Benelli Leoncino 800 Trail Test 2022

Der Löwe wird erwachsen!

Angriff auf die beliebte Scrambler Klasse! Mit der Leoncino 800 Trail will Benelli Motorrädern wie der Ducati Scrambler ordentlich einheizen. Ist es gelungen?

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Cool durch die City cruisen, stilvoll über die Landstraße gleiten und selbstbewusst über jede Schotter-Passage jagen - so das Versprechen von klassischen Scramblern. Genau das verspricht Benelli nun auch mit der neuen Leoncino 800 Trail, die sich die Standard Leoncino 800 als Basis nimmt. Ob sie ihre Versprechen halten kann, finden wir heraus.

Die bisher stärkste Benelli Leoncino

Beeindruckend, wie schnell die Naked Bike Baureihe von Benelli wächst. Gab es letztes Jahr nur die 500er Leoncino und ebenfalls eine Trail-Version, erweitert man 2022 das Angebot um die Leoncino 125 (hier findet ihr den Test: Benelli Leoncino 125 Test), sowie die zwei 800er Modelle. Mit 754 Kubik produziert der Reihenzweizylinder 76,2 PS bei 8.500 U/min und ein Drehmoment von 67 Nm bei 6.500 U/min, was diese Leoncino zum lautest brüllenden Löwen "designed in Italy" macht.

Der Motor ist uns aber kein unbekannter. Leider, wie wir zugeben müssen. Denn dasselbe Aggregat kommt auch in der Benelli 752 S zum Einsatz, die uns beim Test (Benelli 752 S Test) sehr zugeschnürt vorgekommen ist. Derselbe Eindruck bestätigt sich nun bei der Leoncino 800 Trail. Besonders bei mittlerer Drehzahl wirkt der Motor unwillig zu drehen und verlangt nach deutlich mehr Drehzahl als erwartet. Untypisch für einen Zweizylinder in dieser Hubraumklasse.

Optisch zieht die Leoncino 800 Trail alle Register

Cool durch die City cruisen und vor jeder Eisdiele die Aufmerksamkeit auf sich ziehen - darin liegt eine Stärke des Benelli Scramblers. Dank eleganter Lackierung, hochgezogenem Auspuff und der dicken 50mm Marzocchi Upside-Down-Gabel lässt die Leoncino 800 Trail bereits im Stand wissen, dass sie es ernst meint. Hinzu kommen moderne LED-Beleuchtung, ein bequemer und hübsch geformter Sattel (834 mm Sitzhöhe) und selbstverständlich der kleine Löwe, der stolz am vorderen Kotflügel posiert. Mit 148 mm Federweg vorne und 140 mm hinten ist sie aber keine optische Mogelpackung, sondern punktet tatsächlich mit erhöhten Offroad-Fähigkeiten. Das zeigt sich auch am 19 Zoll Vorderrad und dem Pirelli Scorpion Rally STR als Serienbereifung. Dieser Scrambler kann und will in den Schotter!

Benelli Leoncino 800 Trail Sitzposition - bequem und vielseitig

Big Enduro Feeling am Scrambler! Natürlich spielt die Benelli mit eingeschränktem Windschutz und einem gemessenen Gewicht von 236 Kilogramm in einer anderen Klasse als voll ausgewachsene Reiseenduros, dennoch versprüht sie eben jenes Gefühl im Sattel. Der Tank baut hoch auf und der konische Lenker wurde weit nach oben gezogen, sodass auch stehendes Fahren ganz easy möglich ist. Will man sich im Gelände bewegen, kann das von Vorteil sein. Doch auch auf asphaltierten Wegen ist die Ergonomie willkommen und bietet viel Komfort. Bei höherem Tempo überrascht, dass die kompakte Scheinwerferverkleidung sogar Wirkung beweist und man durch den Fahrtwind nicht wild durchgeschüttelt wird.

Fahreindrücke auf Schotter

Natürlich darf man sich auf solch einem Scrambler nicht die Offroad-Qualitäten einer waschechten Enduro erhoffen, doch vor unbefestigten Wegen muss man sich keinesfalls fürchten. Der Pirelli Scorpion Rally STR fühlt sich auf Schotter pudelwohl, das 19 Zoll Vorderrad schenkt zusätzliche Stabilität. Wer es ein bisschen stauben lassen will, braucht nicht einmal langwierig die Traktionskontrolle deaktivieren - schließlich wird bei Benelli auf dieses Feature gänzlich verzichtet. Echte Offroad-Aficionados könnte es hingegen stören, dass das ABS am Hinterrad leider nicht deaktiviert werden kann. Beim gelegentlichen Ausflug auf unbefestigte Wege sollte das dem Spaß aber keinen Abbruch machen.

Die sportliche Gangart ist nicht die Stärke der Trail

Auf solch 50/50 Bikes wie der Benelli Leoncino 800 Trail, die sowohl Straße als auch Schotter können, leidet die sportliche Performance auf der Landstraße - entspanntes Cruisen steht hier am Programm. Wer hohe Kurvengeschwindigkeiten sucht, kann schließlich sowieso zum klassischen Naked Bike Pendant greifen. Doch wieso kann die Trail im Kurvengeschlängel nicht ganz überzeugen? Zwar punktet sie auch hier mit dem hohen Lenker, mit dem sie sich brav durch den Radius zirkeln lässt, mit seinem hohen Negativprofilanteil bietet der Pirelli aber nicht den Grip eines reinen Straßenreifens. Auch das 19 Zoll Vorderrad schränkt die Handlichkeit ein. Das jedoch größte Problem liegt jedoch in der Bremse.

Zwar liefert Brembo die Bremsanlage, bestehend aus zwei 320 mm Doppelscheiben mit Vierkolben-Radial-Monoblock-Bremssattel vorne und einer 260er Scheibe mit Doppelkolben Sattel hinten, doch die Performance kann nicht ganz überzeugen. Der erste Druckpunkt ist klar definiert, doch braucht es viel Handkraft, um für tatsächliche Verzögerung zu sorgen. Am Papier verspricht sie somit mehr, als sie tatsächlich liefern kann. Schade!

Benelli Leoncino 800 Trail Ausstattung

Wie bereits erwähnt, verzichtet man abgesehen von ABS auf jegliche Sicherheitsausstattungen. Dennoch verbaut Benelli ein hübsches TFT Display, das in seiner Darstellung keine Fragen aufwirft. Leider ist die Oberfläche matt gestaltet, was zu absoluter Unleserlichkeit bei gewisser Sonneneinstrahlung sorgt. Außerdem verwundert es, dass der rote Drehzahlbereich im Display bei 11.000 Umdrehungen gekennzeichnet ist, der Drehzahlbegrenzer jedoch schon bei 9.500 Umdrehungen einsetzt (unsere Testmaschine war eingefahren). Als kleiner Kritikpunkt kann auch die umständliche Navigation durch das Menü gesehen werden, die sich auf zwei Schalteinheiten auf den beiden Lenkerenden aufteilt und somit nicht gerade intuitiv ausfällt. Als Positives kann gesehen werden, dass man die Menüführung selten bis nie benötigt (es lassen sich nur Bildschirmhelligkeit, Darstellung, sowie Einheiten ändern) und sie sowieso nur im Leerlauf - also im Stand - abrufbar ist.

Die Bedieneinheiten der Benelli Leoncino 800 Trail
Die Bedieneinheiten der Benelli Leoncino 800 Trail.

Preis der Benelli Leoncino 800 Trail

Vergleicht man die Benelli zur potentiellen Konkurrenz, platziert sie sich preislich deutlich darunter. Der Marktstart ist bereits erfolgt, doch egal in welchen deutschsprachigen Markt man blickt, die Leoncino 800 Trail kostet deutlich unter 10.000 Euro. Hier aktuelle Preise: Benelli Leoncino 800 Trail kaufen.

Fazit: Benelli Leoncino 800 Trail 2023

Cool durch die City cruisen, stilvoll über die Landstraße gleiten und selbstbewusst über jede Schotter-Passage jagen - all das schafft die Benelli Leoncino 800 Trail mit Bravour. Optisch überzeugt sie auf ganzer Linie und will man es am Asphalt nicht zu sportlich angehen, wird man an dem coolen Scrambler nichts missen. Dennoch gibt es manche Details, die nicht so hübsch gelöst wurden und Luft nach oben bieten.


  • Coole, eigenständige Optik
  • bequeme Ergonomie
  • Offroad-Fähigkeiten
  • gutes Fahrwerk
  • Motor wirkt zugeschnürt
  • Bremse braucht viel Kraft
  • Leserlichkeit des Bildschirms bei Sonneneinstrahlung

Bericht vom 07.07.2022 | 11.178 Aufrufe

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