Honda CBR250R

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Von allen Honda-Neuheiten des heurigen Jahres ist die CBR250R die einzig echte Neuheit – keine Vorgängerin, keine Weiterentwicklung, keine Ahnenlegende.
 

Honda CBR250R 2011

Ernsthafte Konkurrenz für Kawasakis kleinsten Ninja-Kämpfer.
 
Japaner, im speziellen japanische Motorradhersteller, stehen ja bekanntlich ganz arg auf Traditionen. Das Althergebrachte wird mit so viel Respekt behandelt wie von uns Österreichern bestenfalls das obligate Schnitzerl am Sonntag. Dementsprechend verhalten sich die Japaner auch gegenüber ihren alten Motorrädern - die Nachteile und Schwächen des Vorgängermodells gegenüber der Neuheit werden nicht etwa hervor-, sondern vielmehr unter den Teppich gekehrt. Das alte Modell wird mit viel Respekt und Ehre in die verdiente Pension geschickt. Auch der Vorgängerin der Vorgängerin wird noch heftigst gehuldigt. Ganz zu schweigen vom Urmodell der Baureihe, das gilt nämlich als genialer Vorreiter einer höchst erfolgreichen Modellgeschichte – sogar dem schlechtesten Krapfen von Motorrad werden nach Jahrzehnten noch Blumen gestreut. Das funktioniert bei der brandneuen CBR250R (noch) nicht: Keine Vorgängerin, keine Ahnenlegende, keine Weiterentwicklung.
 

Die Front mit dem markanten Scheinwerfer erinnert stark an jene der Fireblade SC50 von 2002 – fast zehn Jahre altes Design kann auch heute noch hervorragend aussehen.

 
Umso erfreulicher ist es, dass die Honda-Ingenieure trotzdem ein herrlich erwachsenes Motorrad auf die beiden Räder gestellt haben. Vor allem vergisst es nicht, wo es hingehört: Die CBR250R wird nämlich weltweit verkauft, in vielen Märkten wie etwa Österreich will Honda damit den Einsteiger und Wiedereinsteiger bedienen.
In anderen, ärmeren Märkten stellt die kleine Spaßmaschine aber bereits ein Oberklasse-Modell dar. Daher soll und darf sie niemanden überfordern. Natürlich hätten eine Upside-Down-Gabel, radial montierte Bremssättel und ein hochgezüchtetes 250er-Triebwerk dem supersportlichen Image geholfen - die Zielgruppe hätte es aber in jedem Fall verfehlt wie ein alkoholisierter Scharfschütze.

Mehr Sportlichkeit hätte geholfen, Zielgruppe wäre verfehlt.


Ganz altvaterisch kommt die kleine Sportlerin aber dennoch nicht daher, Insgesamt wurden ganze 27 neue Technologien patentiert. Vor allem der Viertakt-Einzylindermotor ist auf der Höhe der Zeit, verfügt über Vierventiltechnik, zwei oben liegende Nockenwellen, eine verbrauchsoptimierte Einspritzanlage und eine Iridiumkerze. Der Kolben besitzt sogar eine Molybdän-Beschichtung, die für eine verminderte Reibung sorgt. Ebenso wie die leicht versetzte Anordnung von Kolben und Zylinder gegenüber der Kurbelwelle. Das offene Erfolgsgeheimnis des Motors ist die Verwendung von möglichst wenig bewegten Einzelteilen, was ihn sowohl leicht als auch kompakt macht.

Kaum einer hätte gedacht, dass dieses Motörchen so viel Spaß macht!


Resultat sind etwas mehr als 26 PS bei 8500 Umdrehungen, das maximale Drehmoment von 23,8 Newtonmeter liegt etwas früher bei 7000 Touren an. Das sorgte beim verwöhnten Journalistenpack vor der Testausfahrt zwar für verschmitztes Lächeln, während der Fahrt und bei den Gesprächen danach allerdings für einige "Ohs" und "Ahs" – kaum jemand hätte gedacht, dass dieses Motörchen solchen Spaß machen kann. Es ist natürlich nicht die Beschleunigung, die uns vom Hocker haut und auch die Endgeschwindigkeit bricht keine Rekorde. Aber man fühlt sich nie untermotorisiert, kann das Triebwerk bis 10.500 Touren auswinden und mit fleißigem Schalten fast die gleichen Resultate erzielen wie mit stärkeren Maschinen.

Der Auspuff ist nicht schön, aber auch nicht hässlich – Freunde eines gepflegten Joints werden bestimmt Gusto bekommen.

Dass die CBR125R die gleichen Armaturen trägt ist eine Ehre für die Kleine, aber sicher keine Schande für die Große. - Update: silberne Flügerln, blaue Lichter.

Ein ganz großer Wurf gelang den Ingenieuren mit der Bremsanlage. Klarerweise wurde den gleichermaßen patscherten wie übermotivierten Journalisten nur die ABS-Version in die Hand gedrückt. Traurig war darüber aber niemand, denn für nur 400 Euro Aufpreis bekommt man ein System, das bis zum vorigen Jahr noch den Supersport-Topmodellen vorbehalten war. Unglaublich sanft und kaum spürbar regelt das Combined-ABS. Da gibt es kein klackern im Handbremshebel, wie von Geisterhand hält die kleine CBR selbst bei heftigen Bremsungen die Spur. Wer außerdem zu zaghaft nur die hintere Bremse betätigt, wird von der Elektronik zu Recht overruled und bekommt auch von der Vorderradbremse Unterstützung. Da stört es eigentlich auch gar nicht, dass jeweils lediglich eine Scheibe an Front und Heck arbeitet.

Mit dem, aus den echten Supersportlern bekannten Combined-ABS spielt die CBR250R in einer höheren Liga.


Nur ein zu hoher Body-Mass-Index könnte die Bremse fordern.


 
Sparsam und effizient gibt sich auch die Federung, sowohl die vordere Telegabel mit 37 Millimeter Durchmesser als auch das hintere Pro-Link-Zentralfederbein sind ausreichend komfortabel abgestimmt, ohne schwammig zu wirken. Selbst in schnell gefahrenen, weiten Kurven hält die kleine CBR die Linie und schaukelt nicht unangenehm herum. Dass die Federelemente nicht verstellbar sind, ist somit für den Otto-Normalverbraucher leicht verschmerzbar, zumal sich in unseren Breiten wohl das Gros der Käufer aufgrund des günstigen Preises für die CBR250R entscheiden wird.

Damit man sich eben voll und ganz aufs Beschleunigen und Gasgriffdrehen konzentrieren kann und nicht etwa Gedanken an die Stabilität der Fuhre verschwenden muss, ist der Stahl-Doppelbrückenrahmen den Anforderungen entsprechend sehr stabil ausgeführt. Das sorgt zwar für ein paar mehr Kilos auf den Rippen, wird aber aufgrund des erwachsenen Auftritts gerne in Kauf genommen. Mit 161 Kilo vollgetankt (166 Kilo für die ABS-Version) zählt die CBR250R durchaus zu den sehr leichten Motorrädern. Natürlich hätte ein fescher Alurahmen noch mehr Gewicht gespart, wurde aber aufgrund der höheren Herstellungskosten gestrichen.


Fährt fast wie richtig erwachsen.


Schließlich wird auch an der Optik kaum jemand etwas zu kritisieren finden. Wer auf sportliche Attribute steht, kann sich an der aggressiven Front mit dem breiten, großflächigen Scheinwerfer im Stil der vierten Fireblade-Generation und der glattflächigen Verkleidung erfreuen. Praktikern hingegen gefallen bestimmt die Rückspiegel, durch die man auch wirklich etwas erkennen kann und die bequeme Sitzposition. Ich war jedenfalls äußerst positiv überrascht, dass die CBR250R auch Fahrer mit einem stark abweichenden Body-Mass-Index ordentlich integrieren kann und nicht aussehen lässt, als wären sie auf einem Moped unterwegs. Selbst der Beifahrer sitzt überaus gemütlich auf dem gut gepolsterten Sattel, die ergonomisch positionierten Fußrasten bedürfen keiner ausgeprägt embryonalen Haltung. Dennoch wird der schlaue CBR250R-Besitzer potentiellen Mitfahrern einreden, die Sitzposition sei selbst auf Kurzstrecken unzumutbar – bei 26 PS will man kein Gramm zu viel mitschleppen.

Insgesamt fährt sich die CBR250R fast wie ein richtig erwachsenes Motorrad und macht dadurch trotz der nur 26 PS mehr Spaß, als man vermuten würde. Vor allem für Neu- oder Wiedereinsteiger bietet sich die sportliche 250er-Maschine an, bleibt stets bestens kontrollierbar und überfordert in keinem Bereich.

Der Sattel ist sportlich konturiert, bietet aber erstaunlichen Komfort. Sogar die Beifahrer-Haltegriffe sind hübsch integriert.

 
Sogar die Armaturen könnten auf weitaus größeren und teureren Maschinen ihren Dienst verrichten: Gut ablesbar, klar gegliedert, ordentlich ausgestattet und mit einem herrliches Design gesegnet, das man anderswo selbst bei teureren Modellen nicht bekommt. Für all das sind 4290 Euro ein durchaus angemessener Preis, vor allem die, nur 400 Euro teurere C-ABS-Version ist ihr Geld wert. (Preis DE 4.490.- inklusive ABS) Man fühlt sich durch die Stotterbremse nicht bevormundet, sondern freut sich über ein Sicherheitsplus – unauffällig und nur dann in Aktion, wenn man sie auch wirklich braucht. Mit der guten Aerodynamik richtet sich die CBR250R auch an Motorradfahrer, die etwas weitere Ziele ins Auge gefasst haben – eigentlich ein zu gutes Motorrad, um nur als Einsteigermodell abgekanzelt zu werden.

Die relativ niedrige Sattelhöhe von 784 Millimetern kommt allen Piloten, ob groß oder klein, zugute.

Durch den angenehm weit vorne angebrachten Lenker fühlen sich auch europäische Riesen nicht eingepfercht sondern gut integriert.


Technische Daten Honda CBR 250 R

Bauart Flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor mit geregeltem Katalysator
Bohrung x Hub in mm / Hubraum in cm³ 76 x 55 / 250
Verdichtung 10,7 : 1
Gemischaufbereitung PGM-FI Einspritzung
Max. Leistung, kW (PS) bei 1/min 19,4 (26,4) / 8.500
Max. Drehmoment, Nm bei 1/min 23,8 / 7.000
Zündung Transistorzündung
Starter Elektrostarter
Felgen vorne 17M/C x MT2.75
Felgen hinten 17M/C x MT4.00
Bereifung vorne 110/70-17M/C
Bereifung hinten 140/70-17M/C
Radaufhängung vorne  37 mm Teleskopgabel
Radaufhängung hinten Schwinge, Pro-Link-Zentralfederbein
Federweg in mm vorne/hinten 130 / 104
Bremsen vorne 296 x 4,5 mm Scheibenbremse mit Doppelkolbenbremszange, hydraulisch betätigt, optional Combined-ABS
Bremsen hinten 220 x 5 mm Scheibenbremse mit Einkolbenbremszange, hydraulisch betätigt, optional Combined-ABS
Gewicht vollgetankt 162 / 166 ABS
Länge in mm 2.030
Breite in mm 709
Höhe in mm 1.127
Radstand in mm 1.369
Lenkkopfwinkel 25°
Nachlauf in mm 95
Sitzhöhe in mm 784
Bodenfreiheit in mm 148
Tankinhalt in Liter 13
Sitzplätze 2


 
Interessante Links:

Text: Vauli, 1000PS
Fotos:
Honda

Bericht vom 04.04.2011 | 66.895 Aufrufe

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