Pirelli Angel GT

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Für den Pirelli Angel GT Test wird kot im Flugzeugträger eingesperrt. Freiheit in Nardo!
Pirelli Angel GT
 

Pirelli Angel GT

Wir salutieren vor dem Angel GT und gehen in Nardo auf die Knie.

 
Jawohl, ich habe gedient! Seltsam, dass ich bei diesem Satz Haltung annehme. Und ich diene immer noch, denn während meine Kameraden nach Ableisten des Präsenzdienstes das Abrüsten gefeiert haben, durfte ich das Umrüsten zur Miliz feiern. Alle paar Jahre werde ich zu einer Waffen- oder Truppenübung einberufen (Wie gestern, welch Zufall und Ironie!), die manchmal lustig, meistens aber sehr traurig ist. Was wir dort machen? Beim nächsten Mal werde ich fragen, dann kann ich es euch sagen.

Bremstest im Nassen am Flugzeugträger.

Aber versteht mich nicht falsch, das Militär hat mich immer schon fasziniert, auch wenn ich den Krieg verachte. Hohe Leistungsfähigkeit, kompromisslose Professionalität und Pflichterfüllung in extremen Stresssituationen und Waffen, Werkzeuge und technische Ausstattung gestaltet nach dem Leitsatz "Form follows function". (Gut, trifft vielleicht nicht voll auf's Ö-Heer zu.) Da hätte es mich eigentlich freuen müssen, dass Pirelli die internationale Presse zur Präsentation des neuen Angel GT kurzerhand in die italienische Armee eingegliedert und auf den hochmodernen Flugzeugträger Cavour verfrachtet hat.

Was könnte schließlich ein besserer Ort für einen Bremstest auf nassem Untergrund sein, als ein fast 250m langes Schiff mit einer Startrampe für Kampfflugzeuge? Im kalten Bauch des Stahlkolosses war es allerdings nicht ganz so romantisch wie auf einem Kreuzfahrtschiff. Keine Fenster, kein Ausgang, keine Rechte.  Aber keine Sorge, ich bin Entzug der Sinne und Menschenrechte aus dem 1000PS Büro gewohnt.

Pirelli Angel GT
Pirelli Angel GT
Pirelli Angel GT

Engländer: Wheelies aus dem Stand.

An Deck war die Szenerie hingegen höchst imposant. Die Startbahn wobei es sich wirklich nur um eine Startbahn handelt, landen müssen die Flieger senkrecht wurde extra für uns bewässert, um den Bremstest durchführen zu können. Was soll man sagen? Mission erfüllt. Keine Verluste. Hätte es einer geschafft, trotz ABS auf der Geraden zu stürzen, hätte es die erste Beerdigung eines Motorradfahrers zur See gegeben. Doch es war beeindruckend, wie hart man auf nassem Asphalt von 80 km/h runterbremsen kann, ohne dass das ABS eingreifen muss. Einige entfesselte Engländer wheelten sogar praktisch aus dem Stand los, weil der Reifen genug Grip aufbauen konnte. Mitverantwortlich dafür ist der hohe Silica-Anteil im Hinterreifen.

Der zweite Teil des Tests fand in Nardo statt. Allerdings nicht auf dem berühmten Hochgeschwindigkeitsoval, sondern auf dem sogenannten Handling-Track, bei dem es sich mit einer Länge von 6.2 Kilometern allerdings um eine ausgewachsene und extrem aufregende Rennstrecke handelt. Auch hier herrschten strengste Sicherheits- und Geheimhaltungsstandards, am Eingang wurde der Bus inspiziert und unsere Handykameras mit einem Sticker überklebt, da sich einige Auto-Prototypen auf dem Gelände befanden.

Pirelli Angel GT
Mit Honda CB1000R (oben) und Suzuki GSR750 (unten) unterwegs auf dem Handlingparcours von Nardo. Tatsächlich eine 6,2 Kilometer lange, schnelle Teststrecke. Erste Kurve mit 200+ möglich.
Pirelli Angel GT
Pirelli Angel GT

Einsatzspektrum von Bigenduro bis Supersport.

Pirelli hat durch sein Engagement in der Superbike WM und Formel 1 zwar ein sehr sportliches Image, der Angel GT wurde aber als Nachfolger des ST mit drei konkreten Zielen in Hinblick auf die Benutzerfreundlichkeit im ganz gewöhnlichen Alltagsbetrieb entwickelt: Hohe Laufleistung, sowie verbesserter Nass- und Kaltgrip. Ein weiteres Stichwort in der modernen Reifenentwicklung heißt Performance Mileage, was bedeutet, dass der Reifen über seine gesamte Lebensdauer eine konstant hohe Leistung bringen soll. Nun sind Langzeittests bei einer 2-tägigen Präsentation eher unmöglich, weshalb wir dazu leider noch keine Aussagen treffen können.

Sprechen wir also lieber über Bemerkenswertes, das wir in Erfahrung bringen konnten. Zunächst fasziniert uns immer wieder, welch breites Einsatzspektrum so ein einzelnes Reifenmodell abdecken muss. Da stehen die 182 PS einer Yamaha R1 neben den 260 kg einer BMW R 1200 RT neben dem nackten Dreizylinder einer Triumph Speed Triple R alle mit dem gleichen Schuhwerk aber nicht Fahrwerk, bewegt von unterschiedlichen Fahrern auf einer Rennstrecke.

pirelli angel gt

Max Biaggi vertraut Angel GT.

Der Asphalt hat dort für gewöhnlich einen höheren Reibungskoeffizienten als auf öffentlichen Straßen und der Reifen ist durch die starke Beschleunigung und hohen Geschwindigkeiten einer viel größeren Dauerbelastung ausgesetzt. Und wer fährt mit einem 250kg+ Tourer an einem Tag schon 300 Mal am Knie? Sogar Max Biaggi himself drehte ein paar Runden mit einer Yamaha R1(!) und ließ sich dabei vom Platzregen ebenso wenig irritieren wie von von den Journalisten, die ihm auf der Strecke ständig im Weg herumstanden. Denn die Strecke hält ein paar nicht gerade Blutdruck senkende Stellen parat. Kurve 1 geht mit über 200 im Eingang, bevor sie sich wie ein Chamäleonschwanz einkringelt; hoher Speed auf den Zwischengeraden, die viel länger sind, als man glaubt; 180° Kurven mit sehr tiefen Schräglagen; eine Kuppe, vor der man nicht viel mehr als Meer sieht...

Pirelli hat früh erkannt, dass nur ein perfektes Zusammenwirken der drei Elemente Gummimischung, Profildesign und Karkasse die Topleistung eines Reifens ermöglichen kann, weshalb beim GT an allen Komponenten gearbeitet wurde, obwohl man das dem Pneu auf den ersten Blick gar nicht ansehen mag. Klar, Bi-Compound Mischung und 0° Stahlgürtel sind ebenso unsichtbar wie Verbesserungen daran. Selbst das Profil wurde nicht völlig neu gezeichnet, sondern orientiert sich am Vorgängermodell. Das Einsatzspektrum des GT hat sich allerdings merklich erweitert und seine Qualitäten haben wirklich überzeugt. Was auf der Rennstrecke bei mäßigen Temperaturen und teils nassem Asphalt auf so vielen unterschiedlichen Motorrädern für so viele unterschiedliche Fahrertypen einen ganzen Tag lang funkioniert, das wird auch für die Straße die richtige Wahl sein. Over and out.

 
  17" 18"
vorne 120/60 ZR 17 M/C (55W) TL 110/80 ZR 18 M/C (58W) TL
  120/70 ZR 17 M/C (58W) TL 120/70 ZR 18 M/C (59W) TL
     
hinten 150/70 ZR 17 M/C (69W) TL 160/60 ZR 18 M/C (70W) TL
  160/60 ZR 17 M/C (69W) TL  
  170/60 ZR 17 M/C (72W) TL  
  180/55 ZR 17 M/C (73W) TL  
  190/50 ZR 17 M/C (73W) TL  
  190/55 ZR 17 M/C (75W) TL  
     

 
Interessante Links:

Text: kot
Fotos:
Pirelli

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Bericht vom 03.05.2013 | 79.920 Aufrufe

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