Suzuki GSR 750 - Sound, Action und Test

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Online seit: 29.04.2011

Testbericht

Suzuki GSR750 am Ring

Suzuki GSR750 am Ring

Im Ringkampf mit Honda Hornet und Yamaha FZ8. Was kann die GSR auf der Rennstrecke?

Im Ringkampf mit Honda Hornet und Yamaha FZ8. Was kann die GSR auf der Rennstrecke?







































































































































Die GSR fühlte sich auf der Rennstrecke wohl wie das
Vieh auf der Weide.


 


Suzuki GSR750



Zeit, die Diskussionen über den - durchaus angemessenen - Preis der
GSR750 abzuschließen. Zeit, sich nach emotional-erhitzten
Streitgesprächen zu Design von Schwinge und Blinker auf den Begriff
"funktional" für deren Beschreibung zu einigen. Zeit, ernst zu machen.
Zeit für die Rennstrecke.

 


 

Um einen Wert zu beschreiben, muss ich ihn in Relation zu mindestens
einem anderen Wert stellen, wobei sich die Werte gegenseitig durch Höhe und
Häufigkeit beeinflussen, oder so. Ich kann nicht sagen, ob das stimmt, das
können sicher nur die klügsten Köpfe im CERN oder am MIT, aber ich kann
beschreiben, was ich damit meine. Wer direkt von einer GSX-R750 auf eine
GSR750 umsteigt, der wird nicht nur den Windschutz vermissen, sondern
vor allem richtig Leistung, hervorragende Bremsen und ein
rennstreckentaugliches Fahrwerk - alles Eigenschaften, die man zuvor
schon an der GSR750 im Vergleich zur Honda Hornet festgestellt hatte.
Aber nach der Fahrt im Sattel von Suzukis goldener Supersport-Mitte ist
das jetzt auch nicht mehr so toll. Capiche?

Nach dem ersten Rollout auf dem Pannoniaring konnten wir deshalb
anfangs nur Vermutungen aufstellen. Das in die GSR750 verpflanzte und auf 106 PS
Leistung heruntergezüchtigte 4-Zylinder Aggregat aus der GSX-R750
hat scheinbar genug Kraft, um auch auf der Rennstrecke viel Freude zu
machen. Der Motor verhungert nie, hatte am Kurvenausgang immer fett
Schmalz und hielt auch auf den Geraden, was die aggressive Optik
verspricht. Ebenso liefert die Bremse, so glaubten wir, ausreichend
Beißkraft und Dosierbarkeit, um auch unter höchster Belastung noch für
Halt zu sorgen. Erst wenn die Sessions lange werden, wird die Bremse
teigig. (siehe dazu Thema Verbesserungs-Investments). Diese Vermutungen erhärteten sich in ausgiebigen Einzelsessions und hielten auch bei einer deutlichen Erhöhung des Drucks
allen Gegenargumenten Stand. Was die GSR wirklich kann, wurde aber erst
im direkten Vergleich zu zwei Konkurrenzmodellen klar.



Out of my way!!!

Please.



Analoge Drehzahl, digitaler Tacho,
Ganganzeige mittig. Eine vorbildliche Instrumenteneinheit.




Am Kurvenausgang immer fett
Schmalz.




Optisch liegt die GSR750 ganz weit vorne, obwohl wir
dieses Urteil natürlich den Augen der Betrachter überlassen wollen. Es
sieht jedenfalls nicht so aus, als wollte man mit der neuen GSR, die
nächstes Jahr die 600er komplett ersetzt, Bescheidenheit und
Zurückhaltung vortäuschen. Die Sitzposition findet man im Lehrbuch für
Motorradgeometrie unter ”SO wird’s gemacht!” Leicht nach vorne
orientiert, trotzdem entspannt, den Lenker exakt dort, wo man ihn blind greifen
würde. Dem Motor aus der GSX-R wurde Leistung genommen und noch mehr
Geschmeidigkeit verliehen. Das Erste vermisst man nicht, das Zweite
genießt man umso mehr.

Es galt, noch eine Behauptung auf ihre Richtigkeit
zu prüfen: Was im vollverkleideten Supersport-Anzug die goldene Mitte
ist, entspricht auch im nackten Zustand dem Ideal. Beim Motor ist das
unbedingt zu bejahen. Nicht umsonst entwickeln und bauen immer mehr
Hersteller Modelle in der nicht mehr so grauen Zone zwischen 600er und
1000er. Es sind exakt diese Kubaturen, die beweisen, dass es ein Vorteil
sein kann, viel, aber nicht zuviel Leistung zu haben. Einem GSX-R
Triebwerk macht sowieso niemand was vor und so überraschte es kaum, dass
die GSR trotz Leistungsgleichstand mit der FZ8 die subjektiv stärkste,
auf jeden Fall aber die schnellste Nackte auf der Strecke war. Als
zweites Vergleichsobjekt stand uns die Honda Hornet zur Verfügung. Deren
600er Murl leistet zwar um nur 4 PS weniger, Druck entsteht aber durch
Drehmoment und das kann die Hornet nicht in dem Maße liefern, wie die
GSR. Bei den Bremsen waren alle Probanden auf der sicheren Seite, der
gnadenlose Rennstreckeneinsatz führt aber jede kleine Schwäche zu Tage,
bei den Bremsen meist durch die Dauerbelastung. NastyNils fuhr mit der
serienmäßigen GSR 750 am Pannoniaring beim freien Fahren recht locker
eine 2:16er Zeit. Das stellt bestimmt nicht das Ende der Fahnenstange
dar, zeigt aber, dass man damit schon viel Spaß haben kann.



Passt genau zwischen die Schenkel.

Die Sitzposition ist nach vorne orientiert,

der Fahrer in einer leichten Angriffposition. Auf Alltagstauglichkeit
wurde trotzdem nicht vergessen.



Nicht das einzige 750er Nakedbike am
Markt,

aber das einzige mit einem GSX-R Motor. In den Supersportlern klingt es
deutlich rauer.


 





Die GSR signalisiert nach jeder
Runde, dass noch mehr geht.




Unser erster Investment-Tipp lautet daher: Stahlflexleitungen (zb. die
von Alpha Technik,

hier der direkte Link
) und
sportliche Bremsbeläge (z.B. die von SBS hat so ziemlich jeder
gute Fachhändler parat) für die GSR750. Die Kosten sind absolut
überschaubar, nur beim Einsatz auf der Strasse ist dann eben deutlich
mehr Vorsicht angesagt. Dann ist sie auch für längere
Extrembelastungen gerüstet und hat gegenüber ihren Konkurrentinnen schon
beinahe einen unfairen Vorteil.  Denn auch das Fahrwerk ist straffer und
sportlicher ausgelegt als bei den beiden anderen Japanerinnen. Die
Suzuki geht an alles etwas ernster heran, fordert jede Kurve heraus und
signalisiert dem Reiter nach jeder Runde, dass noch mehr geht. Über die 
Fußrasten, die auch bei ziemlichem Engagement nicht aufsetzten, und den
Lenker, der so breit ist, wie sich das für ein ausgewachsenes Nakedbike
gehört, lässt sich das quirlige Motorrad wunderbar kontrolliert
manövrieren. Alles in allem bietet die GSR auf öffentlichen Straßen
bestimmt genug Potenzial für jede Leistungsstufe. Quod erat
demonstrandum.


Auf der Rennstrecke mit ein paar kleinen Upgrades

vorn dabei, auf der Straße sowieso.


 

Wer jedoch seine Rundenzeiten unter 2:10 drücken möchte, muss noch
weitere Investments anstellen. Andere Reifen braucht man dann sowieso.
Wir empfehlen bei Naked Bikes eher immer Reifen mit weicheren Karkassen,
damit die Schwächen vom Fahrwerk nicht so rauskommen. Also z.B. einen Racetec von Metzeler oder einen BT-003 von Bridgestone. Die scharfen
Dunlop Pneus sind vor allem mit dem infernalen Vorderrad eine feine
Wahl, aber bitte nur in Kombination mit einem makellosen Fahrwerk
aufziehen. Verbesserungen am Fahrwerk kann man relativ günstig durch den Einsatz von Öhlins Gabelfedern an der Gabel erzielen. Zusätzlich dazu wird ein
dickeres Öl eingefüllt und die Sache ist schon mal deutlich straffer.
Beim Federbein hatten Wilbers und auch WP für die 600er GSR unter 900
Euro eine tolle Lösung parat. Kein echtes Racingfederbein, aber doch eine
deutliche Steigerung zur Serienwahre ist die günstige Lösung, die Öhlins
seit 2010 im Mittelklasse bereich anbietet. >Infolink.
Erste Angebote für die 750er GSR wird es bei allen Anbietern
vermutlich ab Sommer geben.

 


Die GSR und ihr Samenspender. Tatsächlich steckt viel
von der GSX-R750 in der nackten Schwester.




Honda Hornet

Ihr größtes Problem auf der Rennstrecke ist ihr größter Vorteil im
Alltag. Die Hornet ist von den drei getesteten Nakedbikes mit Abstand
die Bequemste. Alles an ihr ist darauf ausgerichtet, den Fahrer in
möglichst geringer Weise zu belasten und ihn frei zu machen für den fast
risikofreien Genuss des Motorradfahrens. Der Lenker ist schmäler und
besser zu erreichen, das Fahrwerk ist sehr komfortabel ausgerichtet, der
Sitz ist weich und hält den Popo durch den gummiartigen Überzug in
Position. Das bedeutet kein Herumrutschen, was auf der Rennstrecke,
besonders auf einem Nakedbike und besonders für Gesäßakrobaten wie mich,
zum Nachteil mutiert. Am meisten irritierte uns aber die
Beifahrerfußrastenanlage, die das Eindrehen des jeweils kurvenäußeren
Fußes beim Hang-Off verhindert. Im Alltag wie gesagt alles kein Thema,
für die Rennstrecke disqualifiziert die Hornet aber die Summe ihrer
Annehmlichkeiten.

Positiv aufgefallen ist neben dem vibrationsarmen
Triebwerk, dass sich das ABS nie in unsere durch interne
Klassenkonflikte angeheizte Duelle eingemischt hat. Zudem ist die
Verarbeitungsqualität Honda typisch hoch und mit ein paar Teilen aus dem
Zubehörprogramm ist die Hornet eine zuverlässige Begleiterin für viele,
viele Jahre. 13 erfolgreiche Jahre am Markt und stetige
Weiter-entwicklung sprechen für sich. Schlussendlich ist
die Hornet sicher das am einfachsten zu fahrende Nakedbike dieser Runde
und auch das ausgereifteste.

Investment Tipp für die
Rennstrecke:

härtere Gabelfedern, Federbein tauschen, Sitzbezug wechseln, LSL Lenker.
Für die Optik und natürlich auch fürs Ego hat Gilles feine Hebeln im
Programm.

Link



Die Hornet ist eindeutig auf öffentlichen Straßen zu
Hause, für die Rennstrecke will sie es ihrem Fahrer zu bequem machen.





Yamaha FZ8

Auch Yamahas 800er ist ein Mittelwert. Der genaue
Hubraum beträgt 779 Kubik. Sie bildet die Schnittmenge von
XJ6 und FZ1 und muss gegen beide schlagende Argumente finden, um zu
überleben. Zwei davon sind Kraft und Drehmoment. Die brachiale Endstufe
der FZ1 (am besten mit kompletter Akrapovic Anlage, um das
Drehmomentloch auszubügeln) kann sie zwar nicht zünden, durch den
Hubraumvorteil liegt sie aber klar über der XJ6. Mit 106 PS und 82 NM
hebt sich die FZ8 somit deutlich von der konzerninternen Mittelklasse-Konkurrenz ab. Gegen
die Hornet hilft ihr nur mehr das Drehmoment, denn die Hornisse leistet
schon 102 PS. Der Leistungs-vorteil schrumpft gegen die GSR auf gleich
Null - gleiche PS, 2 Nm mehr bei der Yam - und beide Marken geben sogar
exakt 211 Kilogramm in fahrfertigem Zustand und ohne ABS an. Wo liegt
also der Unterschied?

Der Unterschied liegt wie immer in der Mitte, denn genau dort muss
die FZ zwischen GSR und Hornet angesiedelt werden. Ihr Fahrwerk ist der
Kompromiss zwischen den beiden anderen, der Komfort ebenso. Dass sie
Renn-strecken ebenfalls eher meidet, beweisen die Fußrasten, die sich völlig
überraschend schon bei moderater Schräglage zu
Wort melden. Das erzeugt nicht nur jedes Mal ein kurzes Schreckmoment, sondern
bringt Unruhe in das zwischen weicher Härte und fester Milde abgestimmte
Fahrwerk. Beim Einlenken gibt sich die FZ8 schwerfälliger als die
anderen beiden und schwanzelt in der Bremszone gerne mal leicht mit dem
Heck. Doch wie die Hornet ist auch sie ein Top-Eisen für die öffentliche
Straße, bewältigt den stressigen Büro-Alltag genauso locker wie
entspannte Ausfahrten und Reisen. Zu zweit das beste der drei Nakeds.
Bei den Details macht sie einen liebevollen und hochwertigen Eindruck.
Sie wirkt etwas edler als die anderen beiden Bikes und 


Investment Tipp: Rizoma bietet ein sündhaftes Sortiment für die
FZ8 an. Vorsicht! Suchtgefahr.

Link



Die FZ8 ist ein Motorrad mit Haltung, das bereit ist,
Kompromisse einzugehen.

Sie bietet die größte Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten. Wer mit Sozia fährt,


ist bei ihr am besten
aufgehoben.



Im Alltag gleich auf, im Infight hat die FZ gegen

die
GSR und ihr sportlich ausgelegtes Handling keine Chance. Rein subjektiv
wirkt deshalb die GSR stärker,

obwohl sie es nicht ist.






Interessante Links:

Fotos: 1000PS

Text: kot

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Suzuki GSR 750 Ringtest am Pannoniaring

Zum Testbericht: http://www.1000ps.at/testbericht-2352031-Suzuki_GSR_750