Suzuki DR-Z4SM vs. KTM 390 SMC R im Supermoto-Test 2025
Zwei Supermotos im Härtetest - Strecke und Straße im Fokus
Was passiert, wenn zwei Leichtgewichte mit Einzylinder-Motor auf Supermoto-Strecke und Landstraße aufeinandertreffen? Wir vergleichen die Suzuki DR-Z4SM und die KTM 390 SMC R - unter gleichen Bedingungen.
Dieser Vergleich wurde lange erwartet: Mit der Suzuki DR-Z4SM und der KTM 390 SMC R treten zwei Motorräder gegeneinander an, die von der Supermoto-Community sehnsüchtig herbeigewünscht wurden. Beide Modelle versprechen frischen Wind in einem Segment, das in den letzten Jahren eher stiefmütterlich behandelt wurde. Endlich gibt es wieder leichte, fahraktive Einzylinder mit klarer Ansage - und wir haben sie dort getestet, wo sie hingehören: auf der Supermoto-Strecke und der Landstraße.
Suzuki DR-Z4SM - Die Legende kehrt zurück
Die Suzuki DR-Z4SM tritt in große Fußstapfen - und bleibt dabei ganz ihrer legendären Vorgängerin, der DR-Z400SM, treu. Mit dem bewährten 398-ccm-Einzylindermotor, 38 PS und 37 Nm Drehmoment liefert sie vertraute, robuste Leistung, die vor allem im unteren und mittleren Drehzahlbereich punktet. Das Fahrwerk bleibt mit 260 mm Federweg vorne und 277 mm hinten klar auf Supermoto-typische Agilität und Reserven ausgelegt. Der klassische Doppelschleifen-Stahlrahmen, kombiniert mit hochwertigen Komponenten wie der einstellbaren Telegabel und Kayaba-Federbein, unterstreicht den funktionellen Charakter. Zwar verzichtet Suzuki auf Spielereien wie ein TFT-Display, dafür bringt die DR-Z4SM moderne Assistenzsysteme wie Ride-by-Wire und Traktionskontrolle mit. Sie ist kein radikaler Neuanfang, sondern eine Evolution - was in gewissen Punkten auch ein Nachteil sein kann
Alle detaillierten Infos und Fahreindrücke findet ihr in NoPains Test: Suzuki DR-Z4SM Testbericht.
KTM 390 SMC R - der neue Player
Die KTM 390 SMC R bringt frischen Schwung ins Supermoto-Segment - und das mit einer technischen Basis, die sich bewährt hat: Sie teilt sich Motor und Elektronikplattform weitgehend mit der aktuellen KTM 390 Duke, wurde aber gezielt für den Einsatz auf Asphalt und Supermoto-Strecken abgestimmt. Der 398,7 ccm große Einzylinder leistet satte 45 PS und 39 Nm. Hinzu kommt ein modernes Elektronikpaket mit ABS, Fahrmodi und Ride-by-Wire, das die sportliche Ausrichtung unterstreicht. Das Fahrwerk stammt von WP und bietet 230 mm Federweg an Front und Heck, gepaart mit einem leichten Gitterrohrrahmen. Die 6-Gang-Schaltung sorgt für mehr Flexibilität im Drehzahlband, während die radiale Vorderradbremse mit 320 mm Scheibe klare Signale setzt. Trotz des günstigen Preises bietet die 390 SMC R mit TFT-Display und moderner Ergonomie ein durchdachtes Gesamtpaket - aber bietet sie genügend Supermoto Feeling?
Alle detaillierten Infos und Fahreindrücke findet ihr in NoPains Test: KTM 390 SMC R Testbericht.
Preisvergleich: KTM 390 SMC R vs. Suzuki DR-Z 4SM
Preis DE | Preis AT | Preis CH | |
KTM 390 SMC R | 6.299 € | 6.999 € | 6.990 CHF |
Suzuki DR-Z 4SM | 9.699 € | 9.990 € | 8.895 CHF |
Listenpreise Stand August 2025
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Beste Tuningmaßnahme: Der ContiAttack SM2
Bevor es in den Test ging, schafften wir gleiche Bedingungen. Als Einheitsbereifung kam der ContiAttack SM 2 zum Einsatz - ein sportlich ausgelegter Reifen, der speziell für den Supermoto-Einsatz auf Straße und Strecke entwickelt wurde. Mit seiner optimierten Gummimischung und dem verstärkten Karkassenaufbau bietet er ein hohes Maß an Grip, präzises Einlenkverhalten und maximale Rückmeldung im Grenzbereich. Durch seine kurze Warm-up-Phase eignet sich der Reifen sowohl für ambitionierte Hobbypiloten als auch für den sportlichen Einsatz im Alltag - ideal also für einen fairen Vergleich beider Motorräder unter identischen Bedingungen.
Hier gibt's weitere Infos zum Reifen: ContiAttack SM2.
Erfahrungen auf der Supermoto-Strecke
KTM 390 SMC R - Zugänglich, sportlich, aber mit Alltagsgenen
Die KTM 390 SMC R zeigt sich auf der Supermoto-Strecke genau so, wie man es von ihr erwarten würde - nämlich zugänglich, einfach zu fahren und mit einer gewissen Nähe zum Naked Bike. Kein Wunder, basiert sie doch technisch zu großen Teilen auf der 390 Duke. Diese Herkunft macht sich besonders in der Ergonomie bemerkbar: Der Tank ist vergleichsweise hoch gebaut und verhindert dadurch, dass man sich weit an den Lenker heranlehnen kann - ein Nachteil, wenn es um maximale Bewegungsfreiheit geht. Auch die Position des Lenkers selbst ist eher niedrig gewählt und erinnert weniger an typische Supermoto-Standards, was in Summe zu einer neutralen, fast tourenartigen Sitzhaltung führt.
Trotzdem lässt sich die KTM sehr leicht dirigieren und bietet ein gutes Gefühl fürs Vorderrad - ideal für Einsteiger oder jene, die einfach unkompliziert Spaß auf der Strecke haben möchten. Die Federwege sind im Vergleich zur Konkurrenz kürzer und das Fahrwerk entsprechend straffer abgestimmt. Große Sprünge oder aggressives Supermoto-Fahren liegen ihr weniger, was auch die tief montierte Auspuffanlage unter dem Motorrad unterstreicht - sie limitiert die Bodenfreiheit und zeigt klar, dass extremes Racing nicht das Ziel dieser Maschine ist.
Die KTM 390 SMC R ist das perfekte Einstiegsgerät für alle, die erste Supermoto-Erfahrungen sammeln wollen oder nur gelegentlich auf die Strecke gehen, ohne sich gleich ein kompromissloses Gerät zulegen zu müssen.
Suzuki DR-Z4SM - Der Supermoto-Klassiker lebt wieder
Die Suzuki DR-Z4SM fühlt sich auf der Supermoto-Strecke dagegen an wie ein echter Veteran, der nie aufgehört hat, die Disziplin zu lieben. Ihr Aufbau erinnert stark an die legendäre DR-Z400SM - mit allen Eigenschaften, die man sich von einer "echten" Supermoto erwartet. Die lange, flache Sitzbank erlaubt maximale Bewegungsfreiheit, während der hoch montierte Lenker dem Fahrer deutlich entgegenkommt und eine aggressive Fahrweise geradezu provoziert. Das Bike fühlt sich nicht nur optisch wie eine waschechte Supermoto an - sie fährt sich auch so.
Das Fahrwerk ist mit seinen langen Federwegen eher weich abgestimmt, was sowohl Komfort als auch Reserven für Sprünge oder härtere Einsätze bietet. Wer die nötige Fahrtechnik mitbringt, kann die Suzuki auf der Strecke genau so bewegen, wie es sich für eine Supermoto gehört - mit viel Körpereinsatz, präzisem Drücken in die Kurve und kontrollierten Slides. Positioniert man sich weit vorne auf der Sitzbank, erzeugt man durch die Geometrie und das Layout viel Druck am Vorderrad - ideal für erfahrene Fahrer:innen.
Insgesamt ist die DR-Z4SM das Bike für all jene, die regelmäßig auf die Supermoto-Strecke wollen, dabei aber nicht auf eine Straßenzulassung verzichten möchten. Sie ist kein Einsteigergerät, sondern eine Hommage an die klassische Supermoto - roh, direkt und fahraktiv.
Erfahrungen auf der Landstraße
KTM 390 SMC R - Alltagstauglich, komfortabel und doch verspielt
Auch auf der Landstraße bleibt die KTM ihrer Linie treu. Sie bringt die zugängliche, sportliche Leichtigkeit von der Strecke direkt auf die Straße. Besonders positiv fällt die bequeme Sitzbank auf, in Kombination mit der niedrigeren Sitzhöhe. So fühlen sich auch kleinere Fahrer:innen wohl, und ein sicherer Stand an der Ampel oder beim Rangieren ist garantiert.
Der Motor der KTM ist drehfreudig - was bedeutet, dass man ihn aktiv fahren muss. Wer nach einem Einzylinder mit viel Schub aus dem Drehzahlkeller sucht, könnte hier enttäuscht werden. Dafür belohnt der 398,7 ccm große Einzylinder im oberen Drehzahlbereich mit sportlichem Vortrieb. Besonders empfehlenswert ist der optionale Quickshifter mit Blipper-Funktion, der nicht nur butterweiche Gangwechsel erlaubt, sondern auch jede Fahrt ein Stück emotionaler macht.
Technisch bietet die KTM viel: Das TFT-Display ist gut ablesbar, intuitiv bedienbar und die Elektronik - inklusive Ride-by-Wire, Fahrmodi (Street/Sport), ABS und Traktionskontrolle - funktioniert zuverlässig und sinnvoll abgestimmt. Sie passt sich damit den Gegebenheiten der Straße perfekt an. In Summe lässt sich sagen: Die KTM 390 SMC R ist ein Allround-Talent, das nicht nur auf der Strecke, sondern auch im Alltag überzeugt - und mit ihrer Vielseitigkeit eine breite Zielgruppe anspricht.
Suzuki DR-Z4SM - Puristisches Fahrvergnügen mit klassischem Einzylinder-Charme
Auf der Landstraße zeigt die Suzuki DR-Z4SM ihre zweite Seite - oder eigentlich ihre erste, denn sie bleibt sich treu: ehrlich, direkt und puristisch. Der Einzylindermotor liefert ein kräftiges Drehmoment bereits aus niedrigen Drehzahlen heraus und verhält sich so, wie man es von einem traditionellen Supermoto-Triebwerk erwartet. Er zieht kräftig durch, ohne nervöse Spitzen - ideal für kurvige Landstraßen mit ständigem Lastwechsel.
Im Gegensatz zur KTM verzichtet die Suzuki auf einen Quickshifter - ein Punkt, der Puristen nicht stören, aber im direkten Vergleich auffallen dürfte. Komfort ist nicht ihre Stärke: Die Sitzbank ist unbequem, längere Etappen fordern Sitzfleisch. Der Kniewinkel ist sportlicher, die Sitzhöhe höher, der Lenker steht weiter oben - das ergibt eine auf Offensivfahrt ausgelegte Ergonomie, aber eben auch Einschränkungen bei der Alltagstauglichkeit.
Ein häufig diskutierter Punkt ist das Fünfganggetriebe - doch auf der Landstraße fiel das im Test kaum negativ auf. Auch bei Tempo 100 wirkt der Motor ruhig und vibrationsarm. Im direkten Vergleich zur KTM, die bei höheren Drehzahlen spürbar hochfrequente Vibrationen produziert, punktet die Suzuki mit Gelassenheit. Die Elektronikbedienung ist simpel, aber funktional. Fahrmodi und Traktionskontrolle lassen sich einfach einstellen. Das LC-Display mit minimalistischer Anzeige - ohne Drehzahlmesser - wirkt allerdings veraltet.
Die DR-Z4SM ist kein Komfortgerät, sondern ein echtes Fahrer-Motorrad - für jene, die bewusst auf überflüssigen Schnickschnack verzichten und sich ein ehrliches, mechanisches Fahrerlebnis wünschen. Wer das sucht, findet in der Suzuki einen treuen Begleiter mit viel Charakter.
Welche Supermoto bietet mehr für ihr Geld?
Angesichts des deutlichen Preisunterschieds zwischen der Suzuki DR-Z4SM und der KTM 390 SMC R relativieren sich viele der gewonnenen Fahreindrücke. Die Suzuki bietet zwar das authentischere Supermoto-Erlebnis und punktet mit klassischer Ergonomie, langem Federweg und kräftigem Antritt aus dem Drehzahlkeller - sie kostet jedoch rund 3.000 Euro mehr. Die KTM hingegen liefert für deutlich weniger Geld eine überraschend ausgewogene Mischung aus Alltagstauglichkeit und sportlichem Potenzial, inklusive moderner Elektronik, TFT-Display und optionalem Quickshifter. Wer nicht das letzte Quäntchen Supermoto-Authentizität sucht, sondern ein vielseitiges, gut ausgestattetes Bike mit moderner Technik will, bekommt mit der KTM ein hervorragendes Gesamtpaket zum attraktiven Preis. Damit wird klar: Der Fahrspaß ist bei beiden Modellen hoch - aber gemessen am Preis-Leistungs-Verhältnis ist die KTM derzeit schwer zu schlagen.

Fazit: KTM 390 SMC R vs. Suzuki DR-Z 4SM
Für die meisten, die auf der Suche nach einer spaßigen Supermoto sind - vielleicht als Zweitmotorrad für sonnige Feierabendrunden, gelegentliche Trackdays oder einfach für maximales Fahrvergnügen auf der Landstraße - dürfte die KTM 390 SMC R die bessere Wahl sein. Sie ist nicht so kompromisslos und aggressiv wie die Suzuki, verzichtet auf das letzte Quäntchen Supermoto-Radikalität, macht dafür aber das Fahren unglaublich leicht. Ihre zugängliche Ergonomie, moderne Elektronik, die unkomplizierte Fahrbarkeit und das faire Preis-Leistungs-Verhältnis sprechen eine breite Zielgruppe an. Wer einfach Spaß haben will, ohne sich über fehlende Alltagstauglichkeit oder technische Eigenheiten Gedanken machen zu müssen, wird mit der KTM schnell warm.
Trotz aller Rationalität und des attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnisses der KTM muss man für die Suzuki DR-Z4SM eine klare Lanze brechen. In einer Zeit, in der das Supermoto-Segment lange vernachlässigt wurde und echte, puristische Modelle selten geworden sind, ist es ein starkes Zeichen, dass Suzuki diesen legendären Namen zurück auf die Straße bringt. Die DR-Z4SM ist kein glattgebügeltes Mainstream-Bike, sondern eine Maschine mit Ecken, Kanten und echtem Charakter - genau das, was viele Supermoto-Fans sich gewünscht haben. Sie verlangt mehr Einsatz vom Fahrer, bietet dafür aber ein unverfälschtes, intensives Erlebnis. Dass ein großer Hersteller den Mut hat, ein solches Motorrad erneut aufleben zu lassen, verdient Respekt - und macht Hoffnung für alle, die sich nach authentischen, fahraktiven Maschinen sehnen. Auch, wenn sie tiefer in die Tasche greifen müssen.
Bericht vom 30.08.2025 | 1.049 Aufrufe