Test der neuen Kawasaki Z900RS Cafe

Test der neuen Kawasaki Z900RS Cafe

Fahrbericht des neuen Retro-Sport Cafe Racers

Heart in the past – head in the future. Mit diesem Motto präsentiert Kawasaki die neue Z900RS Cafe, die an die Sportmaschinen der frühen 70er-Jahre erinnern soll. Das Herz in der Vergangenheit, der Kopf in der Zukunft. Das Modern-Classic-Modell soll der Parole nach die Technik der Zukunft mit dem Design der Vergangenheit verknüpfen – und so in Nostalgie schwelgen lassen. Bei einer Testfahrt durch die Weinberge von Baden und Mödling wollte ich ausprobieren, ob der Spagat gelungen ist und ob sich das Retro-Bike trotzdem modern anfühlt.

Neben der Z900RS bringt Kawasaki ein weiteres Modell im Modern-Classic-Segment auf den Markt: die halbverkleidete Cafe Racer Variante, die sich hauptsächlich optisch und ergonomisch von der nackten Ausführung unterscheidet.

Kawasaki Z900RS Café – Abstammung und Vorgeschichte

Einige Züge der Cafe erinneren an die großen Racer der 1980er wie die KR 250 und 350. Technisch ist Kawasakis Cafe Racer identisch mit der Z900RS. Einen direkten, serienmäßigen Café Racer-Vorfahren gibt es nicht. Die Café wurde auf Basis der nackten Z900RS, welche von der Z1 aus den 70er-Jahren abstammt, und angelehnt an die Sportmaschinen aus jener Zeit, entwickelt. Damals lag der Umbau zu Rennmaschinen mit Halbschalenverkleidung, besonders in England, voll im Trend. Die Biker trafen sich in Cafés, wie z.B. dem bekannten Ace Café in London, um von dort aus illegale Straßenrennen zu fahren – daher der Name Café Racer. Heutzutage muss dieser Umbau nicht mehr selbst umgesetzt werden, sondern ist so ab Werk erhältlich, und erfolgt (hoffentlich) nicht zum Zweck der verbotenen Wettrennen.

Die ursprüngliche Z1 wurde in der damaligen Zeit auch liebevoll „Witwenmacher“ genannt. Warum das? Weil sie aus dem Motor mit über 900 Kubik 82 PS holte und Höchstgeschwindigkeiten von über 200 km/h erreichte – und zugleich kaum Bremsen (eine einzelne, ungelochte Bremsscheibe und ein Einkolben-Bremssattel vorne) und ein eher kümmerliches Fahrwerk vorzuweisen hatte. Das hat Kawasaki selbstverständlich überarbeitet und ein Bike im Retro-Design und moderner Technik auf den Markt gebracht.

Die Z900RS Café ist somit die Café Racer-Version des Retro-Nakedbikes Z900RS, welche technisch auf dem sportlichen Nakedbike Z900 und optisch auf der Z1 von 1972 basiert.

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Drehmomentstarker Motor und ordentliche Fahrleistung

Im Vergleich zur Z1 findet sich in den neuen RS- bzw. Retro Sport-Modellen ein hochmoderner Reihen-Vierzylindermotor mit 111 PS (ca. 30 PS mehr als die Z1) bei 8.500 U/min. Zudem wiegt das neue Modell mit 216 kg fast 30 Kilogramm weniger als die 70er-Jahre-Ikone. Das maximale Drehmoment von 98,5 Nm liegt bei 6.500 U/min an - und somit um 1.200 Umdrehungen früher, als bei der Z900. Es fehlen im Vergleich zum sportlichen Nakedbike zwar 14 PS in der Spitzenleistung – das Retromodell hat dafür allerdings den drehmomentstärkeren Motor. Bereits im Drehzahlkeller hatte der ordentlich Druck und machte bei der Ausfahrt richtig Laune! Das sportliche Klassik-Motorrad hat ein sehr angenehmes Ansprechverhalten und fühlt sich sowohl agil als auch stabil (sowohl bei niedrigen, als auch bei höheren Geschwindigkeiten) an.

Wie bei der Z900 verzögern vorne die radial montierten Vierkolben-Festsattelzangen, die in 300-mm-Bremsscheiben greifen und sorgen für eine starke Bremsleistung. Die Hebel sind einstellbar, was besonders Fahrern mit kleineren Händen (wie z.B. mir), zu Gute kommt.

Das Fahrwerk der Z 900 RS Cafe

Die Z900RS Café hat einen Gitterrohrrahmen, bei dem der Motor als mittragenden Teil integriert ist und eine 41mm-Upside-Down-Gabel. Vorne haben wir einen Federweg von 120mm und hinten 140mm. Das Fahrwerk ist sowohl vorne als auch hinten in Federvorspannung und Zugstufe einstellbar sowie vorne zusätzlich in der Druckstufe.

Traktionskontrolle und Anti-Hopping-Kupplung

Auch an der Ausstattung lässt sich erkennen, dass das Classic-Bike der Neuzeit angepasst ist. Die Anti-Hopping-Kupplung verzeiht gegebenenfalls schlampiges Kuppeln und sorgt für mehr Sicherheit am Kurveneingang. Außerdem gibt es, neben ABS (selbstverständlich), eine zweistufig einstellbare (auch während der Fahrt) sowie abschaltbare (nur im Stand) Traktionskontrolle, die sich bei Kawasaki „KTRC“ nennt (Kawasaki Traction Control). Bei dem sportlichen Modell gibt es allerdings keinen Quickshifter, was den einen oder anderen vielleicht enttäuschen könnte. Ich selbst finde Schaltassistenten super - ist für mich allerdings kein Muss. Hauptsache die Gänge lassen sich mühelos und sanft wechseln, wie es bei der Café der Fall ist.

Design des Café Racers und optische Unterschiede zur Z900RS

Das halbverkleidete Modell unterscheidet sich optisch von seiner nackten Schwester in der klassisch grün-weißen Lackierung mit sogenannter „Bikini-Verkleidung“ und sportlicher Halbschale, anderem Sitz sowie unterschiedlicher Lenkerposition. Im Gegensatz zur Z900RS gibt es bei der Farbgestaltung nur eine Ausführung.

Die Kühlrippen am Zylinderkopf sind ein weiteres Highlight der RS-Modelle und erinnern an den luftgekühlten Z1-Motor. Es handelt sich jedoch um eine moderne, flüssigkeitsgekühlte Antriebsmaschine.

Angenehme Sitzposition der Z 900 RS Cafe

Die Sitzhöhe liegt bei 820mm. Das bedeutet, dass der Sitz 1,5cm tiefer als bei der Z900RS (835mm) und 2,5cm höher als bei der Z900 (795mm) ist. Mit meinen 1,69m komme ich gut mit den Fußballen auf den Boden. Trotz der sportlicheren Position des tieferen Lenkers und dem niedrigeren Sitz war es selbst am Ende des Tages nicht unangenehm. Im Vergleich mit anderen Café Racer Modellen, die ich bisher gefahren bin, wie z.B. der R nineT Racer oder Ducati Scrambler Café, empfand ich die Körperhaltung als weniger extrem und auf Dauer bequemer. Ich kann mir also auch längere Fahrten auf der neuen Z900RS Café sehr gut vorstellen.

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Gussräder mit Speichen-Optik

Die Räder sind - im Unterschied zur „King of Cool“-Z1 - keine Speichenräder, sondern Leichtmetall-Gussräder mit teilgeschwärzten und polierten Felgen. Die Optik soll an die traditionellen Speichenräder erinnern, was sehr gut gelungen ist, und Produktionskosten einsparen. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass Speichenräder als Sonderausstattung ab Werk erhältlich sind.

4-in-1-Auspuff mit grollendem Sound

Im Gegensatz zur Z1 haben die Z900RS-Modelle keinen 4-in-4- sondern einen 4-in-1-Auspuff. Die Begründung dafür ist seitens Kawasaki, dass er sportlicher und leichter wirkt. Der Sound macht trotz Euro4 einiges her und zeichnet sich durch ein tiefes Grollen im Leerlauf und bei niedrigen Geschwindigkeiten aus.

Display der Z 900 RS Café: Analoge Instrumente mit Multifunktions-LCD

Mit dem Display ist Kawasaki ein sehr guter Kompromiss aus Klassik und Moderne gelungen. Es besteht aus zwei runden Elementen, die analog Geschwindigkeit und Drehzahl anzeigen, sowie einem digitalen Bildschirm in der Mitte der unter anderem Auskunft über Uhrzeit, Kilometerstand, Gang, Temperatur, Tankinhalt, Verbrauch und Stufe der KRTC anzeigt. Alles gut ablesbar, auch bei sich ändernden Lichtverhältnissen – am Testtag hatte ich einen Mix aus strahlendem Sonnenschein und dunklen Wolken.

Moderne LED-Scheinwerfer und LED-Rücklicht

Der runde LED-Frontscheinwerfer erzeugt einen weißen, hellen Lichtkegel. Die ovale LED-Schlussleuchte ist so gestaltet, dass es wie eine einzelne, klassische Glühbirne wirkt und somit ganz dem Retro-Design entspricht.

Kawasaki Z900RS Cafe Preise

  • Österreich: ab 15.199 Euro (zum Vergleich Z900RS: ab 14.499 Euro)
  • Deutschland: ab 12.195 Euro (zum Vergleich Z900RS: ab 11.695 Euro)
  • Schweiz: ab 13.490 CHF (zum Vergleich Z900RS: ab 12.990 CHF)

Fazit: Kawasaki Z900RS Cafe

Mit der Z900RS Cafe hat Kawasaki eine sehr gelungene und hochwertige Hommage an die Café Racer-Maschinen aus den 70er-Jahren auf den Markt gebracht. Sie vereint das klassische, sportliche Design mit der hochmodernen Technik der Neuzeit. Technisch ist sie mit der Z900RS gleichzusetzen und unterscheidet sich nur in optischen Details sowie der Sitzposition und dem Windschutz von der der nackten Retro-Sport-Schwester. Verglichen mit anderen Café Racer-Modellen überzeugt sie durch eine angenehmere und weniger extreme Sitzposition. Modernes Fahrwerk und Bremsen sowie technische Hilfssysteme wie Traktionskontrolle, ABS und Anti-Hopping-Kupplung schaffen gepaart mit der wunderschönen Retro-Optik eine passende Balance zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

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Vorteile
  • wunderschöne, klassische und hochwertige Optik
  • sehr gutes Handling, Agilität und Stabilität
  • sportliches Fahrgefühl dank drehmomentstarkem Motor, sportlicher Sitzposition und Windschutz
  • Traktionskontrolle (zweistufig einstellbar und deaktivierbar) und Anti-Hopping-Kupplung
  • toller Sound
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Nachteile
  • Blinker und weißes LED-Frontlicht etwas zu modern
  • 14PS Leistungsverlust ggü. Z900
  • Speichenräder nicht als Sonderausstattung ab Werk erhältlich
  • kein Schaltassistent

Bericht vom 16.04.2018 | 12.817 Aufrufe

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