BMW R 12 nineT 2024 Test

Gezielte Upgrades schaffen die besten R nineT aller Zeiten.

BMW präsentiert die neue R 12 nineT 2024 in Andalusien. Mit dem bekannten Motor, doch neuem Rahmen und Fahrwerk soll die nineT Moderne und Tradition nun noch besser vereinen. Wir haben überprüft, wie gut ihr das gelingt.

Die nineT-Modellreihe ist BMWs Hommage an die ersten Boxer-Bikes am Anfang des 20. Jahrhunderts in Form von modernen Naked Bikes mit bis heute Öl-Luft-gekühlten Zweizylinder-Boxer-Motoren. Seit 2013 ist sie im Programm BMWs zu finden und hat sich seit damals zum Überraschungserfolg gemausert. Wider erwarten BMWs verkaufte sie sich in den letzten 10 Jahren über 110.000 mal. Auch 2024 wird hier nicht das Rad neu erfunden, doch die nineT-Serie bekommt zumindest ein größeres Update. Was ist nun neu bzw. anders?

BMW R 12 nineT 2024 Neuerungen & Update

An das für den Boxer-Antrieb stehende R eine Zahl anzuhängen, ist eigentlich eine uralte Tradition bei BMW. Die R 18 hat dieses System wiederbelegt und nun passt sich auch die nineT an und wird zur R 12 nineT. Das Grundrezept ist aber gleich geblieben, genauso wie der Motor. Weiterhin bildet der altbekannte luft-ölgekühlte Zweizylinder-Boxermotor mit 1170 ccm Hubraum das Herzstück der nineT. Gerade im Angesicht seines Alters, denn der Motor brummt schon seit 20 Jahren in unterschiedlichsten BMW Modellen dahin, gilt es die Homologation auf die aktuellste Norm EU5+ positiv hervorzuheben. Damit ist sichergestellt, dass das von vielen liebgewonnene Aggregat auch weiterhin zulassungsfähig bleibt. Die Leistung von 109 PS liegt nun bei 7.000 U/min etwas früher an, durch die strenge Norm ging ein Nm verloren. 115 Nm bei 6.500 U/min sind es jetzt. Doch wie mir der BMW Entwickler verrät, ist man schon stolz darauf, den Motor überhaupt so gut an die neuen Abgasvorschriften angepasst zu haben.

Die nächste große Änderung gab es beim Rahmen. Der Brücken-Gitterrohrrahmen ist nun nicht mehr zweigeteilt, wodurch man sich die Verschraubungen und dadurch Gewicht spart. Doch Entwarnung für Customizer: Der Heckrahmen bleibt ein externes, angeschraubtes Bauteil. Auch die Airbox wurde neu gestaltet und liegt nun unter dem Sitz, genauso wie die Verkleidung und die designtechnischen Kennlinien, die überarbeitet wurden. Damit die Optik der R 12 nineT nun noch gefälliger ins Auge sticht, wurde aufgeräumt. So liegt zum Beispiel der Höcker der optionalen Soziussitzabdeckung nun in einer Linie mit der Unterseite des Heckrahmens. Auch Unterseite des Tanks, des Sattels und das Heck sind nun in einer Flucht, was dem Auge besser gefallen soll. In Summe ist das Gewicht der nineT um einen Kilo auf 220 kg im fahrfertigen Zustand gesunken. Weitere größere Veränderungen findet man bei der Ergonomie, dem Fahrwerk und den Bremsen, welche sich jedoch vor allem im Fahrbetrieb bemerkbar machen.

BMW R 12 nineT Fahreindrücke auf der Landstraße

Das seitliche Rütteln des Boxers beim Anstarten der R nineT hat sich in all den Jahren nicht verändert und versprüht noch immer sehr viel Charme. Auf ContiRoad Reifen starten wir in der Nähe von Malaga und begeben uns auf die sehr kurvigen Straßen Andalusiens. Die Charakteristik des Motors ist grundsätzlich gleich geblieben. Noch immer lässt sich die R nineT sehr schaltfaul fahren, das massive Drehmoment und elastische Gänge ermöglichen niedertouriges Fahren. Schon ab ca. 1.800 Umdrehungen lässt sich das Gas sauber anlegen und die R 12 nineT beschleunigt sauber. Aus dem neuen Doppelendtopf erklingt das typische Boxer-Bollern. Ohne Auspuffklappe schwillt das Motorgeräusch harmonisch mit der Drehzahl an, ohne übertrieben laut zu werden. Eine große Neuheit ist außerdem der erste moderne Quickshifter für den alten Boxer. Auf der HP 2 gab es zwar auch einen, aber nur zum Hochschalten. Nun geht es mit kurzen, knackigen Gangwechseln hoch und runter durch die Gänge. BMW typisch braucht es dafür etwas mehr Kraft am Schalthebel. Der neue Schaltassistent funktioniert fast immer sehr gut, außer man möchte bei nur leicht geöffneter Drosselklappe schalten. Das scheint den Quickshifter zu verwirren und es gibt teilweise einen starken Ruck nach vorne. Hier herrscht noch etwas Verbesserungsbedarf. Bei klassischen Schaltvorgängen mit Kupplung rasten die Gänge mit einem lauten "Klonk" ein. Außerdem fällt auf, dass der Handhebel erstaunlich viel Handkraft zur Betätigung braucht, was Stop&Go-Verkehr schon mühsam machen kann.

Noch eine Neuerung fällt im Fahrbetrieb äußerst positiv auf: Die neue Ergonomie. Der Tank ist nun kürzer, fasst mit einem Tankvolumen von 16 Liter auch um 2 Liter weniger, und baut schmäler auf dem dem Fahrer zugewandten Ende. Dadurch sitzt man näher am Lenker, was den Oberkörper aufrichtet und Druck von den Handgelenken nimmt. Der Kniewinkel wird so zwar auch etwas spitzer, bleibt aber noch im Bereich des Üblichen. Die neue Sitzposition harmoniert sehr gut mit dem tiefen Schwerpunkt der R 12 nineT. Über den breiten Lenker lässt sie sich leicht und lässig von einer Seite auf die andere werfen, wodurch gerade enge Winkelwerke viel Fahrspaß bieten. Hier fällt auch noch das neue Fahrwerk auf. Die USD-Gabel an der Front ist auf 45 mm angewachsen und nun erstmals voll einstellbar. Am Heck ist das direkt angelenkte Federbein mit einer progressiven Dämpfung und einstellbarer Vorspannung und Zugstufe ausgestattet. Mit 120 mm Federweg vorne und hinten plus einer nicht zu weichen Abstimmung bekommt man im Sattel der R 12 nineT viel Feedback von den Rädern. Auch beim beherzten Bremsen in den Radius ist das Fahrwerk stabil und weist kaum Knickbewegungen auf. Und das, obwohl die Bremserei ebenfalls überarbeitet und verschärft wurde. Statt 320er Scheiben und Festsattel verzögern vorne nun zwei schwimmend gelagerte 310 mm Bremsscheiben mit einer radial verschraubten 4-Kolben-Monobloc-Bremszange. Hinten beißt die 265 mm Bremsscheibe ein 2-Kolben-Schwimmsattel anstatt eines Festsattels. Für so ein Retro-Naked Bike ist die Bremserei auf der R 12 nineT erstaunlich potent. Nur sehr wenig Kraft ist am Handhebel notwendig, um sich fest und dennoch präzise Einzubremsen. Dabei ist der Druckpunkt nicht übermäßig giftig, sondern ermöglicht eine feinfühlige Bedienung der Bremse. Das liegt sicher auch an der verbauten Teilintegral Bremse. Das heißt, dass bei der Betätigung der Vorderbremse auch hinten mitverzögert wird. Diese Abstimmung tut der R 12 nineT gut, denn es harmoniert mit dem druckvollen Motor, dem tollen Fahrwerk und der neuen Ergonomie. Wenn dich die Lust packt, einfach mit dem Allerwertesten nach hinten zu rutschen, dadurch den Oberkörper nach vorne neigen und in Attackier-Modus übergehen. Denn auch bei flotterer Kurvenjagd funktioniert die R 12 nineT dank ihrer Agilität und hochwertiger Komponenten richtig gut.

Serienaustattung & Zubehör der BMW R 12 nineT 2024

Individualisierung und Zubehör waren bei der schicken R nineT schon immer ein großes Thema, so auch heuer. Zur Serienausstattung gehören der LED-Scheinwerfer mit Tagfahrlicht, die klassischen Doppelinstrumente mit Tacho, Drehzahlmesser und Bordcompuer, eine automatische Stabilitätskontrolle (ASC), Fahrmodi Rain & Road, ein geschwärzter Antriebsstrang mit Kardan und die manuell einstellbare Upside-Down-Gabel. So weit so gut. Beim Zubehör hat sich BMW neben den üblichen Verdächtigen, wie den edlen Option 719 Fräßteilen, Speichenfelgen, Aluminium-Komponenten, besonderen Farben und Designs mit edlem gebürsteten Aluminium-Finish, auch noch spannende Neuheiten für das Zubehör einfallen lassen. Zum Beispiel kann man sich statt den analogen Runddisplays auch ein 3,5 Zoll großes Mikro-TFT auf der R 12 nineT verbauen lassen. Diese dezente Anzeige bietet sogar die Option zur Smartphone Konnektivität und kann außerdem in einen Pure Ride Modus geschalten werden, wo ganz puristisch nur mehr die Geschwindigkeit und der eingelegte Gang angezeigt werden. Weiters gibt es noch das Komfort-Paket, mit dem Schaltassistenten, Heizgriffen, Tempomat und Berganfahrhilfe, außerdem das Headlight Pro mit adaptivem Kurvenlicht, Fahrmodi Pro, Reifendruckkontrolle, Diebstahlwarnanlage, das Soloheck und jede Menge Bling-Bling für die Peripherie im Zubehörprogramm.

Preis & Fazit zur BMW R 12 nineT 2024

Vom charakterstarken Auftritt und dem Hang zum Traditionellen her ähnelt die R nineT durchaus der Moto Guzzi V7. Doch während die Guzzi in Fahrt eher nur zum gemütlichen Cruisen und Genießen einlädt, lässt sich die R 12 nineT auch in der Sekunde aus der Tagträumerei wecken und sehr dynamisch ums Eck jagen. Das konnte die nineT schon immer, 2024 in Form der R 12 nineT aber besser als je zuvor. Möglich machen es die neue Ergonomie, das top Fahrwerk, die überraschend potente Bremse und der neue Quickshifter. Und wie viel muss man für dieses vielseitige Gesamtpaket hinblättern? Der Preissprung von der alten R nineT hält sich in Grenzen. 20.330 € kostet die R nineT in Österreich. Ab 20.690 € muss man für die R 12 nineT hinlegen. Mit Zubehör und etwas Individualisierung klettert der Preis jedoch schnell höher, wodurch schlussendlich der Endpreis für das Naked Bike schon auf ein beachtliches Niveau steigt. Doch das hat die große Käuferschaft der nineT auch bisher nicht aufgehalten und 2024 gibt es besonders viele Gründe, sich eine R 12 nineT anzuschaffen.

Fazit: BMW R 12 nineT 2024

BMW verpasst der nineT Modellreihe nicht nur einen geupdateten Namen und ein aufpoliertes Design, sondern auch einen großen Batzen Vielseitigkeit. Sie bleibt das charakterstarke Naked Bike mit vibrierendem Boxer-Motor, kann dank der neuen Ergonomie, dem einstellbaren Fahrwerk, besserer Bremsen und erstmaligen Quickshifter aber auch deutlich mehr Fahrspaß bieten. Gut aussehen, entspannt cruisen, oder bollernd durchs Winkelwerk düsen - Die BMW R 12 nineT kann das!


  • Toller Oldschool-Boxer mit nun EU5+ Homologation
  • Erster moderner Quickshifter für diesen Motor
  • Top Bremsen
  • Sehr feinfühliges, voll einstellbares Fahrwerk
  • Vielseitige Ergonomie
  • Sehr viele, coole Zubehöroptionen Agiles Fahrverhalten
  • Quickshifter beim Hochschalten in manchen Situationen sehr ruckartig
  • Kupplung braucht viel Handkraft
  • Beachtlicher Preis, vor allem mit Zubehör

Bericht vom 20.02.2024 | 15.535 Aufrufe

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