3. Honda Speed Weekend

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kot fährt zum ersten Mal am Knie. Die Honda Speed Weekends zeigen Wirkung. Bald attackiert er die schlechteren Bestzeiten im 1000PS-Büro.
Die Vorbereitung auf ein Rennwochenende sollte nicht unterschätzt werden, ganz im Gegenteil. Sie sollte ebenso ernst genommen werden, wie die Vorbereitung auf ein sportliches Event. Fahren bei Höchstgeschwindigkeit setzt körperliche und geistige Fitness voraus. Am Vorabend sollte man deshalb einige Grundregeln beachten. 
  1. Genügend Schlaf: 
    Wer früh ins Bett geht, wird am nächsten Morgen umso frischer in den Tag starten. 
  2. Nichts Schweres essen
    Wie jeder Sportler weiß, ist die Ernährung das halbe Training. Optimal ist deshalb am Tag davor nach 17.00 Uhr gar nichts mehr zu essen. 
  3. Alle Vorbereitungen treffen
    Leder raushängen, Helm, Handschuhe und Regenjacke sowie ev. Reisepass rauslegen, damit in der Früh kein Stress aufkommt. Bei einer Anreise mit dem Motorrad sollte man außerdem volltanken. 

 

 Tag 1

Ich schob mir am Freitag Abend um 19.00 Uhr eine Pizza in den Ofen und kurz danach in den Mund. Es muss eine der größten Pizzen gewesen sein, die ich jemals verdrückt habe. Um 23.00 Uhr legte ich mich schlafen, um 4:30 Uhr sah ich, soweit ich mich erinnern kann, das letzte Mal auf die Uhr. Um 6:00 Uhr läutete der Wecker. Panisch suchte ich nach meinem Pass, meiner Regenjacke, schmiss alles in einen Rucksack und fuhr tanken. Ich hatte mich lediglich um eine Sache schon vorab gekümmert. Zwei Tage zuvor ließ ich das 6000er Service durchführen und neue Reifen aufziehen. Die Bridgestone BT-014 hatten tatsächlich knappe 6 Millionen Meter, zwei Ringtermine und eine Südtirol Tour im ständigen Grenzbereich durchgehalten. Möglich haben das sicherlich auch die Fahrwerkseinstellungen vom Grammer Klausi gemacht, der beim Besteigen eines Motorrades immer wie wild an Gabel und Federbein herumschraubt.

Was ich letztes Mal zu spät gekommen war, war ich diesmal zu früh dran. Um 0-7-30 fand ich ein leeres Fahrerlager vor. Um 9 Uhr konnte ich endlich mein Pickerl abholen und ein paar Aufwärmrunden auf der Strecke fahren. Da traf mich auch schon ein leichter Schock. Dieses Mal wurde Linkskurs gefahren, ich mußte mich also auf eine völlig neue Situation einstellen. Schon nach der ersten Runde war klar, daß es nicht möglich war, sich die Strecke, die man bereits kennt, einfach umgekehrt vorzustellen. Denn Linkskurven sind jetzt Rechtskurven, bergauf ist bergab und umgekehrt, jede Kurve muß anders angefahren, neue Bremspunkte gefunden werden und tausend Sachen mehr. Ein Horror. Dementsprechend verwirrt und frustriert eierte ich durch die Gegend. Nach der dritten Runde musste ich abbrechen. Was war nur los? Das ging ja letztes Mal um Welten besser.

Die Einweisung auf der Strecke durch Zwedi und Leo Schagerl fiel flach, da sich zwei Übermotivierte eingebaut hatten und einer der beiden eine nette Ölspur hinterließ. So wurde die Instruktion im "Trockenen" abgehalten, also auf der Boxenstraße. Ich hätte in den Helm bröckeln können, so schlecht war mir. Doch leider startete nach der Belehrung schon die blaue Gruppe und das Pickerl auf meiner Verkleidung war auch blau.

Als ich rausgewunken wurde, war dann plötzlich alles anders. Wenn du mal im wilden Strom gelandet bist, gibt's nur noch volle Kraft voraus. Ich spürte, daß es diesmal schon flotter zur Sache ging, keineswegs aber gefährlicher. Ich fuhr weitaus risikoärmer, kontrollierter und ruhiger und war trotzdem schneller. Das erkannte ich an zwei Dingen: 

  • Keine 50+ km/h Überholmanöver mehr: Niemand passierte mich so, als wäre ich im Asphalt stecken geblieben.
  • Ich wurde nur mehr von halb so vielen Racern überholt, wie beim letzten Mal.

Nach dem ersten Tag war ich trotzdem nur zu 90 Prozent zufrieden mit meiner Leistung. Denn ich hatte mein eigentliches Ziel nicht erreicht, oder besser: Mein Knie hatte das eigentliche Ziel nicht erreicht - Den Asphalt.

 

 Tag 2

Am nächsten Morgen konnte ich etwas länger schlafen, da ich mir das Pickerl für Sonntag schon geholt hatte. Ein großer Vorteil war natürlich, dass ich den Kurs nun schon gut kannte. Alle anderen leider auch. Nur 5 neue Fahrer/Innen waren gekommen. Also hatte jeder wieder die gleichen Karten in der Hand. 

Dann sah ich, dass der Haliklik Fotograf in einer perfekten Rechtskurve, die am Tag zuvor leider mit einer Ölspur und Ölbindemittel (auf dem ersten Foto rechts zu sehen) versaut war, Stellung bezogen hatte. Der perfekte Zeitpunkt, um das schier Unmögliche zu wagen. In der ersten Runde fuhr ich noch normal vorbei, in der nächsten wollte ich meine Chance nutzen. Jetzt musste es passieren: Am Ende der Geraden Geschwindigkeit reduzieren, zwei Gänge runter und volle Konzentration. Kurve fixieren, mit dem Arsch zum Kurveninneren rücken, Knie raus, einlenken und auf ein Kratzgefühl warten. Oder auf den Abflug. Aber es ging alles gut, obwohl ich etwas gewaltsam vorging. Ich hätte mich eigentlich auch früher wieder aufrichten müssen, fuhr den Radius aber länger aus und irgendwann machte es dann "krrrzz", oder "chrrrr" oder was weiß ich. In meinem Kopf sangen auf jeden Fall die Engelschöre: "Halleluja!" Es grummelte am Knie, im Leder, im Gehirn. Bodenkontakt! Kurz, aber schön. Beim nächsten Versuch war ich dann wieder derart vollgepumpt mit körpereigenen Drogen, dass ich es um einiges schärfer anging und schliesslich fast die gesamte Kurve am Knie durchzog.

Und es ging wieder um die 10%, die auch beim Wheelisieren die Entscheidung brachten. Den Hintern um 10% mehr nach rechts, das Knie um 10% weiter raus und den Bock um 10% stärker nach unten drücken. (Macht zusammen eigentlich 30%, aber egal).

Schneller wurde ich durch die neuentdeckte Technik leider nicht. Im Gegenteil. Meinen Vordermann, der mich einige Runden lang nicht abschütteln konnte, verlor ich nach der ersten, richtigen Knie-Runde aus den Augen. Egal. Bei diesem Turn ging es nicht mehr um Punkte und Pokale, sondern um Spaß an der Freude. 


"Das is aber noch gar nix...


..schon besser, aber da geht noch mehr..


..jaaaa, es kratzt, es schleift" 

Jetzt mußte ich noch die Kniefahrerei mit meinem bisherigen Fahrstil, (der ja schneller war) verknüpfen. Im letzten Turn verbrannten mich noch lediglich 5 Personen.


Der Knopf ist aufgegangen. Knieschleifen ist kein Problem mehr...


Der böse Blick zum Fotografen: "Ich hoff', du hast das d'rauf"

 

Der leider letzte Speed Weekend Termin findet auf der Rennstrecke in Brünn, Tschechien statt. Dieses Wochenende dient gleichzeitig als Trainingslager für mein erstes Rennen. Am 19. September werde ich beim Veranstalter Stardesign im Sternchen-Race antreten. Allerdings wieder am Pannoniaring. 
Die Prognose: Die Saison wird mit einer Niederlage enden.

Text: kot
Fotos: Haliklik Fotoservice

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Bericht vom 06.09.2005 | 10.550 Aufrufe

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