Test MZ 1000S

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Bei der 1000er Raserei am Salzburgring bekamen Klaus Grammer und NastyNils auch eine MZ 1000S in die Hände.
Einmal im Jahr ist der Sommer Heinzi (http://www.motorrad-sommer.at/) mit einem Rudel Motorradfahrer am Salzburgring. Beim Heinz im Geschäft werden Japaner nicht verkauft. Man findet beim "Exoten" Freak Triumph, Voxan, GasGas und diverse Rollermarken. Außerdem hat er die deutschen MZ-Bikes mit im Programm. Beim Event am Salzburgring hatte er gemeinsam mit dem Hersteller ein paar Testbikes mitgebracht welche wir natürlich auch in die Fahrerlagerkurve prügeln wollten.

Klaus Grammer war neugierig und informierte sich vor der Fahrt bei den MZ-Verantwortlichen über technische Details.


Vorsicht vor dem Mann mit dem Mikro! In der Boxengasse ist er nett und höflich aber auf der Strecke kennt er auf der MZ 1000 keine Gnade. Keine Gnade kennt auch der Dezibelherrscher des Salzburgrings im grünen Hemd.
   
2er Reihe

Beim Motor handelt es sich um einen 4-Takt-2-Zylinder-Reihenmotor mit 6-Gang Getriebe und einer Ausgleichswelle. Das Verhältnis von Bohrung und Hub (96 x 69 mm) ergibt einen Hubraum von 998ccm. Die Eckdaten des Fahrgestells entsprechen den im Sportmotorradbau derzeit üblichen Werten. Die Federung ist sowohl vorne als auch hinten voll einstellbar. (43 mm USD-Gabel,…siehe unten…). Das kantige Design mit den auffällig gestalteten Scheinwerfern empfinde ich persönlich als sehr gelungen.

   
117 PS reichen für 240 Kilo

Während ich mich an der Boxenausfahrt anstellte wurde ich noch von einigen Kollegen auf Supersportmotorrädern belächelt. Ich bin mir nicht sicher ob sie immer noch lächelten als ich in der Fahrerlagerkurve außen an ihnen vorbei ging. Es ist schwierig ein Urteil über die Nennleistung von 117 PS abzugeben, wenn man 20 Minuten vorher mit einer ZX 10 oder eine CBR 1000 RR gefahren ist. Der Motor läuft zweizylindertypisch sehr kernig und ist jedenfalls stark genug, um auf dem langen Bergaufstück des Salzburgringes ca. 240 km/h auf die Uhr zu drücken.

   
Kein Wackeln?

Sehr positiv überraschte mich das Fahrverhalten der MZ 1000S. Die schnellen Kurven meistert die MZ mit einer stoischen Ruhe, die ich wirklich nicht erwartet hätte. Auch fiese Bodenwellen in Schräglage bei einer Geschwindigkeit von ca. 180 km/h konnten ihr kein Wackeln entlocken. Erst beim harten Anbremsen kommt die Fuhre ein bisschen ins Schlingern. Hier fordert die eher weiche Straßenabstimmung ihren Tribut. Das Handling in Wechselkurven oder engen Schikanen ist ebenfalls auf einem guten Niveau. Fahrbahnunebenheiten vom Kurveneingang bis zum Scheitelpunkt werden auch beim tiefen Hineinbremsen ohne Probleme gemeistert. Insgesamt verhält sich das Bike agil ohne dabei Einbußen bei Stabilität und Geradeauslauf hinnehmen zu müssen.


 
   
Bremserei

Die 4-Kolben-Bremssättel in Verbindung mit den 320er Scheiben arbeitet ohne jedes Anzeichen von Fading. Vielleicht auch ein Verdienst der serienmäßig montierten Stahlbremsleitungen. Einziger Kritikpunkt: Beim harten Anbremsen der Schikane beginnt die Bremse zu rupfen. Dadurch entstehen Vibrationen, die etwas unangenehm sind und den ansonsten guten Eindruck der Bremse schmälern. Das könnten die Zschopauer vielleicht mit geänderten Bremsbelägen in den Griff bekommen.

Nach dem kurzen Turn auf dem Salzburgring empfand ich die Ergonomie und die Aerodynamik der MZ 1000S ganz gut gelungen.

 

   
NastyNils wird enttäuscht

Als Klaus und ich die MZ ausfassten war ich noch voller Hoffnung auf diesem Sporttourer den Klaus evtl. richten zu können. "Der Rennfahrer ist ja nur perfekte Supersportfahrwerke gewohnt und kann mit so einem komfortablen Eisen sicherlich nix anfangen und eiert unwürdig um die Ecke", dachte ich mir und würde kräftig enttäuscht. Auch auf der MZ ging der Klaus außen an mir vorbei. Auf der MZ 1000 konnte ich hinauf zur Gegengeraden das Gas zwar voll stehen lassen, aber in der Fahrerlagerkurve hatte ich einfach wieder die Hosen voll.

Die MZ war über den ganzen Kurs sehr einfach zu bewegen und die 117 PS reichten für genug Spaß am Salzburgring. Auch die zahlreichen Motorradfahrer welche die MZ mal kurz ausprobierten waren vom spielerischen Handling der 1000er aus Deutschland überrascht. Leider etwas uncool ist der Sound und die Vibrationen des Zweizylinders im unteren Drehzahlbereich. Was da unter 5000 Touren aus dem Auspuff kommt reicht nicht für große Augen vor der Eisdiele. Auch die Vibrationen vermitteln im unteren Drehzahlbereich kein gieriges Feeling am Bike. Zweizylinder ist eben nicht gleich Zweizylinder. Da müssen die deutschen Ingenieure noch ein wenig von den italienischen V2 Entwicklern abkupfern.
   
Technische Daten MZ 1000S

Motor

  • Typ: flüssigkeitsgekühlt, 4-Takt-2-Zylinder-Reihe, 40° geneigt, 1 Ausgleichswelle
  • Steuerung: 4 Ventile pro Zylinder (DOHC), hydraulischer Kettenspanner (HyCT)
  • Hubraum: 998 ccm
  • Bohrung x Hub: 96 x 69 mm
  • Gemischaufbereitung: sequenzielle Saugrohreinspritzung, Abgasreinigung Euro 2 / zwei geregelte Katalysatoren
  • Schmierung: Druckumlaufschmierung mit Nassumpf
  • Getriebe: 6 Gänge, Kassette
    Nennleistung: 86 kW (117 PS) bei 9000/min
  • max. Drehmoment: 95 Nm bei 7000 1/min

Fahrgestell

  • Rahmen: Chrom-Molybdän-Doppelrohr-Brückenrahmen (CMDT), Rahmenheck geschraubt
  • Bremse: vorn 320 mm Doppelbremsscheibe, schwimmend gelagert, Vierkolbensättel, hinten 243 mm
  • Einscheibenbremse, Doppelkolbensattel
    Vorderrad: 17 x MT 3.50 Twin System Wheel (TSW)
  • Hinterrad: 17 x MT 5.50 Twin System Wheel (TSW)
  • Bereifung: vorn 120/70 ZR17, hinten 180/55 ZR17
  • Radaufhängung vorne: 43 mm Upside-Down-Gabel, einstellbare Zug- und Druckstufendämpfung, einstellbare Federbasis
  • Radaufhängung hinten: Zweiarm-Cantilever-Schwinge, Aluminium, Zentralfederbein einstellbare Zug- und Druckstufendämpfung, Federbasis hydraulisch über Handrad einstellbar
  • Lenkkoptwinkel: 65°
  • Radstand: 1445 mm
  • Federweg: vorn 120 mm, hinten 120 mm
  • Sitzhöhe: 825 mm

Maße und Gewichte

  • Trockengewicht 210 kg
  • Zuladung 197 kg
  • Tankinhalt 20 l inkl. 5 l Reserve

Fahrleistungen

  • Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
  • Beschleunigung 0-100 km/h in 3,4 s
   
Der Sommer Heinzi ist zwar seit 1992 schon fast in Racing-Pension aber dann und wann legt er am Ring doch noch den Gasgriff um. Vergangenes Wochenende war er bei einer Rehm Veranstaltungen mit dichtem Starter in Misano zu Gast. Bei der Gelegenheit hat er seinem britischen Fuhrpark ein wenig Auslauf gegeben. Mit einer 1:52.3 Zeit auf der Triple konnte er vor einem Italiener und einem Deutschen das Naked Bike Rennen gewinnen. Mit dabei war er auch im Crazy Old Man Rennen. Mit der 6er Daytona musste er gegen zahlreiche flotte alte Herren auf 1000er bestehen. Er kam von 40 Fahrern als 17er mit einer 1:51.3 ins Ziel. Die Haare sind zwar schon etwas grau aber die rechte Hand am Gasgriff ist auch mit fast 50 Jahren am Buckel noch immer voll in Schuss.

Fazit: MZ 1000 S

Die MZ war über den ganzen Kurs sehr einfach zu bewegen und die 117 PS reichten für genug Spaß am Salzburgring. Auch die zahlreichen Motorradfahrer welche die MZ mal kurz ausprobierten waren vom spielerischen Handling der 1000er aus Deutschland überrascht.


  • Kerniger, kräftiger Motor
  • positive Ergonomie und Aerodynamik.
  • Beim harten Anbremsen der Schikane beginnt die Bremse zu rupfen
  • uncooler Sound.

Bericht vom 10.08.2004 | 29.888 Aufrufe

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