Kawasaki Voyager Custom - Chopper Road Test

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Online seit: 14.04.2011

Testbericht

Kawa Voyager Custom

Kawa Voyager Custom

Motorräder für echte Männer wird es immer geben. Und es werden nicht die mit 200 PS sein.

Motorräder für echte Männer wird es immer geben. Und es werden nicht die mit 200 PS sein.

































































































































 

Kawasaki
Voyager Custom




Die dunkle Bedrohung aus Japan ... aus Sicht der Amis ... und nicht auf
Umweltkatastrophen bezogen.


 

”Two hundred pounds is always two hundred pounds. Sagte der gute alte
Henry Rollins einmal. Im Falle der Kawasaki Voyager Custom wären es
sogar 842 Pfund. Zu Deutsch sind das 382 fahrbereite Kilogramm. Die noch
größere Schwester der Custom, die Voyager, durchbricht übrigens die
400er Marke. Aber was will ich damit sagen? Ich will sagen, dass 1 PS
heute nicht mehr 1 PS ist. Und deshalb sind auch 200 PS nicht mehr 200
PS. Ich wage zu behaupten, dass jeder A-Schein-Besitzer eine ZX-10R
fahren kann. Vielleicht nicht so, wie es ihrem Naturell entspricht, aber
sagen wir mal, ohne zu stürzen. Die Kraftentfaltung ist seidenweich, ABS
und Traction Control verzeihen fast jeden Fehler. Doch eine schwere
Maschine wird immer eine schwere Maschine bleiben und Leute, die sie
fahren, werden immer echte Männer bleiben.





Genau ins Schwarze. In viel Schwarzes.





Kawasaki hat mit der Voyager Custom genau ins Schwarze getroffen. Wie
man sieht, in sehr viel Schwarzes. Und dieses große Schwarze wird
angetrieben von einem genau 1700 Kubik großen Motor; der leistet zwar
nur 73 PS, entwickelt aber ein maximales Drehmoment von 136 Nm. Mehr
brauchen echte Männer nicht. Sie brauchen auch keine Sitzheizung, wohl
aber einen breiten und bequemen Sitz, denn sie sind schwere Jungs. Die
Hammerhead-Verkleidung an der Front ist breit, aber niedrig und lässt
noch genügend Luft zum Fahrer durch. Eine Touringscheibe wäre sicher die
falsche Wahl gewesen. Im breiten Kopf finden neben vier Rundinstrumenten
im 50-er Jahre Stil auch eine Digitalanzeige, ein Radio und 2 große
Lautsprecher Platz.







4 Rundinstrumente, Radio, 2 Lautsprecher.





Wer jetzt behauptet, dass man die mobile Hi-Fi Anlage nur im Stop-and-Go
Verkehr und gemütlichen Flaniermodus nutzen kann, sieht diese Dinge zu
pragmatisch. Ein Radio auf einem Motorrad machte noch  nie viel
Sinn. Na und? Das möchte man übrigens auch von einem Tempomaten
behaupten. Der Einsatz des selbigen belehrt uns aber eines Besseren.
Nachdem ich selten bis nie einen Tempomat benutze, weil mein Auto nicht
im Stande ist, Tempo zu machen, brauchte ich einige Zeit, bis ich
verstand, wie dieser zu aktivieren war. Ein Dreijähriger hätte 2
Sekunden gebraucht. Beim Einschalten bei Autobahngeschwindigkeit geht
ein deutlicher Ruck durch das Motorrad, der Motor schiebt kurz aber
kräftig an. Davon sollte man sich nicht schrecken lassen.





Das Motorrad lebt von Überflüssigkeiten.





Ist die Straße breit und lang und der Selbstfahrer erst einmal
aktiviert, kann man sich im Overdrive wunderbar treiben lassen. Fast möchte man sich
zurücklehnen und es sich richtig bequem machen (Notiz: Rückenlehne statt
Sozius verbauen lassen). Die Geschwindigkeit kann nun mit dem rechten
Daumen reguliert werden. In diesem Moment weiß man zwar, dass man auch
das nicht braucht, aber das stört einen nicht. Motorräder wie diese
leben von Überflüssigkeiten. Ein Motorrad wie dieses - das werden einige
sofort erkannt haben - ist übrigens die Streetglide von Harley.
Eigentlich ist es eher umgekehrt, die Voyager Custom ist sowas wie die Streetglide, weil ja alles, was in Japan Chopper wurde, vorher schon in
Amerika geworden war. Das Original gibt es für in Vivid
Black, die Kawa für in Ebony.


Wie das bei schwergewichtigen Straßenkreuzern nun mal so ist, kann ein
kurzer Stopp etwas länger dauern. Vorne stemmen sich zwei
Vierkolbenfestsättel gegen zwei 300 mm Scheiben, hinten helfen ein
Doppelkolben-Schwimmsattel und ebenfalls eine 300 mm Scheibe mit. Dabei
kooperieren Bremshebel und -pedal immer, um ein zufriedenstellendes
Verzögerungsergebnis zu erzielen. K-ACT mit ABS verteilt die Bremskraft
optimal. Leichter fällt da - immer wieder überraschend angesichts
solcher Ausmaße - das Handling. Die Voyager ist nicht nur zum Reisen
über endlos lange Highways und langatmige Landstraßen gemacht, sie
poltert auch flink durch engmaschige Bergstraßerl und versteckte
(asphaltierte) Waldwege.



Schürfwunden. Bei Trittbrettern nichts Besonderes. Das
Trittbrett gibt nach, die verschweißte Halterung nicht.



Video killed the radio star? Auf dem Motorrad wohl nie.



Poltert auch flink durch
engmaschige Bergstraßerl.




Trittbretter, die nicht früh aufsetzen, gibt es nicht, da ist die Kawa
keine Ausnahme, für ein normales Fahren sollte es aber reichen, wir
reizen das gerne aus. Die geräumigen Koffer haben mehr Volumen als die
Doppelauspuffanlage darunter, von der man sich mehr Kommunikation mit
der Außenwelt wünschen würde. Echte Männer müssen hier tätig werden und
sich mehr Gehör verschaffen. Der Sound ist aber die einzige Schwäche der
Voyager Custom, ansonsten kann man davon ausgehen, dass sie härter ist,
als die meisten von uns. Auch (selbst) ich musste zu extremen Mitteln
greifen, um der Härte der Kawa gerecht zu werden. Baseballcap umgedreht
(das ist, als wenn ich eine Maschine starte), die bemalten
Tattoo-Strümpfe über die austrainierten Ärmel gezogen, die Hand zur
Faust geballt und den bösen Blick aufgesetzt. Fertig ist ein echter
Rocker.


Tempomat. Gas geben wie auf der Playstation.


Echte Härte kann man sich nicht kaufen. Unechte
Tattoos schon. In Strumpfform aus Thailand, ganz viel billig.





Technische Daten Kawasaki
Voyager Custom


























































































Kraftstoffzufuhr/Vergaser


Kraftstoffeinspritzung: Ø 42 mm x 2
Zündung Digital
Starter Elektrisch
Schmiersystem Semi-Trockensumpf
Motortyp Flüssigkeitsgekühlter
Viertakt-V2
Hubraum 1,700 cm³
Bohrung x Hub 102.0 x 104.0 mm
Verdichtungsverhältnis 9.5:1
Ventil-/Einlasssystem SOHC, 8 Ventile
Abmessungen (L x B x
H)
2.510 x 970 x 1.290 mm
Bodenfreiheit 145 mm
Radstand 1,665 mm
Sitzhöhe 730 mm
Tankinhalt 20 Liter
Gewicht fahrfertig 382 kg
Bremse, vorn Doppelscheibe, Ø 300
mm

Vierkolben-Festsättel
Bremse, hinten Ø 300 mm Bremsscheibe,
Doppelkolben-Schwimmsattel
 Maximale
Leistung
54 kW (73 PS) bei
5.000/min
 Maximales
Drehmoment
136 Nm (13,9 mkp) bei
2.750/min




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Schwarz, groß, fett. Die Kawasaki Voyager Custom bringt 382 Kilo auf die Waage und ist nichts für Schwächlinge. Ein Cruiser von diesem Format fährt5 sich nicht so leicht wie ein 200 PS Bike. Zur Beruhigung der Nerven sind ein leistungsstarkes Stereo-Radio und ein Tempomat mit an Bord. Ähnlichkeiten mit Harley Street Glide sind natürlich rein zufällig.

Zum Testbericht: http://www.1000ps.at/testbericht-2352028-Kawa_Voyager_Custom