Wunderlich BMW R nineT Scrambler "Green Hell" Test 2018

Wunderlich BMW R nineT Scrambler "Green Hell" Test 2018

Der Scrambler von BMW fürs Auge und Gelände

Wunderlich wird seinem Ruf als BMW-Spezialist wieder mal mehr als gerecht, die BMW R nineT Scrambler schindet als "Green Hell" schon optisch einen mörderischen Eindruck. Die edle Lackierung in Nürburgring-Grün, die vielen coolen Teile und nicht zuletzt der aufwändige Fahrwerksumbau mit 21 Zoll-Vorderrad sehen einfach herrlich aus - und funktionieren auch noch ausgezeichnet.

Was würde wohl besser passen, als der Name "Green Hell" für den äußerst gelungenen BMW R NineT Scrambler-Umbau in herrlichem "Nürburgring-Grün", wenn der Wunderlich-Firmensitz in Sinzig so nahe bei dieser Rennstecke, von vielen eben auch die "Grüne Hölle" genannt, liegt. Da mutet es fast schon kitschig an, dass wir am Testtag auch noch vom Wunderlich-Hauptquartier aus die abwechslungsreichen Straßen und Straßerln zum Nürburgring unter die großen Räder nahmen. Und damit bin ich schon mitten im Test, die Green Hell-R nineT Scrambler zeichnet sich nämlich nicht nur durch äußerst gelungene optische Veredelungen aus, sondern besitzt ein völlig umgemodeltes Fahrwerk, das aus der Green Hell eines der wenigen Retro-Modelle macht, das den Namen Scrambler wirklich verdient.

Bei Wunderlich ist nichts Blingbling, es muss auch funktionieren

Erst war da einmal die Idee der Wunderlich-Mannschaft, der Scrambler für wahre Geländegängigkeit ein 21 Zoll-Vorderrad einzupflanzen. Gesagt, getan, doch damit folgten eine Reihe weiterer Schritte, um die daraus resultierenden Änderungen auch fahrbar zu machen - bei Wunderlich geht es nicht nur um Show und Blingbling, das Ganze muss auch funktionieren. Also vorne verlängerte Federwege, damit das 21er-Rad passt, hinten steigt der Federweg für eine angemessene Geometrie sogar auf 230 Millimeter - das darf sich echt Enduro nennen. Am Vorderrad muss Wunderlich sogar einen neu konstruierten ABS-Ring verbauen, der auf der, von mir gefahrenen Green Hell zwar noch im Prototypen-Stadium war, insgesamt aber schon sehr gut funktionierte und in Kürze auch als Wunderlich-Zubehör zu bekommen sein wird.

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Wie fährt sich ein Motorrad namens "Green Hell"?

Zunächst muss ich festhalten, dass die Continental TKC80-Reifen mit ihrem grobstolligen Profil natürlich einen optimalen Look für die hochbeinige Scrambler abliefern, fahrdynamisch allerdings auf der Straße ein wenig Disziplin erfordern - zumindest vorläufig. Ich weiß nämlich, dass das ausgeprägte Einkippen dieses offroadorientierten Reifens etwas Eingewöhnung erfordert und nicht ganz mit dem Grip ausgewiesener Straßen-Reifen mithalten kann. Allerdings führt das im Laufe der Fahrerei dazu, dass man trotzdem erstaunlich gut und flott mit der restlichen Truppe mithalten kann und im engeren Geläuf die gutmütige Tendenz des Reifens ein wenig wegzuschmieren eher genießt, als verteufelt.

Ein ausgewogener BMW R nineT Scrambler mit typischem Rechtsruck

Insgesamt bleibt die BMW R nineT Scrambler ja auch als Grenn Hell sehr ausgewogen, gut fahrbar und herrlich motorisiert. Der "alte" luftgekühlte Boxer-Zweizylindermotor bringt es auf 110 PS und 116 Newtonmeter Drehmoment, der leichte Ruck nach rechts beim Gasgeben (bitte nichts Politisches hinein interpretieren) passt ausgezeichnet zum Old School-Auftritt der "grünen Hölle" und klingt dank farblich abgestimmtem (was denn sonst) Remus-Auspuff auch genau so, wie man es von solch einem Motorrad erwarten darf.

Nur nichts ruinieren an der Wunderlich BMW R nineT Scrambler Green Hell

Die Stunde der Green Hell schlägt allerdings im Gelände, wenn es auch viele (meiner Meinung nach durchaus zu Recht) als Frevel ansehen werden, ein solch bildhübsches Motorrad ins dreckige Unterholz zu jagen. Ich tat es dennoch, immerhin hat sich Wunderlich ja mit der Green Hell zum Ziel gesetzt, die BMW R nineT Scrambler tatsächlich geländegängig zu machen. Und wirklich, Dank den grobstolligen Contis, den stark verlängerten Federwegen und nicht zuletzt dank dem höheren Lenker ist eine erstaunlich gute Offroad-Sitz-/Stehposition gegeben. Der tiefe Schwerpunkt des Motors setzt noch eines drauf und schon ist das anständige Gewicht von rund 220 Kilo vergessen. Mahr als einen kurzen Abstecher auf einen Singletrail im Wald hab ich allerdings nicht gewagt, mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass es sich um einen Prototypen handelt, will man dann doch nicht schlecht auffallen.

Ultracoole Wunderlich-Teile wohin das Auge blickt

Außerdem sind an der Green Hell so viele coole Teile verbaut, dass es eine Schande wäre, sie schmutzig, geschweige denn kaputt zu machen. Angefangen beim kurzen Heckumbau mit integriertem Rücklicht, Miniblinkern, Kennzeichenträger und gebürstetem Alu-Kotflügel über das komplett einstellbare Fahrwerk "Wunderlich Suspension"-Federbein samt Cartridgekit, ebenfalls verstellbare Paralever-Strebe, nostalgisch anmutende Vintage TT Lampenmaske mit der kurzen, gelben Scheibe, enduro-gerechter SixDays Lenkerumbau inklusive Erhöhung, verstellbare Hebel für Hände und den Schaltfuß (das Wunderlich-1x1), Alu-Startnummerntafel, LED-Zusatzscheinwerfer bis zur stylischen Retro-Gepäcklösung, die alle Reise-Utensilien aufnimmt und sich watscheneinfach und extem schnell abnehmen lässt.

Anerkennende Blicke für die Wunderlich BMW R nineT Scrambler Green Hell

Zusätzlich würde das großzügige Sortiment an "passiver Sicherheit", das an der BMW R nineT Scrambler Green Hell verbaut ist, so manches Hopperla ohnehin verzeihen: Sturzbügel und -pads, stylishe Hand-Protektoren in Klarglasoptik sowie Krümmer- und Motorschutz machen den Scrambler ein bisserl mehr „unkaputtbar“ als den Serien-Scrambler. Ich zog es dennoch vor, keine Blessuren an der Green Hell zu riskieren und fuhr lieber theatralisch beim Einfahrts-Portal des Nürburgrings vor, um anerkennende Blicke (natürlich nur für die Green Hell) einzustreifen. Klarerweise sparte ich mir aus bekannten Gründen (Reifen, Prototyp) die Fahrt direkt in die Grüne Hölle - die leckere Curry-Wurscht beim Ring-Imbiss mit Blick auf die BMW R nineT "Green Hell" war auch so ein unvergessliches Erlebnis.

Wie für alle aktuellen BMW-Modelle baut Wunderlich auch für die „Green Hell“ das Produktprogramm regelmäßig weiter aus. Infos zur Green Hell und dem gesamten Wunderlich-Programm unter www.wunderlich.de

Derzeit sind folgende Umbauteile an der Green Hell verbaut (mit Teilenummer):

Wunderlich BMW R nineT Green Hell
Achs-Schutzpads 42149-102
Klappensteuerungsschutz 26930-002
Abdeckung Einspritzanlage 26781-102
Bremszangenabdeckung vorne 41980-102
Wunderlich Motorschutz Dakar – schwarz 26820-102
Krümmerschutz 26900-101
Ölkühler-Schutzgitter 31961-102
Ansaugrohrgitter "LeMans" 42751-002
Handprotektoren Clear Protect 27520-501
Seitenständervergrösserung 32421-202
Wunderlich Lampenmaske "VINTAGE TT" R nineT (Black Storm Metallic o. unlackiert)
Rückspiegel Montana schwarz 44450-002
LED-Zusatzscheinwerfer Micro-Flooter 30476-102
Tankpadset 3teilig 32561-002
Kellermann Blinker Lenkerende 36341-102
Heckumbau mit integriertem Rücklicht 44116-002
Kennzeichenträger Retro-Sport 38981-400
Alu-Kotflügel hinten 44850-500
Blinkersatz "M-Pin" hinten 36342-602
ALU-Kotflügel vorne mit Gabelstabiliator 44850-410
Alu-Startnummerntafel 44851-101 (Sonderlackierung)
Tankdeckeladapter 36881-600
Tankdeckel Monza 36881-000
Sicherheits-Ölstopfen 27440-003
Schwingenlagerabdeckung links schwarz 28290-202
Schwingenlagerabdeckung rechts schwarz 34090-004
Brems- und Kupplungsflüssigkeitsbehälter-Deckel schwarz 27070-202
Bremsbehälterdeckel silber 27070-001
Getriebestopfen silber 28870-001
Rahmenverschlussstopfen silber 34130-001
Cartridgekit Wunderlich Suspension Höherlegung 70mm
Wunderlich Suspension Federbein, Höherlegung 70mm
Wunderlich Paralever Strebe VARIO – Titan 26360-003
Rohraufnahme Retro-Seitentaschen 44115-220 (noch in der Entwicklung)
Satteltaschenhalterung Retro rechts 44115-230 (noch in der Entwicklung)
Retro-Seitentasche schwarz 44115-212 (noch in der Entwicklung)
Retro-Seitentasche braun 44115-202 (noch in der Entwicklung)

Die weiteren Wunderlich Tests 2018:

Fazit: BMW R nineT Scrambler

Es macht eigentlich keinen Sinn, herausfinden zu wollen, warum die R nineT so beliebt ist, das Konzept passt offensichtlich ausgezeichnet in die heutige Zeit. Auch die BMW R nineT Scrambler funktioniert ausgezeichnet, vertraut sie doch auf das gleiche, "alte" Boxer-Triebwerk mimt Luftkühlung, das BMW auf wundersame Weise ohne Einbußen bei Performance und Charakter die Euro4-Tauglichkeit anerzogen hat. Das Fahrwerk ist weicher, der Radstamd länger und die Ausstattung spartanischer - unter dem Decknamen Scrambler geht das aber voll in Ordnung, immerhin steht gemütliches Fahren im Vordergrund. Der optionale Einmann-Sattel ist zwar etwas hart geraten, unbequem ist die R nineT Scrambler aber keinesfalls, vor allem die Sitzposition überzeugt voll und ganz. Wer also mit weniger Ausstattung, Stahl statt Alu und einfacheren Federelementen leben kann, spart mit der Scrambler eine Menge Geld - das er dann am besten in insdividuelles Customizing investiert!

1
Vorteile
  • Boxer-Motor mit Charakter - Vibrationen, Power und Sound inbegriffen. Trotzdem Euro4-tauglich
  • komfortables Fahrwerk
  • angenehme Sitzposition
  • kräftige Bremsen
  • coole Optik
  • viel günstiger als R nineT
1
Nachteile
  • ziemlich harter Sattel
  • spartanische Armaturen, in der Basis ohne Drehzahlmesser und Ganganzeige

Bericht vom 30.04.2018 | 11.190 Aufrufe

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