Kawasaki Versys 1000 S gegen SE - 1000 Kurven an einem Tag!

Was bringt ein elektronisches Fahrwerk im engen Winkelwerk?

Kawasaki hat geladen und ich bin geflogen - nach Spanien zum Crom-Ride, einer Ein-Tages-Rallye, die verheißungsvoll mit 10 Pässen und 1000 Kurven lockt. Im Zuge dessen konnte ich auch gleich die topausgestattete Kawasaki Versys 1000 S mit der nochmals besser ausgestatteten Versys 1000 SE samt elektronisch geregeltem Fahrwerk vergleichen. So paradox es also klingen mag - Arbeit kann doch Spaß machen!

Wer die Gegend rund um das spanische Girona kennt, braucht keine Erklärung für diese unfassbare Kurven-Orgie, die ich dort an den Ausläufern der Pyrenäen erleben durfte. Allen anderen sei hiermit eine anschauliche Erklärung gegeben: Selbst wenn es ohne Probleme möglich gewesen wäre, eine gerade Straße zwischen zwei Punkten zu bauen, wurden dort trotzdem 20 ultrageile Kurven verbaut! Ich kenne tatsächlich kaum eine bessere Gegend, um mit dem Motorrad unendlich viel Kurvenvergnügen zu haben. Und weil es auf über 400 Kilometern Kurvenparadies in Spanien nun mal nicht immer perfekten Asphalt geben kann, sondern auch mal ziemliche Rüttelpisten, ist dieser Crom-Ride auch gleich eine ausgezeichnete Möglichkeit, ein elektronisches Fahrwerk mit einem konventionellen auf zwei ansonsten nahezu baugleichen Motorrädern zu vergleichen. Die Rede ist von Kawasakis Zwillingsschwestern Versys 1000 S und Versys 1000 SE, letztere mit dem elektronisch verstellbaren, semiaktiven Skyhook-Fahrwerk, das Kawasaki gemeinsam mit Showa penibel auf die Versys 1000 SE abgestimmt haben.

Das semiaktive Fahrwerk der Kawasaki Versys 1000 SE

Auf die entscheidende Frage, ob sich ein semiaktives Fahrwerk im engen Winkelwerk auszahlt, kann ich sogleich antworten: Grundsätzlich macht man mit beiden Versys 1000-Modellen alles richtig, die Fahrwerke sind auf beiden Maschinen auf richtig hohem Niveau, allerdings macht man mit der Versys 1000 SE samt Skyhook-Fahrwerk eben alles noch richtiger. Denn abgesehen von der watscheneinfachen Möglichkeit, das Fahrwerk insgesamt per Riding Modes sanfter oder härter einzustellen (es gibt drei voreingstellte Modi) und der Option, die Federvorspannung auf einen Fahrer, Fahrer mit Gepäck oder Zweier-Betrieb abzustimmen, kann man sich im selbst konfigurierbaren User-Mode sogar die Zug- und Druckstufe per Knopfdruck justieren.

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Das Fahrwerk der Kawa Versys 1000 S ist „nur“ ausgezeichnet

Schön und gut, könnte man nun sagen, das entspricht ja dann auch nur den Einstellmöglichkeiten, die ich schon beim konventionellen Fahrwerk der Versys 1000 S habe. Allerdings reagiert das elektronische Skyhook-Fahrwerk tatsächlich präziser und besser auf Unebenheiten als das Fahrwerk der S, die im direkten Vergleich dann doch etwas unbeholfener über schlechte Straßen holpert. Allerdings auch nur im direkten Vergleich, denn auch die Versys 1000 S besitzt ein herrlich sensibles und ausgewogenes Fahrwerk, nur ist es klarerweise immer ein Kompromiss, den die Elektronik in diesem Fall übertrifft. Man könnte sagen, dass das Fahrwerk der Kawasaki Versys 1000 SE großartig ist, während jenes der Versys 1000 S nur ausgezeichnet ist.

Der Motor der beiden Versys 1000-Modelle ist ein ausgewogenes Kraftwerk

Für diese gute Funktionalität der beiden Kawasaki Versys 1000-Modelle sind aber nicht nur die Fahrwerke verantwortlich, sondern auch die identen Motoren, die sich unfassbar harmonisch benehmen. Es ist ja nun schon länger Usus oder zumindest erlaubt, in ein Adventure-Bike etwas anderes als einen V2-Motor einzubauen - Kawasaki machte mit der Versys 1000 vor, dass auch ein Reihen-Vierzylinder ganz gut in diese Motorradgattung passt. In den beiden aktuellen Versionen stehen also 120 PS bei 9000 Umdrehungen sowie 102 Newtonmeter Drehmoment bei 7500 Touren am Programm. Gar nicht mal so viel, wenn man bedenkt, dass mittlerweile bis zu 170 PS in Power-Adventure Bikes eingefüllt werden. Allerdings ist der 1043 Kubik große Reihenvierer in den Kawas wie bereits erwähnt herrlich harmonisch und enorm antrittsstark. Und das zählt im engen Winkelwerk nun mal mehr als schiere Power oben raus. Natürlich wünscht man sich gelegentlich 170 PS oder wie bei einem Kawasaki-Schwestermodell mit Kompressor gar 200 PS, allerdings konnte ich die Geraden, auf denen das Sinn macht, an einer Hand abzählen.

Selbst nach 400 anspruchsvollen Kilometern hat man keine Schmerzen

Auch das Gewicht von fahrbereit nur knapp unter 260 Kilo ist weit entfernt von der Bezeichnung Leichtgewicht, aber wie so oft ist ein gutes Handling auch eine Frage der Sitzposition und der Gewichtsverteilung. Bei den beiden Versys-Modellen passt jedenfalls beides sehr gut, der Schwerpunkt ist niedrig, der Lenker ist für ein direktes Handling breit genug und die Sitzposition ist angenehm aufrecht für sehr direkte Impulse, um die Versys 1000 zu steuern. Positiver Nebeneffekt ist, dass man selbst nach 400 anspruchsvollen Kilometern während einer Tagestour keinerlei Wehwehchen zu beklagen hat. Für die beiden Kawas spricht jedenfalls enorm, dass ich sofort sehr viele Motorräder aufzählen könnte, mit denen ich diese Tour an einem Tag nicht machen hätte wollen - mir fallen aber keine Maschinen ein, mit denen ich die Tour viel lieber gemacht hätte.

Kawasaki Versys 1000 S und SE - absolut faire Angebote

Am Ende dürfte wie so oft der schnöde Mammon das entscheidende Kriterium sein - wer die Kohle hat, sollte unbedingt die teurere Versys 1000 SE ordern! Denn der Aufpreis von 2000 Euro in Deutschland und 1700 Euro in Österreich (richtig gelesen, weniger Aufpreis in Österreich!) ist stolz, aber nicht unberechtigt. Wer dann noch in Touring-Features investieren will, bekommt von Kawasaki das sogenannte Tourer-Paket mit zwei Seitenkoffern (jeweils 28 Liter Fassungsvermögen, inklusive Innentaschen) um knapp 900 Euro, das Tourer Plus-Paket zusätzlich mit Nebelscheinwerfern um rund 1500 Euro oder gleich das Grand Tourer-Package, das weiters mit einem riesigen Topcase samt Beifahrer-Rückenlehne (47 Liter Volumen), Rahmenschutz und GPS-Halterung verwöhnt. Eine voll ausgestattete Kawasaki Versys SE bekommt man also um etwas mehr als 20.000 Euro/Franken in Österreich und der Schweiz, oder rund 19.000 Euro in Deutschland - verglichen mit anderen, ebenfalls so gut ausgestatteten Reise-Maschinen anderer Hersteller ein absolut faires Angebot!

Fazit: Kawasaki Versys 1000 SE

Die Kawasaki Versys 1000 SE ist mehr als gerüstet für die ganz große Reise: Die vielen Features ziehen an einem Strang, denn alles Gute an der SE zielt auf Komfort und Sicherheit. Sei es das semiaktive elektronische Skyhook-Fahrwerk von Showa, das KIBS Kurven-ABS, die Kawasaki Cornering Management Funktion (KMCF), das Kurvenlicht oder das gut ablesbare TFT-Farb-Display, die Elektronik lässt keine Wünsche offen. Gepaart mit der gemütlichen Sitzposition und dem hohen, verstellbaren Windschild sind lange Etappen ein Genuss. Der Motor ist bestimmt nicht der stärkste, das Gewicht bestimmt nicht das niedrigste, aber insgesamt stellt die Versys 1000 SE ein optimales Touring-Motorrad dar.


  • Sehr komfortable Sitzposition
  • kultivierter Reihen-Vierzylindermotor
  • volles Elektronikpaket
  • verstellbares Windschild
  • herrliches elektronisch verstellbares Showa-Fahrwerk
  • gut dosierbare Bremsanlage
  • unverwechselbare Optik
  • Windschild nicht mit einer Hand verstellbar

Fazit: Kawasaki Versys 1000 S

Die vermeintlich schlechter ausgestattete Versys 1000 S verzichtet lediglich auf das elektronisch verstellbare Fahrwerk der SE - und bietet somit nahezu die gleichen Leistungen wie das Topmodell. Somit sind auch bei der S alle Komfort-Features mit an Bord, die eine lange Reise nicht nur erträglich, sondern richtig angenehm machen. Die paar Kilo weniger gegenüber der SE spürt man zwar nicht unbedingt, allerdings ist auch die S eine ideale Begleiterin auf langen Touren, wenn Komfort und unkompliziertes Handling im Vordergrund stehen.


  • Sehr komfortable Sitzposition
  • kultivierter Reihen-Vierzylindermotor
  • volles Elektronikpaket
  • verstellbares Windschild
  • gut dosierbare Bremsanlage
  • unverwechselbare Optik
  • Windschild nicht mit einer Hand verstellbar

Bericht vom 05.08.2021 | 15.916 Aufrufe

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