Aprilia Tuono V4 1100 RR 2015 Test

Aprilia Tuono V4 1100 RR 2015 Test

Donner mit Druck - Die neue Nummer 1?

Der Feinschliff und das Upgrade der Tuono wurde goldrichtig platziert. Mächtige Testfahrt!

Vollste Konzentration! Die Aprilia Crew schickte uns hier auf keine glattgebügelte Retorten-Strecke, sondern auf eine Testrunde der harten Sorte. Der Asphalt ist mies und schmutzig, die Schlaglöcher sind heftig. Für ein sportliches Powernakedbike wie die Tuono eigentlich kein gutes Revier, doch sie fährt grandios und die Tour macht Spass. Warum?

Aprilia Tuono V4 - jede Menge Erfahrung steckt im Modell 2015

Die neue Tuono ist keine radikale Neuentwicklung sondern eine Weiterentwicklung eines beliebten und bewährten Motorrades. Die Aprilia Techniker haben dabei den Bleistift exakt dort angesetzt, wo die alte Tuono kleine Schwächen hatte. Das Ergebnis ist ein Modell mit messerscharfer Perfektion und Präzision. Hier stecken keine Kinderkrankheiten oder Fehler mehr drinnen, dieses Modell ist vollgepackt mit Erfahrung und Know-How.

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Aprilia Tuono 2015 - 175 PS Spitzenleistung

Früher mal bin ich sehr gerne die V2 Tuono gefahren. Die V4 Tuono kam bei mir jedoch bisher nicht ganz so gut an. Der Motor hatte unten zu wenig Druck und das Motoransprechverhalten war mir nicht sauber genug. Sie konnte meiner Ansicht nach mit den Platzhirschen S1000R und SuperDuke 1290 nicht mithalten. Das ist nun anders! Der Motor in der 2015er Tuono ist nun ein echtes Sahnestück. Bei der Hardware wurde kräftig investiert. Pankl Pleuel, grössere Airbox und ein Feinschliff an Kurbelwelle und bei der Elektronik sorgen für 175 PS. Die nackten Zahlen sind jedoch nur für den Stammtisch wertvoll. Hier am dreckigen Asphalt begeisterte mich der Druck im Drehzahlkeller und die unglaublich gute Motorabstimmung.

Die 175 PS sind nett, grandios ist jedoch die Motorabstimmung

Auch wenn es uncool klingt, aber die Tuono V4 fährt sich deutlich leichter als früher. Denn die Elektronik Ingenieure sorgten dafür, dass die Motorbremswirkung in Abhängigkeit von gewählten Gang, Drehzahl und auch in Abhängigkeit vom gewählten Mapping immer fein säuberlich justiert zur Verfügung steht. Butterweich rollt die Tuono in den Radius, in den Bremszonen gibt sie sich wie ein Fahrschulmotorrad, erst am Kurvenausgang wird sie zur reissenden Bestie. Die Motorbremswirkung ist in der Praxis fast zur Gänze nicht mehr vorhanden und die Vorteile überwiegen. Nur in Spitzkehren muss man seinen Fahrstil möglicherweise ein wenig umstellen. Hier fährt es sich leichter, wenn man mit der Hinterbremse stabilisierend eingreift. Der Grund warum die Tuono hier im Hügelland unweit von Misano so grandios fährt sind also nicht die 175 PS sondern es ist die elektronisch glattgebügelte Motorbremse.

Hemdsärmelige Arbeit, tolles Ergebnis: Das Fahrwerk der 2015er Tuono

Doch die Lorbeeren dürfen sich nicht bloss die Motor-Elektroniker einstreifen. Auch die Fahrwerks / Chassis Crew hat die Arbeitszeit toll genutzt. Die Tuono hat kein elektronisches Fahrwerk, doch die Aprilia Crew hatte das scheinbar nicht nötig. Das Fahrwerk der TUONO V4 1100 RR ist mit guter alter Mechanik-Hardware und viel Testarbeit zur Perfektion getrimmt worden. Zieht euch das Video rein und seht selbst: Der Asphalt schlägt üble Wellen, doch die Tuono bleibt immer stabil auf Kurs. In den wenigen sauberen Kurven geniesst man dann das grenzenlose Vetrauen in die Front, legt um und trifft immer den gewünschten Strich. Ich liebe Motorräder in dieser Phase ihres Modellzykluses. Sie sind wie Frauen in den besten Jahren. Ihre jugendlichen Flausen haben sie längst abgelegt jedoch sind sie oft wunderschön, anmutig und feurig in der Kiste.

Sitzposition Aprilia Tuono V4

Im Sattel der Tuono spürt man in der unteren Körperhälfte die Nähe zum Superbike. Der Kniewinkel ist relativ eng. Trotzdem würde ich nichts an dem Motorrad ändern. Wie mit einem Zurrgurt festgeschnallt sitzt man hier in der Maschine. Der Knieschluss beim Tank ist eng und in den Ausbuchtungen findet man viel Halt. Von der Hüfte abwärts ist man jederzeit bereit für den Angriff und voller Körperspannung und mit viel Druck in den Rasten. Der Oberkörper jedoch ist richtig entspannt am Fahrzeug platziert. Duch die starke Integration im Fahrzeug muss man wenig Kraft mit den Händen in den Körper einleiten und Nacken und Rumpf bleiben locker. Auch deswegen gelingen auch komplizierte Radien immer total spielerisch. Die Nähe zum Superbike bei gleichzeitig überraschend grossem Fahrkomfort gelingt der Tuono V4 bestens. Noch grössere Piloten (ich selbst bin 185cm) sollten beim Probesitzen allerdings prüfen, ob ihre Knie noch in die Ausbuchtungen vom Tank passen umso die Tuono voll und ganz geniessen zu können. Erfahrungen von grösseren Piloten sind herzlich willkommen - bitte einfach am Ende des Berichtes posten!

Elektronische Features an der Tuono V4

Die Tuono V4 bietet im Modelljahr 2015 einen gut funktionierenden Schaltassistenten, welcher beim Hochschalten für Stabilität und Fahrkomfort sorgt. Das ABS funktioniert makellos, würde sich bei Bedarf aber auch deaktivieren lassen. Die AWC (Aprilia Wheely Control) lässt sich in 3 Stufen regulieren und natürlich kann man mit der Tuono herrlich von der Ampel loswheelen. Aber im hektischen Infight im Winkelwerk bleibt sie bei Bedarf vorne auch am Boden. Die Traktionskontrolle funktionierte in der Praxis ebenfalls hervorragend. Sehr anwenderfreundlich kann man mit einem Click am linken Lenkerende die Regelung in 8 Stufen einstellen. Mit kalten Reifen beginnt man am kühlen Morgen einfach mal in Stufe 7 und ist damit auf der sicheren Seite. Im Laufe des Tages clickt man dann immer weiter runter bis auf Stufe 3 und feuert dann mit maximalen Vortrieb aus den Ecken. Man muss dabei niemals in die Tiefen des Bordmenü vordringen, sondern benötigt immer nur den linken Daumen bzw. den linken Zeigefinger. Nur für die Justage von AWC und für die Wahl des Mappings muss man mit dem „Mode“ Wippschalter etwas tiefer ins Menü einsteigen.

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Das grösste Plus: radikal UND diszipliniert zugleich

Die neue Tuono ist insgesamt ein tolles und gut gemachtes Motorrad. Den Technikern ist gelungen, ein einfach zu fahrendes Powernaked hinzustellen, welches trotzdem noch emotional und cool daherkommt. Tuono Fans werden zufrieden sein und Aprilia Neulinge dürfen ihr eine Chance bei einer Probefahrt geben. PS: Alle Details zum Modell und weitere Hintergrundinfos sind in der Bildergalerie verpackt. Einfach oben aufs Bild clicken!

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Fazit: Aprilia Tuono V4 1100 RR

Die neue Tuono ist insgesamt ein tolles und gut gelungenes Motorrad. Den Technikern ist gelungen ein einfach zu fahrendes Powernaked hinzustellen, welches trotzdem noch emotional und cool daherkommt. Tuono Fans werden zufrieden sein und Aprilia Neulinge dürfen ihr eine Chance bei einer Probefahrt geben.

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Vorteile
  • starker Motor kombiniert mit hervorragender Abstimmung
  • agiles aber auch einfaches Handling
  • viel Vertrauen für das Vorderrad
  • starke Nähe zum Superbike mit hochwertigen Teilen wie Rahme, Schwinge und Motor
  • tolle sportliche aber auch komfortable Sitzposition
1
Nachteile
  • Teilweise billige Details bei Bedienelementen und Hebeln
  • Ab Körpergröße 190 könnte der Knieschluß zum Problem werden => Probesitzen!

Bericht vom 23.04.2015 | 54.154 Aufrufe

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