Kawasaki Z 900 Rickman Umbau - Traditionelle Driving Machine

Ein englischer Rahmen biegt in die zweite Hälfte seines Lebens ab

Die Rickman-Brüder waren Tuning-Legenden der 60er. Ihre getunten Hondas und Kawasakis sorgten im Rennsport für Furore. Thomas Knoop aus Essen präsentiert seinen Rickman Umbau einer Kawasaki Z900.

Im Ruhrgebiet reifte eine runderneuerte Zuneigung zum geschliffenen 10-Karäter heran. Mein Bruder hat schon vor ein paar Jahren begonnen, mit Rickman-Rahmen zu arbeiten. Der hier war irgendwann mal übrig geblieben und ich hab mir das Teil an Land gezogen. Standardmäßig sind diese Rohrgeflechte alle vernickelt und handgelötet, vereinnahmen den Fankreis deshalb zuallererst mit diesen wunderschönen Nähten. Dazu sind die Rohre unwahrscheinlich dünnwandig, aber von enorm hoher Steifigkeit., erzählt Thomas Knopp. Kein Wunder. Denn die Erfinder des Rickman-Rahmens fighteten bereits in den 50er und 60er Jahren als Trail- und Geländesportfahrer um die Wette, Sieg und Ehre. Von daher wussten die Gebrüder Derek und Don Rickman, welche harte Anforderungen an ein Fahrgestell gestellt werden um sich wahrhaftig erfolgreich in ganz England und Europa in diesem raubeinigen Motocross-Sport behaupten zu können.

Rickman - Die Tuning-Götter der 60er

Bereits 1959 präsentierten die wackeren Brüder ihr erstes Wettbewerbsmotorrad unter dem Namen Rickman Metisse Mark I. Weitere Evolutionsstufen folgten und verbreiteten mit den unterschiedlichsten Triebwerken im immer ausgereifteren Fahrwerk ihren Namen und den guten Ruf bis hin in den Straßenrennsport. Denn auch in der Road-Racing-Sektion verzeichneten die Konstrukteure in Zusammenarbeit mit namhaften Rennsportlern Aufsehen erregende Erfolge. 1969 wurde der Rickman/Weslake 8-Ventil-Zylinderkopf für Triumph mit 65 BHP vorgestellt und noch im selben Jahr erfuhr sich der Straßenrennsportler Karl Hoppe beim GP von Deutschland den 2. Platz, wurde sogar Deutscher Meister bis 500 ccm auf dem Gemeinschaftsprodukt URS-Metisse. Ein Jahr später gewann Tony Holland auf der werksunterstützten Rickman CR 900 das Production-Rennen in Brands Hatch. Ab 1974 erfolgte dann endlich der Ruf hin zur zulassungsfähigen Alltags-Fahrmaschine, wobei allen voran die Rickman CR 750 mit Honda-Antriebsquelle und die CR 900/1000 mit dem machtvollen Motor der Serien Z Kawasaki mit extremer Torsionssteife das gemeine Volk zu begeistern wusste.

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Historische Zitate

Bei Karl am Kanal in Gelsenkirchen hatte ich damals die erste Rickman-Erscheinung und hoffte in England am Ace Cafe mehr davon zu sehen. Leider vergeblich. Aber angeblich sind in Deutschland sogar nur 25 Stück zugelassen. Ich hab jedenfalls den Rahmen wieder neu vernickeln lassen und dann erst mal über ein Jahr auf diversen Oldtimer-Flohmärkten zugebracht um das steile Ding neu zu bestücken. Den Höcker erstand der zweifache Familienvater aus Essen als Rohbau irgendwo, modifizierte ihn nach Gutdünken im Stile einer alten Rennmaschine. Das obligatorische R für eine Rickman weist hier im gediegenen Sitzleder wie dort geflissentlich über der Heckleuchte auf ihre bedeutsame Herkunft hin. Natürlich inkludiert mit dem Union Jack auf der Seitenverkleidung der opulenten Frontverkleidung im Original-Rickman-Look. Die Fischer-Schwinge hielt bereits im ersten Leben das Rad einer Z1000 und nun eben dieses alte, stilgerechte WiWo-Rad mit der entsprechenden Bremsanlage. Den Aluminium-Tank habe ich mir mal schicken lassen und der passt wirklich fein säuberlich in das System.

Hehre Arbeit

Als Maschine wählte der KfZ-Meister einen alten Z900-Triebling aus, weil der noch eine leichte Kurbelwelle mit mehr Drehfreude hat im Gegensatz zu den fetten Dingern, die danach kamen. Schließlich befasst sich der 37-jährige bereits seit seiner frühesten Jugend mit den Vintage-Mopeds. Meine alte Katana verkaufte ich damals LEIDER, nachdem das erste Kind geboren wurde. Danach gabs erst mal nur alte Autos wie NSU, die ich komplett zerlegte und neu aufbereitete. Die neuen Mopeds sagen es mir nicht so. Die nackte, alte Technik ist das, was mich fasziniert. Alles muss sichtbar sein, mit einem offenen Rahmendreieck. Und offenen Luftfiltern von K&N. Den Rahmen musste ich komplett auf Hochglanz polieren vor dem Vernickeln, danach gehts ja wieder los mit den kleinen Aufsätzen auf der Bohrmaschine und dem Polieren. Für den Rahmen habe ich bestimmt 30 Stunden benötigt. Die Schwinge war kunststoffbeschichtet, aber durch perfekte Vorarbeit brachte ich es hier nur noch auf 10 Stunden. Bei dem Tank wurde es wieder schwieriger, da der lackiert war, als ich ihn erstand. Schicht für Schicht abgebeizt, mit Dampfstrahler bearbeitet...

Geschichten, die das Leben schrieb und für etliche, nächtliche Außer-Haus-Eskapaden sorgte. In der Abendschule lernte ich noch auf Elektrik. Batterie und Strom-Fabrik verlegte ich ins Heck. Meine Fahrt zum Ace Cafe war die erste Testfahrt, bei der sich das Aggregat bis auf eine leichte Undichtigkeit des Ventildeckels voll bewährte. Aber solche Kleinigkeiten lassen sich locker bewältigen. Wenn sie rollt, dann rollt sie. Kein Flattern, keine Schwingen. Die neue Compilation funktioniert einwandfrei. Selbst bei der TÜV-Abnahme gab es auch keinerlei Diskussionen. Der alte Rickman-Rahmen bietet noch eine erhebliche Bandbreite, den Rest steuerte ich gleich per entsprechende Gesetzestexte bei. Nur den Fahrrad-Tacho wollten die Jungs erst nicht akzeptieren. Ansonsten wagte sich keiner zu sperren gegen all diese Qualität, Humanität und Identität.

Kawasaki Z900 Rickman Umbau technische Daten

RickmanKawasaki Z 900
Rahmen Erstzulassung 13.05.1981
Zulassung 29.04.2002
Bauzeit 2 Jahre
Erbauer/Besitzer Thomas Knoop, Essen
Front Telefix-Lenker 800mm, Halbschalenverkleidung Rickman, Windschild Polybauer, Scheinwerfer Original Z 900, alle Halter original, vernickelt, Blinker Kellermann, Drehzahlmesser Pitsch-Kröber, Sigma-Tachometer, LED-Anzeigen, Gabel und Gabelbrücken (modifiziert) Suzuki GSX 1100 EF mit Anti-Dive-System aus 1985
Bodywork Aluminium-Tank 24 Liter, zurückverlegte Fußrasten von Moto Italia
Motor Kawasaki Z 900, Leistung 63 KW/8000 U/min, K&N Luftfilter
Auspuffanlage Speed Products KZ 100, 4 in 1-Anlage
Bremsen Vorne Zwei-Kolben Schwimmsattel Suzuki GSX 1100 EF mit Anti-Dive-System, hinten WiWo Bremsanlage, Stahlflex-Bremsleitungen
Heck Modifizierter Höcker aus Restbeständen, Koni-Federbeine, Kastenschwinge von Fischer für Z 1000 mit Unterzug und mit WiWo-Rad und Bremsanlage, verchromt
Räder/Reifen Akront-Drahtspeichen-Felgen, vorne 110/80 x 18 Zoll mit Kawa Z900-Nabe, neu eingespeicht im Suzuki GSX1100-Rad, hinten 160/60 x 18 Zoll WiWo-Rad
Lackierung British-Racing Green
Leergewicht 250 kg
Autor
sabinewelte

SABINEWELTE

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Bericht vom 30.12.2020 | 9.187 Aufrufe

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