Suzuki Intruder M800

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Gekommen um zu bleiben. Die Intruder hat sich in 13 Jahren etabliert und war mal Topseller.
 

Honda VT750 S & Suzuki M800 Intruder

Eine Chopper mit weniger als 1000 Kubik ist wie ein Supersportler mit weniger als 100 PS. Und echtes Eisen kommt sowieso nur aus Milwaukee. Zwei Thesen - nichts gewesen. Suzuki argumentiert mit Bewährtem, Honda bringt einen neuen Einwand.

Es war paradox. Wir holten uns Suzukis Intruder M800 im Frühjahr des Jahres 2005 für einen kurzen und schmerzlosen Test, der nicht länger als 7 Tage dauern sollte und vor dem die Redaktionsmitglieder nicht unbedingt Schlange standen. Im späten Oktober des selben Jahres erhielten wir einen strengen Anruf aus der Suzuki Zentrale. Man suche ein Pressemotorrad, besondere Kennzeichen: 2370 mm lang, 700 mm Sitzhöhe, 269 Kilo; feste Statur, aber nicht allzu stark, ca. 53 PS und 69 Nm bei niedrigem Puls. Wir erinnerten uns. Ein Pressemotorrad sollte nach einem erfolgreich durchgeführten Testprozedere wieder an den Verleiher retourniert werden, um auch weiterhin ein positives und beiderseitig vorteilhaftes Verhältnis zu eben diesem aufrecht zu erhalten. Dieses Verhältnis hatte sich soeben geändert. Es war uns gar nicht aufgefallen, dass die kleine Intruder seit bald einem halben Jahr in unserer Gewalt und schon fast zum Firmeninventar geworden war, denn die Beziehung zu ihr war eine äußerst kurzweilige und das, obwohl wir ihr gegenüber nicht sehr wohlwollend eingestellt waren, siehe Vorurteile ganz oben.
 
Die Markteinführung der M800 liegt bereits 13 Jahre zurück. Neunzehnhundertsiebenundneunzig. Für 12 Schilling bekommt man einen Dollar, Roland Kaiser gewinnt in Erfurt den deutschen Schlagerpokal gegen Tic Tac Toe, Prinzessin Diana und Mutter Theresa segnen das Zeitliche und Suzuki kann die Intruder in ihrem Geburtsjahr 282 Mal an den Mann und an die Frau bringen.

Im Jahr darauf, dem vorläufigen Höhepunkt der japanischen Cruiserwelle, waren es sogar noch um 23 Stück mehr, ab dann ging es bis 2004 stetig abwärts, seither befinden sich die Verkaufszahlen der M800 wieder im Steigen, im vergangenen Jahr fanden 65 Intruders einen neuen Besitzer. (Wir reden immer noch vom Motorrad!)


Intruder - Wir reden von einem Motorrad.


Motorradfahrer behaupten ja gerne, Gefühlsmenschen zu sein, die Freiheit zu lieben und aus dem Bauch heraus zu entscheiden, denn Motorradfahren an sich sei etwas Irrationales. Die Realität allerdings sieht etwas anders aus. Der zweite Blick - nach dem auf das Markenlogo - ist nämlich immer der auf das Datenblatt. Danach wird fachkundig geurteilt: alles unter 100 PS verliert nicht nur am Stammtisch, alles über 200 Kilo ist nicht konkurrenzfähig. Ein Cruiser ist somit was gänzlich Unmögliches, das die Sinnfrage zur Sinnfrage zum sinnfreien Motorradfahren in Frage stellt.

Was einerseits wortstark und mit erhobener Faust als nicht mess- und erklärbar verteidigt wird, wird plötzlich anhand ebenso starrer wie substanzloser Werte beurteilt, als könnten diese Werte das Gefühl beim Motorradfahren in irgendeiner Weise abbilden. 2005 dachten wir in ähnlicher Weise, das hat sich zum Glück geändert. Nachdem ich es einige Zeit vermeiden konnte, die M800 zu fahren, musste ich schließlich in der nur 700 mm hohen Sitzwanne Platz nehmen, den 805 Kubik großen wassergekühlten V-Twin starten, den ersten Gang reinhämmern und die Weite zur Nähe werden lassen. Die Metamorphose hatte begonnen.

Zurück in die Gegenwart. Ich sitze nach Jahren wieder auf der M800 und da ist wieder dieses Gefühl, das man hat, wenn man sich von Schwarz und Weiß löst.


Trockene Zahlen verlieren ihre Bedeutung.


Trockene Zahlen verlieren ihre Bedeutung. Auch heute hat die Intruder 53 PS bei 6.000 U/min. und stemmt maximal 69 Nm bei 3.200 U/min. Dem gegenüber steht ein Gewicht von 269 Kilo fahrfertig, was den Topspeed offiziell auf 160 km/h beschränkt, wirklich ausprobiert haben wir das aber nie, weil wir uns nie dazu gezwungen fühlten. Genau genommen fühlt man sich auf der M800 zu nichts gezwungen. Man sitzt  entspannt in der Wanne, die Zügel fest in der Hand, die Füße selbstbewusst vor dem Körper und leicht nach außen gedreht. Eine Lage, die sogar eine sportlichere Gangart ermöglicht, zumal die Fußrasten nicht allzu früh aufsetzen. Gemütliches Schaukeln im moderaten Kurvenwaschgang macht in diesem Moment mehr Spaß, als hochkonzentriertes Schräglagensensing am Rande der Reibung.

Mit einer 130/90-16 Bereifung vorne und einer 170/80-15 Bereifung hinten hat die Suzuki keine Angst vor Kurven, der Motor dreht sauber durch und das eher straff ausgelegte Fahrwerk erfüllt seinen Zweck. Verzögert wird mit 300mm Scheibe und 4-Kolbenbremssattel vorne und einer Trommelbremse hinten, bei Cruisern nicht unüblich und bei der M800 mehr als ausreichend. Der satte Motorsound steht der ausgewachsenen Erscheinung der Intruder in nichts nach, den bulligeren Auftritt hat sie von der großen Schwester M1800R geerbt. Wie lange wird es wohl diesmal dauern, bis Suzuki anruft...
In der Liste steht die Intruder M800 zwar mit gewichtigen € 9.799.-, das 2009er Modell ist aber derzeit zum Aktionspreis von € 7.999.- zu haben.


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Technische Daten Suzuki Intruder M800


Motor V-Twin, 4-Takt, wassergekühlt, SOHC
Hubraum 805 ccm
Bohrung x Hub 83 mm x 74.4 mm
Leistung 39 KW / 53 PS bei 6.000 U/Min
Drehmoment 69 NM bei 3.200 U/Min
Verdichtung 9.4 : 1
Gemischaufb. Digital elektronisch
Antrieb  5-Gang, Kardan
Rahmen  Doppelschleife, Stahl
Gabel Teleskop
Federbein Vorspannung einstellbar
Reifen vo. 130/90-16
Reifen hi. 170/80-15
Bremsen vo. 300 mm Scheibe, 4-Bremssattel
Bremsen hi. Trommelbremse
Länge 2.420 mm
Breite 890 mm
Höhe 1.105 mm
Radstand 1.655 mm
Bodenfreiheit  140 mm
Sitzhöhe 700 mm
Gewicht fahrfertig 269 kg
Topspeed ca. 160 km/h
Tankinhalt ca. 15.5 Liter

Zum Testbericht Honda VT750 S


Interessante Links:

Text: kot
Fotos: arlo

Autor

Bericht vom 19.07.2010 | 91.376 Aufrufe

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