K 75 Custom Umbau - Der Fla

Bei dieser K 75 wurder der Rotstift angesetzt

An dieser 1986 gebauten BMW ist wirklich nur noch das Notwendigste dran. Die Geschichte eines minimalistischen Custom-Projekts.

Wenn ROT für Reduktion steht – mit dieser K75 geht die Rechnung auf.

Wo ist der Tank? Das ist der erste Sinneseindruck, den dieses ursprünglich als BMW K75 in 1986 entstandene Motorrad erzeugt. Neugierig rückt man dem Fahrzeug im Rotstift-Rot näher, lässt die Handy-Kamera kreisen. Ein für den „Der Fla“ gewohntes Prozedere, sobald er diese minimalistisch gestylte Schöpfung auf den Seitenständer abstellt – an jedem Treff, auf jedem Parkplatz - immer kommt es zum Menschenauflauf.

Der Mann aus der Region südwestlich von Münster hat es sich nicht leicht gemacht mit dieser Konstruktion, aber leicht hat er sie gemacht, zumindest, was das Gesamtgewicht anbelangt: Unter 200 Kilo. „Genau gesagt sind es sogar nur 197 Kilo! Vollgetankt!“ Das war das erste Ziel, nachdem Alfred vor zwei Jahren fündig wurde auf seiner Suche nach einem älteren, im Fachjargon „Ziegelstein“ genannten K-Modell: „Höchstens Baujahr 1986, denn für mich bestand die Herausforderung darin, nicht nur einfach mal das Heck abflexen, sondern mich mit der seiner Zeit weit vorausschauenden Bordelektrik speziell dieses Modells auseinanderzusetzen.“

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Die Rotstift-Ära

Bei dem Prozedere, „ein skurriles Ding“ auf die Räder zu stellen, dennoch alles eingetragen und vom TÜV abgesegnet zu bekommen, zeigte sich Der Fla nicht zimperlich und ging direkt 'ans Eingemachte': „Im Interesse einer besseren Gewichtsverteilung und mit der Prämisse 'Funktion vor Optik' wurden Verkleidungen, Tank, Instrumentierung - fachsprachlich als 'Brotbox' bezeichnet - , die Armaturen, Beleuchtung, Verkabelung und Relais weggelassen, ersetzt oder stark modifiziert.“ Um im Sinne der Rotstift-Kampagne auch auf eine hintere Radabdeckung verzichten zu können, nutzte Alfred sein Wissen, dennoch eine Zulassung nach EU-Richtlinien zu erhalten: „Diese machen einen Mindestabstand der Blinker von 300 mm zum Heck erforderlich. Auf hintere Blinker kann man deshalb nur dann verzichten, wenn das Baujahr stimmt und die 'Ochsenaugen' am Lenker auch über eine nach hinten abstrahlende Zulassung verfügen. Nur die hier von mir verbauten 'alten Hella-Dinger' erfüllen diese Voraussetzung, weil es die entsprechende Prüfvorschrift schon lange nicht mehr gibt.

Für Rückleuchten gilt diese Abstands-Einschränkung nicht. Also konnte ich die unauffällig im Rahmenheck integrieren.“ Apropos Heck: „Die Formgebung von Kennzeichenhalterung und hinterer Kotflügel sollen an einen Bob erinnern! Letzterer befindet sich normalerweise am Vorderrad.“ Damit zeigt sich auch, dass Der Fla gerne etwas von hintenherum aufzieht – was sich bereits in seinem Pseudonym offenbart: Sein Name „Alfred“ wird mit „Der Fla“ von hinten nach vorn gelesen.

Das Heck - welches Heck?

Immer noch die einzigartige Heckpartie betrachtend fällt der Auspuff natürlich sofort ins Auge, besteht der aus einem Akrapovic Auspuff einer originalen BMW R nineT. „Mit Verzicht auf Edelstahl auch an anderen Stellen könnte ich noch deutlich mehr an Gewicht sparen. Das gilt ebenso für den allerdings somit für längere Strecken tauglichen Federsattel, der mit zwei stufenlos einstellbaren Scheibendämpfern ausgestattet ist. Mit den dicken Schrauben an der vorderen Sattelstütze kann ich den Federweg von starr bis ganz weich einstellen.“ Weitere Gimmicks des Alfred sind: „Ein verbauter Ziegelstein, die hydraulische Kupplungsbetätigung, eine auch in der Funktion einer Ladestromregelung klassische Ladekontrollleuchte, der per Laser erstellte Schriftzug auf dem Seitendeckel, der auffällig platzierte Not-Aus Schalter und die runde Verteilerdose, die sich auch gut als Lachgasbehälter verkaufen lässt.“ Auf die bekannten Ersatzschaltungen für die 'Brotbox' und Ganganzeige verzichtete der Fla „trotz einschlägiger Warnung.“

Mit Motogadget Komponenten baute er die Instrumentierung sowie die Licht- und Signalsteuerung mit nur vier Tastern neu auf. Das kleine 'Motoscope Pro' am Lenker offenbart einen größeren Informationsgehalt als ursprünglich verfügbar: „Die Ganganzeige wird aus Drehzahl und Geschwindigkeit errechnet. Der Geber für Geschwindigkeit und die Neutral-Anzeige funktionieren über Reed-Kontakt, die Anzeige für die Reserve beruht auf opto-elektronischer Basis. Das Tacho-Signal lässt sich auf den jeweiligen Radumfang programmieren, so dass auch hinten ein anderes Reifenformat montiert werden konnte.“ Da mutet es am Ende auch keineswegs befremdlich an, dass der KFZ-Schein heute aus zwei eng bedruckten Blättern besteht.

Minimalismus pur - die BMW K 75

Der angestrebte und praktizierte Minimalismus drückt sich in der freien Sicht auf die wesentlichen Bestandteile des Fahrwerks und Motors aus. „Das bedeutet auch eine bessere Kühlung - und wie die Erfahrung inzwischen zeigt, kann ich deshalb auch auf den Kühlerventilator verzichten.“ Der 75 PS-Motor und das Getriebe blieben dabei unverändert, das Triebwerk wurde einzig mit abgeglichenen Vier-Loch-Düsen optimiert. Alle Flansche sind gecleant, die blanken Oberflächen aufwendig gebürstet.

„Der spezielle 10-Liter-Tank mit Benzinpumpe und -Filter sowie Platz für Batterie, Einspritzsteuerung und M-Unit,“ so berichtet Der Fla einschlägig informierend, „wurde nur mit Hilfe von CMT-Motorradtankbau in Melle möglich.“ Die Abdeckbleche schnitt er hingegen eigenhändig zu. Alle Schweißarbeiten und die Druckprüfung lagen in fachkundiger Hand. Der Fla gewährt noch weitere Einblicke: „Die Standrohre der optisch modifizierten Showa-Gabel sind 20 mm weiter durchgesteckt. Hinten arbeitet ein Wilbers-Federbein. Mit der Radlastverteilung 50/50, dem geringen Gewicht und den schmalen Tourenreifen erreiche ich so eine fantastische Agilität des Fahrwerks.“ Unumwunden gibt Alfred bekannt: „Ohne das Wissen der eingeschworenen Gemeinde des Flying Brick Forums wäre mir dieser Umbau nicht möglich gewesen.“ Seine Gegenleistung indes bestand aus einer umfangreichen Dokumentation über den Umbau seiner K75, die mit mehreren tausend Zugriffen eifrig verfolgt wurde.

Zufrieden berichtet Der Fla, dass er den Reiz eines Extremumbaus, der aber völlig legal auf der Straße bewegt werden darf, voll umfänglich auskostet: „Die Bauzeit liegt bei über 250 Stunden - wirtschaftlich total unsinnig – aber es hat mir sehr viel Spaß bereitet, diese K75 nach meiner Fasson aufzubauen. Die Farbe „Verkehrsrot“ an jedem nur machbaren Teil folgt dabei meiner Strategie, überall den Rotstift anzulegen. In der Summe ist das Ziel erreicht!“

BMW K 75 "Der Fla" Technische Daten

  • Basis: BMW K75 S, Baujahr 86, 47 000 km
  • Fahrzeugschein nach Umbau: 2-blättrig
  • Motor und Getriebe unverändert: 75 PS mit abgeglichenen 4-Loch Düsen, alle Flansche gecleant
  • Winkeltrieb: 32/12, modifizierte Showa Gabel 20mm durchgesteckt, Wilbers Federbein, Edelstahl Auspuff (RnineT)
  • Federsattel mit Scheibendämpfern, Licht- und Signalsteuerung mit 4 Tastern, M-Unit und Anzeigen per Motoscope pro
  • Hella Ochsenaugen mit Zulassung auch nach hinten abstrahlend, Rückleuchten im Rahmen integriert
  • ALU Tank: 10 Liter Fassungsvermögen und Platz für Benzinpumpe, -Filter, Akku und Bordelektrik CMT Motorradtankbau
  • Magura HC1 Radialpumpen für Bremse und Kupplung, Kupplung auf hydraulische Betätigung umgebaut
  • Geber für Geschwindigkeit und Neutral-Anzeige mit Reed-Kontakt, Reserveanzeige opto-elektronisch, Ganganzeige wird errechnet aus Drehzahl und Geschwindigkeit.
  • Gewicht mit allen Betriebsflüssigkeiten 197 kg, Radlastverteilung 50/50 Gewicht unter 175 kg wäre machbar mit anderem Auspuff, anderen Räder inkl. Bremsscheiben, Verzicht auf Lüfter (wird nicht gebraucht) und Edelstahlkomponenten (Kennzeichenhalterung, Ziegelstein, Schrauben)
  • Bauzeit: über 250 Stunden, wirtschaftlich unsinnig aber viel Spaß machend

Autor

sabinewelte

SABINEWELTE

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Bericht vom 25.05.2020 | 9.301 Aufrufe

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