Bayrisches Pannonien

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Die neue K 1200 S am Pannoniaring. Klaus Grammer und NastyNils beim BMW Testtag auf der Rennstrecke.

Am 27. April gastierte BMW mit der neuen K 1200 S am Pannoniaring. Der sportliche PS-Tourer mit 167 PS soll laut BMW-Strategen nicht nur klassische BMW-Kunden sondern vor allem auch Nippon-Fahrer ansprechen. Bei der ersten Fahrt im bayrischen Hinterland begeisterte sie sofort. Doch wie fährt sich das BMW Flaggschiff auf dem bekannten pannonischen Asphalt.

Mit am Pannoniaring ist unser rasender Reporter Klaus Grammer. Er wird sich an die Grenzen der K 1200 S tasten und die Knieschleifer ordentlich abscharben. Nämlich dann wenn er auf den Knien zum BMW-Zelt rutscht und um Nachsicht beim 1000 Euro Selbstbehalt winselt.

   
Klaus Grammer berichtet - K 1200 S am Ring

Bereits die Fahrt zum Pannoniaring war eine eher abenteuerliche Angelegenheit. Zwischen gewagten Überholmanövern und Schimpforgien auf unfähige Autofahrer wurde ich von Nils immer wieder ermahnt, die zum Test zur Verfügung gestellte BMW K 1200 S nur ja nicht in der pannonischen Tiefebene zu verstreuen. Ich jedoch hatte wesentlich mehr Angst zwischen zwei ungarischen LKWs zerquetscht zu werden als eine 19.000 Euro BMW zu schrotten. Würde Nils mit dem Motorrad so teuflisch unterwegs sein wie mit dem PKW, hätte Valentino Rossi seinen Meister gefunden.
 

   

Am Ring angekommen erhellten sich unsere Mienen als wir erfuhren, dass im Falle des Falles nur 1.000 Euro Selbstbehalt zu zahlen sein würden. Bei sonnig mildem Wetter war somit das Schlimmste, dass mir heute noch passieren konnte die Heimreise.

Der offizielle BMW-Text besagt, dass Sport die Nummer eins ist auf der BMW K 1200 S. Also sagt Meister Joda: “Das herauszufinden eure Aufgabe sei!“ Möge die Macht mit uns sein!!!


Der tüchtige TYSA Knobi nimmt auch auf der BMW Platz.
Die ersten Runden auf der neuen K

Bereits in den ersten Runden fällt auf, dass sich die BMW trotz des langen Radstandes von 1571 mm und der 248 kg sehr agil durch die pannonischen Kurvenkombinationen bewegen lässt. Auch auf Zug gehalten verhält sich das Bike wieselflink und neigt auch auf den voll zu nehmenden Kuppen trotzdem in keinster Weise zum Lenkerschlagen.

Bei wirklich ambitionierter Fortbewegung auf der Rennstrecke offenbart die K ein Problem, das vermutlich auf der Landstraße ihr großes Plus ist. Die Führung des Vorderrades mit dem neuen BMW Duolever System verhindert ein Eintauchen der Gabel beim Anbremsen einer Kurve.


Erste Runden auf der K 1200 S

Beim Einlenken wird dadurch kein 100%iges Gefühl für das Vorderrad vermittelt, was der Rundenzeit zwar schadet, aber der Sicherheit auf der Straße sehr nützlich ist, da immer Federweg für Unvorhersehbares zur Verfügung steht.

Das Anbremsen selbst wird durch die Stabilität des Duolevers in Kombination mit dem Teil-Integral-ABS-Bremssystem zum Vergnügen. Beim Ziehen der Vorderbremse wird unterstützt durch einen Bremskraftverstärker auch die Hinterbremse betätigt. Dieses System verteilt elektronisch geregelt jeweils die maximal mögliche Bremskraft auf das Vorder- bzw. Hinterrad. Das hilft enorm, um sich an NastyNils vorbeizubremsen und trotzdem locker die Kurve zu kriegen.

Die Reaktionen des neu konstruierten „Sport Kardan“ auf das Fahrverhalten sind sowohl am Kurveneingang als auch in etwas geringerem Masse am Kurvenausgang spürbar. Die Maschine sinkt beim abrupten Schließen der Drosselklappen etwas ein, wodurch es in engen Kurven mit großer Schräglage schwierig ist den Scheitelpunkt sauber zu treffen. Genau dieses Verhalten brachte uns auf die Idee das Fahrwerk zu verstellen, um etwas mehr Rennstreckenstabilität zu schaffen.


Die Bauteile am hinteren Federelement im Detail
ESA - Noch nie war das Einstellen vom Fahrwerk so einfach

In der Box wurde ich als Mann vom Land daraufhin mit ESA (Elektronic Suspension Adjustment) konfrontiert. Das nette BMW-Duo vor Ort Hermann Ortmaier und Armin Wick gaben sich redlich Mühe, uns ESA und die Wirkung desselben zu erklären. Bei einem mit ESA ausgestatteten Motorrad kann vorne die Zugstufe und hinten sowohl die Druck- als auch die Zugstufe und die Federvorspannung über einen Knopf am Lenker verstellt werden. Bei Modellen ohne dem aufpreispflichtigen ESA kann nur das Federbein hinten in Zug- und Druckstufe sowie die Federvorspannung geändert werden. Ich halte dieses System für sehr innovativ und gelungen und werde daher versuchen die möglichen Einstellungen zu erläutern.

Für die Einstellung der Dämpfung kann zwischen den Stufen Comfort, Normal und Sport gewählt werden. Diese Einstellungen können problemlos auch während der Fahrt durch ein kurzes Betätigen des ESA-Knopfes via Schrittmotor geändert werden. Das hintere Federbein kann am Stand bei laufendem Motor an unterschiedliche Beladungszustände angepasst werden. Möglich ist ein Helm für Solobetrieb, ein Helm plus Tasche für zugeladenes Gebäck und zwei Helme für den Zweipersonenbetrieb. Diese Symbole sind sehr gut ablesbar und eindeutig gestaltet.


NastyNils auf der K 1200 S

Das übersichtliche Display im BMW Cockpit gibt Auskunft über die ESA Einstellungen

Sollte also unerfreulicherweise die Sozia etwas schwerer sein, kann man per Knopfdruck die Federvorspannung um maximal 10 mm vorspannen. Diese bei herkömmlichen Bikes oftmals extrem mühselige Angelegenheit übernimmt ein Elektromotor der mittels Potentiometer die jeweilige Federposition an das Steuergerät meldet.

 

Kurz Kommentar NastyNils: Also diese Passage mit der Sozia hat Klaus Grammer bei der Heimreise vom P-Ring noch etwas anders formuliert. Wenn ich mich richtig an das Zitat erinnere war das irgendwie so: "Also dieses ESA ist schon richtig gut! Selbst wennst hinten an richtig fetten Drachen mit dabei hast, kannst die blade Alte zumindest fahrwerkstechnisch eliminieren. Besser als gar nix."

 

Die Auswirkungen der ESA Einstellungen auf das Fahrverhalten der K 1200 S sind beachtlich. Umgestellt von Comfort auf Sport war das Pumpen des Federbeins von einer Kurve zur anderen fast völlig verschwunden. Ebenso stellte sich auf der Rennstrecke die Einstellung der Federvorspannung auf zwei Helme also Soziusbetrieb als sehr gut heraus, da sich die BMW dadurch leichter auf der anvisierten Linie halten ließ und sich das Gefühl für den Grip im Grenzbereich speziell am Kurvenausgang wesentlich verbesserte. Eigentlich bin ich, ausgelöst durch meine erhöhte Sparsamkeit, ein Gegner aufpreispflichtiger Features, aber für ESA würde sogar ich extra bezahlen.


NastyNils innen, Klaus Grammer außen. Wer wird am Kurvenausgang wohl die Nase vorne haben??
167 PS - BMW gibt endlich Feuer

Die Daten des Motors sind schon am Papier verheißungsvoll. 167 PS bei 10.250 U/min und 130 Nm bei 8250 U/min sprechen eine klare Sprache und zaubern mir ein Grinsen ins Gesicht. Hier sei jedoch etwas zur Vorsicht gemahnt. Der 1157 ccm Vierzylinder entwickelt seine Leistung derartig linear und vergleichsweise leise, dass man die auf den Geraden erreichte Geschwindigkeit leicht unterschätzt und es in der Bremszone eng werden könnte.

   

Ich vermute, dass die BMW-Testfahrer einige Motorräder zu Schrott verarbeitet haben, bis ein diesem Motorrad angepasstes Integralbremssystem entwickelt war. Für die Rennstrecke ist die Sekundär-Übersetzung natürlich zu lange. Eine entsprechende Anpassung ist bei den mit Kardanantrieb ausgestatteten BMWs nicht ohne weiteres möglich. Dafür entfällt das lästige Schmieren der Kette – auch nicht schlecht.

Soweit ich das nach einigen Runden am Ring sagen kann sind Windschutz und Ergonomie in Ordnung. Um diese nicht unwesentlichen Kriterien wirklich beurteilen zu können müsste ich mindestens eine Woche mit der K 1200 S in Sardinien verweilen - bezahlt von Boss „NastyNils“.


Geschwindigkeiten werden auf der K 1200 S total unterschätzt - langer Radstand, guter Windschutz, relativ leiser Motor, liniere Charakteristik.
   
Klausi Fazit:

Sollte BMW mit „Sport“ Rennsport meinen, also den Wettbewerb auf der Rennstrecke, werden sie ihr Ziel die Nummer 1 mit der K1200S zu sein eher nicht erreichen. Was das sportliche Fahren auf der Landstraße mit einem tourentauglichen Motorrad betrifft, glaube ich sagen zu können, dass mit der BMW K 1200 S die Messlatte für die Mitbewerber sehr hoch gelegt wurde.

NastyNils Fazit:

Die K 1200 S ist noch kein M3 CSL auf 2 Rädern aber auf alle Fälle ein 545i. Das Motorrad fühlt sich trotz reichlich Power niemals brutal oder giftig an. Die K 1200S ist keine CBR 1000 oder GSX-R 1000 sondern möchte CBR 1100 XX, Hayabusa, ZX-12 und FJR 1300 Besitzer begeistern. Und das gelingt auf alle Fälle. Mit dem neuen ESA-System hat man auch gleich ein echtes Männerspielzeug mit dabei. K 1200 S Käufer sollten das Teil auf alle Fälle in die Kalkulation mit rein nehmen. Umsteiger von anderen Marken werden beim Preis von 19.000 Euro erst mal kurz schlucken, zu einer Probefahrt auf einer bekannten Strecke rate ich auf alle Fälle. Dann weiß man zumindest warum man die nächsten 3 Jahre Überstunden schieben muss...


Big Enduro Race - GSen mit am Start.

Mit am Pannoniaring war auch das dynamische Bridgestone Duo Harry Kissler und Günter Gahleitner. Sie rührten kräftig die Werbetrommel für den Big Enduro Wundergummi BT-020 und rekrutieren Freiwillige für das Big Enduro Race am Pannoniaring am 12. Mai. Gahli selbst wird mit einer GS im Spitzenfeld für Spitzenzeiten sorgen. Wird er diesmal siegen? Man darf gespannt sein!


Wann immer NastyNils mit der Kamera auftaucht, jubeln und frohlocken die Menschen vor der Linse.
   

Als im letzten Jahr die ersten Daten und Fakten der K 1200 S auftauchten, dachte ich an einen großen Aufschrei unter den BMW Fans. Doch am Pannoniaring zeigten sich auch die Boxer Fans der ersten Stunde von der neuen K begeistert. Die jung gebliebenen  Boxer-Haudegen stehen zwar nach wie vor auf GS, Boxer Cup Replica und Co. aber die Power der K überzeugte auch die eingefleischten Boxer Fans.

Johannes Wilhelmstätter (der Mann am Photo in der Mitte) organisiert auch heuer wieder gemeinsam mit anderen BMW Fans einen Hobby-Boxercup.


Der BMW Boxer-Fanclub am Pannoniaring
Boxercup 2005
  • 22.-24. April am Pannonia Ring
  • 20.-22. Mai in Brünn
  • 12.-24. Juni in Rijeka
  • 1.-3. Juli in Most
  • 29.-31. Juli am Pannoniaring
  • 19.-21. August in Brünn

Teilnahmeberechtigt sind alle Boxer-Motorräder und gefahren wird auf den verschiedensten Rennstrecken. Boxerfreaks welche sich mit Gleichgesinnten auf der Rennstrecke messen möchten, klicken auf die Webseite www.boxercup.at und finden dort alle Infos zu den Rennen. Ich selbst hab die 1100er Boxercup Replica vom Hannes ausprobiert und hatte nach anfänglichen Schwierigkeiten mit den Lastwechselreaktionen eine echte Freude mit dem Teil.

                                                               

Es ist für einen 600er Fahrer doch eine echte Herausforderung mit dem Boxergerät eine halbwegs brauchbare Linie zu finden. Der Bock ist laut, gibt bei jeder Bewegung am Gasgriff Feedback bis in den letzten Knochen und ist im Einlenkvorgang durch das Telelever-System zu Beginn sehr unberechenbar. Doch hat man die erste Scheu einmal überwunden macht es riesigen Spaß. Mit der Boxer-Cup Replica sind arge Kurvengeschwindigkeiten möglich und beim Rausbeschleunigen kann man sehr früh ans Gas gehen. Das Bike ist wie eine Riesendogge: Nur keine Furcht zeigen - dann passiert Dir auch nix. Als es dann beginnt Spaß zu machen hab ich das Bike schnell an Johannes zurückgegeben. BMW Blechsalat kann ich mir nicht leisten.


NastyNils auf der Boxercup Replica
   
R 1200 ST am Ring - Der neue Motor steht ihr gut.

Bei der Fahrt mit der R 1200 ST fiel mir sofort der seidig weiche Lauf des neuen 1200er Motors in der ST auf. Im Vergleich zum Vorgänger eine echter Fortschritt. Auch in Sachen Leistung, Durchzug und Drehfreudigkeit ist der neue Motor dem Vorgänger deutlich überlegen. Die neue ST ist super wendig, bietet tollen Windschutz und hat alle Zutaten welche ein erfolgreicher Sporttourer braucht.

Zufriedenen 1150er Fahrern rate ich von einer Probefahrt mit der 1200er auf alle Fälle ab.

Unvernünftige Kaufentscheidungen ohne vorherige Konsultation der höchsten Budget Instanz könnten die Folge sein. Einzig die futuristische Front der neuen ST könnte biedere 1150er ST Piloten von einem Kauf abhalten. Bin schon gespannt wie die BMW Fangemeinde auf die neue Designrichtung reagieren wird.

Technische Daten R 1200 ST

Der Haliklik war übrigens mit am Ring und hat viele Fotos vom Event gemacht. Unter www.haliklik.at können die Fotos begutachtet und auch bestellt werden.

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Bericht vom 09.05.2005 | 28.549 Aufrufe

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