Yamaha R6 RJ05 2003 im Langstreckentest

Eine wahre Hassliebe - Neu kann jeder!

Es muss nicht immer ein neues Bike sein. Gerne auch was gebrauchtes vom Händler nebenan. Deshalb hat Tibor beim Race Around Austria auf eine Yamaha R6 aus 2003 gesetzt. Hier seine Erfahrungen.

AB Motorcycles war so freundlich und stellte mir sein Top gepflegtes Gebrauchtbike mit knapp 32.000 km für die 1000PS #racearoundaustria Tour zur Verfügung. Mit vorne neuen Bremsbelägen, Bremsscheiben und neuen Michelin Power 5 Reifen ging es auf Tour. Der KFZ Meister Karl-Heinz, ein unglaublich netter und hilfsbereiter Mensch - auch am Telefon und zu unmenschlichen Zeiten, hatte die "alte Dame" nochmals 25km probe gefahren.

Startschwierigkeiten zur großen Tour

Nach einer Standzeit von ca. 1 Woche der Maschine im Trockenen meiner Garage sollte es am Freitag den 15.09.2023 auf Tour zum 1000PS Headquarter gehen. Da war schonmal der erste Wurm drin. 

Zündung OK

Benzin OK

Anlasser OK

Benzinpumpe DEFEKT

Der Einbau war kinderleicht und erfordert keine besonderen Schrauberkenntnisse was ich als sehr positiv und einfach empfand. Plug and Play quasi.

Der Start in das Abenteuer beginnt schmerzlich

Die 2003er vollbepackt mit Tank und Soziusrucksack, in's Louis Leder geschmissen ging es nach Verzögerung und zum ersten Stop nach Sopron/Ungarn. Ein's wurde mir leider erst nach den ersten Kilometern klar. Eine Tour rund um's #RACEAROUNDAUSTRIA machen, summarum locker über 2000km fahren und ein 20 Jahre altes Bike testen. Na Servus dacht ich mir.

Die Sitzposition ist mit 820mm bei meiner Größe von 182cm und einer aktuellen Knieverletzung fast ein wenig tief ausgefallen. Das Anfangs neue Leder hatte sein Übriges dazu getan, sodass mir ebenfalls die sportliche Sitzposition mit meinem gestauchten Handgelenk den Rest gegeben hatte.

Aber es tat einfach gut sich wieder aus der Komfortzone zu befördern und so riss ich die ersten 400 km mit eher Schönreden runter. Wäre nicht ein Naked Bike oder gar eine Reiseenduro besser gewesen? Aber sicher doch. Egal, jetzt zu einigen Fakten.

Ein pures Sportmotorrad: Die Yamaha R6

Die Maschine mit der Fahrzeug Typ Nr. RJ05 stand Top Gepflegt da. Die Benzinpumpe arbeitete nach Abholung perfekt und gab genau vor dem Start den Geist auf, kann passieren.

Mit Ihren 599 ccm und 123 PS Leistung ist die drehfreudige Maschine, bei 15.500 RPM beginnt der rote Bereich, definitiv eine tolle Maschine für den Ring. Auf der Straße, in engen Spitzkehren ähnlich wie am Stilfserjoch jedoch unten raus kein spritziges Gefährt. Gerade voll beladen und bei meinem Körpergewicht von knapp 95 KG.

Jedoch mit ein wenig Fingerspitzengefühl gewöhnt man sich an alles und siehe da, langsam wuchsen wir zusammen. Die Hinterradbremse mit mächtiger Bremswirkung ging zwar mal fest aber kein Wunder wenn ich doch durch mein gestauchtes Handgelenk hauptsächlich diese sehr häufig benutzte. Dies konnte ich jedoch mit zwei Konterschrauben sofort lösen und weiterfahren. Gewünscht hätte ich mir lediglich eine bessere Erreichbarkeit des Fußbremshebels - aber auch an das habe ich mich gewöhnt.

Wenn vorne mal richtig Ankern von Nöten war, hätte ich mir jedoch schon mehr Bremsleistung gewünscht. Ganz klar hatte ich hier Julianes 2005er GSXR zum Vergleich und das war spürbar - jedoch ein 2 Jahre jüngeres und teureres Bike.

Das Fahrwerk war unspektakulär und eben in die Jahre gekommen. Mit der einst damaligen Performance jedoch, und das ist das wichtigste, kam ich ohne Defekt über die einwöchige Testrunde. Trotz, Regen, Schotter, unterschiedlichen Straßenkonditionen und Temperaturen fühlte ich mich bestens mit dem Boden verbunden. Grund war hier ein neuer Michelin Power 5 Reifen an Vorder- und Hinterrad.

Die R6 überrascht als Reisemotorrad

Die erst für mich unmenschlich sportliche Sitzposition (fahre viel Enduro und MTB und hab hier und da die ein oder anderen Wehwehchen) lernte ich unglaublich zu schätzen. In Verbindung mit dem Tankrucksack möchte ich fast behaupten das ich während den gesamten, für mich, - ca. 2.200 Kilometern eine mit der besten Rückenpositionen bisher hatte.

Wirklich? Oh ja. Das Einknicken der Brustwirbelsäule, quasi das faule Sitzen bei meiner Oberkörperlänge - gerade auf Reiseenduros, viel komplett aus. Wie genial ist das denn? Ein Supersportler als Reisemotorrad - ja bitte. Der Verbrauch hielt sich in Grenzen und mit ihren 17L Tankvolumen kam ich bei einem Durchschnittsverbrauch von  knapp 8 Litern Benzin gut voran. Empfehlen kann ich ebenfalls, wie der Händler AB Motorcycles, nur den teuren Sprit zu tanken. Die E5 oder gar die E10 Kraftstoffe machen den Benzinpumpen stark zu schaffen und bilden Ablagerungen die ich erst durch den Benzinpumpenwechsel kaum für möglich hielt.

Kleine Problemchen stehen der Liebe nicht im Weg

Die Lenkerenden hätte ich mir noch einstellbar gewünscht, jedoch war auch 2003 null die Sprache von Ergonomie. Hieß für mich, dass ich Kupplung und Bremse ein wenig nach unten drehte, um meine Handgelenke zu entspannen. Ihr merkt, wir wuchsen zusammen.

Empfehlen kann ich Euch definitiv ein Werkzeug mitzunehmen. Auch wenn der Händler des Vertrauens alles richtig und vorher geserviced hatte. Auf einer längeren Tour mit einem zwanzig Jahre alten Bike kann sich immer etwas lockern und das ist auch Ok. Der Kurbelwellen Motordeckel und der Auspuff wollten mal ein wenig nachgezogen werden. Dann war aber auch Ruhe.

Tibor schraubend neben dem Bike - ein häufiger Anblick.
Tibor schraubend neben dem Bike - ein häufiger Anblick.

Der Vorteil von geringem Gewicht

Ein geiles Highlight war das Leergewicht von gerade mal 162Kg. Sprit addiert immer noch unter sagenhaften 180Kg. Das machte sich extrem bemerkbar. Auch wenn mich jede hubraumstarke Maschine am Stilfserjoch aus dem Scheitelpunkt alt aussehen ließ, so konnte ich durch die tolle Handlichkeit und guter Fahrtechnik zügig und sicher - vor allem mit viel Spaß - zum Gipfel stürmen. Schade das die R6 von 2003 noch kein ABS hat. Jedoch fühlte ich mich mit meiner Supermoto-Erfahrung in keinster Weise unsicher. Jedem Führerscheinneuling, gerade bei dem heutigen Verkehrsaufkommen, empfehle ich unbedingt ein ABS auf öffentlichen Straßen.

Der Abschied war schwer

Ob ich die Maschine gerne zurückgebracht habe - Ehrlich gesagt nein. Man erlebt und wächst zusammen, gar schätzen hab ich sie gelernt mit ihrer Performance und Herausforderungen. Und nach dem Benzinpumpenwechsel sprang sie immer zuverlässig an. Ich bereue es auch keinesfalls ihre 258km/h Höchstgeschwindigkeit nicht erreicht zu haben. Gerne mal auf dem Ring!

Bericht vom 21.12.2023 | 8.191 Aufrufe

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