BMW S 1000 RR

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Auch auf der Landstrasse ein Siegertyp? 1000PS klärt in Spaniens Süden.

BMW S 1000 RR - auf der Landstrasse

BMW S1000RR Test Landstrasse

Nach dem Test in Portimao war uns klar: Das ist die neue Referenz für die Rennstrecke. Kann die neue BMW S 1000 RR auch auf der Landstrasse begeistern? Beim S 1000 RR Event (eine Kooperationsveranstaltung von BMW, Alpha Technik und Bike Promotion) hatten wir 2 Tage und 2.000 Kurven lang Zeit, dies herauszufinden.


Altherrenpartie?


Kollege Kot fürchtete eine "Altherrenpartie" als Thomas Thieme von der Fa. Bike Promotion sich als unser Instruktor vorstellte. OK, sein Leder spannte ordentlich, doch ein Typ dessen Firma fast 200 Tage im Jahr Rennstreckenevents macht, kann nicht langsam sein. Ich sollte Recht behalten, Kot war dann sehr kleinlaut. Doch widmen wir uns dem eigentlichen Thema.

BMW S1000RR Test Landstrasse

Unbegründete Sorgen in Spaniens Süden! Unser Animateur Thomas hatte wesentlich mehr zu bieten als Wassergymnastik, Bingo und eine Altherrenausfahrt.

Die Gegend hier rund um Mojacar hatte viel für uns und unsere S 1000 RR zu bieten. Wir konnten alle Features der Wunderwaffe gewissenhaft testen. Im "Rain"-Modus zum Beispiel erfreuten wir uns an den ausgesprochen fürsorglichen elektronischen Fahrhilfen (Details zu den elektrischen Helfern im BMW S 1000 RR Testbericht). Die Strassen waren heute noch feucht und manchmal auch recht staubig. Thomas machte vor uns klar, dass er auf diese widrigen Bedingungen überhaupt nicht näher eingehen möchte und feuerte kräftig am Kurvenausgang. Der Rain-Modus sorgte für einen gefahrlosen aber trotzdem ausgesprochen adrenalingeladenen Start in den Tag. Die Möglichkeit gefahrlos Gas zu geben begeisterte mich zwar, noch mehr war ich aber von der unauffälligen Art und Weise der Hilfe erfreut.

BMW S1000RR Test Landstrasse

In der Fotokurve muss die 1000PS Redaktion immer ihr gesamtes geistiges Potential in die Waagschale werfen. Schöne Kurve auswählen, netten Hang-off fahren, zum richtigen Zeitpunkt den Auslöser drücken, alle Teilnehmer fahren mit schönem Abstand immer in die gleiche Fahrtrichtung....


Immer wieder gut: Autobahnorgie!


Um die nächsten Kurven schneller zu erreichen, wechselten wir auf die Autobahn. Irgendwie steh ich auch nach all den Jahren Motorradfahren immer noch auf eine zünftige Autobahnorgie. Man könnte meinen, diese langweiligen Geraden sind ein notwendiges Übel des Motorradlebens, sie können jedoch auch zu den wohl größten Freudenspendern werden. Hier in Spaniens Süden ist nun Nebensaison und die Autobahnen sind so leer wie sämtliche Bars an den Strandpromenaden. Es ist quasi nur eine Frage der Geschwindigkeit, um eine Gerade in eine Kurve zu verwandeln. Diese Autobahnen sind bei näherer bzw. schnellerer Betrachtung gar nicht so gerade wie man meinen könnte, sondern werden ab 250 richtig kurvig. Die Geschwindigkeit alleine hätte mich noch nicht in einen Adrenalinrausch versetzt, sondern die Art und Weise, wie die S 1000 RR mit solchen Geschwindigkeiten umgeht. Beschleunigungsvorgänge wirken selbst jetzt noch richtig brutal und müssen bei Bodenwellen sogar von der Elektronik gebremst werden - das Vorderrad hat einfach immer zu viel Sehnsucht nach frischer Höhenluft. Die Aerodynamik des Fahrzeuges ist phantastisch und man fühlt sich zumindest in Sachen Fahrtwind auf der sicheren Seite, doch fahrdynamisch würden wir diese kompromisslose Rakete ohne Lenkungsdämpfer und Elektronik niemals so auskosten können.

BMW S1000RR Test Landstrasse

Im Winter erkennt man die Costa del Sol nicht wieder. Dort wo sonst eingeölte Touristenhorden den Strand belagern, versuchen im Winter nur vereinzelte Fischer ihr Glück.

 

Was wir für die Landstrasse brauchen.


Bei der nächsten Bergwertung drosselten wir dann endlich das Tempo und ich konnte erstmals ein wenig über das Erlebte nachdenken. Was macht eine gute Supersport-Maschine für die Strasse eigentlich aus? Warum hatte ich den Spass an Supersport-Ausfahrten verloren und habe ihn jetzt wiedergefunden? Zum Einen wurden die Schmerzen auf ein erträgliches Maß reduziert. Besonders gut versorgt wird der Hintern auf der S 1000 RR - hier gab es keinerlei Probleme zu vermelden. Der gute Windschutz entastete den Oberkörper - auch hier war am Ende des Tages alles im grünen Bereich. Einzig die Unterarme wurden durch die vielen harten Bremsmanöver gefordert. Doch insgesamt ist die S 1000 RR eine der erträglichsten Sportler auf der Strasse.

Zum Anderen ist bei einem solch bärenstarken Motorrad eine makellose Motorabstimmung nötig. Hier punktet die S 1000 RR voll - man hat die Leistung immer fest im Griff und kann von der Spitzkehre bis zur Autobahn immer fein dosieren. Außerdem hat die S 1000 RR in Sachen Motorkonzept einen Nachteil, der auf einer langen Tour zum Vorteil wird. Der Motor hat zwar Leistung ohne Ende, richtig brutal geht er aber nur im oberen Drehzahlbereich. Man kann also im unteren Drehzahlbereich, bei einem relativ angenehmen Drehmoment und Leistungsniveau, in Kombination mit der guten Motorabstimmung wunderbar durch die Landschaft gleiten.

BMW S1000RR Test Landstrasse
 

Bremse brachial, Traktionskontrolle deppensicher


Weitere Experimente mit den elektronischen Fahrhilfen machten dann klar, dass man auf der Landstrasse im Prinzip nur 2 Modi braucht: "Rain" und "Sport". Die restlichen Modi "Race" und "Slick" wurden nicht nur aus Gründen des cooleren Images so genannt - das macht auf der Strasse wenig Sinn. Im Sport Modus regelt die Traktionskontrolle am Kurvenausgang erst dann, wenn man ohnehin schon längst beginnen sollte, über sein Tun und Handeln nachzudenken. Beim Bremsen wimmern die Unterarme um Gnade und man kann auch bei Bodenwellen noch kräftig verzögern. Sollte jemand ohne Supersport-Erfahrung auf die Idee kommen, nun gefahrlos auf diese Rakete aufsteigen zu können, sei gewarnt. Vor allem die Bremse kann Rookies gehörig überfordern. Auch wenn das ABS helfend zur Seite steht, sind Anfänger körperlich wie geistig mit der schieren Gewalt der Verzögerung überfordert. Wohingegen beim Beschleunigen aus Kurven die Traktionskontrolle tatsächlich als "deppensicher" bezeichnet werden darf.

BMW S1000RR Test Landstrasse

Besser als das Original


Bei diesem Motorrad werden sich Umsteiger von anderen Marken schneller wohlfühlen als langjährige BMW Kunden. Denn dieses Motorrad hat in Sachen technischer Konzepte nichts mehr mit anderen BMWs gemeinsam. Kein Kardan, ganz normale Federelemente und ein ganz normaler Blinkerschalter wie man ihn seit Jahrzehnten von den Japanern kennt. Die BMW Crew hat im Jahr 2010 also das gemacht, was die japanische Autoindustrie in den 50ern, 60ern und 70ern gut gemacht hat - kopiert. Die S 1000 RR ist in ihrem Wesen ein japanischer Supersportler - Nur eben gemacht von penetrant ehrgeizigen deutschen Ingenieuren, die mit deutscher Gründlichkeit einfach 10-20 PS mehr als das "Original" eingepflanzt haben und oben drauf noch die besten elektronischen Fahrhilfen am Markt implementierten.

BMW S1000RR Test Landstrasse

BMW S 1000 RR Video Landstrasse

BMW S 1000 RR - technische Daten

Motor  
Hubraum 999 ccm
Bohrung / Hub 80 / 49,7 mm
Leistung 142 kW / 193 PS
bei Drehzahl 13.000
Drehmoment 112 Nm
bei Drehzahl 9.750
Bauart Reihe
Zylinderzahl 4
Verdichtung 13:1
Kraftstoff 95 ROZ
Ventile pro Zylinder 4
Ventildurchmesser Ein / Aus 33,5 / 27,2
Drosselklappendurchmesser 48
Gemischaufbereitung BMS-KP
Antrieb  
Kupplung Mehrscheiben Ölbadkupplung, mechanisch betätigt, Anti-Hopping
Getriebe Klauengeschaltetes Sechsganggetriebe
Primärübersetzung 1:1,652
Übersetzung Gangstufen 1. 1:2,6471
2. 1:2,091
3. 1:1,727
4. 1:1,500
5. 1:1,360
6. 1:1,261
Hinterradantrieb Kette
Übersetzung 1:2,588
Fahrwerk  
Rahmenbauart Brückenrahmen aus Aluminium
Vorderradaufhängung USD Gabel, 46mm Standrohrdurchmesser, voll einstellbar
Hinterradaufhängung Zweiarmschwinge, Zentralfederbein, voll einstellbar
Federweg vorne / hinten 120 / 130
Nachlauf 95,9 mm
Radstand 1.432 mm
Lenkkopfwinkel 66,1 Grad
Bremsen vorne Doppelscheibenbremse, 320 mm, 4 Kolben Festsättel von Brembo
Bremse hinten Einscheibenbremse, 220 mm, Einkolben-Schwimmsattel
ABS Sonderausstattung BMW Motorrad Race ABS, teilintegral, abschaltbar
Räder vorne Aluminium Gussräder 3,50 x 17"
Räder hinten Aluminium Gussräder 6,00 x 17"
Reifen vorne 120 / 70 ZR 17
Reifen hinten 190 / 55 ZR 17
Maße und Gewichte  
Gesamtlänge 2056 mm
Gesamtbreite mit Spiegel 826 mm
Sitzhöhe 820 mm
Gewicht voll getankt 204 kg (206,5 kg mit ABS)
Zul. Gesamtgewicht 390 kg
Tankinhalt 17,5
Preise Österreich inkl. Nova und MWSt.
Basismotorrad 17.400 Euro
Race ABS (Teilintegral) 1.071 Euro
Race ABS & DTC 1.428 Euro
Schaltassistent 422 Euro
Sonderlackierung weiß / blau 556 Euro

Fazit: BMW S 1000 RR

Bei diesem Motorrad werden sich Umsteiger von anderen Marken schneller wohlfühlen als langjährige BMW Kunden. Denn dieses Motorrad hat in Sachen technischer Konzepte nichts mehr mit anderen BMWs gemeinsam. Die S 1000 RR ist in ihrem Wesen ein extremer Supersportler.


  • Sehr leistungsfähig
  • hohe Geschwindigkeiten erreichbar
  • Fahrdynamik
  • guter Windschutz
  • starker Motor
  • makellose Motorabstimmung
  • brachiale Bremse
  • Traktionskontrolle
  • ABS.
  • Lediglich im hohen Drehzahlbereich komplette Leistung ersichtlich
  • keineswegs für Einsteiger.

Bericht vom 26.01.2010 | 85.831 Aufrufe

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