Triumph Street Triple R - Test in den Alpen

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Online seit: 11.07.2013

Testbericht

Street Triple 675 R

Street Triple 675 R

Wir jagen die sportliche und wendige Britin auf den Berg.


Wir jagen die sportliche und wendige Britin auf den Berg.







































































































































Triumph Street Triple 675 R


Triumph
Street Triple 675 R – klein aber fein.



Manchmal sind Motorräder verbesserungswürdig und dann ist es ganz gut,
wenn bei der Neuauflage einiges verändert wird. Manchmal sind
Motorräder, wie die Triumph Street Triple 675 R aber genau so gut, wie
sie sind – und trotzdem finden die Techniker beim neuen Modell immer
noch Verbesserungspotential. Die kleine Rakete präsentiert sich vor
allem im kurvigen Geläuf noch besser.
 

Einerseits ist es für
einen Hersteller schön, wenn ein Modell gut bei der Kundschaft ankommt
und sich wie die warmen Semmeln verkauft. Allerdings kommen bekanntlich
auch solche Models ins Alter und müssen runderneuert werden. Und dann
ist es eine schwierige Gratwanderung, ob etwa ein kleines Facelift
reicht oder zu wenig ist, oder ein neuer Motor den Charakter verändert,
vielleicht auch noch mehr Elektronik-Features… Nun, Triiumph hat es bei
der neuen Street Triple 675 R genau richtig gemacht, die wichtigsten
Tugenden und Stilelemente werden beibehalten, einiges wird modernisiert
aber nichts wird dabei übertrieben.

Triumph Street Triple 675 R


Die Streety ist wendig wie ein Moped.


So präsentiert sich die
R-Streety nach wie vor überaus handlich und agil, ist sofort als Triumph
erkennbar und – eigentlich das Wichtigste – macht nach wie vor höllisch
viel Spass. Der Hauptgrund dafür liegt im niedrigen Gewicht von nur 183
Kilo fahrbereit kombiniert mit einer Ergonomie, die das leichtfüssige
Handling äusserst positiv beeinflusst. Man sitzt nämlich einerseits sehr
sportlich und gut integriert auf der Street Triple R, hat aber auch die
nötige Nähe zum breiten Lenker um spielend leicht in die nächste Kurve
stechen zu können. Damit freut man sich vor allem auf enge und für
andere Motorradtypen eher schwierige Wechselkurven - fast schon pervers,
wie einfach die Streety auf solchen Strassen zu fahren ist.

Triumph Street Triple 675 R







Triumph
Street Triple 675 R Bildergalerie (24 Bilder) - hier klicken!





Straffes Fahrwerk für
die Landstrasse


Bestens auf solche Anforderungen ausgelegt präsentiert sich auch das
Fahrwerk, wer von einer R-Version immer eine unangenehme, brettharte
Abstimmung gewohnt ist, wird positiv überrascht. Die vordere, voll
verstellbare Kayaba-USD-Gabel mit 41 Millimeter Durchmesser und das
hintere, ebenfalls voll justierbare Monofederbein sind zwar straff aber
nicht unbequem abgestimmt. Damit federt die Street Triple 675 R grobe
Stösse gut weg, bleibt aber präzise und wirkt keineswegs schwammig.
Allerdings eignet sich die R-Version damit auch optimal für den harten
Angriff auf der Landstrasse und nur zeitweise für den Rennstreckeneinsatz
– anders als bei der supersportlichen Schwester Daytona 675 R, die mit
ihrem Öhlins-Fahrwerk ja förmlich um Rennstrecken-Kilometern bettelt.

Triumph Street Triple 675 R

Triumph Street Triple 675 R

Triumph Street Triple 675 R

Das Heck
präsentiert sich dank der fehlenden hohen Endtöpfe schlanker und
somitsportlicher.

Das
Cockpit ist aufgeräumt, gut ablesbar und bietet so viele Infos wie auf
kaum einem anderen Naked Bike.




Der kreischende Motor will getreten werden.





Eher für die Landstrasse und da wiederum für
enges Winkelwerk eignet sich auch der Motor, mit 106 PS bei 11,850
Umdrehungen und 68 Newtonmeter Drehmoment bei 9750 Touren ist die Street
Triple R zwar gewiss nicht untermotorisiert, gegen stärkere Naked Bikes
ab rund 120 PS hat man aber vor allem auf geraden Strecken keine Chance.
Wer sich aber innerhalb des Segments der Naked Bike-Mittelklasse misst,
hat mit dem quirligen Dreizylindermotor gute Karten. Denn ab rund
3000Touren steht schon eine gut dosierbare Kraft zur Verfügung, die sich
nach oben hin immer weiter steigert. Wer also wie ein Sir untertourig
souverän durch die Landschaft gleiten will, sollte zu mehr Hubraum
greifen.


Triumph Street Triple 675 R

Wer sich aber nicht daran stösst, die Streety ordentlich auswinden zu
müssen um schnell voran zu kommen, wird sie lieben. Zu diesem Typ Fahrer
passt dann vermutlich auch der Sound des Dreitöpfers, kernig und sonor
von unten wird er immer lauter um dann im obersten Drehzahlbereich fast
schon unangenehm zu kreischen.


Sportliche Bremsen

Ebenfalls zu Beginn kräftig, am Ende dafür fast schon brachial benimmt
sich die Bremsanlage. Die radial montierten Vierkolbensättel von Nissin
beissen gut dosierbar in die beiden 310-Millimeter-Scheiben und erfordern
wenig Handkraft, Ungeübte sollten sich aber mit einer ausgeprägten
Feinmotorik an die Sache herantasten. Dennoch ist die Bremse gut
abgestimmt, von einer R-Version darf man schliesslich auch in jedem
Bereich eine etwas sportlichere Auslegung erwarten. Sowohl auf Sport als
auch auf Komfort sind die Armaturen getrimmt, da ist nämlich alles drin
und dran, was in einem Naked Bike-Cockpit dran sein kann und sogar so
mancher Tourer könnte sich da noch ein Scheiberl abschneiden:
Geschwindigkeit, Ganganzeige, Uhr, zwei Tageskilometerzähler, Laptimer,
Tankuhr und Reifendruck werden digital angezeigt, der Drehzahlmesser ist
in analoger Form bestens ablesbar. Und dem sportlichen Geist der Street
Triple 675 R entsprechend finden sich am oberen Ende des Gehäuses auch
noch sechs programmierbare Schaltblitzdioden.


Triumph Street Triple 675 R



Modernisiertes Design


Bleibt letztlich noch die Optik der Street Triple 675 R, die
glücklicherweise gegenüber der Vorgängerin nicht allzu stark verändert
wurde. Immerhin eifert sie an der Front nach wie vor gekonnt der grossen
Schwester Speed Triple nach und bekommt somit ein wenig Prestige der
Streetfighter-Ikone ab. Andererseits grenzt sie sich durch den neuen,
rechtsseitig verlegten Auspuff ausreichend ab und hat dadurch auch noch
ein herrlich minimalistisches Heck, das zur schlanken Gesamtauslegung
der Street Triple R ausgezeichnet passt.





FAZIT

Wer ein quirliges Naked Bike des mittleren Segments sucht, das vor allem
bei sportlichen Fahrten auf der Landstrasse Spass macht, ist mit der
Street Triple 675 R bestens bedient. Ob sich der überschaubare Aufpreis
für das R auszahlt, sollte man danach entscheiden, ob man das Fahrwerk
auch wirklich verstellen möchte, oder ohnehin im gut gewählten
Grund-Setup lässt. Auch die Kraft des 675-Kubik-Dreizylinders reicht
voll und ganz aus, lediglich im direkten Vergleich mit grösseren und
stärkeren Naked Bikes gelangt die Street Triple R ins Hintertreffen.
Dafür drängt sie sich durch ihren kernigen Klang mehr in den
Vordergrund, als so manchem lieb sein dürfte. Das coole, verruchte
Streetfighter-Image der grossen Schwester Speed Triple bekommt man aber
durch die, vor allem an der Front sehr ähnliche Optik auf alle Fälle
dazu – und das auch noch zu einem viel günstigeren Preis.

Triumph Street Triple 675 R
 

Die Testmaschine liehen wir beim grössten Motorradtestcenter in den Alpen, dem


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Triumph Street Triple 675 R
 

kot
Kots Meinung:
Wenn eine kreischt und schreit, dann hat sie normalerweise Schmerzen.
Wenn die Street Triple 675 R kreischt und schreit, dann hat der Fahrer
Schmerzen. Nicht sofort, aber irgendwann sicher. Im Alltag dauert das
etwas länger, in den Bergen über unzählige Spitzkehren nicht so lange.
Der Triple-Sound des 675ers hat etwas Gemeines, Garstiges, Grässliches.
Das stört nicht jeden, aber je älter man wird… Geniessen wird man dafür
das Handling. 183 Kilo vollgetankt sind sehr wenig, dieser Meinung sind
auch die 106 Pferde im Dreizylinder, die leichtes Spiel mit der
schlanken Britin haben. Trotzdem lasse ich sie lieber locker laufen
erfreue mich an ihrer Leichtigkeit, als sie über Passstrassen zu
scheuchen und mich zu quälen. Die schnell wechselnden Beschleunigungs-
und Bremsphasen verlangen nach mehr Hubraum oder weniger Zylindern, also
entweder Speed Triple oder KTM Duke. Die Streety ist mittendrin und
fühlt sich auf Landstrassen wohler, so wie ich mich auch mit ihr. Dann
aber gleich verkleidet in Gestalt der Daytona 675 R.




Nasty Nils´ Meinung:
Wir schickten die kleine Street Triple hoffnungslos untermotorisiert in
ein Gefecht gegen PS-Monster. Konnte sie bestehen? Nur zum Teil. Denn im
direkten Vergleich vermisst man auf den langen Bergaufpassagen hoch oben
über 2000 Meter den Druck aus dem Drehzahlkeller. Theoretisch könnte man
die Street Triple 675 R vermutlich mit ähnlichem Speed bewegen wie die
anderen Raketen, aber das erfordert extrem viel Konzentration. Möchte
man mit ihr vorne mitfahren, muss man ihr ständig die Sporen geben und
den Motor immer im richtigen Drehzahlbereich halten. Fahrfehler werden
sofort mit gnadenlosen Positionsverlusten bestraft. Auf der anderen
Seite ist die Street Triple R ein Motorrad, das vom Anfänger bis zum
Profi einfach jeden begeistert. Sie fährt sich spielerisch einfach und
spielend schnell. Sie ist immer noch unser Universalkauftipp an alle,
die einfach ein gutes Motorrad suchen. Mit diesem Tipp liegen wir
niemals falsch – auch wenn uns der oder die Fragende keine weiteren
Angaben zu ihrem / zu seinem Fahrkönnen nennt.




Vaulis Meinung:
Die Street Triple 675 R hat mich bereits als Vorgängerin beeindruckt und
macht das nun in der aktuellen Version nicht schlechter. Es ist vor
allem diese unglaubliche Wendigkeit, die eine Streety ausmacht, das
kleine Naked Bike legt um wie kein anderes. Damit wäre sie grundsätzlich
die optimale Wahl für kurvige Strecken – eine gewisse Aktivität des
Fahrers vorausgesetzt. Denn ganz leicht macht es mir die Street Triple R
nicht, vor allem der Motor hat mit seinen 106 PS kaum eine Chance gegen
die grösseren Konkurentinnen. Durch ständiges Ausdrehen und viel Schalten
bleibe ich aber in Schlagdistanz und freue mich auf die engen,
schwierigen Kurven, die den anderen die Schweissperlen auf die Stirn
treiben – mir hingegen nur den Grinser ins Gesicht. Dass der Klang des
Dreizylinders mit steigender Drehzahl so infernalisch wird, stört mich
dabei weniger, einerseits bin ich altersbedingt ohnehin schon ein
bisserl derrisch, andererseits sollte ein Sport-Motorrad auch
dementsprechend und nicht wie eine Nähmaschine klingen.

 

Triumph Street Triple 675 R


Interessante Links:


Text: Vauli


Fotos:
Kukla

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Manchmal sind Motorräder verbesserungswürdig und dann ist es ganz gut, wenn bei der Neuauflage einiges verändert wird. Manchmal sind Motorräder, wie die Triumph Street Triple 675 R aber genau so gut, wie sie sind -- und trotzdem finden die Techniker beim neuen Modell immer noch Verbesserungspotential. Die kleine Rakete präsentiert sich vor allem im kurvigen Geläuf noch besser.

Testbericht auf 1000PS lesen: http://www.1000ps.at/testbericht-2357826-Street_Triple_675_R