Kawa Voyager Custom

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Motorräder für echte Männer wird es immer geben. Und es werden nicht die mit 200 PS sein.
 

Kawasaki Voyager Custom

Die dunkle Bedrohung aus Japan ... aus Sicht der Amis ... und nicht auf Umweltkatastrophen bezogen.
 
Two hundred pounds is always two hundred pounds. Sagte der gute alte Henry Rollins einmal. Im Falle der Kawasaki Voyager Custom wären es sogar 842 Pfund. Zu Deutsch sind das 382 fahrbereite Kilogramm. Die noch größere Schwester der Custom, die Voyager, durchbricht übrigens die 400er Marke. Aber was will ich damit sagen? Ich will sagen, dass 1 PS heute nicht mehr 1 PS ist. Und deshalb sind auch 200 PS nicht mehr 200 PS. Ich wage zu behaupten, dass jeder A-Schein-Besitzer eine ZX-10R fahren kann. Vielleicht nicht so, wie es ihrem Naturell entspricht, aber sagen wir mal, ohne zu stürzen. Die Kraftentfaltung ist seidenweich, ABS und Traction Control verzeihen fast jeden Fehler. Doch eine schwere Maschine wird immer eine schwere Maschine bleiben und Leute, die sie fahren, werden immer echte Männer bleiben.

Genau ins Schwarze. In viel Schwarzes.


Kawasaki hat mit der Voyager Custom genau ins Schwarze getroffen. Wie man sieht, in sehr viel Schwarzes. Und dieses große Schwarze wird angetrieben von einem genau 1700 Kubik großen Motor; der leistet zwar nur 73 PS, entwickelt aber ein maximales Drehmoment von 136 Nm. Mehr brauchen echte Männer nicht. Sie brauchen auch keine Sitzheizung, wohl aber einen breiten und bequemen Sitz, denn sie sind schwere Jungs. Die Hammerhead-Verkleidung an der Front ist breit, aber niedrig und lässt noch genügend Luft zum Fahrer durch. Eine Touringscheibe wäre sicher die falsche Wahl gewesen. Im breiten Kopf finden neben vier Rundinstrumenten im 50-er Jahre Stil auch eine Digitalanzeige, ein Radio und 2 große Lautsprecher Platz.

4 Rundinstrumente, Radio, 2 Lautsprecher.


Wer jetzt behauptet, dass man die mobile Hi-Fi Anlage nur im Stop-and-Go Verkehr und gemütlichen Flaniermodus nutzen kann, sieht diese Dinge zu pragmatisch. Ein Radio auf einem Motorrad machte noch  nie viel Sinn. Na und? Das möchte man übrigens auch von einem Tempomaten behaupten. Der Einsatz des selbigen belehrt uns aber eines Besseren. Nachdem ich selten bis nie einen Tempomat benutze, weil mein Auto nicht im Stande ist, Tempo zu machen, brauchte ich einige Zeit, bis ich verstand, wie dieser zu aktivieren war. Ein Dreijähriger hätte 2 Sekunden gebraucht. Beim Einschalten bei Autobahngeschwindigkeit geht ein deutlicher Ruck durch das Motorrad, der Motor schiebt kurz aber kräftig an. Davon sollte man sich nicht schrecken lassen.

Das Motorrad lebt von Überflüssigkeiten.


Ist die Straße breit und lang und der Selbstfahrer erst einmal aktiviert, kann man sich im Overdrive wunderbar treiben lassen. Fast möchte man sich zurücklehnen und es sich richtig bequem machen (Notiz: Rückenlehne statt Sozius verbauen lassen). Die Geschwindigkeit kann nun mit dem rechten Daumen reguliert werden. In diesem Moment weiß man zwar, dass man auch das nicht braucht, aber das stört einen nicht. Motorräder wie diese leben von Überflüssigkeiten. Ein Motorrad wie dieses - das werden einige sofort erkannt haben - ist übrigens die Streetglide von Harley. Eigentlich ist es eher umgekehrt, die Voyager Custom ist sowas wie die Streetglide, weil ja alles, was in Japan Chopper wurde, vorher schon in Amerika geworden war. Das Original gibt es für in Vivid Black, die Kawa für in Ebony.

Wie das bei schwergewichtigen Straßenkreuzern nun mal so ist, kann ein kurzer Stopp etwas länger dauern. Vorne stemmen sich zwei Vierkolbenfestsättel gegen zwei 300 mm Scheiben, hinten helfen ein Doppelkolben-Schwimmsattel und ebenfalls eine 300 mm Scheibe mit. Dabei kooperieren Bremshebel und -pedal immer, um ein zufriedenstellendes Verzögerungsergebnis zu erzielen. K-ACT mit ABS verteilt die Bremskraft optimal. Leichter fällt da - immer wieder überraschend angesichts solcher Ausmaße - das Handling. Die Voyager ist nicht nur zum Reisen über endlos lange Highways und langatmige Landstraßen gemacht, sie poltert auch flink durch engmaschige Bergstraßerl und versteckte (asphaltierte) Waldwege.

Schürfwunden. Bei Trittbrettern nichts Besonderes. Das Trittbrett gibt nach, die verschweißte Halterung nicht.

Video killed the radio star? Auf dem Motorrad wohl nie.

Poltert auch flink durch engmaschige Bergstraßerl.


Trittbretter, die nicht früh aufsetzen, gibt es nicht, da ist die Kawa keine Ausnahme, für ein normales Fahren sollte es aber reichen, wir reizen das gerne aus. Die geräumigen Koffer haben mehr Volumen als die Doppelauspuffanlage darunter, von der man sich mehr Kommunikation mit der Außenwelt wünschen würde. Echte Männer müssen hier tätig werden und sich mehr Gehör verschaffen. Der Sound ist aber die einzige Schwäche der Voyager Custom, ansonsten kann man davon ausgehen, dass sie härter ist, als die meisten von uns. Auch (selbst) ich musste zu extremen Mitteln greifen, um der Härte der Kawa gerecht zu werden. Baseballcap umgedreht (das ist, als wenn ich eine Maschine starte), die bemalten Tattoo-Strümpfe über die austrainierten Ärmel gezogen, die Hand zur Faust geballt und den bösen Blick aufgesetzt. Fertig ist ein echter Rocker.
Tempomat. Gas geben wie auf der Playstation.

Echte Härte kann man sich nicht kaufen. Unechte Tattoos schon. In Strumpfform aus Thailand, ganz viel billig.


Technische Daten Kawasaki Voyager Custom

Kraftstoffzufuhr/Vergaser Kraftstoffeinspritzung: Ø 42 mm x 2
Zündung Digital
Starter Elektrisch
Schmiersystem Semi-Trockensumpf
Motortyp Flüssigkeitsgekühlter Viertakt-V2
Hubraum 1,700 cm³
Bohrung x Hub 102.0 x 104.0 mm
Verdichtungsverhältnis 9.5:1
Ventil-/Einlasssystem SOHC, 8 Ventile
Abmessungen (L x B x H) 2.510 x 970 x 1.290 mm
Bodenfreiheit 145 mm
Radstand 1,665 mm
Sitzhöhe 730 mm
Tankinhalt 20 Liter
Gewicht fahrfertig 382 kg
Bremse, vorn Doppelscheibe, Ø 300 mm
Vierkolben-Festsättel
Bremse, hinten Ø 300 mm Bremsscheibe, Doppelkolben-Schwimmsattel
 Maximale Leistung 54 kW (73 PS) bei 5.000/min
 Maximales Drehmoment 136 Nm (13,9 mkp) bei 2.750/min

Fazit: Kawasaki VN 1700 Voyager Custom

Echte Männer müssen hier tätig werden und sich mehr Gehör verschaffen. Der Sound ist aber die einzige Schwäche der Voyager Custom, ansonsten kann man davon ausgehen, dass sie härter ist, als die meisten von uns.


  • Klassisches Design
  • integrierte Elektronik
  • ABS
  • kann relativ hohe Geschwindigkeiten erreichen
  • geräumige Koffer
  • Schwergewichtiger Straßenkreuzer
  • Bremsen könnten stärker sein
  • enttäuschender Sound

Bericht vom 19.04.2011 | 27.984 Aufrufe

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