KTM 690 LC4 Enduro

Anzeige
Einzylinder in Hochform. Lange haben wir davon geträumt. Jetzt brauchen wir nur noch 10 Wochen Urlaub...

KTM 690 LC4 Enduro

KTM LC4

KTM gibt noch mal alles und definiert das Segment Alltagsenduro neu. Geht die Rechnung auf? Gibt es genug Abenteurer?

 

KTM 690 LC4 - 3 Bikes ein Video

Wir hätten noch einiges vorgehabt mit den 3 scharfen Einzylindern. Doch die Duke war auf optimales Gewicht bedacht, und warf die Onboard Cam als unnützen Ballast ab.

Wer sich das Video auf seinen Computer downloaden möchte, klickt mit der rechten Maustaste hier und wählt "Ziel speichern unter".

Schnitt: KarolettaLambretta
Videodreh: NastyNils, Wabe

 

KTM 690 Enduro Fahrbericht

"Back to the roots", könnte man sagen. Die LC4 war jenes Motorrad mit dem KTM im vorigen Jahrhundert den Turnaround schaffte. Damals zählte man die LC4 mit 150 Kilo schon zu den Hardenduros und man verkaufte sie wie warme Semmeln. In der Zwischenzeit haben sich die Zeiten geändert. Echt harte Enduros verkauft man bei KTM mittlerweile unter dem Label „EXC“ und auch sonst hat sich die Auswahl nicht nur bei den Mattighofenern extrem vergrößert. Da haben wir die erwähnten EXC Modelle, oder im 2-Zylinderbereich eine Superenduro oder Adventure. Wer hier noch nicht fündig wird kann auch auf Bayern ausweichen und man könnte meinen, dass mit dem bestehenden Angebot bereits alle Bedürfnisse befriedigt werden. Doch KTM möchte das Einzylinder Enduro Segment neu beleben. Mit dem vermutlich vielseitigsten Geländemotorrad aller Zeiten: Der KTM 690 Enduro.

Ein Jahr alt und weit in Führung: Der Motor

Für Vortrieb sorgt der bekannt und ich glaube auch beliebte 690er Motor aus der SM vom Vorjahr. Geändert wurden am Herzstück nur die Nockenwellen. Doch rundherum hat es ein paar sinnvolle Änderungen ergeben. Den Verkaufszahlen am zuträglichsten wird vermutlich der nun wesentlich attraktivere Auspuff sein. In Sachen Elektronik lässt KTM den Fahrer in die Einspritzeinheit eingreifen und man kann aus einem von vier Einspritzmappings wählen.

Mapping 1: Das Milde! 30% weniger Leistung und sehr sanftes Ansprechverhalten. Fühlt sich nach viel mehr Schwungmasse an, obwohl einfach nur die Drosselklappe mit Verzögerung geöffnet wird. Geschlossen wird übrigens in allen 3 Modis immer mit der rechten Hand. Also auch wenn der Elektronik die Lichter ausgehen, ist man immer in der Lage den Saft komplett abzuwürgen. Im traktionsarmen Gelände für die meisten Fahrer die beste Lösung.

Mapping 2: Der Flachschieber! Einzylinder-Puristen werden nix anderes nehmen. Der Dampfhammer fährt unzensuriert ins Kreuz und die rechte Hand ist ganz auf sich allein gestellt. Lustig auf der Strasse und nicht schlecht wenn man die Kante als Könner über Hindernisse heben möchte.

Mapping 3: Standard! Arbeitet so wie wir es von modernen Einspritzsystemen gewohnt sind. Hat eigentlich nirgendwo Nachteile und wird von faulen Piloten vermutlich das ganze LC4 Leben lang aktiviert bleiben. Denn der Schalter zur Anpassung der Leistung liegt versteckt unter der Sitzbank und kann klarerweise nur bei Pausen verstellt werden.

Mapping 4: Für Afrikaurlauber! Für gepanschten Sprit mit niedrigen Oktanzahlen. Über Stecker an der Zündbox zu aktivieren.

Neu auch die APTC Antihopping Kupplung von Adler. Antihopping gab es zwar auch schon an der 690er SM, doch diesmal mit konstruktionsbedingt weicheren Kupplungsfedern.

Keine SM mit großen Rädern

Das gesamte Chassis-Konzept basiert übrigens nicht auf der 690 SM vom Vorjahr sondern auf dem Rally Race Bike von KTM: Also mit 2 Rahmenoberzügen und anderer Schwingenaufnahme. Wichtig war den Entwicklern hier eine schlanke Sitzbank-Tank-Kombination. Daher wurde der Tank als selbsttragendes Heck entwickelt und vorne wo man den Tank vermuten würde, ist die Airbox untergebracht.

Im Fahrbetrieb erfreut man sich so an einer Reichweite von 200-250km bei superschlankem Knieschluß. Die LC4 wirkt auch wesentlich schlanker als zum Beispiel eine Superenduro oder Supermoto aus der 2-Zylinderbaureihe.

Stabil auch bei Tempo 180

Den Fortschritt spürt man am deutlichsten bei schnellen Etappen. Früher plagten flotte Piloten immer Stablitätsprobleme bei Highspeed Etappen. Eigentlich eine Sensation wie ruhig die LC4 Enduro auch bei 180 noch liegt. Ohne Windschutz, ohne Lenkungsdämpfer sondern nur durch geschicktes Chassis Layout.

Bei den Komponenten hat sich auch bei der neuen Modellreihe nix an der KTM-Philosophie geändert. Überall kommt nur die feine Ware von imageträchtigen Marken zum Einsatz. Der Lenker kommt von Renthal, die makellose Bremse von Brembo, die Felgen von DID und in der Erstausrüstung kommt KTM mit den universellen Metzeler Enduro 3 daher. Der Reifen hat im Gelände gemeinsam mit der LC4 durchwegs überzeugt.

Doch vermutlich hat es das Traktionswunder dem Gummi auch nicht zu schwer gemacht. Denn am Steilhang zieht die LC4 schon von Standgas weg gelassen nach oben. Trotz riesigem Hubraum und 63 PS hat man nie das Gefühl abgeworfen zu werden. Das Hinterrad zappelt niemals wild herum und die LC4 fühlt sich beinahe unspektakulär an. Spektakulär wird es erst dann, wenn man auf langen und traktionsreichen Hängen die volle Power in den Berg fahren lässt. Einfach herrlich wie die LC4 auch im 3. oder 4. Gang nach oben schiebt.

Nur bergab schwerer als die EXC

Anstrengender als eine leichte EXC wird die LC4 eigentlich nur beim Bergabfahren. Hier gilt es einfach mehr Gewicht in Spur zu halten und zu verzögern. Mit den guten Bremsen und dem kompletten Fahrwerk werden die Kilos zwar elegant verborgen aber nicht weggezaubert. Ob es die zusätzlichen Kilos oder die herkömmliche Dämpfung am Heck (kein PDS) ist, welche die LC4 auf steinigen Etappen so gut aussehen lässt kann ich nicht genau sagen. Denn beim schnellen Ritt über die schwer einzuschätzenden Schotterpassagen wurden einige tiefe Gräben einfach geschluckt und derbe Steine einfach ignoriert. Die LC4 liegt hier seelenruhig und lässt auch blutige Anfänger im Gelände nicht schlecht aussehen. Beim Ausflug in die Alpen kann ich mit diesem Motorrad auch vorsichtigen und unroutinierten Piloten die Fahrt über den Schotterpass nur empfehlen.

Wesentlich angenehmer im Vergleich mit EXC aber natürlich auch mit Hardenduros anderer Hersteller gestalten sich die Serviceintervalle. Ölwechsel alle 5.000 Kilometer, Ventilspiel einstellen alle 10.000 Kilometer lautet die gute Nachricht für faule Schrauber. Dies ist in Wahrheit die eigentliche Sensation an diesem Motorrad.

Design sollte allen passen

Beim Design sollten diesmal Neukunden aber auch langjährige KTM-Fans befriedigt werden können. Die 690er SM hat im Vorjahr zwar in Sachen Fahrleistungen jeden überzeugt, aber die Optik hat viele KTM-Freaks aus den Schauräumen vertrieben. Diesmal gibt es kein gewagtes Element, welches abschrecken könnte. Alles wirkt stimmig, hochwertig und hübsch. Der Auspuff ist zwar groß (großes Auspuffvolumen ist nötig um leise UND stark durch die Homologation zu kommen) aber er wirkt trotzdem sportlich und hochwertig. Wer will, kann natürlich das Motorrad-Budget gleich um einen Akrapovic Topf aus dem Powerparts Programm erweitern und fertig ist der Traum auf 2 Rädern.

Wer braucht so viel Abenteuer?

Ich hab nur ein Problem mit dem neuen Motorrad aus Mattighofen. Wem soll ich dieses Motorrad empfehlen? Wo sind die großen Abenteurer welche dieses universelle Motorrad auch wirklich bewegen? In den Konzernbüros werden die Abenteuerpläne den Karriereplänen geopfert. Selbst wer das nötige Kleingeld hätte, stöhnt nur „keine Zeit“ und gibt sich mit 1500 Kilometern im Jahr auf einem 08/15 Eisen zufrieden. Wer will, kann mit diesem Motorrad auf Achse nach Rumänien fahren und dort an einer Adventure Tour teilnehmen. Wer will kann mit diesem Motorrad auf Achse nach Spanien fahren, dort mit der Fähre nach Afrika übersetzen um dann im Wüstensand zu pflügen. Wer will kann mit diesem Motorrad bei der Heimfahrt von der Arbeit noch schnell an der Motocross Strecke vorbeifahren und alle Doppelsprünge ganz normal inhalieren. Es wird leider nur wenige Einzylinderfans der alten Schule geben, die vom großen Abenteuer nicht nur Träumen sondern 9.398 Euro und den gesamten Jahresurlaub opfern. Bitte schickt mir eine Ansichtskarte ins 1000PS Büro!

KTM LC4

 

KTM LC4

 

KTM LC4

 

KTM LC4

KTM LC4

KTM 690 Enduro - Slideshow

KTM LC4KTM LC4KTM LC4KTM LC4KTM LC4

Alle Details, das schärfste Zubehör und alle Ansichten haben wir für euch zusammengestellt. Einfach auf eines der Bilder klicken und Slideshow starten.

KTM LC4

KTM 690 Enduro
Vor- und Nachteile gegenüber den anderen 690ern

- +
  • SM 690 bietet auf längeren Etappen angenehmeren Windschutz
  • Total universell. Ersetzt eigentlich eine komplette Motorradgarage. MX, Enduro, Stadtflitzer, Tourenbike und mit einem 2. Satz Felgen auch die Supermoto.
  • Im Vergleich zur SM makellose Optik.
KTM LC4

Demnächst auf 1000PS

KTM LC4

KTM 690 Enduro- technische Daten

MotorbauartEinzylinder, 4-Takt
Hubraum654 ccm
Bohrung x Hub102 x 80 mm
Leistung (homologiert)46,3 kW / 63 PS
Max. Drehmoment64 Nm @ 6000 rpm
Kompresssion11,8:1
Starter / BatterieE-Starter 12 V / 8,6 Ah
Getriebe6 Gänge
GemischaufbereitungKeihin EMS mit EPT
SteuerungOHC
SchmierungSemi-Trockensumpf mit 2 Eaton-Pumpen
Motorschmierung10W60
Primärtrieb36:79
Sekundärtrieb0,65625
KühlungFlüssigkeitskühlung
KupplungAPTC Mehrscheibenkupplung im Ölbad, hydraulisch betätigt
ZündungKeihin
RahmenGitterrohrrahmen 25CrMo4 Stahl
RahmenheckSelbsttragender Kunststofftank
LenkerAluminium Ø 28/22 mm
Federung vorneWP USD Ø 48 mm
Federung hintenWP Monoshock
Federweg vorne / hinten250 / 250 mm
Bremse vorne / hintenScheibenbremsen 300 / 240 mm
Felgen, vorne / hinten1,85 x 21"; 2,15 x 18"
Bereifung vorne / hinten90/90-21"; 140/80-18"
KetteX-Ring Kette 5/8 x 1/4"
Enddämpfer2-Kammer Edelstahl
Steuerkopfwinkel63°
Radstand1498±10 mm
Bodenfreiheit unbelastet300 mm
Sitzhöhe910 mm
Tankinhaltca. 12 Liter
Gewicht (ohne Benzin)ca. 138,5 kg
Preis in Österreich9.398 Euro

Related Links auf KTM.at

Photos: herwigpeuker.com, redeye, FM

Related KTM Links auf 1000PS:

Bericht vom 10.02.2008 | 161.225 Aufrufe

Gebrauchte und neue Motorräder

Weitere Motorräder
Weitere Neuheiten