Suzuki Hayabusa 2008

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Schon allein der Kauf ist Provokation. Der Falke ist wieder daaaaa!

Suzuki GSX-R 1300 Hayabusa

Suzuki GSX 1300R Hayabusa

Liebeserklärung an die viel zu schnelle Zeit, in der wir leben.

Das Gesetz hat zu Schneckengang verdorben, dort wo Adlerflug geworden wäre. […] Nur die Freiheit bildet Extremitäten und Kolosse aus.
Schiller, Die Räuber

Wir haben täglich Rot vor Augen und schaffen es dennoch irgendwie, nicht ständig rot zu sehen. Wir werden grundlos angehalten, gebremst, stillgelegt und brechen nicht aus, aus dieser künstlich erzeugten Langsamkeit. Wir werden umgeleitet, zurückgewiesen, weggeschickt und folgen dem Zeigefinger des Gesetzes in die verkehrte Richtung, ohne zum amoklaufenden Geisterfahrer zu werden. Wir sind eigentlich sehr beherrscht - vom Drang nach Geschwindigkeit.

Die Hayabusa. Monument der sinnlosen Raserei. Sinnbild für alles, was gefährlich und schlecht am Motorradfahren ist. Das Hackebeil im Schilderwald. Ein Motorrad, bei dem allein schon der Kauf ein Statement gegen Regeln, Verbote und Beschränkungen bedeutet. Ein Kamikazeflieger, der nur den Sturm nach vorne kennt, nach ganz vorne. Als erstes Serienmotorrad hat die Hayabusa vor 8 Jahren die 300kmh/h Grenze erreicht und überschritten. 300km/h. Das sind nicht bloß 3 mal 100 km/h, oder 100 mehr als 200. Das ist eine andere Dimension, weshalb diese Marke für Landfahrzeuge auch eine Art Schallmauer darstellt. Die Macht haben 300 fahren zu können und es nicht ständig zu tun, oder zumindest zu versuchen, verlangt ein hohes Maß an Reife und Selbstkontrolle. Beides fehlt mir sogar mit 30 noch allzu oft, wenn nicht immer.

Suzuki GSX 1300R Hayabusa

Der Millenium Falke, das schnellste Schiff des Universums.


Hayabusa Fahrer haben alle einen Vogel, soviel steht fest.
(Schließlich heißt Hayabusa - zum tausendsten Mal - Wanderfalke, was so ziemlich der schnellste Vogel der uns bekannten Welt ist.) Wie kann man sich sonst den Kauf eines 197 PS starken Motorrads erklären? Vielleicht ist es die Gewissheit, daß man schneller fahren kann, als auf allen 30er Taferln im Dorf zusammengenommen steht. Vielleicht auch die Tatsache, daß der Reifen beim Beschleunigen noch bei 270 Schlupf zeigt. Oder einfach der menschliche, wenn auch seltsame Wunsch nach Überfluß. Den hatte die Hayabusa an Leistung schon 1999, damals mit 'gerade mal' 175 PS ausgestattet. Heute stecken über 20 Pferde mehr im 1340 Kubik Aggregat. Einen Vogel, sag' ich doch.

Damals schwor man sich in Japan leider auch, nie wieder ein Motorrad zu bauen, das schneller als 300 läuft. Nach japanischer Logik also: 200 PS einfüllen ja, 300 km/h fahren nein. Hä? Wir wollten sehen, ob der neue Falke zumindest am analogen Tacho bis 300 steigt. Und weil auch wir über eine große Portion Selbst-verantwortung verfügen, sind wir nach Deutschland gefahren, um das auszuprobieren. Genau, nach Deutschland. Also 3 Stunden Anfahrt für einen 15 Sekunden dauernden Hochgeschwindigkeitstest. Als hätten wir nichts Besseres zu tun. Selbstverantwortung, sag' ich doch.

Die Beschleunigung ist auf der Hayabusa in ihrer Weise etwas Einzigartiges, als ob 300 Spartiaten hinten anschieben. Brutal aber nicht abrupt, vehement aber nicht ungestüm. Soll noch einer sagen, daß das nicht kontrollierbar wäre. Wie eine irrsinnig starke, große Luxuslimousine. Hier wird viel Masse in Bewegung versetzt, vollgetankt 260 Kilogramm. Der Hinterreifen meldet aufgerieben und unter starken Schmerzen zuviel Kraft aus dem Motor. (Ein Wunder, daß die Bridgestone BT-015 das überhaupt derzahn.) Als ob man das nicht schon wüsste. Hilfeschreie des Pneus sind noch bei 270 zu vernehmen. Da schreit man dann selbst und beginnt zu zweifeln, ob das nicht wirklich zu viel Leistung ist. Nur viel Zeit bleibt nicht zum Zweifeln, es geht weiter und weiter, die Lüft wird dünner und weniger. Bis 280, 290….dann ist Schluß, denn die Zahl der Zahlen sucht man vergeblich auf dem Tachoblatt. Das Ganze passiert in nur wenigen Sekunden. Muß ein ganz großer Vogel sein.

Ob es dann noch weitergeht, das wagte ich nicht herauszufinden, weil die Landschaft ausschliesslich nur mehr aus Strichen bestand und einige Autos offensichtlich auf der Autobahn parkten. Es ist zu vermuten: 'You ain't seen nothing yet!' Ich beschloss, lieber komplett herunterzubremsen, also auf 130. Schön, dass man sich in solchen Situationen auf die Bremsen verlassen kann. Was aber auch diese nicht vergessen, sind die 260 Kilo Lebendgewicht der Speedqueen, die schwer anschieben. Man sollte ordentlich zupacken können. Wie sich allerdings in den letzten Jahren gezeigt hat, sind die Besitzer meist von stattlicher Figur und in der Lage, so ein Monster zu beruhigen. Als ich endlich wieder im legalen Bereich unterwegs war, bemerkte ich, daß die Autos nicht parkten, sondern ebenfalls 130 fuhren.

Nach der Hochgeschwindigkeitsorgie, die sämtliche Endorphinschleusen geöffnet hat, machte sich anarchistisches Gedankengut in meinem Großhirn breit. 'Ich habe das schnellste Motorrad, ergo bin ich der Schnellste und ihr könnt mich alle.' Schön, nur leider fern jeder Realität. Als die Glücksgefühle abgeklungen waren, fühlte ich mich plötzlich ständig wie ein Verbrecher, auch wenn ich mich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen hielt. Dann schwirrten eher Gedanken durch meinen Kopf wie 'Können die mich einsperren, weil sie wissen, daß ich theoretisch 300 fahren könnte und ein dringender Verdachtsmoment vorliegt?". Was hat das Gesetz nur mit uns gemacht? Wir fühlen uns schuldig, ohne schuldig zu sein. In Deutschland habe ich kein Gesetz übertreten.

Understatement pur. Keine 300 am Tacho.

Suzuki GSX 1300R Hayabusa Suzuki GSX 1300R Hayabusa

Großes Motorrad braucht große Scheiben.

Suzuki GSX 1300R Hayabusa Suzuki GSX 1300R Hayabusa

Ein langes, schwarzes Rohr auf jeder Seite.

Wenn die Luft holen, bleibt dir die Luft weg.

Suzuki GSX-R 1300 Hayabusa Video


Man sieht die Freiheit vor lauter Schilderwald nicht mehr. Sie ist irgendwo dahinter.
Uns fehlt nur der Mut, den Wald zu durchdringen - oder abzuholzen. KarolettaLambretta versuchte, diese philosophischen Gedanken in Bild und Ton darzustellen. Heraus kam ein Video, das irrsinnig geil auf's Motorradfahren macht.

Besonders wichtig! Video unbedingt mit Ton anschauen.

Schnitt: KarolettaLambretta
Videodreh: kot, KarolettaLambretta, 2bfound

Zur Entspannung und Beruhigung nahm ich die Hayabusa mit auf die Hausstrecke, um mit ihr etwas zu schunkeln. Überraschend leicht ließ sie sich in die Kurven gleiten, mit der selben Ruhe und Sicherheit, mit der sie zuvor jede nur erdenkliche Geschwindigkeit erreicht hatte. Mit etwas Nachdruck gab sie sich selbst in Wechselkurven ungewöhnlich handlich für einen Sporttourer dieser Größe. Auf ganzer Linie eine sehr harmonische Fahrdynamik, die großes Vertrauen schenkt. In dieser mehr oder weniger friedlichen Atmosphäre (ein Kampf mit einer Tuono und einer 1098 war unvermeidlich) wurden mir auch die weiteren Vorzüge des Falken bewußt.

Der außerordentlich bequeme, ausladende Sitz, der noch den dicksten Hintern auf der langen Reise schonend zu behandeln vermag. Gleiches gilt für den Sozius, obwohl Beifahrerinnen optimalerweise eher schlank sein sollten. Was den Komfort betrifft, hat die 'busa den Titel Sporttourer jedenfalls verdient. Weiters ist die niedrige Sitzhöhe von 805 mm positiv zu bewerten, die nicht nur das am-Knie-fahren deutlich vereinfacht, sie sorgt zudem in jeder Stehphase für einen sicheren Stand. Niemand muß Angst haben, sich mit dem Ungetüm durch zähen Verkehr zu bewegen. Kein alltägliches Motorrad, doch durchaus als Alltagsmotorrad zu gebrauchen. Die Hayabusa hat viel mehr Vorzüge, als man das hinter den großen 300 vermuten würde und deshalb wird sie zu Unrecht zum reinen Raserbock abgestempelt. Ich habe meinen kleinen Vogel gewiss lieb gewonnen und fühlte mich mit ihm so wohl - und sicher(!) - wie auf kaum einen anderen Motorrad zuvor. Vorige Woche dann leider eine böse Überraschung. Anonymverfügung. 20 km/h zu schnell. Innerorts. Mit einem Yamaha X-City 125 Roller. Soviel dazu.

Geschwindigkeit ist Freiheit der Seele, ist in einem Gästebuch zu lesen. Und tatsächlich hat Geschwindigkeit etwas, das weit über das schnelle Vorankommen, das kurzweilige Reisen von A nach B, hinausgeht. Natürlich wäre Wien-München in 2 Stunden im Jahr 2008 logisch und möglich, ist nur bedauerlicherweise nicht durchführbar. Vielleicht liegt die Freiheit nicht darin, tatsächlich 300 km/h zu fahren, sondern einfach fahren zu können. Diese Entscheidungfreiheit muß uns bleiben. Und jeder trifft sie für sich selbst.

Suzuki GSX 1300R Hayabusa

Der Falke ist ein Habicht. Na und? Hatten auch so größten Respekt und Angst.

Suzuki GSX 1300R Hayabusa Suzuki GSX 1300R Hayabusa
Buckel statt Sozius.

Unentschuldbares Heck.

Suzuki GSX 1300R Hayabusa Suzuki GSX 1300R Hayabusa

Alles, was die Kraft kontrolliert. Außer dir selbst.

Zur Sicherheit mit deutscher Nummer unterwegs.

Suzuki GSX 1300R Hayabusa
Suzuki GSX 1300R Hayabusa Suzuki GSX 1300R Hayabusa

Bei den Aufnahmen kam nur eine Taube zu Schaden,
die der Habicht komplett vernichtet hat.

Sämtliche Blutspuren wurden vom Sitz entfernt
und der Bezug antibakteriell behandelt.

Suzuki GSX 1300R Hayabusa

Karl Zierhofer hat einen Vogel. Er ist der Einzige, der so einen haben darf.

Suzuki GSX 1300R Hayabusa

Was ist hässlich? Wenn man nicht hinschauen kann, oder wenn man hinschauen muß? Übersehen hat die Hayabusa jedenfalls noch keiner. Auch ein Grund, sie zu kaufen.

Technische Daten Suzuki GSX-R 1300 Hayabusa

Motor 4-Zylinder Reihenmotor, 4-Takt, 16V, DOHC, wassergekühlt.
Hubraum 1.340 ccm
Bohrung x Hub 81 mm x 65mm
Leistung 145 kW (197 PS) bei 9.500 U/Min
Drehmoment 155 NM bei 7.200 U/Min
Verdichtung 12,5:1
Gemischaufb. Elektron. Einspritzung
Antrieb 6-Gang, Kette
Rahmen Twin-Spar, Aluminium
Gabel USD Teleskopgabel, voll einstellbar
Federbein Gas/Öl-gedämpft und voll einstellbar
Reifen vo. 120/70ZR17
Reifen hi. 190/50ZR17
Bremsen vo. 2 Scheibenbremsen 310 mm, 4-Kolben-Bremssattel
Bremsen hi. 1 Scheibenbremse 260 mm, 2-Kolben-Bremssattel
Länge 2.195 mm
Breite 740 mm
Höhe 1.170 mm
Radstand 1.485 mm
Bodenfreiheit 120 mm
Sitzhöhe 805 mm
Trockengewicht 220 kg
Topspeed ca. 295km/h
Tankinhalt 21 Liter
Interessante Links:

Text: kot
Fotos & Video: Karoletta Lambretta

Fazit: Suzuki GSX 1300 R Hayabusa

Brutal und beherrschbar, so kann man die Hayabusaam besten beschreiben. Am meisten Spaß machen die 197 PS, wenn man in der Nähe der deutschen Grenze wohnt.


  • Extrem leistungsfähiger Motor
  • sehr viel PS
  • enorme Beschleunigung und hohe Geschwindigkeiten möglich
  • leichtes Handling
  • komfortabel
  • sehr schwer
  • streitbares Design

Bericht vom 08.11.2007 | 137.826 Aufrufe

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