Erster Test der Harley-Davidson Low Rider ST

Minimalismus trifft High-Performance

Als Harley-Davidson Ende Jänner die neue Low Rider ST vorstellte, trauten die Verantwortlichen ihren Augen nicht: Binnen etwas mehr als 24 Stunden war die geplante Erstbestückung für den DACH-Raum Deutschland, Österreich, Schweiz ausverkauft, mittlerweile wird man auf Wartelisten gesetzt. Ist der kraftvolle Cruiser diesen Hype wert? Wir sind ihn in Spanien gefahren, um das herauszufinden.

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Hubraumstärkster Motor, der serienmäßig in einer Harley verbaut ist

Optisch orientiert sich die neue Low Rider ST an der Sport Gilde aus den 1980ern, unter dem Tank aber arbeitet ein wahres Kraftwerk. Der Milwaukee Eight 117 V-Twin mit Präzisions-Öl/Luft-Kühlung ist nicht nur ein Hingucker, er hat auch mehr Hubraum und entwickelt mehr Drehmoment als jeder andere Motor, der serienmäßig in einer Harley-Davidson verbaut ist. Die 117 Kubik Inch ergeben stolze 1.923 ccm, das mächtige Drehmoment von 169 Newtonmeter steht bereits bei 3.500 U/min zur Verfügung. Dagegen nehmen sich die 106 PS Leistung fast bescheiden aus. Wobei die Leistungsentfaltung beeindruckend ist, der Motor in jeder Lebenslage Kraft satt und Souveränität ausstrahlt. Und obendrein schon im Leerlauf komfortabel ruhig läuft, wofür Ausgleichswellen verantwortlich zeichnen. Der frei stehende, auffällig nach vorne gerichtete Luftfilter lässt mehr Luft in den Motor strömen und sorgt ebenso für noch mehr Drehmoment im mittleren Drehzahlbereich, wie auch die 2-in-2-Auspuffanlage mit Offset-Shotgun Schalldämpfern. Streng genommen hätte man auf den kurvenreichen Landstraßen im Raum Girona alles im dritten Gang fahren können, so breit ist das nutzbare Drehzahlband dieses Cruisers.

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Die Tacho-Einheit wurde in den Risern "versteckt"

Der so wie das Schwestermodell Lowrider S seine leistungsstarke Performance unverblümt puristisch auf die Straße bringt, neben dem vorgeschriebenen ABS keinerlei elektronische Assistenzsysteme mit an Bord hat. Dieser Minimalismus setzt sich auch bei der kleinen Tacho-Einheit fort, die in den Risern "versteckt" von außen den Eindruck erwecken soll, dass das Motorrad überhaupt keine Instrumente hätte. Geschwindigkeit, Drehzahl und der eingelegte Gang sind darauf ablesbar, steht die Low Rider ST am Parkplatz, ist davon aber nichts zu sehen.

Für ein 327-Kilo-Motorrad fährt sich das Teil überraschend agil

Doch wie fährt sich das Teil? Richtig gut bzw. überraschend agil. Weil die verbauten Komponenten die satte Leistung auch ohne Traktionskontrolle und andere Helfer gut auf die Straße bringen. Die rahmenfeste Verkleidung bietet ordentlich Wind- und Wetterschutz, der fest in den Rahmen verschraubte Motor erhöht die Steifigkeit, das Fahrwerk vermittelt Transparenz. Vorne nimmt es eine 43 Millimeter Upside-Down-Gabel mit Unebenheiten auf und sorgt für Lenkpräzision, das hintere Federbein ist länger als das eines normalen Softail Fahrwerks von Harley-Davidson und erhöht den Komfort sowie die Schräglagenfreiheit. Wobei diese naturgemäß nicht die beste ist, aufsetzende Stiefel oder Rasten bei engagierter Kurvenfahrt zum Alltag gehören. Die Vorspannung kann an der Hinterradfederung mittels praktischem Handdrehrad an Zuladung bzw. Straßenzustand angepasst werden, die Rad-Kombination mit 19-Zoll vorne und 16 Zoll hinten machte sich selbst im kurvenreich(st)en Geläuf nicht schlecht.

Auch punkto Bremsen gibt es wenig zu meckern, wenngleich man schon ordentlich zupacken muss, damit die 300-Millimeter Doppelscheiben die fahrfertig vollgetankt 327 Kilo wiegende Fuhre bei sportlichem Tempo entsprechend verzögern. Das alles geschieht, ohne groß hin- und herzurutschen, bietet doch der komfortable, stark konturierte Einzelsitz viel Halt. Bei einer zugänglichen Sitzhöhe von nur 720 Millimeter. Der Tankinhalt beträgt 19 Liter, womit Reichweiten über 300 Kilometer pro Tankfüllung möglich sind.

Seitenkoffer bieten genug Stauraum für die Wochenendtour

Im Unterschied zur Low Rider S kommt die ST mit abschließbaren, eng am Motorrad anliegenden Seitenkoffern daher, die zusammen zwar nur 53,8 Liter Stauvolumen bieten, fürs kleine Gepäck bzw. die Wochenendtour sollte das aber ausreichen. Die Koffer lassen sich durch Betätigung eines innenliegenden Mechanismus abnehmen, um den sportlichen Tourer im Handumdrehen in einen Performance Cruiser zu verwandeln. Selbstverständlich ist die Low Rider auch für den Zweipersonen-Betrieb zugelassen, den Sitz dafür muss man sich jedoch aus dem Zubehör-Programm besorgen.

Harley-Davidson Low Rider ST Koffer
Bringt Stauraum an die HD: Die serienmäßigen Seitenkoffer.

Bei einem Einstandspreis von 21.595 Euro in Deutschland bzw. 26.365 in Österreich dürfte der eigentlich schon auf Wunsch dabei sein. Apropos Zubehör: Da kann man seine Harley nicht nur mit verschiedenen Windschildern ausstatten, sondern es auch mit einer High-Performance Audio-Anlage mit 250 Watt Leistung aus zwei Hoch- und zwei Tieftönern krachen lassen. Vorausgesetzt man hat rechtzeitig geordert bzw. steht auf der Warteliste.

Fazit: Harley-Davidson Softail Low Rider ST

Im Sattel der keinesfalls weichgespülten Low Rider ST will man einfach nur losfahren, am besten weit, weit weg, kommt sofort die Route 66 in den Sinn. Aber das Teil kann auch kurvenreiche Land- bzw. Passstraßen, bietet nicht nur vom Drehzahlmonster Millwaukee Eight 117 Performance satt, sondern auch was Fahrwerk und Fahrverhalten betrifft. So gesehen haben jene Harley-Davidson-Fans, die sie praktisch blind ohne Probefahrt bestellten, nicht viel falsch gemacht.


  • ein in jeder Lebenslage souveräner Motor
  • stabiles Fahrwerk
  • überraschend agiles Handling
  • komfortabler Sitz
  • unverfälschte Performance dank Verzicht auf elektronische Assistenzsysteme
  • überschaubare Schräglagenfreiheit
  • Sozius-Sitz ist aufpreispflichtiges Extra
  • Bremsen bei sportlichem Tempo erfordert ordentlich Handkraft

Bericht vom 13.04.2022 | 10.384 Aufrufe

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