BMW R 1200 RT Test

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Ein Motorrad für zu zweit. Das beginnt schon beim Kauf. Und ohne Luxus fährt Frau nicht fort.

BMlW R 1200 RT 2010 Testbericht

Das touRT.

BMW R1200RT Test

Optisch leichter, sportlicher, etwas zerklüftet und ein wenig frischer steht sie da, die RT 2010.

Das ist doch absurd.
Griffheizung, Sitzheizung, Radio, elektrisch verstellbares Windschild, Tempomat, Lautstärkendrehring inklusive Sendersuchlauf am linken Lenker, ASC, ABS, ESA. Totale Connection mittels BMW Kommunikationssystem, der Fahrer wird zum Cyborg. Wir befinden uns nicht im S-Klasse Stern von Ulla Schmidt, sondern auf einer BMW R1200RT, dem Boxer gepowerten Tourer-Flaggschiff der Bayrischen Motorenwerke. Wenn der Blackberry in die Brusttasche gesteckt, der Laptop im Seitenkoffer versorgt und der MP3 Player im Handschuhfach mit der Stereoanlage verbunden wurde, kann es losgehen. Wir fahren Motorrad.
BMW R1200RT Test

Mehr Luxus als in Ullas S-Klasse.


Wer auf den Blick in die Bedienungsanleitung verzichtet, der wird während der Fahrt viel Zeit damit verbringen, nicht auf die Straße, sondern auf den Lenker zu schauen, um nach Antworten zu suchen. Im Radio rezitiert Mike Patton in Faith No Mores Epic das endlose Frage-Antwort Spiel Its it! What is it? Its it! What is it…? ja, was ist das hier eigentlich? Der linke Daumen verliert plötzlich die Nerven und dreht am Rad. Vielleicht auch nur, weil dieses am besten zu erreichen ist. Neben dem linken Griff befindet sich ein gummierter, geriffelter Ring, der aussieht wie ein Armreif aus der Fetischszene, mit dem durch leichtes Drehen die Lautstärke reguliert, sowie durch Drücken nach links oder rechts der Sendersuchlauf gestartet werden kann. Funktioniert bestens und geht schon nach dem ersten Versuch in Fleisch und Blut über. Es wäre das perfekte Bedienelement wenn Radiohören neben Lenken, Gas geben und Bremsen zu den wichtigsten Tätigkeiten beim Motorradfahren zählen würde.

Doch zwischen überlebenswichtigen Handlungsmöglichkeiten und Radiohören liegen noch ein paar weitere, hilfreiche Maßnahmen, die man nicht setzen muss, aber sollte, um sich und den anderen Verkehrsteilnehmern das Leben auf der Straße so angenehm wie möglich zu machen. Zum Beispiel das rechtzeitige Anzeigen eines Richtungswechsels durch Betätigung des Blinkers. Anders als bei der GS hat BMW bei der RT die eigenbrötlerische Umsetzung der Blinkerarmaturen, die aus einem Schalter links zum Aktivieren des linken Blinkers und zwei Schaltern rechts zum Aktivieren des rechten Blinkers und Deaktivieren beider Blinker (so kompliziert und umständlich wie dieser Satz ist das gar nicht), nicht mehr umgesetzt.

Auf der linken Seite befindet sich nun ein konventioneller Kippschalter, den zu erreichen eben erst das Lautstärkenrad umgangen werden muss. Hier haben es nur Langfinger leicht, die meisten Fahrer aber werden die Hand mehr oder weniger vom Griff lösen müssen. Nicht dass die RT leicht vom Kurs abzubringen wäre, doch könnte das beim einen oder anderen Unsicherheit auslösen. Und siehe da, schon wieder den Sender beim Einbiegen gewechselt. Wieder ein Klassiker. Bachman Turner Overdrive verspricht mir lautstark B-B-B-Baby you just aint seen nothing yet! Da könnte er recht haben. Während der linke Daumen pausiert dreht der rechte die Temperatur nach oben. Griff- und Sitzheizung sind zweistufig einstellbar. Das hält die Kabine warm, die Handrücken bleiben die einzige ungeschützte Angriffsfläche, dabei hatte ich im Sommer so in den Handschuhen geschwitzt, dass ich dachte, die wären immer so warm.

BMW R1200RT Test
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11 Bedienelemente befinden sich auf der voll ausgestatteten RT am linken Lenkerende. Linkshänder klar im Vorteil.
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Wer mit Beschleunigen und Bremsen beschäftigt ist, den sollte man nicht unnötig mit Spielereien ablenken. Rechter Daumen hält Hände und Popo warm.

Radio Gaga links, Der heisse Stuhl rechts.


Man könnte fast die Popcorn auspacken, die Windschutzscheibe wie die Leinwand in einem 3-D Kino vor sich. Die Klangqualität ist überraschend gut, wer richtig aufdreht, spürt sogar richtig Bass-Bass-wir-brauchen-Bass. Die Scheibe schirmt den Fahrer vom Wind ab wie eine Telefonzelle, auch sie ist elektronisch verstellbar, von niedrig bis seeehr hoch. Turbulenzen für Fahrer und Beifahrer waren keine mehr zu spüren. Verbessert wurde außerdem der Durchblick bei voll hochgefahrener Scheibe. In dieser Position gibt es deutlich weniger Verzerrungen, bei mittlerer Höhe entsteht indes nachwievor eine veränderte Optik. Das wird sich bei einer variablen Scheibe wohl nie ganz eliminieren lassen.

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BMW R 1200 RT Video


Wer wissen will, wie sich eine RT im Allgemeinen so fährt, der kann den letzten Testbericht dazu lesen, oder den vorletzten. Im Grunde spürt man ganz deutlich, dass man etwas unter sich hat, das sich nicht von selbst bewegt, auch wenn die notwendigen Impulse zum Richtungswechsel über die Jahre immer geringer geworden sind. In Wechselkurven fährt sich der 300 Kilo schwere Tourer in der neuesten Version deutlich leichter als seine Vorgängermodelle. Sportlicher wirkt die RT neben der reinen Optik aber nicht nur beim Handling, sondern vor allem beim Beschleunigen. Der Leistungszuwachs hält sich zwar in Grenzen - das Drehmoment wurde um 5 auf 120 Nm angehoben, die PS Anzahl blieben mit 110 bei nun 7.750 U/min. (vormals 7.500) gar unverändert - der subjektive Eindruck wirkt aber wesentlich intensiver als es die nackten Zahlen vermuten lassen würden. (Oje, die Britney im Ö3: "Stronger, than yesterday...") Das liegt vor allem an der direkteren Kraftentfaltung. Die Ingenieure haben ihre Köpfe zusammengesteckt und neue DOHC Zylinderköpfe mit radial angeordneten Ventilen entwickelt, die über zwei darüber liegende Nockenwellen und Schlepphebel betätigt werden und die erstmals in den HP-2 Modellen zum Einsatz kamen. Das Zauberwort heißt auch hier 'Reduktion der bewegten Massen'. Daraus resultieren höhere Drehzahlen, eine effektivere Verbrennung und mehr Möglichkeiten bei den Steuerzeiten.

Auf einer RT fährt Frau gerne mit.


Manchen wird es egal sein, ob die RT 5 Nm mehr Drehmoment hat. Sie wollen entspannt touren und reisen, im besten Falle mit Begleitung, ausreichend Gepäck in den ausgereiften, einfach zu bedienenden Koffersystemen verstaut. Genau dafür ist die RT gemacht. Mit dem elektronischen ESA läßt sich das Fahrwerk in Sekundenschnelle per Knopfdruck auf den Beladezustand einstellen. Es gibt ja nicht viele Motorräder auf denen Frauen gerne hinten mitfahren, die RT ist eine davon. Als ich Freitag Nachmittag nach einem anstrengenden und viel zu langen Tag in die letzte Auffahrt einbiegen wollte, wurde ich mit einem nett gemeinten, aber entschiedenen Schlag auf den Helm darauf aufmerksam gemacht, dass es noch nicht genug war für heute. Noch eine kleine Runde durch den Seewinkel? Sie hat's gekauft, sie darf entscheiden. (Mehr dazu im Interview mit Alex Polster von BMW Wien).  "Big wheels keep on turning..." Endlich wieder echte Musik.

 
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Keine Angst vor der Stadt. Die RT ist weder träge noch behebig und
läßt sich selbst in urbaner Bedrängnis leicht manövrieren.

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Stereo total. Wer nicht bis zur nächsten roten Ampel warten will, sollte das einhändige Fahren üben. Der Einkauf landet im Burgenland-Tascherl, das Burgenland-Tascherl im geräumigen BMW Koffer.
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Breite Rücklichteinheit überdacht vom original BMW Trägersystem. Bei Motorradspiegel gilt meist: 'Schön integriert' ist 'schlecht funktioniert'.

Ich fühle mich alt genug eine RT zu fahren und
arm genug keine zu fahren.


Die RT steht für BMW wie der Großteil der Motorradwelt sie sieht. Gegen die RT wirkt eine GS wie ein ausgezuckter Streetscrambler. Schuld daran ist dieses unendliche Komfortangebot, das viele an einem Motorrad als nicht notwendig erachten (sich aber gar nicht so schlecht anfühlt). Dabei bietet BMW mittlerweile eine derart breite Modellpalette, die eigentlich niemanden mehr ausgrenzt, der dann verlassen und enttäuscht im Abseits Schimpftiraden auf die Bayern anstimmen könnte. Die Münchner haben einen sauschnellen Supersportler, eine evolutionäre Enduro, eilige Einzylinder, stemmige Sporttourer, neckische bis nukleare Nakedbikes und den Gigant GS. Es gab sogar mal einen Roller und einen Cruiser - einer davon steht ziemlich entstellt in meiner Garage. Und jedes Modell für sich hat ein eigenes Wesen, eine eigene Identität. Trotzdem. Wer sich für eine RT entscheidet, der muss mit dem angegrauten Image eines Bürokratischen Motorrad Werkels leben. Da RT Kunden aber bekanntlich sehr gut leben, werden sie damit kaum ein Problem haben.
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Was sagt der Händler?

Alexander Polster, Verkaufberater bei BMW Wien


BMW R1200RT TestWie sieht der typische RT Kunde aus? Nicht so wie du. Vom Alter so zwischen 40 und 55 Jahre, männlich, finanziell gut gestellt. Sind RT Fahrer eingeschworene BMW Kunden oder kommen sie oft von anderen Marken? Grundsätzlich sind es eher eingeschworene BMW Motorrad Kunden, die selten noch andere Modelle kaufen. Fremdmarkenfahrer kommen meist über langjährige BMW Freunde zu uns und tauschen ihre kleineren Tourer, beispielsweise eine Deauville, gegen eine RT. Reisen RT Kunden eher zu zweit oder alleine? Zu 90% wird die RT als Motorrad für 2 Personen gekauft und nicht selten entscheidet dabei die Frau. Autsch. Wie hoch dann wirklich der Anteil am 2-Mann-Betrieb ist, kann ich nicht sicher sagen. Einsame Reiter steigen jedoch eher auf eine R 1200 GS. Fakt ist aber auch, dass ältere Fahrer mehr alleine unterwegs sind, da ab einem gewissen Alter die Sozia nicht mehr aufsteigt! Welche Extras werden geordert? Zu 90-95% mit Vollausstattung! Also mit allen technischen Spielereien, Topcase, Seitenkoffer und beim neuen Modell einem hochentwickelten Soundsystem. Wie sind die Wartungsintervalle einer RT? Wie jede BMW muss sie nur alle 10.000 km zum Service, die Wartungsintervalle sind aber variabler geworden, schließlich sind die Laufleistungen völlig unterschiedlich. Das reicht von 2000 bis über 20.000 Kilometer pro Jahr. Der Computer informiert den Fahrer wann ein Service gemacht werden muss, es kann also nichts schief gehen. Was erwartet man bei den Verkaufszahlen von der neuen R1200RT? Eine deutliche Steigerung im Absatz im Vergleich zu den letzten beiden Jahren, wobei ich dazu noch keine absoluten Zahlen sagen kann.

BMW R1200RT Test

Was sagt ein Besitzer?

Christian Supola, seit 10 Jahren Zulassungsbesitzer einer R1100RT Baujahr 1997


Wie hat dir die Probefahrt mit der neuen RT gefallen? Eins vorweg. Das ist natürlich ein Wunderwerk der Technik. Ich muss aber auch sagen, dass ich meine nicht auf der Stelle dafür verkaufen würde. Was mir mit 1.70 m Körpergröße besonders auffällt, ist, dass ich auf der 1200er mehr auf als im Motorrad sitze. Für mich ist das entscheidend für den Wohlfühlfaktor bei einem Tourer. Ist wahrscheinlich eine Gewohnheitssache. Wie ist der Unterschied bei Leistung und Handling? Besonders deutlich spürt man die sportlichere Auslegung der neuen RT in Wechselkurven, wenn es gilt, voll getankte 285 Kilo zu einem schnellen Richtungswechsel zu bewegen. Das ist Tausend zu 1. Auch bei der Leistung merkt man einen deutlichen Zuwachs, was mir persönlich aber nicht so wichtig ist, denn auch die 1100er lässt sich mit Sozia und Gepäck ich habe 2 Seitenkoffer und ein Topcase noch souverän bewegen. Entscheidender war, dass der Motor aus den Spitzkehren, sprich dem absoluten Drehzahlkeller, viel direkter zieht und mehr Sicherheit vermittelt. Und schließlich hat sich beim Windschutz und den damit verbundenen Luftströmungen sehr viel getan. Man spürt weniger Turbulenzen und kann selbst mit voll ausgefahrenem Windschild noch zügig auf der Autobahn cruisen und den Klängen von Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 lauschen. Hab dir jetzt übrigens auf allen Senderplätzen Ö1 eingespeichert.

BMW R1200RT Test

Technische Daten BMW R 1200 RT

Hubraum 1.170 cm3
Bohrung/Hub 101/73 mm
Leistung 81/110 kW/PS bei Drehzahl min1 7.750
Drehmoment 120 Nm bei Drehzahl min1 6.000
Ventil-/Gassteuerung DOHC
Ventile pro Zylinder 4
Ø Ein-/Auslass  39/33 mm
Drosselklappendurchmesser 50 mm
Gemischaufbereitung BMS-K+
Kupplung Einscheiben-Trockenkupplung Ø 180 mm
Getriebe klauengeschaltetes Sechsgang-Getriebe
Hinterradantrieb Kardanwelle
Rahmenbauart Stahl-Gitterrohrrahmen, Triebwerk mittragend
Radführung Vorderrad BMW Telelever
Radführung Hinterrad BMW Paralever
Federweg vorn/hinten mm 120/135
Nachlauf 109,9 mm
Radstand 1.484,6 mm
Lenkkopfwinkel 63,4 °
Bremsen vorn Doppelscheibenbremse Ø 320 mm
hinten Einscheibenbremse Ø 265 mm
serienmäßig BMW Motorrad Integral ABS  
Reifen vorn 120/70 ZR 17
hinten 180/55 ZR 17
Gesamtlänge 2.230 mm
Gesamtbreite mit Spiegeln 905 mm
Lenkerbreite ohne Spiegel 800 mm
Sitzhöhe Serie: 820840/SA: 780800 mm
Trockengewicht 229 kg
DIN Leergewicht, fahrfertig kg (ohne Koffer) 259 kg
Zul. Gesamtgewicht 495 kg
Tankinhalt 25 l
Kraftstoffverbrauch 90 km/h l/100 km 4,1 l
Farben Polar metallic, Thunder Grey, Ostragrau metallic, Zweifarblackierung

Weitere technische Details zur R 1200 RT mit Video zum ESA II



Interessante Links:

Text: kot
Fotos: NastyNils

Fazit: BMW R 1200 RT

Die S-Klasse unter den Motorrädern. Sie wollen entspannt touren und reisen, im besten Falle mit Begleitung, ausreichend Gepäck in den ausgereiften, einfach zu bedienenden Koffersystemen verstaut. Es gibt ja nicht viele Motorräder auf denen Frauen gerne hinten mitfahren, die RT ist aber eine davon.


  • Luxuriös
  • integrierte Elektronik
  • effizientes Windschild
  • angenehmes Fahrverhalten
  • geräumiges Koffersystem
  • mit 300kg recht schwer
  • stolzer Preis

Bericht vom 14.04.2010 | 116.682 Aufrufe

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