Ducati Diavel

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Teufels Werk und kots Beitrag. Satans Stuhl des Feuers findet seinen ersten Jünger.
 

Ducati Diavel

Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge. [1.Petrus 5:8]

 

Aus den dunklen Hallen von Bologna kam etwas zu uns auf die Welt, das keinen Namen hat und keines Gleichen. Seine Beschreibung liest sich wie das desmodromische Necronomicon. Und es offenbart sich nur jenen, die für sein Wesen empfänglich sind. In Marbella schloss ich endlich den Pakt mit dem Teufel.

In letzter Zeit verfolgt mich Pferdefuß beinahe jede Nacht in meinen Träumen. Manchmal wache ich schweiß-gebadet auf, um kurz darauf in einem neuen Albtraum featuring the Fürst of Finsternis gefangen zu sein. Da krabbeln Kinder an der Decke, brabbeln grausige Greise rückwärts, tanzen fürchterliche Fratzen im Schatten der Nacht. Ich weiß nur noch nicht, ob mich der Teufel verfolgt, oder ich ihn, aber das ist wahrscheinlich Teil seines Spiels. Der Mensch klagt darüber, von ihm in Versuchung geführt zu werden und sucht selbst nach der Versuchung. Vielleicht sollte ich auch einfach abends nicht mehr soviel essen. Es hat mich jedenfalls sehr beunruhigt, als Ducati ein Motorrad vorstellte, bei dessen Anblick ein Mitarbeiter entsetzt Bösartig wie der Teufel ausgerufen haben soll und es auf diese unchristliche Weise sogleich getauft hatte. 4 Monate nach unserer ersten Vorstellung muss ich der Angst ins Gesicht blicken oder war es umgekehrt?

Der Schaffensprozess der Diavel forderte weder einen klaren Verstand noch eine reine Seele. Und es ist ohnehin unklar, ob dieses Wesen geschaffen oder vielmehr heraufbeschworen wurde. Beim Test trafen zwei verdorbene Charaktere aufeinander. Teufels Werk und kots Beitrag.


Datenblatt der Diavel: Das desmodromische Necronomicon.


Ich kenne Ducatisti, die die Geburt der Monster als größten Sündenfall bologneser Zeitrechnung deuten. (Die Existenz der Multistrada leugnen sie gänzlich.) Dass es ohne die extrem erfolgreiche Naked-Baureihe wahrscheinlich heute kein Ducati mehr geben würde, wird ausgeblendet. Es ist anzunehmen, dass diese Leute auch die jüngste Niederkunft nicht begrüßen werden. Im Grunde ist es so. Der gemeine Motorradfahrer fordert Innovation, technischen Fortschritt und eine kreative Modellentwicklung. Außerdem möchte er, dass sich nichts ändert, verachtet technische Fahrhilfen und zeigt sich völlig irritiert von allen Modellen abseits lange bestehender Motorradtypen. Für all jene ist die Diavel nicht. Sie haben meinen Segen.
Die Diavel ist grobschlächtig in ihrer Erscheinung, aber nicht roh in ihrer Substanz. Bestückt mit der modernsten Elektronik, die wie der 1198er Testastretta aus der Superbike-Baureihe stammt, ist sie state-of-the-art statt western-von-gestern. ABS, Traction Control und drei jederzeit anwählbare Fahrmodi bedeuten heute die Zukunft, die wir alle noch erleben werden müssen. Bald sitzt niemand mehr ganz allein auf dem Motorrad. Solange die Option "abschaltbar" mit an Bord bleibt und der Mensch immer auch die Wahl hat, Mensch zu bleiben, okay. Einige elektronische Spielereien wirken jedenfalls so, als wollten sie uns vor irgendwas bewahren. Nur, wovor? Vor unserer eigenen Unfähigkeit? Oder ist die Diavel wirklich nur zu beherrschen, wenn man ihr elektronische Fußfesseln anlegt?

Nur mit elektronischen Fußfesseln beherrschbar?


Das bologneser Personal war sichtlich besorgt. Nie zuvor in der Geschichte der Motorrad fahrenden Menschheit wurde eine 11 Kilometer lange Proberunde zum Eingewöhnen absolviert. Nie zuvor wurde so genau geschaut, ob auch jeder heil vom Fleck kommt. Bei all der psychologischen Einschüchterung war der Respekt natürlich groß. Mein erster Gedanke, als ich mich einer echten, fahrbereiten Diavel auf dem Parkplatz nähere: Die haben das wirklich gebaut. Dieser Gedanke ist nicht geprägt von Enttäuschung oder gar Mitleid, sondern von Freude über den Sieg der Emotion über die Vernunft. Der Tag an dem alle Motorradhersteller hundertprozentig damit aufgehört haben, hin und wieder auszuklinken, den Markt nicht an die erste, sondern die zweite, dritte...oder letzte Stelle zu setzen und etwas Wahnwitziges auf die Räder zu stellen, ist der Tag, an dem ich meinen Hut ziehe.

Es braucht eigentlich nur drei Eckdaten, um den Wahn hinter dem Witz zu verstehen. 162 PS, 210 Kilo trocken und ein 240er Hinterreifen. Wer es jetzt noch nicht verstanden hat, für den habe ich noch zwei Tipps: 770 mm Sitzhöhe, 1590 mm Radstand. In dieser Konstellation traten diese Werte bisher wahrscheinlich noch nicht mal bei den schwärzesten Streetfighter-Sekten auf. Und weil es das noch nicht gegeben hat, machen sich die Italiener jetzt Sorgen um das Wohl der geladenen Journalisten. Es wird empfohlen, im "Urban" Modus zu starten, der nur maximal 100 PS freigibt, die noch dazu von der Traction Control in der Stufe 5 in Schach gehalten werden. Ich konnte diesem Rat aus reiner Selbstachtung nicht Folge leisten. Es war trocken, es war nicht allzu kalt, also konnte ich mich gerade so dazu entscheiden, den "Touring" Modus zu versuchen, der die volle Leistung etwas sanfter durchlässt, während die Anti-Schlupfregelung in der Stufe 3 arbeitet.


Eckdaten, wie sie die schwärzesten Streetfighter-Sekten nicht kennen.


Es hielt nicht lange, wozu auch? Die Fahrt wurde nach ca. 100 Metern im Modus "Sport" fortgesetzt (Man spielt sich ja nur zu gern mit dem TFT Farb-Informationsdisplay). Maximale Leistung, minimale Traction Control. Das Gefühl hatte ich allerdings beim ersten vollen Einschenken nicht, - es galt herauszufinden, ob die Italiener mit der Behauptung, die Diavel würde von 0-100 in 2,6 Sekunden beschleunigen, Recht haben könnten -  denn die Leistung wurde zum Teil komplett gekappt, einfach kein Druck mehr. Es wird demnach nur den sehr geübten Fahrern möglich sein, in die Nähe des angeblich von einem Ducati Testfahrer aufgestellten Richtwerts zu kommen. Bei höheren Temperaturen und sauberem Asphalt wird das bestimmt leichter fallen, als im verstaubten Spanien bei gerademal warm. In Kürze werden wir mehr wissen, wenn wir die Diavel in Österreich in Empfang nehmen.

Die einzig echte Verwandtschaft, die V-Max, hat subjektiv beurteilt mehr Druck aus dem Stand - wobei anzumerken ist, dass die V-Max einen UNFASSBAREN Druck hat die Diavel beschleunigt eleganter, weniger wie ein Reaktor, mehr wie ein Sportmotorrad. Liegt zum einen am geringeren Gewicht, zum anderen am bekannten Testastretta Motor, der hier nicht viel weniger leistet als in den Superbikes. Bewiesen werden kann das nur im direkten Duell oder mit einer Lichtschrankenmessung. Doch selbst wenn die V-Max auf der Geraden die breite Nase vorn hat, verschwindet sie schnell im schmalen Rückspiegel der Diavel. Nicht auf der Viertelmeile, aber spätestens in der ersten Kurve, eher schon in der Bremszone. Die radial montierten 4-Kolben monobloc Bremsen auf zwei 320er Scheiben sind ebenso bekannt wie wirkungsvoll. Hervorragend zu dosieren, bissfest, präzise. Und: Bei der Diavel schieben gut 80 Kilo weniger in den Kurveneingang als bei der V-Max.


80 Kilo leichter als eine V-Max.


In den Kurven ist die Diavel unter den Power Cruisern sowieso ein Kapitel für sich. Das Geheimnis liegt hier vor allem in der besonderen Bauart des eigens mit Pirelli entwickelten Hinterreifens im Format 240/45 17, der eine stärkere Wölbung aufweist und nicht so flach baut wie gewöhnliche Ultra-Breitreifen. So fährt sich die Diavel im Richtungswechsel unbeschwert und leicht. Am stärksten zu spüren ist da noch der Radstand von 1590 mm, der uns dafür an anderer Stelle behilflich ist. Auf einem - zumindest im Geiste - abgesperrten Autobahnabschnitt beschleunigte das Powerbike bis 240 und blieb dabei selbst in der Kurve vollkommen stabil. Kein Wanken, kein Schwimmen, keine Unruhen. Und weil man in der 770 mm tiefen Sitzwanne hinter dem breiten Vorbau schön ins Motorrad integriert ist, hält man das sogar relativ gut aus. Mit der oversized Gummiwalze im Heck lässt es sich übrigens nicht nur hervorragend aus dem Eck schnalzen, sondern sogar wheelen.

Über eine Schwäche kann aber selbst der eingefleischte Satanist nicht hinweg sehen. Die Bodenfreiheit ist zwar allgemein gesprochen ausreichend, doch so sehr ich mich auch bemühte, meine nicht billigen Bikerboots möglichst dicht an den breiten Korpus der Diavel zu pressen, wobei meine Füße nur mehr an den Zehenspitzen auf den Fußrasten balancierten, ich konnte nicht vermeiden, dass meine Sohlen am Asphalt streiften und mit jeder Kurve Substanz abbauten. Platzierung und Winkel der Fußrasten sind also suboptimal um nicht zu sagen antichristlich und das ist nicht nur schlecht für die Fahrerausstattung, sondern auch für die Konzentration. Schöne Lösungen fand man hingegen bei den Beifahrerfußrasten und dem Haltegriff für den Sozius. Beides lässt sich so einklappen, dass es die Optik in keiner Weise mehr stört.


Stabil bei 240 km/h, Windschutz durch Vorbau.


Was verzichtbar ist? Das Keyless-Go System. Denn zum schlüssellosen Starten sind mehr Handgriffe notwendig als wenn man ihn einfach reinsteckt und losfährt. Sonst hat die Diavel auf der ganzen, nicht gerade schlanken Linie positiv überrascht. Sie funktioniert nicht nur im aufrechten Geradeauslauf, sondern wird aus vielen Rückspiegeln unvorbereiteter Nakedbiker nicht mehr wegzuwischen sein. Sie ist so sportlich, dass sogar eine Anti-Hopping Kupplung an Bord ist. Und wer nicht das Pech hat, irgendwann neben einem Bugatti Veyron Supersport an der Ampel zu stehen, der wird auch hier nie als Verlierer vom Platz rollen. Nur jene müssen das Teufelswerk fürchten, die nicht glauben wollen. Ich hab schon wieder geträumt...
 
Bodenfreiheit groß, Fußfreiheit Fehlanzeige. 
Gut zu erkennen: Das Federbein sitzt fast waagrecht im Chassis.
Fetter Vorbau, LED Technik in Scheinwerfer und Blinkerstreifen. Der Auspuff der Diavel spricht in fremden Zungen, das Motorrad fährt aber nicht rückwärts.
Teufels Heck. Einzigartig und nur echt mit Soziusabdeckung . Einarmschwinge ist Pflicht,  die kreative Nummernschildhalterung Geschmacksache.

Eine Ducati Diavel in der Carbon Version beschleunigt laut Werk von 0-100 in 2,6 Sekunden und kostet mit 22.495 Euro relativ viel. Ein Bugatti Veyron Super Sport (der stärkere) beschleunigt laut Werk von 0-100 in 2,5 Sekunden und kostet mit 1,6 Millionen Euro soviel wie eine burgenländische Gemeinde mit 3000 Einwohnern. Eine Diavel kostet also nur relativ viel. 1.577.505 Euro für 0.1 Sekunden? Bitte net deppat sein.


Technische Daten Ducati Diavel

Motor 90°-V2 4-Takt-11°-Testastretta-Motor, Wasserkühlung
1198,4 ccm - 106,0 mm Bohrung - 67,9 mm Hub - Verdichtung 11,5:1 (±0,5)
Ventilsteuerung 4-Ventil-DOHC-Desmodromik, Ventilhub: 12,2 mm (E) - 11,2 mm (A)
Ventildurchmesser: 43,5 mm (E) - 35,5 mm (A)
Einlass öffent 4° v.o.T., schließt 58° n.u.T. - Auslass öffnet 58° v.u.T., schließt 7° n.o.T.
Leistung 162 PS - 119 kW bei 9.500 Umin / 127,5 Nm Drehmoment bei 8.000 Umin
Kraftübertragung hydraulisch betätigte Anti-Hopping Mehrscheiben-Kupplung im Ölbad mit Servo-System
Antriebskette 530 (5/8 x 3/8)
Rahmen ChroMo Stahlrohrrahmen (ALS 450), 35° Einschlag, 28° Lenkkopfwinkel
Aluminium-Einarmschwinge
Gabel Marzocchi USD-Gabel mit DLC Beschichtung einstellbar in Zug-, Druckstufe und Vorspannung
50 mm Standrohrdurchmesser, 120 mm Federweg
Federbein Progressives Sachs Mono-Federbein verstellbar in Zug-, Druckstufe und Vorspannung
120 mm Federweg
Reifen 120/70-ZR17 vorne, 240/45-ZR17 hinten
Bremse vorne Zweischeibenbremsanlage mit Brembo-Bosch ABS-System, 320 mm Bremsscheiben (schw.)
Brembo M4.34A 4-Kolben-Radial-Monoblock-Bremszangen, Brembo Radial-PR18/19 Bremszyl.
Bremse hinten Einscheibenbremsanlage mit Brembo-Bosch ABS-System, 265 mm Bremsscheibe (schwimmend)
Brembo PF30/32 2-Kolben-Bremszange, Brembo PS13 Bremszylinder
Gewicht 207 Kg (210) Trockengewicht , 400 Kg Höchst zulässiges Gesamtgewicht
Abmessungen 2.257 mm Länge, 945 mm Breite, 1.192 mm Höhe, 1.590 mm Radstand, 770 mm Sitzhöhe
Tank 17 Liter
Service 1.000 und alle 24.000 Km (Ölwechsel alle 12.000 Km) oder Jahresservice
Preise Ö carbon-matt schwarz schwarz/poliert 22.495,00 €
carbon-matt/rot schwarz schwarz/poliert 22.995,00 €

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Text: kot

Fotos: Ducati

   

Fazit: Ducati Diavel 1200 Dark

Sie funktioniert nicht nur im aufrechten Geradeauslauf, sondern wird aus vielen Rückspiegeln unvorbereiteter Nakedbiker nicht mehr wegzuwischen sein. Sie ist so sportlich, dass sogar eine Anti-Hopping Kupplung an Bord ist.


  • ABS
  • Traktionskontrolle
  • auch in hohen Geschwindigkeiten stabil.
  • Platzierung und Winkel der Fußrasten suboptimal
  • Keyless-Go System unpraktisch

Bericht vom 03.03.2011 | 128.453 Aufrufe

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