Yamaha R7 Anfänger-Rennstreckenbericht

R7 bei den 1000PS Trackdays am Pannoniaring

Im Zuge der 1000PS Trackdays am Pannoniaring war ich zum ersten Mal auf einer Rennstrecke und durfte dort die Yamaha R7 ausgiebig fahren. Wie verhält sie sich auf der Rennstrecke, ist sie das perfekte Einsteigerrennstreckenmotorrad?

"Erstes mal Rennstrecke, endlich!" denke ich mir im Auto bei der Anfahrt zum Pannoniaring. Vor Ort erwartete mich eine fahrfertige Yamaha R7, die mich mit ihren neu aufgezogenen und glänzend strahlenden Conti Race Attack 2 Street Reifen anlächelte. Eine Mischung aus Rennstrecken- und Straßenreifen die mir beide Tage lang tapfer zur Seite standen und mir sobald sie warm waren trotz Außentemperaturen von 6-12°C maximalen Grip lieferten.

Die Yamaha R7 mag beim ersten Blick auf das Datenblatt nicht nach einer wahren Supersportlerin aussehen, wegen ihres nicht aufgrund der Rennstreckenleistung famosen CP2-Motors, der "nur" 73,4 PS liefert. Jedoch liefert sie dafür dank des 2-Zylinder-Layouts und der Abstufung ein explosionsartiges Drehmoment bei niedriger und mittlerer Drehzahl, das sich als sehr vorteilhaft herausstellte. Denn dies führt dazu, dass man am Kurvenausgang für Schaltfaulheit nicht bestraft wird und des Weiteren auch dazu, dass man Anfänger auf den anspruchsvolleren und teuflisch aufschreienden 4-Zylinder-Maschinen lässig überholen kann. Zwar nicht die Norm, doch war es auch zu späterer Stunde nach etlichen Turns, die an meinem Körper gezehrt haben, sehr angenehm für's faule Schalten nicht bis zum Punkt bestraft zu werden, wo man beschließt es doch für den Tag sein zu lassen. Somit konnte ich noch einige Runden weiterfahren und noch mehr Spaß haben, um den es ja schlussendlich geht.

Yamaha R7 Fahrwerk auf der Rennstrecke

Das voll einstellbare Fahrwerk der Yamaha R7 hat mir auch ohne Abstimmung auf mein Gewicht von 55 Kilogramm keine Probleme bereitet. Sowohl die Gabel als auch das Federbein haben sehr zufriedenstellende Arbeit geleistet, nur beim Fahren am Limit oder wenn man sich in Schräglage undiszipliniert am Gashahn verhält, kommt ein bisschen Unruhe in die beiden Komponenten. Auch kann ich mir vorstellen, dass ein etwas schwererer Fahrer als ich im Kurvenausgang das Federbein etwas aus der Ruhe bringen kann. Ich konnte das bei meinem Fahren allerdings nicht feststellen.

Gewicht von 188 Kilogramm fahrbereit

Das niedrige Gewicht der R7 von 188kg fahrfertig ist für den Einstieg in den Rennstreckensport sehr angenehm und füllte mich von Beginn an mit viel Zuversicht und der Überzeugung, mich selbstsicher in die Kurven legen zu können und das auch bei niedrigeren Geschwindigkeiten, wo die Schwerkraft spürbarer gegen einen arbeitet. Die Agilität, die einfache Bedienung, die Vertrautheit mit dem CP2 und die Zugänglichkeit des zehn Jahre alten Motors sowie der Mangel an Fahrmodi, Traktionskontrollstufen und den vielen anderen elektronischen Einstellungsmöglichkeiten vieler Motorräder erlaubte es mir, am Trackday angekommen und meinen Pflichten nachgegangen, mich direkt in den Sattel meiner schwarzlackierten Begleiterin für die nächsten zwei Tage zu setzen und drauflos zu fahren. In diesem Rahmen möchte in anmerken, dass ich in keiner einzigen Sekunde irgendwelche Elektronik vermisst habe und ich es auch nicht vonnöten halte, in solch einem Motorrad Traktionskontrolle oder andere kostspielige Elektronik zu verbauen, da die R7 sie schlicht und einfach nicht braucht. Auch Fahrmodi braucht die R7 nicht, der Gashahn ist fein dosierbar und ist weder zu aggressiv noch muss man sein Armgelenk umknicken um Vollgas geben zu können.

Angststreifen waren auf der R7 keine zu sehen.
Angststreifen waren auf der R7 keine zu sehen.

R7 Bremse - genug Power für den Track?

Die R7 bremst ihre gewonnene Geschwindigkeit mittels einer 298mm großen Vierkolben-radial-Doppelscheibe vorne und einer 245mm Scheibe hinten ab. Die R7 bekam an beiden Tagen sehr wenig Zeit zum Atmen, da ich nicht der einzige war, der sie gefahren ist und deshalb kann ich mich guten Gewissens ausschließlich positiv über die Bremsleistung der Yamaha R7 äußern. Trotz des regelrechten Schändens des Geräts war der Druckpunkt und die Dosierung der Bremse durch beide Tage durch sehr angenehm und bereitete mir keinerlei Probleme. In den allerersten Runden musste ich die Bremse kurz kennenlernen, diese Phase dauerte aber nur sehr kurz an und in kürzester Zeit hat man ein ausgezeichnetes Gefühl für sie.

Ergonomie & Sitzposition

Ein weiterer wichtiger Aspekt von Rennstreckenmotorräder ist die Ergonomie. Bevor ich das erste Mal auf ihr saß, dachte ich mir, dass es sich bei der R7 wahrscheinlich nur um eine MT07 mit Verkleidung handelt, doch zeugt dies wiedermal davon, dass voreilige Schlüsse ziehen selten eine gute Idee ist. Die R7 verfügt über einen für sie passenden, niedrigen und gekrümmten Lenker, der optisch sehr gutaussehend ist und das Einlenken in die Kurve sehr leicht gestaltet. Des Weiteren ermöglichte es mir die Sitzposition mich mit meiner Größe von 1.70m hinter dem Windschild so zu verstecken, dass ich einerseits sehr aerodynamisch auf dem Motorrad saß und somit gänzlich windgeschützt war. Obwohl mir nach dem ersten 20-Minuten-Turn schon der Rücken schmerzte verstand ich, dass das an meiner falschen Sitzposition lag, einmal angepasst hatte ich keinerlei Probleme mehr und auch abends hatte ich keinerlei Schmerzen oder Beschwerden, auch wenn ich im Laufe des Tages viele weitere Turns gefahren bin.

Keine Slicks oder Reifenwärmer nötig, der Reifen pickt einfach!
Keine Slicks oder Reifenwärmer nötig, der Reifen pickt einfach!

Kritik und Schwächen der Yamaha R7

Trotz der vielen ausgezeichneten Eigenschaften, handelt es sich bei der R7, wie auch sonst bei keinem Motorrad, um ein 100% perfektes Gerät. Am zweiten Tag fühlte ich mich schnell genug, um bei der blauen Gruppe mitzufahren. Nachdem ich einen ganzen Tag lang auf der Strecke die bestmögliche Fahrlinie verinnerlicht hatte und meine Schräglage auch zunahm, konnte ich zu fast jeder Zeit die maximale Leistung aus dem japanischen Prachtstück hervorholen. Manchmal, wie zum Beispiel auf der Zielgeraden aber auch in etwas schnelleren Kurven, hätte ich mir ein längeres Drehzahlband bzw, mehr Leistung bei hoher Drehzahl gewünscht.

Der zweite Kritikpunkt gebührt dem Schaltautomaten. Ich finde es sehr schade, dass die R7 nicht serienmäßig mit einem Quickshifter mit Blipper kommt, wobei der Blipper das wichtigere Element ist, da man auf hohen Drehzahlen auch ohne Betätigen des Kupplungshebels die Gänge raufschalten kann, allerdings nur rauf und nicht runter. Gegen Ende eines Tages auf der Rennstrecke oder bei Endurance-Rennen ist es angenehm bzw. von Vorteil, sich körperlich so wenig wie möglich anzustrengen. Abgesehen davon handelt es sich um einen Luxus, den man von der Konkurrenz serienmäßig zur Verfügung gestellt bekommt oder im Aftermarket dazukaufen kann, da die R7 aber kein Ride-By-Wire hat, gibt es auch im offiziellen Yamaha-Zubehör keinen Quickshifter mit Blipper.

Ist die Yamaha R7 ein gutes Rennstrecken Einstiegsmotorrad?

Da ich persönlich bereits eine MT-07 besitze, würde ich auf die Frage, ob ich mir eine R7 kaufen würde, nein antworten. Wenn ich weniger Erfahrung mit Motorradfahren hätte, keine MT-07 besäße und auf der Suche nach einem anfängerfreundlichen Rennstreckenmotorrad wäre, das auch auf der Landstraße sehr viel Spaß macht, dann wäre die R7 definitiv in meiner engeren Auswahl.

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Ausm Weg!
Auch leistungsstärkere Motorräder wurden gerne von der R7 gefressen.

Fazit: Yamaha R7 2024

Alles in allem ist die R7 ein sehr gutes Anfänger-Rennstreckenmotorrad, das mich auf sichere, angenehme und in keinerlei Weise anstrengende Art auf das Rennstreckenfahren vorbereitet und dabei begleitet hat. Die angenehme aber doch rennstreckentaugliche Ergonomie, das leichte Gewicht, die fantastischen Reifen, Bremsen und Fahrwerkskomponenten sowie der drehmomentstarke Motor bei niedriger und mittlerer Drehzahl erlaubten es mir, Fehler zu korrigieren, die die meisten Rennstreckenanfänger begehen und das ohne mich zu Fall zu bringen, mich zu erschrecken, mir Angst zu bereiten oder gar mich dazu zu bringen, das Handtuch zu werfen.


  • CP2 Motor mit Druck bei niedrigen und mittleren Drehzahlen
  • 188 Kilogramm fahrbereit
  • sportliche Ergonomie
  • simples Elektronikpaket
  • gut abgestimmtes Fahrwerk
  • zugängliche Bremsen
  • wenig Leistung im oberen Drehzahlbereich
  • kein Quickshifter mit Blipper

Bericht vom 02.05.2024 | 3.127 Aufrufe

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