Touratech Active Adventure: Legales Offroad-Fahren in Deutschland

Endlich im Dreck: Warum dieses Event Offroad-Träume erfüllt

Legales Offroad-Fahren in Deutschland? Für viele Adventure-Biker klingt das wie ein unerreichbarer Traum. Genau deshalb führt der Weg nach Niedereschach zur Touratech Active Adventure. Dort, wo sonst Grenzen gesetzt sind, entstehen Strecken, Gemeinschaft und echtes Abenteuer - mitten in Europa.

Legales Offroad-Fahren in Mitteleuropa ist für viele von uns eher Wunschdenken als Realität. Wer aus Österreich, Deutschland oder der Schweiz kommt und seine Reiseenduro artgerecht bewegen will, muss meist lange Anfahrten in Kauf nehmen. Umso surrealer fühlt es sich an, wenn man plötzlich mitten in Deutschland vor schlammigen Tracks, Schotterpassagen und wartenden Adventure-Bikes steht. Genau dort, wo das Touratech Active Adventure in Niedereschach diesen Traum für ein paar Tage Wirklichkeit werden lässt.

Niedereschach als Hotspot für Adventure-Fahrer

Im schwäbischen Niedereschach, nordwestlich des Bodensees, schlägt das Herz von Touratech. Hier beim Hauptquartier finden jährlich mehrere große Veranstaltungen statt, die Active Adventure mittlerweile zum siebten Mal. Das Event richtet sich gezielt an Reiseenduro-Fahrer und bringt rund 400 Teilnehmer zusammen, die an zwei Fahrtagen das Umland auf eigens genehmigten Offroad-Strecken erkunden dürfen. Unterstützt von unzähligen freiwilligen Helfern, lokalen Vereinen und einem klar strukturierten Regelwerk entsteht hier etwas, das in Deutschland alles andere als selbstverständlich ist: legales Offroad-Fahren mit System.

Willkommensfeier und Safety-Breefing am ersten Abend des Touratech Active Adventure.
Willkommensfeier und Safety-Breefing am ersten Abend des Touratech Active Adventure.

Zwölf Stationen und ein durchdachtes Konzept

Zentraler Bestandteil der Active Adventure sind zwölf Offroad-Stationen, die sich über das Umland verteilen. Die meisten davon liegen in Steinbrüchen mit erdigem bis steinigem Untergrund, ergänzt durch zwei Motocross-Strecken und eine anspruchsvolle Waldstation. Bereits bei der Anmeldung erhält jeder Teilnehmer ein detailliertes Heft mit Streckenbeschreibungen, Schwierigkeitsgraden, Distanzen und Hinweisen zur Routenplanung.

Die Distanzen zwischen den Stationen sind teils beachtlich. Wer alle ansteuern will, sollte seinen Weg gut planen. Dabei hilft das Heft, das jeder Teilnehmer bekommt.
Die Distanzen zwischen den Stationen sind teils beachtlich. Wer alle ansteuern will, sollte seinen Weg gut planen. Dabei hilft das Heft, das jeder Teilnehmer bekommt.

Gerade die Verbindungsstrecken verlangen Planung, denn zwischen den Stationen liegen 30 bis 80 Kilometer Landstraße. Wer alle zwölf Stationen ausgiebig fahren möchte, muss sich seine Route gut einteilen - zwei Fahrtage sind schneller vorbei, als man denkt.

Motorräder: Vom Klassiker bis zur neuesten Generation

Die Frage nach dem passenden Motorrad wird vor Ort schnell beantwortet. Zugelassen sind nahezu alle Reiseenduros und Dual-Sport-Motorräder mit Straßenzulassung. Sport- und Hardenduros bleiben bewusst außen vor, da sie sich auf den Strecken eher langweilen würden und auf den Asphaltverbindungen nicht legal bewegt werden dürfen. Vom Oldtimer wie einer BMW R 80 GS über Klassiker wie die Suzuki DR 650 bis hin zur aktuellen R 1300 GS Adventure ist alles vertreten.

Reiseenduros aller Kubatoren und Art sind bei der Touratech Active Adventure willkommen.
Reiseenduros aller Kubatoren und Art sind bei der Touratech Active Adventure willkommen.

Neu ab 2025 ist die Öffnung für kleinere Reiseenduros. Modelle wie die CFMOTO 450 MT, Royal Enfield Himalayan oder die neuen KTM 390 Adventure sind ausdrücklich willkommen - ein logischer Schritt angesichts der Marktentwicklung und ein Gewinn für Einsteiger.

Testmotorräder ohne Schonprogramm beim Touratech Active Adventure

Neben dem eigenen Motorrad können auch zahlreiche Testbikes ausprobiert werden. BMW ist mit der F 900 GS und der R 1300 GS prominent vertreten, KTM mit den neuen 390er-Modellen, ebenso Aprilia mit der Tuareg 660 Rally. Selbst elektrische Konzepte wie die Zero XE stehen bereit. Diese Motorräder werden nicht geschont - sie landen im Schlamm, werden herausgezogen und direkt weitergefahren. Genau so soll es sein.

Keine Samthandschuhe für die Testbikes bei der Touratech Active Adventure
Keine Samthandschuhe für die Testbikes bei der Touratech Active Adventure

Besonders spannend: Man muss nicht einmal offizieller Teilnehmer sein, um Testmotorräder zu fahren. Während des Events kann man auch spontan vorbeikommen und die Leihmotorräder ausprobieren.

Von der dicken BMW R 1300 GS ASA bis zur federleichten Zero XE - Touratech Active Adventure lädt auch zum Ausprobieren der neuesten Reiseenduros ein.
Von der dicken BMW R 1300 GS ASA bis zur federleichten Zero XE - Touratech Active Adventure lädt auch zum Ausprobieren der neuesten Reiseenduros ein.

Wetter, Schlamm und die richtige Reifenwahl für die Touratech Active Adventure

Das Wetter spielt bei der Active Adventure eine entscheidende Rolle. Regen und Sonne wechseln sich ab, und dementsprechend variieren die Bedingungen von trockenem Schotter bis zum tiefen Schlamm. Die meisten Teilnehmer setzen auf eine ausgewogene 50/50-Bereifung - ein sinnvoller Kompromiss zwischen Asphalt und Gelände. Wir waren mit Bridgestone AX41 unterwegs und mit leicht reduziertem Luftdruck sehr zufrieden. Der Reifen bietet genug Profil, um auch am schleimigen Waldweg noch Traktion zu finden, ist robust genug für harte Geröllpisten und hobelt sich auf den Asphalt-Etappen nicht übermäßig ab.

Bridgestone AX41 - Perfekt für die Kombination aus Asphalt und losem Terrain.
Bridgestone AX41 - Perfekt für die Kombination aus Asphalt und losem Terrain.

Ausrüstung im realen Einsatz

Touratech nutzt das Event natürlich auch, um die eigene Produktpalette im echten Einsatz zu zeigen. Besonders überzeugend präsentierte sich der Companero Worldtrack, bestehend aus dem luftigen Summertrack-Anzug und der robusten Weathertrack-Überziehjacke und -hose. Das ist gerade bei der ständig wechselnden Belastung beim Touratech Active Adventure sehr wichtig. Gerade noch kämpft man bei einer Station um sein Leben, der Angstschweiß tropft von der Nasenspitze und paar Minuten später rollt man mit 100 km/h über die kühle Landstraße. Damit man sich dabei nicht vollkommen verkühlt, oder bei der Station einen Hitzetod stirbt, braucht es flexible Ausrüstung. Der luftige Summertrack Anzug ist mit reichlich Mesh-Außenmatieral maximal belüftet und für die Verbindungsetappen wird schnell der Weathertrack übergezogen - ein Konzept, das gerade bei wechselnden Bedingungen voll aufgeht.

Der Touratech Companero Weathertrack passt praktisch über den Summertrack und ergänzt diesen perfekt.
Der Touratech Companero Weathertrack passt praktisch über den Summertrack und ergänzt diesen perfekt.

Auch Handschuhe, Helm und Stiefel bewährten sich im harten Einsatz. Besonders die Destino Ultimate Stiefel mit Drahtseil-Verschlusssystem überzeugten durch einfache Handhabung selbst im tiefen Schlamm und durch hohen Schutz im Knöchelbereich.

Meine neuen Lieblingsstiefel für den Reiseenduro-Einsatz: Touratech Destino Ultimate.
Meine neuen Lieblingsstiefel für den Reiseenduro-Einsatz: Touratech Destino Ultimate.

Für wen ist die Touratech Active Adventure geeignet?

Nach zwei Tagen lässt sich diese Frage klar beantworten: für fast jeden, der motiviert ist. Die Schwierigkeitsgrade variieren stark zwischen den Stationen. Manche Passagen bringen selbst erfahrene Fahrer ins Schwitzen, andere eignen sich hervorragend für Einsteiger. Niemand wird gezwungen, eine Strecke zu fahren, und genau diese Freiheit macht das Event so zugänglich. Gleichzeitig können ambitionierte Fahrer alles geben und jede Linie ausreizen.

Gemeinschaft, Organisation und echtes Willkommen-Sein

Was die Touratech Active Adventure besonders macht, ist die Atmosphäre. Teilnehmer, Helfer und Anrainer begegnen sich auf Augenhöhe, helfen einander und teilen dieselbe Leidenschaft. Die Organisation ist vorbildlich, klar strukturiert und bis ins Detail durchdacht. Der Teilnahmebeitrag von 329 Euro wirkt angesichts des Aufwands, der beteiligten Personen und der gebotenen Leistung eher wie ein Unkostenbeitrag.

Das Gemeinschaftsgefühl ist bei der Touratech Active Adventure sehr stark.
Das Gemeinschaftsgefühl ist bei der Touratech Active Adventure sehr stark.

Fazit: Mehr als nur Offroad-Fahren

Die Touratech Active Adventure ist weit mehr als ein Offroad-Event. Sie ist ein Ort, an dem Lernen, Fahren und Gemeinschaft zusammenkommen. Zwei Tage reichen aus, um Grenzen zu verschieben, Neues zu lernen und mit einem breiten Grinsen vom Motorrad zu steigen. Wer die Chance hat, sollte sie nutzen - denn legale Offroad-Erlebnisse dieser Qualität sind in Mitteleuropa selten.

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Bericht vom 18.12.2025 | 4.438 Aufrufe

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