CFMOTO 450SR im Test

Kommt das beste 48-PS-Sportgerät für A2-Besitzer aus China?

Bei der Weltpremiere der neuen CFMOTO 450SR auf der Formel 1-Rennstrecke in Istanbul hatte der Wettergott keinen guten Tag: Regen, nasse Piste, unter zehn Grad Außentemperatur. Trotzdem konnte das A2-Sportmotorrad, trotz allerwidrigster Umstände, überzeugen.

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Hand aufs Herz: Bei Bikes aus China haben noch immer viele uns gewisse Vorurteile. Performance, Verarbeitung, Komponenten, hier wurden in der Vergangenheit oft Kompromisse zu Gunsten eines attraktiven Preises gemacht. Doch die neue CFMOTO 450SR zeigt, dass sich die Welt weiterdreht, China dazulernt und mit alten Vorurteilen wirklich aufgeräumt werden muss. Und warum das so ist, klären wir jetzt Schritt für Schritt.

Test CFMOTO 450SR
Nasse Weltpremiere der CFMOTO 450SR

Der Motor: Paralleltwin mit Hubzapfenversatz

Das Herzstück der 450SR ist gleich ihr Alleinstellungsmerkmal. Der 450 Kubikzentimeter Parallel-Zweizylinder mit leistet 47 PS bei rund 10.000 Umdrehungen und drückt 39 Newtonmeter bei 7.750 rpm ab. Das fühlt sich auch genauso an, wie es sich liest: Man reißt damit keine Gummis am Kurvenausgang in Fetzen aber es geht stets und sehr linear vorwärts. Die Laufruhe stimmt, leichte, feine Vibrationen sind da, aber nie störend, eher schmeichelnd. Die Gasannahme passt, nur manchmal spürte man ein leichtes Rucken und Zupfen wenn man hart vom Last- in den Schiebebetrieb und wieder retour wechselt. Wann kommt das vor? Wenn man, wie bei unserer Testfahrt, auf nasser, glatter Piste die Linienwahl in der Kurve und Schräglage verändern will, weil man doch flotter hätte ins Eck stechen können. Auf der Landstraße gibt es dieses Phänomen nicht. Die Leistungsentfaltung ist sehr harmonisch, linear und berechenbar. Gefühlt hat der Motor keine Spitzen, sondern einen ganz geraden Leistungs- und Drehmomentverlauf. Das führt aber auch dazu, dass man den Zweizylinder gar nicht ausdrehen muss, um die maximale Leistung zu spüren, sondern man ist flotter dran, wenn man rund 1.500 Umdrehungen vor dem Drehzahlbegrenzer den nächsthöheren Gang im tadellos zu schaltenden Getriebe wählt. Wer darauf vergisst, läuft sanft in den Begrenzer. Viel spannender ist der famose Sound des Paralleltwins: Durch den 90° bzw. 270° Hubzapfenversatzes genießt man einen V-Zwei-Sound vom Feinsten. Durch den durchaus geschmackvoll konstruierten Auspuffendtopf kommt ein sportlich potenter Spruch raus, der deutlich mehr als nur 450 Kubik vermuten lässt. Natürlich bei voller Euro5-Homologation. In Sachen Leistung, Fahrbarkeit und Sound spielt der Motor alle Stückchen, die man sich von einem A2-Sportmotorrad nur vorstellen kann. Hier wird sich eine KTM RC390 mit ihrem Einzylinder mächtig strecken müssen.

CFMOTO 450 SR mit toller Verarbeitung

Neben dem überraschenden Motorenkonzept punktet die 450SR auch mit einem sportlich eleganten Design und einer wirklich herausstechend guten Verarbeitung: Lackierung, Spaltmaße, Kunststoffqualität, Anbauteile überall punktet die CFMOTO und zeigt, dass der chinesische Hersteller sehr wohl weiß, was hochwertige Verarbeitung bedeutet. Auch hier müssen sich die europäischen und japanischen Hersteller in der Preisklasse etwas einfallen lassen, denn in meinen Augen hat CFMOTO hier mit der 450SR aktuell die Benchmark markiert. Ehrlicherweise muss man aber sagen, dass die schönen, massiven aber auch gut verarbeiteten Teile etwas zu Lasten des Gewichts gehen: Mit 179 Kilogramm Leergewicht (Werksangabe), ist man ca. 10 Kilogramm schwerer als eine Kawasaki Ninja 400 bei in etwa gleicher Leistung. Doch wer kein Grammfetischist ist, dem wird das Mehrgewicht nicht stören, denn in Sachen Fahrdynamik wirkt die 450er alles andere als unhandlich.

Test CFMOTO 450SR
Fesch ist die neue Chinesin allemal.

Überraschend einfaches Handling

Dann sind wir schon beim zweiten neuralgischen Punkt der gerne vorurteilsbehaftet ist: China-Kracher sind keine Handlingwunder. Doch auch hier leistet sich die CFMOTO absolut keine Kritik, ganz im Gegenteil, die Ingenieure dürften hier entweder sehr clever vorgegangen sein oder einfach einen Glücksgriff gelandet haben. Denn das Handling der 450SR ist neutral, leicht, vertrauenserweckend und bei hohen Geschwindigkeiten sehr stabil. Wie geht das bitte? An den Winglets kann es nicht liegen, denn sind vom Kunststoff zu weich, um sich abtriebgewinnend gegen den Wind zu stemmen. Ich vermute, das gute Handling basiert auf drei Faktoren: Die Sitzposition, die zwar leicht sportlich ist, aber man wird nicht übermäßig über den Tank gespannt, sondern sitzt eher tourensportlich im Sattel und kann somit ohne viel Last auf den Handgelenken mit wenig Kraftaufwand manövrieren. Dazu kommen die vergleichsweise schmalen Reifen: 110/70-R17 vorne und 150/60-R17 hinten. Apropos Reifen: Die CFMOTO 450SR rollt serienmäßig auf CST Adreno-Pneus vom Band. Die schauen ob ihres geringen Profils förmlich nach Semislick aus und weisen eine eher spitze Kontur auf, die dem Handling förderlich sein dürfte. Und der dritte Punkt ist die ansprechende Fahrwerksabstimmung. An der Front werkt eine nicht verstellbare USD-Gabel, am Heck ein umgelenktes Federbein, welches in der Vorspannung verstellbar ist. Federweg: 120 und 130 mm an Front und Heck. Natürlich ist das Fahrwerk keine High-end-Supersport-Ware, aber das Setting ist nicht so butterweich, dass man beim Bremsen oder Gasgeben automatisch die ganze Geometrie auf den Kopf stellt. Das Dämpfersetting ist weich genug, um nicht als klassische sportlich bezeichnet zu werden, aber dürfte genug Progression haben, um im Ernstfall etwas zum Entgegensetzen zu haben. Auf der Landstraße spürte man nur bei kurzen, harten Schlägen, dass das Federbein eine etwas schwache Highspeed-Druckstufe hat, die Unebenheiten sehr knochig durchgereicht werden, aber ohne, dass sich die 450SR beginnt aufzuschwingen. Die Sitzhöhe beträgt serienmäßig 795 mm. Optional sind auch 785 oder 815 mm möglich. Und Achtung: Anti-Hopping-Kupplung gibt es auch noch ab Werk.

Test CFMOTO 450SR
Alternativ gibt es die 450SR auch in Weiß-Schwarz.

Feine Details auf der CFMOTO 450SR

Bis jetzt keinen echten Kritikpunkt gefunden, aber wir haben ja noch nicht die Bremsen angesprochen. Ebenfalls ein nicht unbekannter Punkt bei Chinarennern. Doch wie wenn man es bei CFMOTO gewusst hätte, hat man hier jede Form von Kritik gleich im Keim erstickt: An der Front werkt ein Brembo M40 Monoblock-Sattel, der sehr kontrollierbar in eine 320 Einzelbremsscheibe beißt, bedient über eine Bremspumpe von CFMOTO (laut Logo). Brems- und Kupplungshebel sind voll- und fein verstellbar. Übertreibt es der Reiter mit der guten Bremse, greift verlässlich das Bosch-ABS ein. Auch die Kupplung lässt sich tadellos und feinfühlig bedienen. Das komplette LED-Licht passt zur sehr guten Ausstattung. Ein echter Augenschmaus ist das 5-Zoll-TFT-Display, welches kontraststark und gut ablesbar ist. Sogar dessen Bedienung ist total verständlich. Konnektivität samt Navi-Anzeige inklusive. Direkt in der Kanzel gibt es auch einen USB-Stecker. Der Tank fasst übrigens 14 Liter, wobei wir keinerlei Verbrauchstestfahrten machen konnten, daher über den Verbrauch nichts sagen können. Gefühlt ist dieser absolut unauffällig. Damit ist zur CFMOTO 450SR alles Wichtige gesagt. KTM, Kawasaki, Honda und Yamaha dürfen sich in dem Segment warm anziehen, denn das Paket, welches hier geboten wird, muss man erst einmal für dieses Geld bieten können. Apropos Preise: Deutschland 6.499 Euro, Österreich 6.999 Euro und in der Schweiz 6.490 CHF.

Fazit: CFMOTO 450SR 2023

Man liest es oben bereits heraus: Die CFMOTO 450SR bietet richtig viel Sportmotorrad für ein A2-Bike und das im schicken Kleid mit toller Verarbeitung zum fairen Preis. Herz, was willst du mehr? Tja, eigentlich gar nichts. Vielleicht noch eine verstellbare Gabel und ein bisschen mehr Image. Aber es ist klar: Wenn CFMOTO diesen Weg weiterverfolgt, dann wird die chinesische Marke die Lücke zu den etablierten Playern ratzfatz schließen und sich auf Augenhöhe positionieren. Das Know-how ist da, die CFMOTO 450SR braucht keinen Vergleich scheuen. There is a new kid on the A2-Sportmotorrad-Block!


  • tolles Design
  • sehr gute Verarbeitung
  • einzigartiger Motor in der Klasse
  • gute Bremse
  • sehr zugängliche Fahreigenschaften
  • attraktiver Preis
  • noch kein Image

Bericht vom 24.03.2023 | 36.116 Aufrufe