600er Supersport Vergleich
Wie vier 600er-Supersportler die Zeit überdauerten
Es gibt Videos, die altern wie ein guter Wein. Und dann gibt es Videos, die zur unfreiwilligen Zeitkapsel werden. Als 1000PS vor neun Jahren vier gebrauchte 600er-Supersportler in die Kamera hielt – Honda CBR600RR, Yamaha R6, Kawasaki ZX-6R und Suzuki GSX-R 600 – sollte es eine Kaufberatung werden. Heute ist es ein Dokument einer Ära, in der man für 4.000 bis 5.000 Euro noch echte Supersportler bekam. Einer Ära, die vorbei ist.
Im Jahr 2017 testete die 1000PS Crew bei Limbächer & Limbächer 4 Supersportler. Diese waren schon damals etwas älter und gebraucht. Schon damals wirkten sie im Schauraum des Händlers etwas teuer. Doch die Motorräder haben seit damals nichts an ihrer Faszination eingebüßt. Über 700.000 1000PS User haben sich das Video angesehen. Über 600 haben ein Kommentar dagelassen. Wir haben uns das Video und die Kommentare nachmal angesehen und reflektiert...
Wer sich heute das alte Material ansieht und dann auf die aktuellen Kleinanzeigen schaut, reibt sich die Augen. Die Preise? Kaum gesunken. Teilweise sogar gestiegen. Ein Phänomen, das die Community schon damals ahnte: "Die gehen bestimmt weg wie geschnitten Brot", kommentierte Nils im Video. Ein User konterte sarkastisch: "Na klar, deshalb stehen ja auch so wenige davon da..." Heute, neun Jahre später, würde dieser User anders klingen. Denn die geschnittenen Brotscheiben sind aufgegessen und der Hunger nach bezahlbaren Supersportlern ist größer denn je.
Als Supersport noch einigermaßen bezahlbar war
Blenden wir zurück. 2016. Die vorgestellten Motorräder waren zwischen zehn und 15 Jahre alt. Gebraucht. Geliebt. Gefahren. Und für unter 6.000 Euro zu haben. Die CBR600RR PC37 in der charakteristischen Repsol-Lackierung? 5.400 Euro. Die Yamaha R6 RJ09 mit den legendären Augen? 6.000 Euro. Die Kawasaki ZX-6R mit 636 Kubik und Drehorgel-Motor? Knapp unter 5.000 Euro. Die Suzuki GSX-R 600 K3 mit der noch MotoGP-würdigen Verkleidung? Ähnliches Preisniveau.Die Community diskutierte damals nicht über Preise, sondern über Charakter. Über Sitzpositionen. Über analoge Drehzahlmesser, "wie schön die Cockpits früher waren ohne die Dashboards!" Über Zuverlässigkeit: Ein ZX-6R-Besitzer meldete sich stolz mit 50.000 Kilometern auf dem Tacho, "sie schnurrt immer noch wie ein Kätzchen." Eine R6-Fahrerin hatte 120.000 Kilometer runter und blieb trotz zwischenzeitlicher Ausflüge zu BMW S1000RR an der alten Liebe kleben. "Oldschool... aber es macht entspannten Spass", fasste es ein Kommentar zusammen. Es ging um Motorräder. Nicht um Investments.
Heute: Willkommen in der neuen Realität
Spulen wir vor ins Jahr 2025. Die CBR600RR PC37? Zwischen 3.500 und 6.000 Euro also bestenfalls minimal günstiger als damals. Die Yamaha R6 RJ09? 4.000 bis 6.500 Euro. Die ZX-6R? 4.000 bis 6.000 Euro. Die GSX-R 600 K3? 3.500 bis 5.500 Euro. Und das für Motorräder, die jetzt nicht 10 bis 15, sondern 19 bis 24 Jahre alt sind.Ein User auf 1000PS TV brachte es in den Kommentaren auf den Punkt: "Die Motorräder kosten heute fast das doppelte. Es ist so krank…" Er hatte seine CBR600RR PC40 damals für 5.400 Euro gekauft heute sei sie mit Umfaller locker 7.000 Euro wert. Ein anderer erinnerte sich wehmütig an die R6 RJ11 im Video für 6.000 Euro: "Zahlt mal heute teilweise 10-12.000€ dafür."Was ist passiert?
Die große Verknappung
Die Antwort ist so simpel wie brutal: Es gibt kaum neue 600er-Supersportler mehr. Honda und Kawasaki haben ihre 6er zurückgebracht, aber zu spät und die Stückzahlen an der Ladentheke waren viel zu gering. Das hatte kaum Einfluss auf den Gebrauchtmarkt. Die GSX-R 600? Seit Jahren aus dem Programm. Die Hersteller haben kapituliert vor Euro-5-Normen, vor sinkenden Verkaufszahlen, vor einer Generation, die lieber auf gedrosselte Mittelklasse-Nakeds steigt als auf kompromisslose Rennmaschinen mit Straßenzulassung.Was übrig bleibt: Ein Gebrauchtmarkt, der auf einem endlichen Bestand alter Helden sitzt. Motorräder, die nicht ersetzt werden können. Motorräder, die mit jedem Jahr seltener werden. Und damit wertvoller.Die Community hatte das längst verstanden. "Schade, dass die 600er nicht mehr so gefragt sind", schrieb ein User 2016 noch hoffnungsvoll. Heute sind sie sehr gefragt. Nur nicht mehr lieferbar.
Vier Motorräder, vier Schicksale
Honda CBR600RR PC37 (2003–2006): Die Zeitlose
Repsol-Lackierung. Unterseat-Auspuff. Analoge Instrumente mit digitalem Infofeld. "Rein optisch die CBR auf die Eins", schwärmte ein Kommentar beim Testvideo und hatte recht. Die PC37 war und ist die optisch eleganteste 600er ihrer Ära. Honda-typisch zuverlässig, Honda-typisch etwas konservativ abgestimmt. Kein Schreihals, aber ein Gentleman.
- Damals: 5.400 Euro für die Repsol-Version, etwas weniger für andere Farben.
- Heute: 3.500 bis 6.000 Euro =>aktuelle Preise. Gepflegte Exemplare stabil im oberen Segment.
- Community-Urteil: "Für Führerscheinneulinge" was Gelächter auslöste, aber den Punkt traf: Die CBR ist zugänglich, verzeihend, nicht bösartig. Genau das macht sie heute so attraktiv für Wiedereinsteiger.
- =>aktuelle Preise
Einen kleinen Augenblick bitte,
die technischen Daten werden geladen...
Yamaha R6 RJ11 (2006–2007): Die mit den Augen
"Diese Augen sind einfach zu geil" kein Motorrad polarisierte optisch so sehr wie die zweite Generation der R6. Die Scheinwerfer-Optik war radikal, die Sitzposition noch radikaler. Yamaha baute keine Tourensportler, Yamaha baute Rennmaschinen für die Straße. Drehzahlorgien bis 16.000 U/min. Chassis wie auf Schienen.
- Damals: 6.000 Euro schon damals teurer als die Konkurrenz.
- Heute: 4.000 bis 6.500 Euro. Noch immer Preisführer der 600er-Klasse.
- Community-Urteil: "Der 1000-Euro-Unterschied zur R6 ist es definitiv wert." Die R6 war die Ikone. Ist die Ikone. Wird die Ikone bleiben. Mehrere User berichteten von sechsstelligen Kilometern ohne größere Probleme. "182.000 Kilometer gefahren und funktioniert noch einwandfrei", meldete einer. Das ist keine Motorrad-Statistik. Das ist Liebe.
- =>aktuelle Preise
Einen kleinen Augenblick bitte,
die technischen Daten werden geladen...
Kawasaki ZX-6R (2007–2008): Die Vernünftige
636 Kubik statt 599. Das war Kawasakis Trick: Etwas mehr Hubraum, etwas mehr Drehmoment im Mittelbereich, etwas weniger Hysterie im oberen Drehzahlband. "Mehr Leistung als jeder Nicht-Profi wirklich handeln kann", kommentierte ein User später und meinte es anerkennend. Die ZX-6R war der Kompromiss zwischen Rennstrecken-Reinheit und Landstraßen-Vernunft.
- Damals: Knapp unter 5.000 Euro.
- Heute: 4.000 bis 6.000 Euro. Kaum Wertverlust.
- Community-Urteil: "Die Sitzposition ist nicht so angenehm wie die von der Kawa" Nils' versehentlicher Zungenschlag im Video wurde zum Running Gag. Aber die Technik überzeugte: 50.000-Kilometer-Berichte ohne Probleme, nur mal eine Ventildeckeldichtung. Kawasaki-Zuverlässigkeit eben.
- =>aktuelle Preise
Einen kleinen Augenblick bitte,
die technischen Daten werden geladen...
Suzuki GSX-R 600 K3 (2003) und K4: Die Klassischen
Noch bevor die GSX-R zur gerüsteten Rennwaffe wurde, war sie einfach: schön. Die K3-Generation mit ihrer klaren Linienführung, der noch vollständigen Verkleidung, den klassischen Proportionen. "Nach all den Jahren ist die Gixxer noch immer echt heiß, vor allem weil die Verkleidung noch richtig nach MotoGP aussieht", schwärmte ein Kommentar. Kein Wunder: Die GSX-R war das Rennbike für die Straße. Aggressiv, leicht, kompromisslos.
- Damals: Um die 4.500 Euro.
- Heute: 3.500 bis 5.500 Euro. Abwertung bei Unfallschäden, wertstabil bei gepflegten Exemplaren.
- Community-Urteil: Die GSX-R spaltete die Geister nicht sie vereinte sie. "Ein super Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Toureneignung", fasste ein Langstreckenfahrer bei unseren YouTube Kommentaren zusammen, der über 120.000 Kilometer damit fuhr. Die GSX-R war kein Kompromiss. Sie war die Essenz.
- =>aktuelle Preise
Einen kleinen Augenblick bitte,
die technischen Daten werden geladen...
Der Elefant im Raum: Limbächer
Man kann über diese Motorräder nicht sprechen, ohne über Limbächer zu sprechen. Der Händler im Video wurde in den Kommentaren kritisiert. "Teuerste Firma am Markt", "Apotheken-Preise", "da würde ich nie ein Motorrad kaufen!" Die Community war sich einig: zu teuer. Neun Jahre später sehen diese "Apotheken-Preise" aus wie Schnäppchen. Der User, der für seine R6 damals 6.000 Euro zahlte, würde heute für dasselbe Motorrad 10.000 Euro hinlegen müssen wenn er überhaupt eines findet. Limbächer hatte nicht unrecht. Er wusste schon damals, dass der Markt knallhart die Gesetze von Angebot und Nachfrage beachtet!
Warum diese Motorräder nicht sterben
Es gibt einen Grund, warum diese vier Supersportler die Zeit überdauerten. Sie waren die letzte Generation vor der großen Regulierungswelle. Vor ABS-Pflicht, vor Euro-4, vor dem Siegeszug der Elektronik. Sie waren analog genug, um charakterstark zu sein. Und digital genug, um modern zu bleiben.Sie waren die letzte Generation, in der 600 Kubik nicht "zu wenig" waren. In der man nicht auf 900 oder 1000 Kubik schielen musste, um Respekt zu bekommen. In der ein Supersportler ein Supersportler war nicht weil er 200 PS hatte, sondern weil er richtig war.Die Community wusste das. "Die 600er halten die Kosten im Alltag klein", schrieb einer. "Ich finde die Motorgröße und Leistung mehr als absolut ausreichend", ein anderer. Und: "Mit heutiger Bereifung ist die R6 RJ05 ein Riesen-Spaßgerät."
Diese Motorräder brauchen keine 200 PS. Sie haben Seele.
Die Zukunft der Vergangenheit
Was bleibt, ist eine Frage: Waren diese 600er-Supersportler vielleicht die letzten echten Allround-Sportmotorräder ihrer Art? Maschinen, die auf der Rennstrecke funktionierten, auf der Landstraße brillierten, im Alltag nicht nervten und das alles, ohne dem Fahrer jede Entscheidung abzunehmen?
Die stabile Wertentwicklung spricht dafür. Der Gebrauchtmarkt spricht dafür. Die Community spricht dafür.
"Gerne mehr vom Gebrauchtmarkt, schön zu sehen, dass man für kleines Geld so viel bekommt", wünschte sich ein User 2016. Heute bekommt man für kleines Geld nichts mehr. Man bekommt für mittleres Geld eine Zeitmaschine. Ein Stück Motorradgeschichte. Ein Versprechen, dass Supersport nicht immer 15.000 Euro kosten muss sondern Leidenschaft, Pflege und die Bereitschaft, auf Euro-5-Normen zu verzichten.
Diese vier Motorräder sind nicht gestorben. Sie haben nur aufgehört, zu altern.
Und irgendwo steht gerade jemand in einer Garage, startet eine 20 Jahre alte R6 und fragt sich, warum er jemals an ein Upgrade gedacht hat.
Günstige 600er Supersportler kaufen!
Aber es gibt Hoffnung am Horizont. Kawasaki bietet die ZX-6R wieder an, Aprilia hat mit der RS660 eine faszinierende Alternative. Und von CFMOTO gibt es die wirklich interessante 675SR-R. Der Preis: Traumhaft! Man hat die Wahl zwischen einem CFMOTO Neumotorrad mit Garantie oder einer verbastelten Gebrauchten von Yamaha, Suzuki, Kawaski oder Honda mit vielen Kilometern am Buckel - zum selben Preis. Die CFMOTO ist modern, sportlich und gut ausgestattet. Man hat sichere Händlernetzstrukturen von einem etablierten Hersteller. Aktuell ist die CFMOTO 675SR-R die heißeste Aktie, welche die Nachfolge den den legendären 600ern aus Japan antreten kann. Mit dem damaligen Versprechen: Cooles Sportler Feeling zu einem sehr fairen Preis! Alle Infos zum Motorrad und zum Händlernetz hier.
Bericht vom 05.02.2026 | 2.324 Aufrufe