Lawrence von Arabien – Der Held der das Motorradfahren veränderte

Lawrence von Arabien – Der Held der das Motorradfahren veränderte

Die Geschichte eines Kriegshelden und Zweirad-Enthusiasten

Thomas Edward Lawrence, besser bekannt als Lawrence von Arabien, verdiente sich Orden, Spitznamen und den Status eines britischen Nationalhelden als Guerillakämpfer in Arabien während des ersten Weltkrieges. Doch nach Ruhm und Presse-Rummel hat es ihn nie verlangt. Lawrence zieht sich zurück und gibt sich seinem einzigen Hobby hin – dem Motorradfahren. Mit weitreichenden Folgen!

Brough Superior – Rolls-Royce unter den Motorrädern

Die Taten von T. E. Lawrence sind legendär. Seine tragende Rolle im arabischen Aufstand, während des ersten Weltkrieges ist schon für sich genommen herausragend, doch durch zahlreiche Bücher, Biographien, extremes mediales Interesse und nicht zuletzt durch den ikonischen Film „Lawrence of Arabia“ von David Lean aus dem Jahr 1962 wurde er zur Legende gemacht. Dabei wollte er das gar nicht. Im Gegenteil. Lawrence ist nach Kriegsende eher enttäuscht über die Art und Weise, wie seine arabischen Freunde von den Briten behandelt werden. Er verweigert sowohl weitere Auszeichnungen, als auch die Lobpreisungen der Öffentlichkeit und zieht sich 1922 nach England zurück. Zuflucht vor Schuldgefühlen und der Presse findet er in Form der Brough-Motorräder.

Brough Superior Motorräder gelten damals als Rolls-Royce unter den Zweirädern. Entworfen und gebaut von George Brough in Nottingham, zeigen die Brough Modelle SS80 und ab 1925 SS100 international bei Geschwindigkeits-Wettbewerben Anfang der 1920er auf. Dabei gleicht kein Modell dem anderen, da George Brough die Bikes in Handarbeit an seine Kunden anpasst. Lawrence kauft sich 1922 seine erste Brough und nennt sie George. Nach drei SS80 kauft er sich 1925 eine der ersten Superior SS100 Modelle. Die Begeisterung ist groß. „Sie ist ein unruhiges, lebhaftes Motorrad mit einem Tropfen Blut in den Leitungen. Es ist besser als alle Reittiere der Welt.“, beschreibt Lawrence die SS100. Diese produzieren aus ihrem luftgekühlten 998 ccm V-Twin 50 PS und erreichen Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 180 km/h. Lawrence nutzt das auch voll aus. Mehrmals soll er die 380 km lange Strecke Plymouth-London in unter fünf Stunden gefahren sein und dabei über längere Strecken mit Geschwindigkeiten über 140 km/h dahingerast sein. Auf den damaligen Straßen eine Wahnsinnstat. Und selbstverständlich ohne Helm!

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Das Vermächtnis von Lawrence von Arabien – die Helmpflicht

Das kostet ihn 1935 vermutlich auch das Leben. Nur ein paar hundert Meter entfernt von seinem Haus in Cloud Hills fährt Lawrence auf seiner George VII, seiner siebten Brough Superior, um eine Kurve und sieht zwei junge Burschen auf Fahrrädern auf der Straße. Wie schnell er unterwegs war ist nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass Lawrence den Lenker verreißt, um den Kindern auszuweichen. Dabei kommt er von der Straße ab, wird über den Lenker geschleudert und schlägt mit dem Kopf auf. Als der Unfall bekannt wird, riegelt das Militär die Gegend ab. Das mediale Interesse ist wieder groß, die Gerüchteküche brodelt, Verschwörungstheorien gehen um. Hugh Cairns, Englands damals führender Neuro-Chirurg, wird im Angesicht von Lawrence‘s schweren Kopfverletzungen als medizinischer Betreuer hinzugezogen. Doch es hilft alles nichts, das Trauma des Gehirns erweist sich als zu schwer und Lawrence von Arabien, der Held Großbritanniens, stirbt sechs Tage nach seinem Unfall.

Das ganze Land trauert um seinen Hero. Kein geringerer als Winston Churchill der spätere Premier Minister und ein Freund von Lawrence,hält die Trauerrede. Und nicht nur das Land, auch den Arzt Cairns lässt der Tod Lawrence’s nicht mehr los. Er überlegt, ob ein Helm das Leben des Helden gerettet hätte. Daraufhin studiert er die Unfallstatistiken und präsentiert 6 Jahre später die Ergebnisse dem Militär. Im Zeitraum von 21 Monaten starben damals 1884 Biker in Großbritannien (Das sind 90 pro Monat!), davon erlitten 2/3 Kopfverletzungen. Zum Vergleich, im Jahr 2013 waren es 28 pro Monat, bei einem Vielfachen des Verkehrsaufkommens. Obwohl kaum jemand damals Helme trägt, findet Cairns sieben Motorradfahrer, welche bei ihrem Unfall einen Helm trugen. Alle überlebten ihren Sturz. Das genügt, um das Militär zu überzeugen und ab November 1941 ist das Tragen von Helmen beim Militär verpflichtend. Im Laufe des zweiten Weltkrieges wird die Sinnhaftigkeit des Helmes bewiesen, die Anzahl an tödlichen Motorradunfällen geht um 75% zurück. Bis auch in der zivilen Motorradfahrt die Helmpflicht durchgestzt wird, dauert es zwar noch bis 1973, doch schon nach dem Krieg setzen sich immer mehr Biker freiwillig einen Helm auf. Nach dem Gesetz zur Helmpflicht in Großbritannien 1973 folgen auch entsprechende Gesetze im Rest Europas, wie z. B. 1976 in Deutschland und 1979 in Österreich.

Man kann also durchaus sagen, dass die Helmpflicht wie wir sie kennen, das Vermächtnis von Lawrence von Arabien und der Entschlossenheit von Doktor Cairns ist.

Brough Superior Limited 2015

Die Firma Brough wurde für den zweiten Weltkrieg gebraucht und stellte die Motorradherstellung ein, ohne sie je wieder aufzunehmen. Doch seit 2015 baut eine französische Firma neue Brough Superior Modelle. Wobei sich diese neuen Broughs stilistisch detailgetreu an ihren Ahninnen orientieren, aber moderne Motoren und Technik verbauen. Die neuen Brough Superior SS100 haben 997 ccm V-Twin Motoren verbaut, also ganz wie die alten Modelle. Allerdings leisten diese satte 102 PS und 87 Nm Drehmoment, und das bei nur einem Gewicht von 186 kg. Titan-Rahmen, Alu-Schwingen und Bremsen von Beringer sind weitere Auszüge aus einer edlen Liste der technischen Ausstattung. Und optisch sind die Brough Superiors heute wie damals absolute Hingucker, wie ihr in unserer Brough Superior SS100 Bildergalerie selbst sehen könnt. Auch beim Preis sind die neuen Brough Superior SS100 sehr nah am Original. Damals entsprachen 170 Pfund also rund 190 Euro einem Jahresgehalt. Die Kosten von ca. 50.000 € der modernen Broughs passen da gut dazu. Und bei Handarbeit, edlen Komponenten und so einer prestigeträchtigen Geschichte ist ein gehobener Preis wenig verwunderlich. An die Original-Broughs von Lawrence selbst kommt dieser Preis aber bei weitem nicht ran. Das Unglücks-Motorrad von Lawrence von Arabien steht abwechselnd im Imperial War Museum und im National Motor Museum und wird auf einen Wert von 1,5 Millionen Pfund geschätzt.

Mehr zu den neuen Brough Superiors findet ihr auf der Brough Superior Website.

Lawrence von Arabien war aber nicht die einzige Legende auf zwei Rädern. In Zukunft werden wir noch viele Helden der Biker-Kultur vorstellen und beleuchten. Interessierte sollten sich den Bericht über Burt Munro – den Gott des Speeds – durchlesen oder nach unserem Schlagwort „Biker-Legenden“ suchen.

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Bericht vom 14.10.2019 | 9.445 Aufrufe

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