen Sounds problemlos in ganz Tirol zu bewegen. Optisch kann man über die 890 Duke streiten, doch fahrerisch ist sie unbestritten eine große Freude.

Fazit: KTM 890 Duke

Messerscharf und mit noch mehr Bums präsentiert sich die neue KTM 890 Duke. Mehr Motorrad braucht man auf der Landstraße nicht. Die Duke ist eines der fahraktivsten Motorräder überhaupt. Allein der Preis ist nicht mehr ganz so heiß wie bei der Vorgängerin.


  • agiles Handling
  • spaßiger SuMo-ABS Modus
  • Ergonomie universal passend
  • kerniger Motor
  • viele herrlich arbeitende Elektronikfeatures
  • Motor ruppig bei niedrigen Drehzahlen
  • Quickshifter nicht Serie
  • Aufpreispolitik

Bericht vom 03.03.2021 | 13.069 Aufrufe

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