Ducati Panigale R 3C IDM Bike

Testfahrt mit dem IDM Siegerbike in Jerez

Xavi Fores wurde auf der Ducati 1199 Panigale R Meister in der Klasse IDM Superbike. Die Champagnertropfen wurden vom Bike gewischt und in Jerez ausgewählten Journalisten zum Testen zur Verfügung gestellt. Auf den sonnigen Süden Spaniens war jedoch auch kein Verlass. Verlass war jedoch auf unseren schnellsten Mann im Stall: Klaus Grammer war zur Stelle und freute sich auf heiße Runden im Sattel vom Siegerbike. Sein Bericht:

Mein „Ja!“ ist ein Reflex auf ein jahrelang antrainiertes und von Nasty (gemein, ekelig, widerwärtig) Nils schamlos ausgenutztes Verhaltensmuster auf folgende Frage: „ Jerez, zwei Tage, 3C IDM-Panigale mit dem Ducati SBK-Werksteam - willst du?“ Wer will das nicht, der gerne mit Sportmotorrädern/Rennmotorrädern auf der Rennstrecke unterwegs ist?

Was nun folgt ist kein Test - sondern eher ein Reisebericht:

Erster Tag:

  • Abfahrt um ca. 07:00 Uhr in Kematen/Krems.
  • Ankunft nach 45-minütiger Verspätung des Weiterfluges in Palma um 17:45 Uhr am Circuito de Jerez.
  • Sofort im Ducati Truck umgezogen und im Laufschritt in die Box, in der die 3C Ducati mit kurzen Gasstößen auf Temperatur gebracht wurde.
  • Heizdecke runter, Helm auf, und los geht’s.
  • Leider nein – plötzlich auftretender Regen und die einsetzende Dunkelheit beendeten das Unterfangen.
  • Zurückgelegte Strecke 3000km mit Auto und Flugzeug, 0km mit dem Motorrad.

Regenschlacht mit Superbike und MotoGP Piloten?

Am zweiten Tag wurde ein kurzes Zeitfenster von 10:00 bis 10:30 für die zwei angereisten Journalisten aus Deutschland und Österreich geöffnet. Leider konnten wir die Schwerter mit den zahlreich anwesenden Superbike und Moto GP-Piloten um diese Zeit nicht kreuzen, da sich diese noch unter ihrer Pudelhaube versteckten. Das Wetter hat sich nämlich insofern geändert, dass zum Regen nun auch die Kälte und böiger Wind hinzu kamen. Die Mechaniker waren allerdings so freundlich der 3C Panigale Regenreifen und ein dazu passendes Set-Up (weichere Federn hinten und vorne) zu verpassen. Mit dem Hinweis auf die schlechten Streckenbedingungen wurde ich dann für 5 Runden auf die Reise geschickt.

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Überlegene Elektronik

Auf Grund meiner – wenn auch nur rudimentären – Streckenkenntnis und dem beschaulichen Tempo, mit dem ich mich über den nassen Asphalt bewegte, konnte ich mich auf die „wesentlichen“ Dinge konzentrieren. Die Sitzposition ist trotz der Tankverlängerung sehr vorderradorientiert. Wie mir die Techniker sehr glaubhaft erklärten, liegt der Vorteil der Panigale im Vergleich zu den Mitbewerbern beim Bremsen und am Kurveneingang. Leistung und damit Top-Speed sind nicht die Stärken der 1199 im Vergleich zu den BMWs. Beim Fahren hatte ich auch nie den Eindruck, dass die 1198 ccm fürchterliche Kräfte entfesseln würden. Eher im Gegenteil - die aus der 2013 Version des WM-Superbikes stammende Elektronik regelt so fein, dass man ab 4.500 U/min Vollgas geben kann und die Panigale beschleunigt unaufgeregt ruck- und schlupffrei bis zum Drehzahlbegrenzer bei 12.300 U/min. Selbst im 2. Gang konnte ich der 1199 keinen Wheely entlocken. Das Vorderrad hebt maximal 2 bis 3 cm vom Boden ab. Die Qualität des Eingriffs durch die Elektronik ist hervorragend. Man weiß, dass sie vorhanden ist, aber man spürt sie nicht. In diesem Punkt unterscheidet sich der werksunterstützte Einsatz der 3C Ducati von dem eines Garagenbastlers. Denn die für einen Sieg notwendige Spitzenleistung haben die Mitbewerber ebenfalls, nur diese auf den Asphalt zu bringen ist die Kunst.

Große Liebe zur Panigale, wenig Vertrauen für die Journalisten

Schlau wie ich bin, versuche ich das eingestellte Regenmapping „A“ zu umgehen und schaltete mittels ergonomisch einwandfrei positioniertem Knopf auf Map „B“ und „C“. Ich erwartet mir eine etwas explosivere Leistungsentfaltung. Weit gefehlt – nix passiert. Als ich den Techniker zu diesem Thema befrage, beginnt dieser zu lachen und stellt fest, dass aus Sicherheitsgründen A, B und C gleich programmiert wurden. Man wollte damit nur den Fahrer und sicher nicht das Motorrad schützen - wurde mir gesagt! Nachdem ich vor dem Fahren einen siebenseitigen Haftungsausschluss unterschrieben habe, hatte ich da jedoch meine Zweifel.

Die feinen Details der IDM Panigale

Das unangenehme Wetter konnten wir dann jedoch für nette Gespräche in der Boxengasse nutzen und den Technikern nette Details entlocken. Die wichtigsten Features der Race-Panigale

  • Die 3C-Ducati nützt die Elektronik des 2013 WM-SBK Bikes inkl. Wheely-Control
  • Die Elektronik arbeitet mittels dreier Beschleunigungs- und Gyrosensoren. Aus einer mathematischen Funktion ergibt sich der errechnete Regeleingriff.
  • Die IDM-Nockenwellen verfügen über den selben Hub aber über andere Steuerzeiten als die Standard-Nockenwellen.
  • Fahrwerksgeometrie entspricht weitgehend der Straßenversion der Panigale; nur der Schwingendrehpunkt wird auf -4 eingestellt. Diese maximale Absenkung des Drehpunkts sorgt für mehr mechanischen Gripp.
  • Sowohl Umlenkung als auch die Schwinge müssen dem homologierten Modell entsprechen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass selbst im WM SBK die original Schwinge verwendet wird.
  • Leistung ca. 205 bis 210 PS (je nach Motor und Abstimmung).
  • Maximale Drehzahl 12.300 U/min (max Drehzahl WM-SBK 12.700 U/min).
  • Es werden kürzere Ansaugtrichter verwendet, um mehr Spitzenleistung zu erreichen.
  • Das serienmäßige Verdichtungsverhältnis wird beibehalten. Zu diesem Punkt konnte ich auch nach oftmaligen Nachfragen keine andere Info erhalten.
  • Um den hohen Wasser- und Öltemperaturen beim Rennstreckenbetrieb entgegen zu wirken, wird der original Öl-Wasser-Wärmetauscher gegen einen Ölkühler getauscht.
  • Abgerundet werden die Änderungen am Motor durch die Verwendung des „Superstock-Kits“. Dieser besteht aus Reibscheiben mit höheren Reibwerten und Kurbelwellenlagern mit längerer Lebensdauer.
  • Beim Fahrwerk wird selbstverständlich auf Öhlins gesetzt. Vorne werkelt eine als FG169 bezeichnete Gabel mit closed cartridge Technologie und hinten ein RSP 40 TTX Federbein.
  • Die originalen Bremsscheiben werden gegen 5mm dicke Racing Scheiben getauscht.

Insgesamt erinnert der Teamauftritt und auch das Motorrad weniger an eine nationale Meisterschaft, sondern eher an einen WM Auftritt. In der Saison 2015 wird das 3C Team mit der Panigale auch die europäischen Superbike WM Läufe fahren. Wir sind gespannt.

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Bericht vom 05.12.2014 | 18.686 Aufrufe

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