Indian Kaufberatung

Welche Indian passt zu Dir

Die amerikanische Marke Indian erweitert jährlich das Modellprogramm. Bei einem intensiven Test nahmen wir uns 3 komplett unterschiedliche Modelle zur Brust und klären auf. Welche Indian ist die richtige Wahl für Dich!

Was für eine gelungene Winterflucht. Nach gefühlt 1000 Kurven und einer Fahrt von 0 auf 1900 Meter Seehöhe standen wir nun mit unseren drei prächtigen Motorrädern am Hafen von Puerto Rico im Süden der Insel Gran Canaria wieder am Meeresufer. Die sonnenhungrigen Badegäste schlenderten um die mächtigen Motorräder und begannen nachzufragen. Zum Glück haben wir als Berater einen der wohl erfahrensten Indian Händler überhaupt mit dabei: Manolo von der Firma Autos Vegueta. Seit 11 Jahren schon kümmert er sich um die Motorräder aus dem amerikanischen Polaris Konzern. Sein Herz bebt für die Marke aber auch für die Insel Gran Canaria. Voller Stolz präsentierte er uns heute die Highlights der Insel. Und voller Stolz erläutert er den Schaulustigen die einzelnen Motorräder.

Große Auswahl bei Indian - Überraschend vielseitige Motorräder

Mit Indian verbinden viele Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer vermutlich in erster Linie die schweren Cruiser mit den üppigen Kotflügeln und die klassischen Touringmodelle. Diese Modelle werden von einem knapp 1900 ccm großen Motor angetrieben und kosten in Deutschland ab rund 27.000 Euro. Die Touringmodelle starten ab 32.000 Euro und bieten opulenten Reisekomfort und eine noch eindrucksvollere Erscheinung. Bei diesem Test haben wir uns das deutlich günstigere Modell "Scout" geschnappt. Wir hatten Glück und ergatterten ein "100 Jahre Modell". Doch beim Test begeisterte uns nicht nur die tolle Optik.

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Indian Scout - Mit 1100 ccm nur der kleine Indianer

Die Indian Scout startet in Deutschland ab 14.500 Euro. Das Motorrad wird von einem 1133 ccm Motor angetrieben. Der V2 leistet 94 PS und bietet 97 Nm. Hört sich im Vergleich zu dem fetten Drehmoment der großen Modelle wenig spektakulär an, doch im Sattel passt das Aggregat einfach wunderbar. Das Motorrad macht insgesamt einen markanten Eindruck und wirkt am Parkplatz keinesfalls wie ein kleiner Bruder von einem Topmodell. Die Maschine ist ausgewachsen, glänzt in der Sonne und macht den Besitzer oder die Besitzerin stolz. Wir fuhren die Maschine 2 Tage lang und sammelten fast 500km intensive Erfahrungen. Dabei entpuppte sich die Maschine als richtig fahraktives Motorrad. Das Handling des Motorrad ist angenehm neutral und der bollernde V2 lässt sich mit wenig Kraftaufwand durch die Radien dirigieren. Dabei überfordert sie auch Gelegenheitsfahrer nicht und meistert auch schwierige Strecken.

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NastyNils

"Die Indian Scout meistert problemlos auch schwierige Strecken"

Zum tollen Einlenkverhalten passt dann auch das gute Fahrwerk. Der Dämpfungskomfort ermöglicht lange Touren und bietet auf der anderen Seite ein stabiles und präzises Fahrverhalten. Auch wenn das Motorrad nicht das "Topmodell" von Indian ist, so fährt es wirklich top. Klar ist die technische Ausstattung überschaubar. Das macht sich an den wenigen Schaltern und an dem einfachen Cockpit bemerkbar. Entertainment und Connectivity sucht man vergeblich.

Der insgesamt gute Eindruck wird natürlich durch den tollen Motor noch ergänzt. In dieser Hubraumklasse gelten 1100 ccm klarerweise als "wenig". Doch der 94PS (97Nm) Motor macht dieses Manko durch seine Drehfreudigkeit und das tolle Ansprechverhalten locker wett. Am Ende des Tages kann man dieses Motorrad einer sehr breiten Zielgruppe empfehlen. Es überfordert nicht, bietet aber Reserven für langen Fahrspaß. Leider gibt es ein kleines Detail, welches dann die Zielgruppe doch ein wenig einschränkt. Die nötige Handkraft ist sowohl bei der Kupplung als auch bei der Vorderbremse sehr hoch. Darauf sollte bei der Probefahrt geachtet werden. Die stramme Kupplung nervt im Stadtverkehr, die Bremse auf langen Bergabpassagen.

Indian Challenger - extrovertierter Straßengleiter

Die Indian Challenger verkörpert Amerika wie wohl kein anderes Motorrad aus dem Polaris Konzern. Das Bike ist ein richtig fetter Straßenkreuzer mit einer unfassbar opulenten Optik und einem sehr starkem Auftritt. Sie nimmt mit ihrer Positionierung natürlich die Harley-Davidson Road Glide Modelle ins Visier. Hier die Challenger Limited im Vergleich mit der Road Glide Special. Die Indian Challenger wird von einem neuen Motor angetrieben. Das moderne wassergekühlte Aggregat ist ein wahres Performance Monster. 1768 ccm Hubraum, 122 PS und prächtige 178 Nm Drehmoment sind die eindrucksvollen Eckdaten des Monsters. Wobei Monster dem modernen Aggregat nicht gerecht wird. Denn natürlich lässt sich der riesige V2 präzise und angenehm dosieren. Glücklicherweise ist der Motor auch mit einer modernen Kupplung ausgestattet. Die nötige Handkraft ist überraschend niedrig und das gewaltige Ding lässt sich so auch im Stadtverkehr gut dosieren.

Die Indian Challenger wurde bei unserem Test nicht geschont. Wir fuhren die Maschine auf den wohl engsten Straßen der Insel. Zusätzlich dazu war der Asphalt teilweise auch schlecht. Doch Indian hat sich hier keine Schwächen erlaubt. Das Motorrad kostet gefühlt ein Vermögen (Hier Angebote im Marktplatz). Doch das Geld wurde bei der Entwicklung nicht nur in hübsches Finish und glänzendes Chrom investiert. Das Motorrad ist mit tollen Komponenten gesegnet und somit ist sie auch eine sehr fahraktive Maschine. Zusätzlich zum prächtigen Motor begeistert das tolle Fahrwerk und die starken Bremsen. Durch das gute Fahrwerk lässt sich die schwere Maschine auch problemlos auf Kurs halten. Im Klassenvergleich sind die Bremsen wirklich OK, trotzdem ist immer noch eine hohe Handkraft nötig um die volle Bremsleistung abzurufen. Das Motorrad ist die richtige Wahl für Leute welche auch gerne weiter Touren fahren. Der Windschutz ist großartig, das Windschild ist verstellbar und der Wetterschutz passt ebenfalls. Der Sitzkomfort ist über jeden Zweifel erhaben und das Elektronikpaket ist ebenfalls stimmig. Vorsicht ist an dieser Stelle jedoch geboten! Das Keyless Ride System benötigt viel Saft. Bei längeren Standzeiten muss das Fahrzeug an einen Batteriewächter angesteckt werden. Insgesamt ist die Challenger ein großes, schweres und luxuriöses Motorrad mit dem man sehr gerne sehr weite Strecken fährt. Der Preis ist hoch, doch hat man sie erstmal im Besitz, erfreut man sich an den hochwertigen Details und dem tollen Fahrverhalten.

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NastyNils

"Der Preis ist hoch, doch hat man sie erstmal im Besitz erfreut man sich an den hochwertigen Details und dem tollen Fahrverhalten. "

Fahraktive Adrenalinbombe - Indian FTR 1200 Carbon

Sitz ich hier echt im Sattel einer Indian? Wenn man der FTR 1200 die Sporen gibt, muss man die Meinung zur amerikanischen Marke Indian gründlich überdenken. Die FTR 1200 Carbon ist ein wilder Außenseiter im Modellprogramm von Indian. Das Motorrad ist herrlich unvernünftig, kaum vergleichbar und ein echter Freudenspender. Wenn man Analogien zu anderen Motorrädern ziehen möchte, dann am ehesten mit einer Husqvarna Svartpilen, einer Ducati Scrambler Desert Sled, einer Ducati Scrambler 1100 Sport Pro einer Triumph Scrambler 1200 oder eine Yamaha XSR 900. Doch im Detail gibt es zu jeder der erwähnten Maschinen deutliche Unterschiede.

Indian FTR 1200 - Der Motor

Die FTR 1200 Carbon ist das aktuelle Topmodell der FTR 1200 Palette. Sichtbar wird dies durch schicke Carbonteile und dem Akrapovic Schalldämpfer. Die Leistungsdaten sind jedoch identisch mit den anderen FTR 1200 Modellen. Der 1203 ccm V2 leistet 123 PS und 120 Nm. Das sagen die Zahlen. Kaum in Worte zu fassen ist die agile Drehfreudigkeit des Motors. Diese kommt in Kombination mit einem sehr direkten Ansprechverhalten. Von den 3 zur Verfügung stehend Mappings ist eigentlich nur das "Rain" Mapping einigermaßen milde. Das Ansprechverhalten ist also durchaus fordernd. Im Sattel bekommt man zwischen 4.000 und 8.000 U/min einen wahren Adrenalinschub spendiert. Dabei hat bei schlechten Gripverhältnissen die Traktionskontrolle jede Menge Arbeit. Die Bordelektronik ist gut, der USB Anschluss im kompakten Cockpit ist praxistauglich und am Ende vermisst man bei der vorhandenen Ausstattung in dieser Preisklasse nur noch den Quickshifter.

Indian FTR 1200 - Außergewöhnliche Räder

Gut ins Bild der extravaganten Maschine passen die außergewöhnlichen Räder. Vorne setzt man auf ein 120/70 R19 Rad und hinten auf eines mit der Dimension 150/70R 18. Erstaunlicherweise hat Indian diese Reifenpaarung in Kombination mit der Chassisgeometrie sehr gut abgestimmt. Die Erfahrung aus dem Flattrack Rennsport dürfte hier geholfen haben. Das Motorrad ist in schnellen Passagen stabil, wirkt in engen Radien natürlich sehr handlich und liebt die Kurven. Wobei die Maschine nicht von alleine in den Radius kippt und kein neutrales Fahrverhalten aufweist. Sie erfordert immer ein wenig Druck am Lenker. Ohne Druck drängt sie immer eine stabile Lage. In sehr langsamen Kehren wirkt sie auch ein wenig kippelig. Das verspielte Handling der wilden Maschine hat also durchaus seinen Preis. Doch wer sich an die Eigenheiten der amerikanischen Flattrack Rennmaschine gewöhnt hat, der hat keine Alternativen. Denn auf diese enge Nische setzt sonst im Moment kein Hersteller. Die oben erwähnten Alternativen sind allesamt weniger aggressiv und nicht so spitz positioniert. Die FTR 1200 könnte Piloten gut gefallen welche Supermotos mögen, aber etwas mehr Stil suchen. Sie ist eine sportliche Alternative zu Retrobikes und eine extravagante Möglichkeit ein unverkleidetes Motorrad zu genießen.

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NastyNils

"Die FTR 1200 ist eine extravagante Möglichkeit ein unverkleidetes Motorrad zu genießen. "

Am Ende der 2 intensiven Testtage wurde uns wieder einmal bewusst wie wichtig es ist über den Tellerrand zu blicken. Die Bandbreite an faszinierenden Motorrädern wird mit jedem Modelljahr größer. Den Überblick zu behalten fällt nicht leicht. Probefahrtmöglichkeiten der Hersteller sollte man nutzen, um am Ball zu bleiben.

Fazit: Indian Challenger

Die beeindruckende Challenger ist eine überraschend fahraktive Reisemaschine. Sie schafft es jede Menge Fahrkomfort und opulente Ausstattung in ein durchaus fahraktives Gesamtkonzept zu verpacken. Die Maschine bietet eine mächtige Motorisierung, ein gutes Fahrwerk und viel Fahrkomfort.


  • prächtiger und kräftiger Motor
  • angenehm zu dosierender Antrieb
  • umfangreiches und hochwertiges Elektronikpaket
  • toller Sitzkomfort
  • Guter Wind- und Wetterschutz mit dem verstellbarem Windschild
  • Gutes Fahrwerk
  • Hohes Reisetempo möglich
  • Bremse benötigt starke Handkraft
  • etwas störende Geräusche von Benzinpumpe und vom Antriebsstrang beim Rollen
  • Bei langen Standzeiten saugt Bordelektronik die Batterie leer

Fazit: Indian Scout 100th Anniversary

Kaum zu glauben wie einfach und angenehm dieses große und schwere Motorrad ist. Die Indian Scout ist ein tolles zugängliches Motorrad. Sie bietet viel Chrom und eine coole Erscheinung ist aber auch eine tolle Fahrmaschine. Gerne unternimmt man mit ihr Touren und erfreut sich am fahraktiven Motorrad.


  • Sehr angenehmes und einfaches Handling
  • gute Sitzposition
  • Einfach zu dosierender Motor
  • Drehfreudiges Aggregat
  • Gutes Fahrwerk
  • Vorderbremse erfordert viel Kraft
  • Kupplung erfordert viel Kraft

Fazit: Indian FTR Carbon

Die Maschine ist wunderschön, im Detail liebevoll gemacht und unvergleichbar. Die FTR 1200 ist anders als sämtliche andere Indian Modelle und ist auch mit keinem anderen Motorrad am Markt vergleichbar. Sie ist eine Mischung aus Supermoto, Nakedbike und Offraod-Fahrzeug. Doch am Ende ist sie eigentlich ein Flat Track Motorrad und ist für Fahrspaß pur gebaut. Sie ist eine selten Gattung und eines der wenigen komplett unvernünftigen Motorräder. Komfortfeatures sucht man vergeblich. Alles an ihr dient dem Fahrspaß und der Action.


  • emotionaler Motor mit kräftigem Punch und lässiger Drehfreudigkeit
  • liebevolle Details
  • markante Optik
  • fahraktive Sitzposition
  • tolle Bremsen
  • hochwertige Ausstattung
  • spielerisches Fahrgefühl
  • aggressives Ansprechverhalten
  • forderndes Fahrverhalten
  • Hitzeentwicklung bei Krümmer unangenehm für Oberschenkel
  • Große Stiefel streifen beim Bremsen am rechten Krümmer

Bericht vom 04.01.2021 | 12.110 Aufrufe

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