Ducati Streetfighter V2 vs. Yamaha MT-09 SP Vergleichs-Test 2022

Ein ungleiches Duell in den Alpen?!

Im Zuge der Alpenmasters 2022 duelliert sich Italien gegen Japan, V2 versus Dreizylinder. Dabei ist die Ducati deutlich stärker, schöner und auch teurer als die MT-09. Ein unfairer Vergleich? Das Ergebnis wird so manchen überraschen!

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Die Kollegen von MOTORRAD sind auch heuer wieder ausgezogen, um im Zuge der Alpenmasters 2022 das beste neue Motorrad für die Alpen zu finden. Nach zwei Jahren am Großglockner sind dieses Jahr wieder die Dolomiten in Südtirol das Testgelände. Vom MoHo Motorradhotel Gassenwirt sind es nur wenige Kilometer zur legendären Sella-Runde und vielen weiteren Pässen, die sich inmitten der schroffen Gipfel auf über 2000 Meter hochwinden. In Paaren duellieren sich hier die Neuheiten aus unterschiedlichen Kategorien, so auch die Ducati Streetfighter V2 und die Yamaha MT-09 SP, die die Klasse Mid-Naked repräsentieren. Wie der Wettstreit bei den Alpenmasters ausgeht, das erfahrt ihr in den MOTORRAD Ausgaben 15/22, 16/22 & 17/22. Wir haben uns die Streetfighter und MT-09 aber für einen Tag geschnappt und sie auf den mächtigen Pässen getestet. Dabei ist uns schnell klar geworden, dass die MT-09 SP gar nicht so unterlegen ist, wie es das technische Datenblatt vermuten lässt. Grund Nummer 1 dafür: Ihr Motor.

Motor und Leistung der Ducati Streetfighter V2 & Yamaha MT-09 SP 2022 im Vergleich

Der 889 ccm Reihen-Dreizylinder der MT ist mit seiner bauchigen, drehmomentstarken Leistungsentfaltung und 119 PS bei 10.000 U/min ein echtes Spaß-Aggregat. Mit 153 PS bei 10.750 U/min hat der 955 ccm V2-Motor der Ducati zwar deutlich mehr Pferdchen in der Brennkammer, diese galoppieren aber erst im letzten Drittel des Drehzahlbandes wirklich los. Diese Charakteristik ist auch gut am maximalen Drehmoment ersichtlich, wo zwischen den 93 Nm bei 7.000 U/min der Yamaha und den 101,4 Nm bei 9.000 U/min gar nicht mehr viel Unterschied besteht und die Yamse auch noch deutlich früher Druck ans Hinterrad liefert. Hinzu kommt noch, dass der V2 etwas ruppiger ans Gas geht und die Leistungsentfaltung spürbar Kanten und Ecken aufweist. Vor allem im Vergleich zum extrem smoothen, linearen Ansprechverhalten des Dreizylinders fällt diese Charakteristik auf. Ducatisti werden sich über den Charakter des V2 freuen und der Motor ist auf jeden Fall gut fahrbar, auf der Landstraße haben Kollege Poky und ich aber deutlich den Dreizylinder bevorzugt. Er macht das Leben leichter und die Leistung ist auf der Landstraße auch annähernd nutzbar, was auf der Ducati mit der späten Leistungsexplosion legal eher schwer machbar ist.

Leistungskurven Ducati Streetfighter V2 vs Yamaha MT-09 SP 2022
Die Leistungskurven der Streetfighter V2 und MT-09 SP im Vergleich. Gemessen von MOTORRAD.
Drehmomentkurven Ducati Streetfighter V2 vs Yamaha MT-09 SP 2022
Die Drehmomentkurven der Streetfighter V2 und MT-09 SP im Vergleich. Gemessen von MOTORRAD.
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Ergonomie und Sitzpositionen der Ducati Streetfighter V2 & Yamaha MT-09 SP 2022 im Vergleich

Bei der Ergonomie gibt es zwischen Streetfighter V2 und MT-09 SP zwar auch große Unterschiede, welche hier aber bevorzugt wird, ist eine sehr subjektive Entscheidung. Auf der Ducati nimmt man typisch sportlich, doch nicht zu radikal Platz. Die Arme strecken sich vor zum breiten Lenker, in Angriffsposition neigt sich der Oberkörper automatisch nach vorne in Richtung Vorderrad. Möchte man jedoch nicht vollstrecken, sondern lieber die wunderschönen Panoramen inhalieren, dann reicht es mit dem Hintern zum Tank zu rutschen und schon ist auch eine recht touristische Sitzposition auf der Streetfighter möglich. Mit meinen 1,85 m empfinde ich auch den Kniewinkel als nicht zu spitz und passend für ein sportliches Naked-Bike.

Sitzposition Ducati Streetfighter V2 2022
Sportlich, doch nicht übertrieben. Die Sitzposition auf der Ducati Streetfighter V2 2022

Die Sitzposition der MT-09 ist im Vergleich deutlich polarisierender. Piloten, die sportliche Eisen gewohnt sind, fehlt durch die aufrechte, nach hinten orientierte Haltung und den hohen Lenker das Gefühl für das Vorderrad. Eher entspannte Fahrer freuen sich wiederum über eine gemütlichere Ergonomie und etwas flacheren Kniewinkel. Die Sitzbank der MT-09 ist recht stark nach vorne geneigt, was beim Beschleunigen tollen Halt bietet, bergab und bei Bodenwellen den Fahrer aber gerne mal in Richtung Tank wirft. Passiert mir auf den steileren Abfahrten der Südtiroler Pässe mehr als nur einmal. Hier ist sauberer Knieschluss gefragt, was mit dem passend geformten Tank aber auch gut gelingt. Die Kombination des drehmomentstarken Motors und der zurückgelehnten Ergonomie macht die MT-09 SP auch zu einer Wheelie-Maschine. Die Wheelie Control verhindert zwar das unfreiwillige Abheben des Vorderrads, doch auch in Stufe 1, der schärfsten Stufe, wird die Front sehr leicht. Das Argument, dass durch den hohen Lenker das Gespür für die Front fehle und dadurch sportliche Fahrten schlechter möglich seien, mag bis zu einem gewissen Maß für die Standard MT-09 stimmen, die MT-09 SP hat dieses Problem aber nicht.

Sitzposition Yamaha MT-09 SP 2022
Für manche zu aufrecht. Die Sitzposition auf der Yamaha MT-09 SP 2022

Fahrwerk und Bremsen der Ducati Streetfighter V2 & Yamaha MT-09 SP 2022 im Vergleich

Das liegt vor allem am Fahrwerk der MT-09 SP, das zugegebenermaßen schon aus einer seltsamen Kombination besteht, aber sensationell funktioniert. Vorne werkt in der Yamaha MT-09 SP eine 41er-USD-Gabel von Kayaba, in Druck- und Zugstufe sowie in High- und Lowspeed verstellbar, hinten ist ein voll (in Druck-, Zugstufe und Federvorspannung) verstellbares Öhlins-Federbein montiert. Beide arbeiten präzise und minimieren den durch die inaktive Sitzposition verursachten Verlust des Feedbacks von der Straße. Mit dem Oberkörper leicht vorgeneigt lässt sich die überaus agile MT-09 SP gefühlvoll in die Kehre drücken und zieht dort auch auf den unebenen Pässen präzise durch den Radius. In Kombination mit den kräftig zubeißenden, doch fein dosierbaren Bremsen läuft die MT-09 in der SP-Variante zur Höchstform auf und mausert sich zum Fun-Bike schlechthin.

Die Ducati Streetfighter macht ihre Sache in puncto Fahrwerk und Bremsen auch nicht schlecht. Die 43 mm Big Piston Upside-Down-Gabel von Showa und das Federbein von Sachs sind ebenfalls voll einstellbar und liefern präzises Feedback von der Straße. Mit 120 mm vorne und 130 mm hinten sind auch die Federwege der Ducati etwas kürzer als auf der Yamaha (137 mm vorne & 142mm hinten), was sehr sportliche Fahrer auch schätzen werden. Es fehlt aber im Vergleich zur MT-09 an Stabilität. Die Streetfighter rumpelt etwas härter über Unebenheiten und braucht sauberen Input und Lenkbewegungen, um optimal zu funktionieren. Das gilt auch für die Bremsen. Die 320 mm Doppelscheiben vorne und die 245 mm Scheiben hinten beißen auch mächtig zu und sind fein dosierbar. Allerdings wird das Heck, vor allem bergab, sehr schnell leicht und man findet sich in teils unfreiwilligen Drifts am Kurveneingang wieder. In Summe ist die MT-09 Sp in der Handhabung etwas unproblematischer, die Streetfighter hat dafür das größere sportliche Potential. Das bestätigt auch das generelle Fahrverhalten.

Handling und Fahrverhalten der Ducati Streetfighter V2 & Yamaha MT-09 SP 2022 im Vergleich

Die Streetfighter V2 braucht gefühlt einen eher erfahrenen Piloten im Sattel, der die sportliche Gangart im Blut hat und mit der Diva umzugehen weiß. Vor allem im Hang-off-Fahrstill lässt sie sich präzise und sehr flott bewegen, unrunde Bewegungen, ungestümes Gas anlegen oder gefühllose Bremsmanöver bringen aber schnell Unruhe ins Fahrzeug. Die MT-09 SP zeichnet sich im Gegensatz dazu durch ihre Zugänglichkeit aus. Draufsetzen, losfahren und Spaß haben - das ist ihre Devise. Fahrradgleich kippt sie in Schräglage, lässt sich extrem schnell von einer Seite auf die andere umlegen und bleibt auch bei solch ungestümen Manövern immer unter Kontrolle und stabil. Mit 190 kg vollgetankt hat sie auch um gute 10 kg weniger auf den Rippen als die Ducati, was auch nicht schadet. Einzig die Schräglagenfreiheit der MT-09 SP könnte größer sein, denn durch den Vertrauen spendenden Charakter lehnt man sich schnell ordentlich in die Radien, wo nur allzu bald das vertraute "Krrrrrchhhhh" erklingt.

Elektronik und Assistenzsysteme der Ducati Streetfighter V2 & Yamaha MT-09 SP 2022 im Vergleich

Beide Motorräder haben üppige Elektronik-Pakete mit an Bord, inklusive Kurven-ABS, schräglagenabhängiger Traktionskontrolle, Wheelie Control, Fahrmodi und Quickshifter mit Blipper. Einen Tempomaten gibt es aber überraschenderweise serienmäßig nur auf der deutlich günstigeren MT-09 SP. Bei der Darstellung der Elektronik geht der Punkt klar an die Streetfighter, das TFT-Display ist besser lesbar und schöner als die kontrastarme, an einen alten Gameboy Colour erinnernde TFT-Anzeige der Yamaha. Dafür ist das Bedienkonzept bei beiden nicht gerade intuitiv oder schnell bedienbar. Aber diese Dinge spielen im spaßigen Fahrbetrieb kaum eine Rolle und man gewöhnt sich schnell an viele Eigenheiten, weshalb nur der Quickshifter der Streetfighter V2 schlussendlich störend auffällt. Im Vergleich zum Yamaha-Quickshifter, der zu den besten am Markt zählt, Gänge blitzschnell wechselt und sogar entgegen der Gasstellung (Hochschalten bei geschlossenem Gas) funktioniert, ist der Ducati-QS langsam, ruppig und braucht Kraft. Vor allem in Schräglage kann der Schaltassistent durch seine recht lange Zündpause für Unruhe im Fahrwerk sorgen, wobei diese "Ruppigkeit" stark von der Drehzahl abhängt. Je höher die Touren, desto wohler fühlen sich Motor und Quickshifter auf der Ducati.

Vergleich der Anzeigen von Ducati Streetfighter V2 & Yamaha MT-09 SP 2022
Das Display der Ducati Streetfighter V2 ist schöner und besser ablesbar als die TFT-Anzeige der Yamaha MT-09 SP.

Komfort und Alltagstauglichkeit der Ducati Streetfighter V2 & Yamaha MT-09 SP 2022 im Vergleich

Obwohl der Komfort auf solch sportlichen Nakeds sicher zweitrangig ist, spielt er gerade in den Alpen doch eine große Rolle. Die MT-09 SP bietet die entspanntere Sitzposition, dafür ist die Seriensitzbank sehr dünn und schnell durchgesessen. Hier empfiehlt sich die Touring-Sitzbank aus dem Zubehör. Die Sitzbank der Streetfighter geht in Ordnung, allerdings sorgt die Krümmerführung unterhalb für eine unfreiwillige Sitzheizung und medium rare gebratene Pobacken an einem heißen Sommertag. "Alltagstauglich" sind beide bedingt. Die Yamaha verbraucht mit 5l/100km zwar etwas weniger als die Ducati mit 6l/100km, dafür hat die MT-09 SP nur einen 14 Liter fassenden Tank. Bei der Streetfighter sind es 17 Liter, dafür wurde aber seltsamerweise auf eine Tankanzeige verzichtet.

Fazit zum Vergleichs-Test der Ducati Streetfighter V2 & Yamaha MT-09 SP 2022

Wie geht also das ungleiche Duell aus? Fakt ist, für viele Käufe ist auch die Optik des Motorrads ein entscheidender Faktor, welche wir aufgrund der subjektiven Natur dieses Themas aber gänzlich ausklammern. Doch die Streetfighter V2 holt optisch sicher mehr Leute ab und wird allein deshalb vermutlich von vielen bevorzugt. Während unserer Zeit auf den Südtiroler Pässen mit beiden Bikes sind Poky und ich uns jedoch sehr schnell einig geworden: Die Yamaha MT-09 SP ist einfach das bessere Motorrad, vor allem wenn man auf öffentlichen Straßen bleibt. Die Ducati ist deutlich weniger zugänglich, schwerer und anstrengender zu fahren. Sie verzeiht weniger Fehler, fühlt sich aufgrund der Motorcharakteristik nicht einmal viel stärker an und kostet obendrein fast 20.000 € (19.895 € in Ö, 17.920 in D, 18'290 CHF in CH). Die MT-09 SP ist das spaßigere, unkompliziertere Motorrad, das für 99 % der Fahrer ausreicht und das bessere Paket bietet. Mit einem Neupreis von 13.199 € in Österreich (12.149 € in D, 12'990 CHF in CH) kostet sie mehr als 6.500 € weniger, was selbst eine fragwürdige Frontmaske verzeihbar macht.

Fazit: Yamaha MT-09 SP

Das Funbike MT-09 läuft in der SP-Variante zur Höchstform auf! Der extrem spaßige, quirlige Dreizylinder-Motor fühlt sich durch das viele Drehmoment nach mehr als nur 119 PS an. Hinzu kommt ein grandioses, fahrradgleiches Handling und phänomenale, fein dosierbare Bremsen. Die aufrechte, nach hinten orientierte Sitzposition nimmt in der MT-09 SP nicht so viel Gefühl für das Vorderrad weg, da das hochwertige Fahrwerk sauberes Feedback von der Straße gibt und jeden Radius stabil durchfährt. Yamaha-typisch lassen leider die Klarheit des TFT-Displays und das Bedienkonzept der üppigen Elektronik zu wünschen übrig. Auch die Sitzbank und der Sozius-Komfort könnten besser sein. Sonst ist die MT-09 SP aber das (nahezu) perfekte Bike für massiven Fahrspaß.


  • Quirliger, drehmomentstarker Motor
  • Extrem agiles Handling
  • Top Bremsen
  • Hochwertiges Fahrwerk
  • Fahrspaß pur!
  • Schlecht lesbares TFT-Display
  • Recht harte Sitzbank
  • Steuerung der Elektronik könnte intuitiver sein

Fazit: Ducati Streetfighter V2

Mit dem Streetfighter V2 hat Ducati den Supersportler Panigale V2 tüchtig modifiziert und auf Alltagstauglichkeit getrimmt. Trotz der optischen Nähe zum Streetfighter V4 besitzt er einen eigenständigen Charakter und hat auch Allüren, die das Leben mit ihm ein wenig schwierig, aber im Gegenzug interessant machen. Der ruckelige Motorlauf in niedrigen Drehzahlen stört Ducatisti aber offensichtlich nicht, stattdessen freut man sich über 153 PS, die gut am Gas hängen, fein ansprechende Fahrwerkskomponenten, hochwertige Bremsen und eine elektronische Komplettausstattung - lediglich die Tankanzeige wurde vergessen. Ähnlich seiner fahrerischen Qualitäten orientiert sich die Streetfighter V2 allerdings auch bei der Preisgestaltung nach oben in Richtung Hyper-Naked-Bikes.


  • drehfreudiger V2 Motor
  • umfangreiches Elektronikpaket
  • serienmäßig fein ansprechendes Fahrwerk
  • kräftige Bremsen
  • präzises Fahrverhalten
  • sportlicher und edler Auftritt
  • sportliche und zugängliche Sitzposition
  • keine Tankanzeige
  • Motor ruckelt bei niedrigen Drehzahlen
  • Hitzestau unter dem Fahrersitz
  • ambitionierter Preis

Bericht vom 13.06.2022 | 9.806 Aufrufe

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