Yamaha SR400 Flat Track School

Yamaha SR400 Flat Track School

Schule des schrägen Schlupfs

Manchmal muss man zu seinem Glück einfach gezwungen werden. Das macht froh, auch wenn es mit Schmerzen verbunden sein kann. Yamaha schickt uns in die Flat Track School.

Ich bin beim Reisen nicht unbedingt gut gelaut, wie ich auch sonst nicht unbedingt gut gelaunt bin. Aber eben noch ein bisschen schlechter, weil mich die Fliegerei stresst und schlaucht. Deshalb war ich auch nicht unbedingt froh, als wir bei der Ankunft im Hotel in Fuerteventura gebeten wurden, unser Gepäck abzugeben und wieder in den Bus zu steigen, es warte eine Überraschung auf uns. (Hab ich schon erwähnt, dass ich Überraschungen nicht unbedingt mag?)

Journalisten in die Wüste schicken

Man versuchte die Herde der aufgebrachten Journalisten mit den Worten "Es wird Essen geben" etwas zu beruhigen. Der Bus verließ also das Hotel, die Stadt...die Zivilisation. Irgendwann werden die Spanier zwar auch den letzten Quadratzentimeter dieser kargen Vulkaninsel mit betonierten Schuhschachteln verbaut haben, doch noch gibt es völlig verlassene, weil verwüstete Flächen, in denen kein Mensch zu finden ist - und genau dort brachte man uns hin.

Nur Casino-Betrüger und Mafia-Verräter kommen in diese Gegenden, ohne sie jemals wieder zu verlassen. Ein Fleckchen Erde wie auf einem fernen Mond, auf den es die Sonne ganz besonders abgesehen zu haben scheint und der Wüstenwind die Angst vor einem Sonnenbrand vertreibt, nicht aber die Verbrennung selbst. Feiner Sand durchzieht die Luft, die Augen sind im Dauerwaschgang, während sie verschwommene Konturen eines ausgewalzten Ovals wahrnehmen: Ein Flat Track. Blieb nur die Frage zu klären, ob wir nur zuschauen, oder selber fahren sollten.

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Di Traverso Flat Track School

Der Vareser Marco Belli gründete vergangenes Jahr die Di Traverso Flat Track School, die Leuten wie uns das Driften am Dirt Track beibringt. Als Arbeitsgeräte dienen auf das Notwendigste reduzierte Yamaha SR400 im DEUS-Design; so ziemlich das Beste und Schönste, was ich mir vorstellen kann, weil es mich daran erinnert, wie pur und ehrlich Motorradfahren einmal gewesen sein muss. Hier kann man es noch erleben.

Einen Tag lang Evel Knievel sein

Aufgrund der zahlreichen Journalistenschaft beschränkte sich die Lehreinheit auf ca. 20 Minuten mit sehr kurzer Eingewöhnungszeit. Ich fühlte mich, als hätte man mich ins Kostüm von Evel Knievel gesteckt und mir gesagt, ich müsse jetzt für ihn einspringen - über 15 Busse. Ich verfüge über Grundlagenkenntnisse im Offroad und ein Trauma von einer ebenso erfolglosen wie schmerzhaften Saison im Supermoto-Intercup. Einziger Vorteil: Ich kenne sämtliche Sturzszenarien und Schmerzvarianten.

Manche wollen nicht hören, sondern fühlen.

Zunächst sollten wir ein Gefühl für das Fahrzeug und seine Dynamik auf losem Untergrund bekommen. Um wenigstens ansatzweise Grip auf den Vorderreifen zu bekommen, muss man den Oberkörper nach vorne und Gewicht auf die Front verlagern. Die Ellenbogen sollten auf keinen Fall am Körper anliegen, sondern zur Seite weggestreckt werden. In dieser Position kann man nicht nur besser manövrieren und bekommt ein feineres Gefühl für Korrekturen, im Falle eines Sturzes bricht man sich auch nicht so leicht die eigenen Rippen. Einer hat den Beweis gleich selbst erbracht. Manche wollen eben nicht hören, sondern lieber fühlen.

Flat Track Fahrschule, Teil 1

Im ausgesteckten Slalom merkten wir schnell, dass man auch mit Heck und Gas lenken kann und gewöhnten uns an die Dreh(zeit)punkte. Beruhigend wirkte zudem, dass ein schiebendes Vorderrad noch keinen Grund zur Panik geben muss. Die Feinabstimmung zwischen Gas und Grip wurde außerdem beim berühmten Donuts-Drehen verbessert, bei dem das Motorrad mit durchdrehendem Hinterrad um den Innenfuß gezirkelt wird. Motorrad in Schräglage bringen, Lenker nach innen einschlagen, Gas geben und Kupplung loslassen. Ein erster erfüllender Erfolg!

Die letzte Übung, bevor es schließlich ins Oval ging, gehört zum Einmaleins des Offroadsports: Die 180°-Wende. Anbremsen, einlenken, Gas geben und mit Zug wieder aus der Kurve rausbeschleunigen. Da man dieses Manöver auf Asphalt eher selten durchführt, sofern man kein Stuntfahrer ist, war hier die Grenze des Intuitiven erreicht und ich hatte nicht genug Zeit, mir diese Kunst anzueignen. Zum Überleben im Oval aber auch nicht zwingend notwendig. Dort zählte nur, nicht zu schnell in die Kurve, nicht überbremsen, nicht zu hastig einlenken, nicht zu früh ans Gas, nicht zu spät ans Gas, nicht in den Rillen fahren...und nicht über den Lenker stürzen.

Weniger Schräglage = höhere Verletzungsgefahr

Obwohl es sich genau genommen um kein Oval, sondern eine Ellipse und somit eine einzige Kurve handelt, gibt es auch hier eine Ideallinie. Die Hauptscheitel werden steil angefahren, im Scheitel ans Gas gegangen und elegant rausgedriftet. So zumindest die Theorie. Das Einfahren in die Kurven blieb bis zum Schluss aufgrund des indifferenten Gefühls ein Horror, doch für das Rausdriften entwickelte man mit etwas Mut schnell ein gutes Gefühl. Das Problem der meisten Fahrer war die zu geringe Schräglage, weshalb die meisten Stürze Highsider waren. Einer flog aufs Gesicht, ein anderer auf die Hüfte und einer voll auf die Rippen, was scheinbar zu einer Knochenverletzung führte. Nur ein schweizer Kollege, ein ehemaliger Supermoto-Staatsmeister, legte sich bei seiner beeindruckenden Vorstellung, die dem richtigen Flat Tracken schon sehr nahe kam, dreimal hin, ohne sich zu verletzten. Wer fahren kann, der kann auch stürzen.

Wir fühlten uns wie Gladiatoren, die den Circus Maximus überlebt haben, als wir die Arena verließen. Niemals zuvor fuhr ich so intensiv und konstant den schmalen Grat des Grips entlang. Nicht meisterhaft, meist eher schwach, doch sturzfrei und voller emotionaler Erfahrungen, für die zu sammeln man sonst sehr viel Zeit braucht. Die sollte man sich mal nehmen für die Di Traverso Flat Track School. Unbedingt!

Bericht vom 01.02.2016 | 9.906 Aufrufe

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