Aprilia Tuono V4R 2011 Test on track

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Online seit: 12.05.2011

Testbericht

Aprilia Tuono V4R

Aprilia Tuono V4R

Die Tuono V4R versetzte uns in eine Schockstarre. Mit soviel Brutalität hätte keiner gerechnet.

Die Tuono V4R versetzte uns in eine Schockstarre. Mit soviel Brutalität hätte keiner gerechnet.






















































































































































 

Aprilia
Tuono V4R


Donnerwetter! Die neue Tuono
verwässert den Unterschied zwischen Naked- und Superbike endgültig.

 

 

Wie oft wird mir diese Frage gestellt: ”Du kot, was
soll ich mir kaufen? Ich will was, das gut ausschaut und ordentlich
Kraft hat. Es soll aber nicht nur zum Vollstrecken auf der  Hausstrecke
taugen, sondern auch für eine ausgiebige Tour oder sogar Reise zu
gebrauchen sein. Manchmal fahre ich auch zu zweit und selten aber doch
auf der Rennstrecke. Und im täglichen Gebrauch will ich weder einen
geistigen Zusammenbruch noch einen körperlichen Bandscheibenvorfall
erleiden. Die Sitzposition sollte aufrecht sein, das Motorrad aber nicht
unsportlich wirken, mit ausreichend Windschutz, aber ohne
Vollverkleidung…(Liste der Forderungen unendlich erweiterbar. ) Und wie
oft muss ich darauf antworten: ”Woher soll ich das wissen?” Aprilia hat
die Antwort.





kot hat keine Antwort. Aprilia
schon.




Die Tuono genießt seit jeher eine Sonderstellung am
gehobenen Nakedbikesektor. Denn sie war schon immer die Einzige, die
behaupten konnte, ein echtes, nacktes Superbike zu sein. Das bewies
nicht nur das äußere Erscheinungsbild, dessen scharfkantige
Verkleidungsteile wie die Überreste einer kontrollierten Sprengung
aussahen, weil man zu faul war, die Plastikverschalung einfach
abzuschrauben. Der insektoide Scheinwerferkopf mit einem Mini-Windschild
zwischen den Augen war das Markenzeichen der letzten Tuono und die neue
hat das aggressive Gschau beibehalten. Die Augen wurden größer, die
Ansaugkanäle rückten zur Seite und alles wurde noch düsterer, noch
gefährlicher. Und mit so einem Heck kommt sowieso nur Aprilia durch.





Mit dem Heck kommt nur Aprilia
durch.




167 PS in einem Nakedbikegestell bedürfen keinerlei
Erklärung. Es gibt schlicht keine. Schön daran ist einerseits, dass
jeder, der die Tuono unbedarft mit dem Gasgriff sekkiert, entweder den
Sternenhimmel sieht (beim ”One-Oclock Wheelie”), oder die Sterne (beim
”Now-its too-late-Wheelie”) Andererseits hat Aprilia auch auf die
Weicheren unter uns nicht vergessen und deshalb stellt uns die V4R zur
Wahl, ob wir uns dem vollen Hammer, dem gemilderten Hammer oder dem
sanften Hammer aussetzen möchten.


Wie schon andere Aprilia Modelle vor ihr
verfügt die neue Tuono über die 3 Fahrmodi Track (volle Power), Sport
(volle Power, abgeschwächter Leistungseinsatz) und Road (um 25%
reduzierte Leistung, sanfte Gasannahme) Angesichts unserer Teststrecke, dem Pannoniaring,
fiel uns die Wahl sehr leicht. Nur die Aprilianer Hengstberger und Baldinger, die Minuten zuvor die
Tuono mit einer Vorsicht und einem Stolz aus dem Transporter geschoben
hatten, als würden sie eine selbst geschnitzte Marienstatue aus
filigranen Zuckerfäden bewegen, hatten einen anderen Vorschlag, zumal
Motor und Reifen der Tuono noch frisch aus der Fabrik kamen. Insofern
hatten wir ein klein wenig Verständnis dafür, dass wir den ersten
Rollout im abgezwickten Roadmodus absolvieren mussten, was sich - wie so
oft - im Nachhinein gesehen als gute Idee erweisen sollte, denn an so
ein Tier muss sich jeder Fahrer erst einmal gewöhnen. Man darf nicht
vergessen, wir hatten es immer noch mit gut 125 PS zu tun.








25% weniger Leistung, immer noch 125 PS.




Zunächst überraschte uns, dass Sitzposition und Geometrie so stark an
die alte Tuono erinnern. Das Motorrad fühlt sich nicht fremd an, wer die
V2 Version kennt, der wird sich schnell mit der V4 anfreunden. Man fühlt
sich sofort in control und erhaben, auch wenn die  Sitzhöhe mit 835
mm eher im unteren Durchschnitt liegt (Zum Vergleich: KTM Superduke 860
mm, Ducati Streetfighter S: 840 mm, MVAgusta Brutale 1090 RR: 830 mm)
Dieses majestätisch-machtvolle Gefühl entsteht sicher auch durch den
breiten, hohen Lenker, der genauso ist, wie wir uns das von einem
Nakedbike dieses Formats erwarten. Als würde man sich in einer Bar vor
jemandem aufbauen, beide Fäuste auf die Budl gestemmt. Ja, die Tuono ist
bestimmt nicht gekommen, um sich vor irgendjemandem zu verstecken.




Die harten Bremsen lassen auf die
Leistung schließen.




Im Road Modus verhält sich die Tuono potent, aber nicht brutal, das
heißt sie schafft es hervorragend, ihren wahren Charakter zu verbergen.
Die eingeschränkte Leistung passt für ein paar zügige, stressfreie
Runden und wird bei Regen unbedingt zu empfehlen sein. Welche Power
tatsächlich in dem 167 PS und 112 Nm starken V4 Reaktor steckt, lassen
die Bremsen schon jetzt erahnen. Sie wurden gebaut, um es mit etwas
aufzunehmen, dessen Macht unsere Vorstellungskraft übersteigt. Die
beiden radialen 4-Kolben-Festsättel von Brembo verbeißen sich in zwei
320 mm Scheiben wie ein Pitbull in einen Unterarm. Wer nicht sanft damit
umgeht und rechtzeitig loslässt, wird auch hier viel Schmerz ernten.
Gibt es in dieser Härte nur von Ducati als monobloc. Beim Thema
Kompromisslosigkeit kann sowieso nur der Streetfighter aus Bologna
mitreden. Doch die Tuono legt noch ein Schäufelchen nach ins
Höllenfeuer.

Im 125 PS Betrieb fragt man sich recht bald, wozu man
einen ganzen Elektronikbaukasten bestehend aus Traction
Control, Wheelie Control, Launch Control und Aprilia Quick Shift (Gänge
ohne Kuppeln durchfetzen) mit
sich herumschleppt. Mit offener Leistung weiß man es dann. Der V4 reißt
an der Kette, als wolle er aus dem wunderschön polierten Aluminiumrahmen
herausspringen. Man versteht auch sofort Sinn und Zweck der beinharten
Abstimmung der 43 mm Sachs Upside-Down Gabel und des Federbeins aus dem
selben Hause. Auf den Zwischengeraden ist die Tuono kaum zu bändigen,
bis die nächste Bremszone kommt, muss man versuchen, das Bewusstsein
wieder zu erlangen, um den Scheitel zu treffen. Mit dem messerscharfen
Handling und der Anti-Hopping Kupplung eigentlich kein Problem, die
Schräglagenfreiheit endet erst in der Horizontalen.



Im Zeichen des Sieges. Mit der Tuono V4R will Aprilia offenbar auch die
Nakedbike-Krone zurück.


Das Gute ist, dass man sich nach einem Totalen Teile
wie die polierte Schwinge ins Wohnzimmer hängen kann.




Der V4 Orkan verstreut dich in alle
Winde.




Doch die Tuono stellt die Zeichen auf Sturm, immer und zu jeder Zeit.
Nächster Kurvenausgang. Voll. Es sollte immer mindestens eines der
beiden Systeme - Hirn und Elektronik - hochgefahren sein, sonst
verstreut dich der V4 Orkan in alle Winde. Es könnte durchaus möglich
sein, dass man mit der Tuono die Welt umrunden kann - auf dem Hinterrad.
Die radikale Kraftentfaltung und der relativ kurze Radstand von 1445 mm
(Streetfighter S: 1.475 mm,Superduke R: 1450 mm) machen die Italienerin
zum Wheelie-Tier par excellence (bei abgeschalteten Fahrhilfen), nur ist besonders im Track-Modus viel
Gefühl in der rechten Hand gefragt. Am besten einfach im zweiten Gang
die Front heben und endlos durchziehen.

Die eingangs erwähnte Nähe zum Superbike stimmt natürlich nicht ganz.
Aprilia hätte kaum so lange gebraucht, um eine Verkleidung abzubauen.
Die Geometrie der Tuono ist völlig unterschiedlich, das Einlenkverhalten
nicht zu vergleichen, das Handling anders...nur die Kraft ist ebenso
abartig wie im SBK-Ableger. Dass man die Tuono selbst für ausgiebige
Touren und Reisen verwenden kann, war auch nicht ganz richtig, es sei
denn, man ist die Folterbänke von Supersportlern gewohnt. Sitzbank und
Fahrwerk bieten nichts, was man als durchschnittlich verwöhnter
Zweiradfahrer als komfortabel bezeichnen könnte. Wer also Kilometer
fressen will, der sollte unbedingt die Federelemente für seine Zwecke
adaptieren und die Sitzbank aufpolstern. Andererseits kann Leiden auch
was Schönes sein und es lässt uns nicht weich werden.




 

Das Beste an der Tuono ist ihre unbändige Kraft, ihre alles durchdringende Härte, der
unvergleichlich geile V4 Brüller und die Tatsache, dass ich mir genau
dieses Motorrad kaufen würde, hätte ich nicht das Privileg, sowieso
alles fahren zu dürfen. Härtestes Nakedbike ever.



 



Handarbeit. Auf Wunsch kann alles über den Lenker gemacht werden. Gas
geben, bremsen, lenken und schalten.

Wozu einen roten Bereich, auf der Tuono dreht man sowieso durch. Der
Limiter greift bei ca. 13.000 U/Min. ein.



Der Rahmen ist wie die Schwinge teilweise poliert und zählt zum
Schönsten, was wir in den letzten Jahren

gesehen haben.

Die Plastikteile an der Tuono wirken immer noch wie übrig gebliebene 
Verkleidungsreste. Sie hat sich ihren einzigartigen Charme bewahrt.
















Sunlite Yellow

Competition Black

Wing Grey

























































































Technische Daten
Aprilia V4R APRC

Motor 65° V-4 Zylinder
Viertakt, flüssigkeitsgekühlt, DOHC, 4 Ventile pro Zylinder
Hubraum 999,6 ccm
Bohrung / Hub 78 x 52.3 mm
Verdichtung 13:1
Leistung 167,3 PS (123 kW) bei
11.500 U/min.
Drehmoment 111,5 Nm bei 9.500
U/min.
Fahrwerk vorne Sachs 41 mm
Upside-Down-Gabel, voll einstellbar
Fahrwerk hinten Sachs Monofederbein,
voll einstellbar
Bremsen vorne 2 x 320 mm Scheiben,
4-Kolben Festsättel
Bremsen hinten 1 x 220 mm Scheibe,
Zweikolben
Felge vorne 3.5X17
Felge hinten 6.00X17
Reifen vorne 120/70 ZR 17
Reifen hinten 190/55 ZR 17; 190/50
ZR 17; 200/55 ZR 17
Länge 2065 mm
Breite 800 mm
Radstand 1445 mm
Tankinhalt 17 Liter
Gewicht trocken 183 kg
Preise Tuono V4R competition black, sunlight yellow


Tuono V4R APRC competition black, sunlight yellow







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Text: kot

Fotos:
1000ps

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Die Aprilia Tuono V4R ist das brutalste Nakedbike der Welt. Die 167 PS Leistung vermag nicht zu beschreiben, wie dieses Urviech anreißt. Zum Glück bewahrten und Traction Control, Wheelie Control und Launch Control vor einem Abflug. Aprilia nennt das Sicherheitssystem APRC. Der Test jetzt auf 1000PS.
http://www.1000ps.at/testbericht-2352273-Aprilia_Tuono_V4R