Snowmobil Abenteuer in Canada

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Kurz vor Weihnachten bekomme ich einen Anruf von Nils. "Hi Hansjörg, schreib doch mal einen Bericht für 1000PS.at über eine deiner Snowmobiltouren." "Was? Jetzt? Ich sitz grad in Tirol bei 15 Grad Wärme und hol meine bereits eingewinterte Aprilia wieder aus dem Keller - wer denkt bei diesen Temperaturen denn an Winter und Snowmobilfahren?". Ich dachte, damit wäre das erledigt, doch am 23. Dezember trudelt eine Mail bei mir ein: "Bitte schick uns deine Story noch vor Weihnachten rüber" - muss ich da lesen. Also gut: Trotz sommerlicher Temperaturen mach ich mir kalte Gedanken und denke zurück an meine letzte Reise ins winterliche Canada. Und bei den Gedanken daran merke ich, was ich eigentlich grad versäum, denn nach einem kurzen Blick ins Internet sehe ich: Montreal, -20 Grad, 70cm Schnee, Snowmobile Conditions - excellent. Dass ich da nicht lange zögere liegt in meiner Natur. Die nächste Tour schon wieder gebucht. Wohin? Na klar, nach Canada!

Snowmobil Abenteuer in Canada
"written by Hansjörg Franz"

Wo sonst sollte man eine Snowmobiltour machen, außer an der Wiege des Snowmobilfahrens? Ohne diesem Fortbewegungsmittel wären manche Canadier im Winter praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Für viele ist es einfach ein Transportmittel, für die meisten aber das Schärfste, was der Winter zu bieten hat. Mit auffrisierten Maschinen im Hang-off durch den jungfräulichen Pulverschnee oder mit über 200km/h über endlose zugefrorene Seen - so ein Alltagsgefährt lass auch ich mir einreden. Über 50.000 km Snowmobiltrails gibt es in Quebec, fast doppelt so viel wie Straßenkilometer. Also heißt es auch für uns ab ins Flugzeug und mit Austrian Airlines direkt und bequem in 9 Stunden nach Montreal. Nach weiteren 200 Kilometern Fahrt mit dem Transferbus erreichen wir gegen Abend das Snowmobilcamp Lanaudiere. Hier stehen sie bereit, unsere Fortbewegungsmittel für die nächsten Tage. Snowmobile von 500 bis 800 ccm stehen zur Auswahl. Die österreichischen Rotax Motoren bringen zwischen 80 und 130 PS aufs Hinterrad - nein, entschuldigt bitte - auf die Antriebskette. Das sorgt schon für eine ziemlich brachiale Beschleunigung und bei beim Gedanken an atemberaubende Sprünge sehen wir uns im Traum schon als James Bond oder ….(wie hieß noch mal die Fledermaus?)

Die nächsten sieben Tage geht’s durch die Wildnis Canadas, ausgerüstet mit Snowmobil, Kältekleidung und einem Rucksack mit Reservekleidung fahren wir durch endlose Wälder, entlang von Flussläufen, durch tiefe Täler und über Seen von Hütte zu Hütte. Vorerst gibt’s aber noch eine kurze Einführung in die Technik und Handhabung unserer Maschinen. Lange muss sogar bei absolut Anfängern nicht erklärt werden, obwohl die meisten von uns zum ersten Mal an einer Snowmobiltour teilnehmen. Zündung an, das Gas wird per Daumen betätigt, für die optimale Kraftübertragung sorgt ein gut abgestimmtes Automatikgetriebe, mehr braucht man nicht (na ja, wer will kann auch ab und zu bremsen – vorhanden wär sie auf jeden Fall). Mit der Fahrtechnik schaut es schon ein bisschen anders aus. Unseren Ralleyprofi Andi überschlägt es gleich ordentlich und er erntet anerkennendes Gelächter und Applaus von uns. Im tiefen Pulverschnee eine gekonnte Kurve zu fahren verlangt schon eine gute Beherrschung des Geräts. Lange Strecken fahren wir aber sowieso auf den gut gespurten Trails, auf denen man praktisch ganz Canada bis nach British Columbia durchqueren könnte. Leider haben wir aber nur eine Woche Zeit, doch auch die reicht für über 1000 Kilometer Dauerspaß.

Spaß macht's aber nur mit der richtigen Ausrüstung und deshalb heißt es erstmal richtig anziehen. Nachdem wir in unseren Breiten kaum mit Temperaturen unter 30 Grad minus konfrontiert werden, gibt es die nötige Ausrüstung zu leihen, und wir schlüpfen in die Micheline-Männchen-ähnlichen Kälteanzüge. Im Camp selbest schwitze ich nach 10 Schritten wie ein Spanferkel auf dem Ofen, aber nach wenigen Kilometern auf dem Snowmobil bin ich froh über den Kälteoverall und die canadischen Superstiefel, mit denen man Fußabdrücke eines Grizzly`s in den Schatten stellt. Und obwohl die GoreTex Handschuhe kaum etwas durchsickern lassen, spüre ich die angenehme Wärme der geheizten Lenkergriffe an meinen Fingern. Wildnis - wir kommen!

Unsere Reise führt weit in den Norden von Quebec in das Klamika - Indianer Reservat. Dort richten wir unser Lager in einem Sioux Tipi Zelt ein. Vor dem Abendessen besteht Sebastian noch darauf, sich unbedingt einen Traum zu erfüllen. "Wer in Canada ist, muss mindestens einmal im Eisloch baden und einen Baum fällen," sagt er zu mir. Gesagt, getan: mit Axt und Motorsäge geht es zum See und bei minus 30 Grad wird der fast 1 Meter dicken Eisschicht zu Leibe gerückt. Schließlich brechen wir durch und zögerlich, aber doch geht es ins kühle Nass. Bei diesen Temperaturen kann ein kühler Drink nicht schaden, denke ich mir - und reiche ihm eine Dose canadisches Bier. Für alle Nachahmer sei hier erwähnt, dass es nicht sehr klug ist, bei minus 30 Grad die Lippen zu fest an den Dosenrand zu drücken. Gott sei Dank lockt zum Aufwärmen die vorgeheizte Finnensauna. Dort löst sich dann auch die Bierdose wieder von den Lippen. Als Sebastian dann aber mit der Axt in Richtung Wald maschiert, schreitet doch einer der Guides ein. "Ein Baum darf nur gefällt werden, wenn er auch für etwas verwendet wird!" meint er. Bei einem schnell Einberäumten Jour fixe, wird beschlossen, dass das Zelt unbedingt noch einen Baumstamm zur Verstärkung braucht, und dass sowieso viel zu wenig Brennholz da ist. So viel uns Kindsköpfen schließlich doch auch noch ein kleiner Baum zum Opfer.

Dass wir nach einem ausgiebigen Abendessen mit Caribouwurst, Büffelfleisch, Naturreis und anderen indianischen Spezialitäten gut geschlafen haben, könnt ihr euch sicher vorstellen, obwohl manchem schon nicht ganz wohl ist, beim heulen der Wölfe, das tief in die Nacht hinein andauert. Außer in dieser Nacht übernachten wir immer in bequemen Lodges oder Gästehäusern. Obwohl die Übernachtung im beheizten Zelt auch extrem lässig war, ist es doch angenehm, sich bei diesen kalten Temperaturen in dicke Decken und ein bequemes Bett wälzen zu können.

Aber Moment - ich will hier nicht übers Schlafen erzählen, sondern übers Heizen im Schnee. Einiges haben wir schon erlebt. Ich denke nur an das adrenalingeladene Highspeed Abenteuer auf dem zugefrorenen Lake Baskatong. Mehr als 5 Minuten fahren wir mit voll ausgereiztem Gashebel über diese endlose Eisfläche. Selbst furchtlose Motorsportenthusiasten lernen hier ihre psychische Grenze kennen, wenn das Snowmobil bei 170 km/h auf dem Eis bzw. auf der dünnen Schneeschicht zu "schwimmen" beginnt. Nicht zu vergessen der "Hill-Climb-Contest" im tiefen Pulverschnee. Hierbei hat auch die einzige Frau im Team der Ehrgeiz gepackt, die vermutlich durch die anatomisch bedingten Gewichtsvorteile den höchsten Punkt des Steilhangs erreicht.

So manche Hügel müssen noch dran glauben. Und jeder einzelne bietet eine atemberaubende Aussicht über das weite, einsame Land. Nur wenige Menschen verirren sich hierher. Meist nur Trapper oder andere Snowmobiler. Öfter als 2-3x am Tag sehen wir aber niemanden. Ab und zu kreuzt ein Wolf, ein Fuchs oder sogar ein Moose (die canadische Variante eines Elchs) unseren Weg.

Schlussendlich geht es wieder zurück in die Zivilisation. An einer unübersichtlichen Kreuzung werden wir auf einmal von Polizisten in Uniform und Helm zur Seite gewunken. Versteckt im Wald stehen zwei grün lackierte Mobile mit der Aufschrift "Police"! Selbst hier in der Wildnis beobachtet und der große Bruder. Während John, unser Guide, die Papiere zeigt, legt der zweite Polizist mit der Radarpistole auf das nachkommende Snowmobil an. Ich erinnere mich an das kleine Schild mit der Kilometerbeschränkung "50km/h" vor der unübersichtlichen Kreuzung. Gott sei dank sehen die Polizisten alles ziemlich locker und zeigen uns sogar, was ihre Maschinen so draufhaben und vollführen wahre Kunststücke im Schnee. Oder habt Ihr gewusst, dass sich sogar ein Snowmobil wheelen lässt?

 

Leider wird es Zeit, unsere Mobile wieder zu retournieren. Ohne Schaden und gröbere Schwierigkeiten erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt und haben am Rückflug noch viel Zeit über unsere Abenteuer zu plaudern.

Nähere Infos im Reiseteil von 1000PS at oder unter www.xdreamholidays.at

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Bericht vom 07.01.2003 | 4.982 Aufrufe

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