Kawasaki ER6n - Test, Sound und Action mit der ER-6n

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Online seit: 25.10.2011

Testbericht

Kawasaki ER-6n 2012

Kawasaki ER-6n 2012

Vollkommen stimmiges und hochwertiges Paket - nicht nur für Einsteiger. Die neue Kawasaki ER-6n im Test.

Vollkommen stimmiges und hochwertiges Paket - nicht nur für Einsteiger. Die neue Kawasaki ER-6n im Test.















































































































 


Kawasaki ER-6n 2012


Follow Francesca. 72 PS und eine
Frau können einen Mann ganz schön unter Druck setzen.


 

”Don’t worry, Francesca will be fast enough for everyone of you.” Ich
machte mir schon Sorgen. Denn was der Pressesprecher von Kawasaki gerade
so selbstbewusst erklärt hatte, ließ zwei Möglichkeiten zu, und keine
der beiden würde positive Folgen haben. Möglichkeit 1: Francesca wäre
wirklich schnell genug für jeden von uns und da ich als zur
Bescheidenheit erzogener Realist immer davon ausgehe, dass einer der
anderen Journalisten (noch) schneller fährt, als ich selbst, musste
demnach auch Francesca schneller sein als ich. Möglichkeit 2: Francesca
wäre nicht schneller als ich oder irgendein anderer Journalist, was
diese Testfahrt zu einem jämmerlichen Trauerzug verkommen lassen würde –
denn Francesca war unser Guide.



Kommt davon, wenn es sich um ein Motorrad handelt, das gezielt für den
europäischen Markt entwickelt wurde und das verstärkt Einsteiger, junge
Fahrer und – richtisch – Frauen ansprechen soll. Dann führt bei der int.
Präsentation plötzlich eine Frau das Rudel der Tasten-Tarzans an.
Nunmehr in der 3. Generation, war die ER-6n seit ihrer Einführung für
Kawasaki ein echter Kassenschlager. Alleine in den 5 größten Märkten
Europas konnten bis dato 60.000 Stück des quirligen Nakedbikes mit dem
Reihenzweier an den Mann bzw. an die Frau gebracht werden. Wir befinden
uns schließlich im großen Marktsegment des erweiterten Mittelfelds, wo
sich neben Honda CBF 600, Suzuki Gladius und Yamaha XJ-6n auch größere
Kaliber wie Triumph Street Triple, Ducati Monster 796 oder die
hauseigene Z 750 tummeln.




60.000 Stück in den 5 stärksten
Ländern.




Und gegen die gilt es , zu bestehen, denn auch die eben genannten tragen
den Titel des Topsellers. Da kann man die Cashcow nicht einfach so
jahrelang auf der Weide stehen lassen. Man muss sie auch hin und wieder
in den Stall holen, sie aufputzen, herrichten und fit machen, damit sie
auf der Weide wieder massenhaft bestiegen werden will. Genau das hat
Kawasaki nach 3 Jahren wieder getan.

 

Kein Frauen- und Fahrschulmotorrad.




Optisch wurde an Maske, Tank, Heck, Sitz und an den
Instrumenten gefeilt, technisch können wir auf einen breiteren Lenker,
eine schlankere Taille, ein neues ABS von Bosch, einen neuen Rahmen mit
neuer Schwinge und ein verbessertes Ansprechverhalten zurückgreifen, und
akustisch sollten wir uns über ein verstärktes Ansauggeräusch freuen,
wir  konnten es nur leider irgendwie nicht so ganz aussortieren. Aber
egal, der 649 Kubik Reihenzweizylinder, der jetzt 72 PS bei 8.500 U/min.
und 64 Nm bei  7.000 U/min. leistet, klingt auch so ganz gut, neues
Verbindungsrohr hin oder her.  Ein dicker aufgepolsterter Sitz wirkt auf
längeren Strecken als Backenschoner.




Um eines klar zu stellen: Die ER-6n ist kein FuFM, also kein Frauen und
Fahrschulmotorrad. Das ist sie zwar auch, denn sie ist nicht nur äußerst
hübsch, sondern auch einfach und unkompliziert zu fahren. Doch das
bedeutet nicht, dass man nicht auch als fortgeschrittener bis
sportlicher Fahrer viel Spaß mit der ER-6n haben kann.  Das 204 Kilo
leichte Nakedbike beschleunigte auf der portugiesischen Autobahn
problemlos auf 214 km/h Topspeed. Das GPS von Garmin bezeugte
toleranzbereinigte 201 km/h. Die ER-6n geht also echt echte 201 km/h –
und das bei einem völlig ruhigen, spurtreuen Fahrwerk . 






Keine Drehzahl-Hysterie und
Gangwechsel-Stakkato.




Auf dem blau beleuchteten LCD Display werden neben Geschwindigkeit,
Kilometerstand, Uhrzeit und zwei Tageskilometerzählern jetzt auch
Reichweite, Momentan- und Durchschnittsverbrauch und ein entbehrliches
ECO-Logo für sparsame Fahrweise angezeigt. (Das Logo verschwindet, wenn
man kein Gas mehr gibt.) Eine schlankere Taille und ein breiterer Lenker
haben das Handling weiter verbessert. Der neue Dunlop Roadsmart II lässt
in Verbindung mit der Schräglagenfreiheit eine sehr sportliche Fahrweise
zu und der Motor schiebt von unten heraus herrlich harmonisch und ohne
Leistungsloch aus den Kurven heraus.  Keine Rede von
Drehzahl-Hysterie und Gangwechsel-Stakkato.  Der Motor bleibt immer
angenehm,  der 3. Gang deckt ein irrsinnig breites Spektrum ab, ist
nicht nur einfach Zwischenstation.  Äußerlich wird diese Schärfe
durch einen markanteren Schliff sichtbar. Maske, Tank, Schwinge, Heck
und Instrumente wurden überarbeitet bzw. neu entwickelt.


Das gefällt auch der Francesca, die in ein hautenges Leder geschlüpft
ist, dessen Rücken in schneller Schrift mit einem martialischen
Schlachtnamen dekoriert wurde: Pispi oder Piepsi steht da drauf. Sie war
also vermutlich schon mal auf der Rennstrecke, die kleine Maus. Ob sie
da in der Anfängergruppe hinter leuchtgelben Säcken hinterherkrebst oder
den routinierten Hobbyracern um die Ohren saust, konnte ich natürlich
nicht feststellen. Tatsache ist, dass sie beim Leistungsgewicht die
Spitznase vorn hat.



Von mild zu wild. Die Formensprache der ER-6n wurde schärfer, ernster
und erwachsener.


 

Drehzahlmesser ideal. LCD-Einheit trotz zahlreicher Informationen leider
schlecht ablesbar.



Francesca hatte den Rattenschwanz
im Nu abgetrennt.




Ich hab mich beim Abendessen nicht zurückgehalten
und war noch nicht ”auf Toilette”, wie der Deutsche zu sagen pflegt,
also könnten inklusive Panier, Helm und Stiefel ohne Weiteres 80 Kilo
auf der ER-6n Platz nehmen, bei ihr sind’s nicht viel über 50. Zu einem
direkten Duell sollte es aber sowieso nicht kommen, denn nach einer
Minute war Francesca, die uns ja eigentlich den Weg weisen sollte,
bereits über alle Häuser.  Sie hatte sich elegant durch Autokolonnen
und  Baustellen hindurchgeschlängelt und den Rattenschwanz an
Journalisten im Nu abgetrennt.


Keine besondere Leistung, die schlanke ER-6n ist
prädestiniert für derartige Manöver. Unglaublich, wie schmal man sich
auf diesem Motorrad machen kann; beinahe Supermoto Niveau. Bis zum
ersten Fotopoint hatten wir wieder aufgeschlossen und jetzt ließen wir
sie nicht mehr entkommen. Sie fuhr fortan richtig zügig, wie das mit der
ER-6n so wunderschön geht und einigen wurde es tatsächlich zu schnell.
Da findet man sich plötzlich im Bermuda-Dreieck zwischen hartem Ankern,
radikalem Einlenken und rücksichtslosem Einschenken wieder, während die
Dame da vorne konstant am Seil hängt und ruhige, runde Radien zieht. Da
wird's ein paar böse Überraschungen geben auf hiesigen Straßen, wenn der
stille Killer angreift.


Ein derart stimmiges Paket mit so feinen Details
gibt es zu dem Preis nirgendwo sonst. Die ER-6n wurde optisch und
dynamisch wieder ein bisschen schärfer und macht mehr Spaß denn je.



Charakteristikum. Das dezentral montierte Federbein.


Neue Schwinge passend zum Rahmen.

Das Testvideo zur ER-6n


 














































































Technische Daten Kawasaki ER-6n
Motor Flüssigkeitsgekühler
2-Zylinder-Viertakt-Reihenmotor
Hubraum 648 ccm
Bohrung/Hub 83 x 60 mm
Leistung 53 kW {72.1 PS} /
8,500 U/min
Drehmoment 64 Nm {6.5 kgf.m} /
7,000 U/min
Rahmen Perimeter-Rahmen aus
hochfestem Stahl
Fahrwerk vorne 41 mm Teleskopgabel
Fahrwerk hinten rechtseitig montiertes
Monofederbein mit einstellbarer Federbasis
Reifen vorne 120/70ZR17M/C (58W)
Reifen hinten 160/60ZR17M/C (69W)
Bremse vorne Doppelscheibenbremse,
Ø 300 mm, semischwimmend, Petal-Design,
Doppelkolben-Schwimmsättel
Bremse hinten Scheibe, Ø 220 mm,
Petal-Design, Einkolben-Schwimmsattel
Länge 2.110 mm
Radstand 1.410 mm
Sitzhöhe 805 mm
Tankinhalt 16 Liter
Gewicht 204 / 206 kg





Interessante Links:

Text: kot

Bilder: Kawasaki



 

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1000Ps hat das Kawa's Nakedbike unter die Lupe genommen.

Zum Bericht: http://www.1000ps.at/testbericht-2353541-Kawasaki_ER_6n_2012