Benelli Imperiale 400 im Test - ein Motorrad wie damals

Entschleunigender A2-Klassiker im Test

Die 60er sind wieder da! Benelli schiebt mit der Imperiale 400 ein würdiges Klassik-Bike an den Start. Im Test finden wir heraus, ob 20 PS auf 200 kg Spaß machen können.

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Benelli Imperiale 400 2022 - Erscheinung und Feeling

Auch wenn sich Benelli mittlerweile mit Hilfe chinesischer Investoren wieder wettbewerbsfähig gemacht hat, sitzt die Marke immer noch in Italien. Entwicklung und Design der Imperiale stammen aus Pesaro In kaum einem Modell der reichhaltigen Benelli-Flotte zeigt sich die Anlehnung an die stolze italienische Geschichte so konsequent wie in der Imperiale 400. Trotz der attraktiven Preisgestaltung, bietet die Haptik bei diesem A2-Motorrad absolut klassenüblichen wenn nicht gar überdurchschnittlichen Standard. Die klassischen Rundinstrumente werden um ein dezentes LC-Display ergänzt, das eine Tank- und Ganganzeige beherbergt.

Was nach Metall aussieht, ist Metall, Chrom soweit das Auge reicht. Der langhubig ausgelegte luftgekühlte Eintopf wirkt wie ein Relikt aus vergangenen Tagen und fügt sich somit ideal in das Gesamtbild ein. Die gesamte Maschine fühlt sich wertig an, die Verarbeitung ist auf einem ansprechenden Niveau. Ein eleganter Auftritt ist einem im Sattel der Imperiale 400 gewiss. Passanten verfallen beim Anblick der Benelli regelmäßig in Liebesbekundungen, dass es sich dabei um ein Neumotorrad handelt glaubt kaum einer. Oldtimerbonus zum Spartarif.

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Einzylindermotor mit 20 PS - reicht das um glücklich zu werden?

Bäume auszureißen wird einem mit dem 373,5 Kubikzentimeter großen Single sicher schwer fallen. Durch die langhubige Auslegung, ist die Kraftentfaltung jedoch sehr angenehm und berechenbar - immerhin 29 Nm Maximaldrehmoment stehen bei 3500 U/Min an. Positiv zu erwähnen ist der charakteristische Eintopf-Sound, der aus dem verchromten Endrohr poltert. Satt, aber nie aufdringlich laut poltert die Imperiale 400 los. Bei Bedarf lässt sich eine Geschwindigkeit von immerhin 120 km/h erreichen. Das Fünfganggetriebe lässt sich wunderbar leicht schalten, die Gänge rasten zuverlässig ein.

Technische Daten Benelli Imperiale 400

Wie jedes andere Motorrad wurde die Imperiale nach der Ankunft im 1000PS-Büro randvoll getankt und dann auf der Viehwaage gewogen. 206,5 kg bringt die klassische Schönheit auf die Waage.

Fahrendes Motorrad

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Fahrwerk Benelli Imperiale 400 - ein Erlebnis wie damals

Etwas zu ernst mit dem Retrocharme, hat man es bei der Abstimmung des Fahrwerks genommen. Weich ist ein Hilfsausdruck; das starke Aufschaukeln und die Nervosität bei Bodenunebenheiten (vor allem in Schräglage) mit der die Federelemente der Imperiale reagieren, erstickt jede sportliche Ambition bereits im Keim. Also runter vom Gas und Landschaft genießen. Entschleunigung lautet die Devise. Auch die Einzelbremsscheibe am 18 Zoll Vorderrad lädt nicht wirklich zu sportlichen Bremsmanövern ein, in Summe also ein stimmiges Paket. Eben Motorradfahren wie früher, ohne Stress, am besten auf Nebenstraßen und gerne auch mit Sozius. Dafür ist die Sitzbank der kleinen Imperiale nämlich absolut gerüstet. Wer sich traut auch quer zur Fahrtrichtung im Damensitz, wirkt auf der Benelli jedenfalls nicht aus der Zeit gefallen.

Horvaths Senf zur Benelli Imperiale 400:

Optik, Verarbeitung und Sound - eigentlich ein Retro Bike wie aus dem Bilderbuch. Tatsächlich macht die Benelli Imperiale 400 sehr viel richtig, um in diesem Segment konkurrenzfähig zu sein. Dass "nur" 20 PS anliegen stört zu keiner Sekunde, schließlich will man mit solch einem Motorrad hauptsächlich durch die Landschaft gleiten und genießen. Genuss wird nämlich groß geschrieben - der Langhuber produziert einen ganz herrlichen Klang, der Peashooter Auspuff erledigt den Rest, um dem Fahrergehör zu schmeicheln. Überraschend wird es erst, wenn die sowieso niedrigen Erwartungen an das Fahrwerk unterboten werden. Wie ein Schlauchboot schaukelt die Imperiale durch die Kurven, dass man gefühlt in Seenot gerät. Retro-Stil ist schön und gut, das müsste aber nicht sein. Schade, denn abgesehen von diesem Manko ist Benelli hier ein tolles Retro-Bike gelungen.

Vaulis Senf zum Test der Benelli Imperiale 400

Viel besser als die Imperiale 400 kann man den Retro-Gedanken kaum umsetzen - diese Benelli sieht nicht wie ein Retro-Bike aus, sie sieht richtig alt aus! Das aber natürlich im positiven Sinn, denn das viele edle Chrom wirkt herrlich schick und macht auch einen wertigen Eindruck. Dass der Motor mit seinen 20 PS nicht sonderlich sportlich marschiert, ist für mich voll in Ordnung, ebenso die Bremse, die bestimmt nicht brachial zu Werke geht, aber vollkommen ausreicht. Einzig das allzu schwammige Fahrwerk verstehe ich nicht, da haben die Techniker ein wenig übers Ziel hinaus geschossen. Warum müssen die Federelemente gar so weich sein, dass man in jeder Kurve schaukelt wie auf einem Hutschpferd? So MUSS man es tatsächlich gemütlich angehen und sportliche Ambitionen kommen erst gar nicht auf. Stattdessen erfreue ich mich daran, dass es doch so moderne Features wie eine Ganganzeige in die Benelli geschafft haben - die Imperiale 400 ist eben doch Retro und nicht wirklich alt!

Benelli Imperiale 400 Preis und Farben

Zum Schluss dürfen wir noch zum erfreulich niedrigen Preis kommen, den Benelli für die Imperiale 400 aufruft. Führt man sich vor Augen, dass die Materialien wertig sind und günstiger Kunststoff nur an wenigen Stellen verbaut ist, kann man gar von einem Schnäppchen sprechen. Angebote zur Benelli Imperiale 400 aus eurer Nähre findet ihr natürlich bei uns am Marktplatz. Die Imperiale glänzt in drei verschiedenen Lackierungen. Neben dem Grau-Schwarz unseres Testbikes stehen auch eine sehr elegante rot-schwarze Variante und eine ganz-schwarze Edition für höchstmögliches Understatement zur Wahl.

Fazit: Benelli Imperiale 400

Mit der Imperiale 400 stellt Benelli einen würdige Kandidatin für den Anschluss an die glorreichen vergangenen Tage der italienischen Kultmarke vor. Der Ansatz ist was die Fahrdynamik betrifft, sogar etwas zu authentisch geraten. Die Rede ist dabei nicht vom Eintopf, der sich wacker schlägt und wunderbar zum Cruisen taugt. Es sind Fahrwerk und Bremssystem, die für ein Motorrad des 21. Jahrhunderts nicht mehr zeitgemäß sind. Wer sich dessen bewusst ist, kann mit der Imperiale 400 herrliche Stunden verbringen - Motorradfahren wie damals.


  • hinreißende Optik
  • wertige Materialien
  • genug Platz für 2
  • kerniger Langhuber
  • Fahrwerk extrem weich
  • Bremse schwach

Bericht vom 19.05.2022 | 14.126 Aufrufe

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