BMW zeigt den größten Boxermotor aller Zeiten

BMW zeigt den größten Boxermotor aller Zeiten

Der BIG Boxer getaufte Zweizylinder hat über 1800 Kubik

Nach über 15 Jahren Abwesenheit wagt sich BMW wieder an das Thema Cruiser heran. Als gleichermaßen potente und bildschöne Basis dieser Modelle, wird der massive Zweizylinder-Boxermotor dienen. Wir haben exklusive Einblicke und Hintergründe der Entwicklung zu diesem Prachtexemplar gesammelt.

O´zapft is!

1802 Kubikzentimeter - oder wie man beim Oktoberfest sagt, zwei schlampig eingeschenkte Maß Bier - ist der stattliche Hubraum, den dieser Motor vorzuweisen hat. Von diesen Größenordnungen konnten die Ingenieure in München im Jahr 1923, als der erste BMW Boxer, in Form der R32 das Licht der Welt erblickte, nur träumen. Dennoch hat der Ur-Ur-Enkel mehr mit dem Vorfahren gemeinsam, als man zunächst annehmen möchte: Eine freiliegende Kardanwelle, die Kurbelwelle in Fahrtrichtung, separate Motor- und Getriebegehäuse und natürlich die quer zur Fahrtrichtung agierenden Zylinder, sind da wie dort als markante Charakteristika verbaut. Die obenliegende Nockenwelle mit Stößelstangen und Gabel-Kipphebeln, die seit 1925 jeden BMW-Boxer zieren, ist ebenso Teil des neuen R18-Triebwerks.

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Leistung und Drehmoment des Big Boxer

Dass die Leerlaufdrehzahl bei 950 U/Min, die Maximaldrehzahl bei 5.750 U/Min liegt und die Höchstleistung von 91 PS bei 4.750 U/Min anliegt, ist nett zu wissen, wird in der Praxis aber tendenziell von untergeordnetem Interesse sein. Deutlich spannender ist, dass BMW zwischen 2.000 und 4.000 Touren stets ein Drehmoment von mindestens 150 Nm verspricht. In seinem natürlichen Drehzahlhabitat wird der Big Boxer also mächtig anschieben, das maximale Drehmoment von 158 Nm steht bei exakt 3.000 U/Min zur Verfügung. Gute Nachrichten auch hinsichtlich der Trinkgewohnheiten: Der Verbrauch soll BMW-typisch niedrig sein, es werden 5,5 Liter Super auf 100 Kilometer, gemessen nach WMTC Methode angegeben.

Auf Augenhöhe mit der US-Konkurrenz

Zum Vergleich: die (luftgekühlte) Konkurrenz aus Milwaukee entwickelt im 114 Cubic inch V2 (1.868 Kubikzentimeter) 160 Nm und 90 PS und somit eine ähnliche Performance. Indian schafft 87 PS und 150 Nm aus 1.811 Kubik. Eine endgültige Einschätzung der Kraftentfaltung, kann aber erst der Vergleich in der Realität bringen.

Innereien und Kühlung des Aggregats

Traditionsgemäß war Flüssigkeitskühlung ein No-Go bei der Entwicklung des Motors, also entschied man sich für eine Luft-Ölkühlung. Von dem schwarzen Gold laufen insgesamt 4,1 Liter durch dieses Triebwerk, mehr als bei so manchem PKW. Vor Ort war, wie in der Bildergalerie ersichtlich, ein Versuchsexemplar des Boxer, das 100.000 Kilometer am Prüfstand absolviert hatte, in sämtlichen Einzelteilen aufgelegt. Wir hatten die Gelegenheit alle Bauteile zu begutachten und in die Hand zu nehmen. Hier fühlt sich alles sehr hochwertig an, wenn etwas massiv aussieht ist es auch massiv. Trotz der umfangreichen Verwendung von Aluminium (z.B. Motorgehäuse und Kolben) bringt der Koloss mitsamt Getriebe 110,8 Kilogramm auf die Waage, allein die, hier aufgrund der Dimensionen, dreifach gelagerte Kurbelwelle wiegt 8,7 kg. Das Gesamtgewicht des Antriebsstrangs wird gar mit 155 kg angegeben.

Die insgesamt acht Ventile des 1800ers werden durch jeweils zwei links und rechts oberhalb der Kurbelwelle sitzende Nockenwellen gesteuert. Absolut retro lässt sich das Ventilspiel über Einstellschrauben justieren. Die außenliegenden Stößelstangen die die Ventile über Gabelkipphebel betätigen, sind ebenfalls ein Augenschmaus.

Optik des 1800 Kubik Boxers

Die Vorgabe der Designer war klar: Der Motor soll so klassisch wie möglich aussehen. Gleichzeitig muss das Triebwerk aber diverse Bauteile, inklusive moderner Elektronik, unterbringen, von denen in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht einmal die kühnsten Techniker zu träumen gewagt haben. Dieser Spagat ist den Ingenieuren mit Bravour gelungen, der Big Boxer wirkt wie aus einem Stück gegossen. Der polierte Motordeckel und die Ventildeckel sind zum Niederknien schön. Für alle Customizer sei erwähnt, dass sie sich leicht abnehmen und austauschen lassen, sodass jeder Fahrer seine absolut einzigartige Maschine haben kann.

Getriebe und Elektronik

Die stolze Leistung wird mittels Sechsganggetriebe an das Hinterrad übermittelt. Ob der massiven Kräfte ist es überraschend, dass BMW bei der servounterstützten (Anit-Hopping)Trockenkupplung mit einer Einzelscheibe das Auslangen findet. Optional wird ein manuell zuschaltbarer Rückwärtsgang, der durch einen separaten E-Motor angetrieben wird, zur Verfügung stehen – sicherlich hilfreich beim Rangieren eines solchen Schlachtschiffs. Trotz der wirklich gelungenen und überzeugenden Retro-Optik des bulligen Boxers steckt im Inneren moderne Technik, die auf dem absolut letzten Stand ist. So werden auch die Euro 5 nachfolgenden Normen laut BMW kein Problem darstellen. Dank elektronischer Einspritzung werden wir also noch lange Freude an dem dicken Brummer haben dürfen.

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Bericht vom 06.12.2019 | 27.566 Aufrufe

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