Mit der Yamaha Tracer 9 GT+ auf der Grand Alp Tour
Motorrad Traum in den französischen Alpen
Es war unser erstes Mal gleich in mehrfacher Hinsicht! Das erste Mal auf der berühmten Grand Alp Tour, das ersten Mal mit der Tracer und der erste Motorradurlaub mit meiner Frau.
Die Todo Liste auf zwei Rädern ist lang, einen Punkt konnte ich heuer im Sommer definitiv in vollen Zügen genossen abhaken. Die Grand Alp Tour über die französischen Alpen ans Mittelmeer und retour ist erledigt.
Ich muss zugeben ich hatte das Glück, dass sich mein Straßenmotorrad Buddy Baldi um die Planung gekümmert hat. Er stellte die Route mit Hilfe der Karte ”Route des Grandes Alpes” von Foly Maps (sehr zu empfehlen) zusammen und unsere Frauen sprachen sich Mut zu, mit dabei zu sein. Da der Baldi von der flotten Sorte ist, musste dann noch ein dementsprechendes flottes Motorrad her. Es standen also folgende Anforderungen am Lastenheft:
- Sportliches Tourenmotorrad
- großes Gebäcksystem, das möglichst praktisch sein soll (Frau war mit)
- Automatikgetriebe für den Komfort zu zweit
- Bequeme Sitzbank
- nicht zu groß und schwer für Passstraßen
Die Wahl fiel auf die Tracer 9GT+
Das Touring Flaggschiff von Yamaha mit einmal alles mit Scharf! Das Motorrad kann dermaßen viel, dass ich die Beschreibung gleich ganz weggelassen habe. Hat sich auch so alles ergeben.
Da die Reise zeitlich etwas begrenzt war und ich meine Frau bei unserem ersten Motorradurlaub nicht überfordern wollte, erfolgte die Anreise per Auto mit Motorrad am Anhänger bis Thonon (liegt am Genfersee). Normalerweise bewegen sich unsere Straßenmotorradausflüge im Bereich von 1-2h. Von daher war Vorsicht geboten.
In Thonon ist der Startpunkt der Grand Alp Tour mit einer netten Bronzescheibe am Marktplatz. Von da weg geht es dann direkt in die Berge der französischen Alpen.
Die ersten Annäherungen
Mit der Tracer bin ich zuvor nur ein paar Kilometer gefahren, aber trotz dem noch ungewohntem Y-ATM Getriebe lief es von Beginn an. Zuerst mal alles auf Automatik und dann Schritt für Schritt die Lieblingseinstellung finden. Ich habe mich zuvor nicht mit den ganzen Features der GT+ beschäftigt, ich dachte mir, alles, was man braucht, kommt mit der Zeit. Und es ging schnell, sich an die Menüführung und den ganzen Extras zu gewöhnen.
Das Koffersystem der GT ist optisch recht schnittig, das Beste ist aber zum einen die einfache Montage, oder eigentlich nur das Einrasten und das Versperren per Knopfdruck. Generell ist das Smart Key System bei Motorrädern unheimlich lässig. Und von der Größe her waren die beiden Seitenkoffer und das Top Case völlig ausreichend. Da fanden für die eine Woche sogar meine Laufschuhe und 3 Abendkleider für meine bessere Hälfte Platz, inkl. Schuhe!
Geplant war die Reise mit Start und Ziel in Thonon in 7 Tagen gemütlich zu fahren. Aber wie schon zu Beginn erwähnt, da Baldi ist ein sportlicher Fahrer und wenn seine KTM Superduke GT läuft, dann läuft sie. Und so haben wir uns schon am ersten Tag nicht an den groben Plan von rund 200km am Tag gehalten und sind gleich bis nach Val di Isere gefahren. Zu erwähnen ist, dass die gesamte Strecke der Grand Alp Tour in eine Richtung rund 700km lang ist.
Wir sind Ende Juli unterwegs gewesen. Zeitraum zwischen Mitte Juli und Mitte August ist perfekt, da besteht keine Gefahr von Schnee auf den Pässen, die Tour de France ist vorbei und die Temperuren im Tal erträglich und auf den Pässen perfekt. Auch haben wir keine Unterkünfte im Voraus gebucht, um flexibel zu bleiben. Wir sind einfach drauflosgefahren und haben meist um die Mittagszeit, wenn wir ungefähr wussten, wo wir landen werden, kurzfristig online gebucht. Dies war selbst in der Hochsaison kein Problem für 4 Personen ordentliche Unterkünfte zu bekommen.
****Automatic for the people ****
Wie eingangs erwähnt war mir eine Automatikkupplung wichtig. Ich bin schon länger mit dem System von Honda unterwegs gewesen, daher einen guten Vergleich nun zur Yamaha. Gerade zu zweit ist die Automatik unschlagbar, keine Zugunterbrechung sorgt für viel mehr Komfort für den Sozius. Auch sonst auf Reisen unschlagbar zum entspannten Fahren. Wobei die Automatik von Yamaha gerade im entspannten Drive Modus im langsamen Stadtverkehr etwas zu sportlich abgestimmt ist. Soll heißen, sie schaltet eigentlich zu spät hoch. Aber das kann man ja manuell übersteuern. Trotzdem bin ich in der Stadt fast lieber im manuellen Modus unterwegs gewesen, Überland im Automatik Modus und bei Bedarf rein geschaltet mit den Wippen. Spannend auch, dass wenn man mit Tempomat und Abstandsradar im Ortsgebiet unterwegs ist, dass die Kupplung dann so schaltet wie man es auch machen würde, wenn man dahincriusen möchte.
Auf geht's zur Kurvenorgie
Von Val Di Isere ging es dann so richtig los, ein bekannter Pass folgte dem anderen. Col de l Iseran, Col du Galibier, Col d‘Izoard….. einer schöner als der andere. Tagesziel war Barcelonette, eine wunderschöne Stadt und perfekter Ausgangspunkt auch für Tagestouren zu anderen umliegenden Pässen.
Gerade am zweiten Tag, wo die schönsten Passstraßen nacheinander folgten, fiel noch etwas an der Tracer extrem positiv auf. Die Schräglagenfreiheit! Keine Ahnung, ob es an dem elektronischen Fahrwerk liegt, aber wir haben es nur ganz selten geschafft mit den Fußrasten zu streifen. Im Vergleich mit meiner Tenere zu Hause mit Extrem Fahrwerk streifen die Fußrasten zu zweit ohne Gebäck früher! So hat das Motorrad sehr viel Vertrauen vermittelt und auch gehalten.
Am dritten Tag war dann auch schon der Zielpunkt in Menton erreicht. Grandios der Übergang von hohen Pässen, die dann südseitig plötzlich von Pinien bewaldet sind, dementsprechend der süßliche Duft von Nadelbäumen und Meer in die Nase steigt und auch die Temperaturen stiegen mit jedem Kilometer Richtung Süden. An der Strandpromenade von Menton ist dann etwas versteckt die Zielscheibe ein perfektes Fotomotiv. Von Menton aus ging es dann noch auf eine kurze Stadtrunde durch Monaco. Aber Vorsicht, völlig überlaufen, heiß und hektisch! Den Abend am Strand und in Badehose haben wir lieber in Cannes verbracht. Einfach ein Schauspiel auf der Promenade den Reichen und vermeintlich Schönen beim Prominieren mit ihren Sportautos zuzusehen. Kaum wo bekommt man so viele Sportwagen so nahe zu sehen wir in Cannes.
Eigentlich wäre hier die Grand Alp Tour zu Ende. Wir haben uns aber entschieden die Schlucht von Verdon zu besuchen und dann wieder Richtung Norden zu fahren und Nebenpässe zu erkunden. Von Cannes bis Fejus unbedingt die Küstenstraße nehmen, mit genialen Ausblicken aufs Meer schlängelt sich die Straße D559 zwischen Meer, Villen und den typisch roten Felsen entlang. Auch hier ist die Automatikkupplung ein Segen für alle die mit dem Handy während der Fahrt filmen wollen, darf man aber natürlich nicht. Die Verdon Schlucht sind wir beide Seiten abgefahren, relativ wenig Verkehr und tolle Ausblicke. Tagesziel war wieder Barcelonette.
Wir kamen am vierten Tag spät an, der Badestopp in der Verdon Schlucht war es wert. Da merkte ich das erste Mal die mega Lichtausbeute des Matrix LED Lichtes der Tracer. Optisch gefällt mir die dominante Lichtgalerie an der Front, ist nicht jedermanns Geschmack, mich holt es ab. Wie dem auch sein, die Lichtausbeute auch in die Kurve hinein ein Hammer! Auch lange Etappen, und wir waren meistens 6-8h rein am Motorrad unterwegs haben wir beide locker weggesteckt. Vielleicht lag es auch an der extra montierten Komfort Sitzbank aus dem original Yamaha Zubehör. Jedenfalls hatte weder ich noch meine Frau die ganze Woche über Probleme mit dem Allerwertesten, was eigentlich meine größte Sorge war, da wir sonst eben nur kleine Touren mit 1-2h fahren.
Das Ende naht
Am letzten Tag ging es dann zurück nach Tonon über Annecy. Dort unbedingt einen Stopp einplanen. Die Stadt am See Lac d‘ Annecy ist wunderschön. Danach hatten wir noch einen wundervollen Blick auf einen frisch angeschneiten Mont Blanc.
Am Ende hatten wir knapp 1700km abgespult, ohne jegliche Zwischenfälle oder Probleme. Nicht umsonst die wahrscheinlich schönste zusammenhängende Tour in den Alpen, wenn nicht weltweit. Klar ist was los in den Sommermonaten, aber immer noch weit weniger als in den Dolomiten. Die Reise ist auch eine kulinarische Reise! Sich unbedingt auf die lokale Küche einlassen und probieren, wir sind immer gut damit gefahren. Die Preise in etwa wie bei uns, nur Bier ist sehr teuer! Auch die Unterkünfte waren allesamt preislich in Ordnung und entgegen dem hartnäckigen Vorurteil waren die Franzosen extrem zuvorkommend und freundlich. Gerade wenn man mit dem Motorrad unterwegs ist, fahren die Autos vor einem fast schon am Bankett herum damit man vorbeifahren kann.
Hat sich die Tracer 9GT+ bewährt?
Der Motor wurde ja schon die letzten Jahre ausführlich beschrieben und dessen Vorzüge hervorgehoben. Gerade in der GT+ passt der beliebte 3 Zylinder mit dieser Abstimmung perfekt, hat in jeder Lage ausreichend Power, läuft rund und gerade auf Passstraßen voll beladen mit Sozius hinten drauf mit der Automatikkupplung einfach ein Genuss. Völlig stressfrei mit dem Gefühl der Chef im Ring zu sein. Vom Verbrauch her auch eine Macht, konstant einen Liter weniger als die Superduke , und unter 5 Liter zu fahren. Sie ist für ein Tourenmotorrad nicht nur leicht, sie fühlt sich auch so an. Fährt sich spielerisch, auch beim Rangieren wirkt das Motorrad eigentlich kleiner als es ist. Mir hat auch der Tempomat mit Abstandsradar super gefallen. Aber auch so Kleinigkeiten wie dem Staufach rechts heroben in der Verkleidung wo man Handy, Kreditkarte und Mautkarte locker verstauen kann waren richtig praktisch, und nicht zu vergessen das Windschild das elektrisch zu verstellen ist. Ich bin 186cm groß und hatte keine Verwirbelungen und vollen Schutz, wenn es heiß wurde Scheibe runter. Sehr lässig.
Was würde ich an der Tracer ändern wollen? Die Abstimmung im D Modus, dass sie so untertourig schaltet wie im Tempomat Modus, das wäre noch ganz fein. Sonst ist sie halt sehr homogen, eigentlich perfekt aber auch ohne große Ecken und Kanten. Fast schon zu brav, aber zum Glück ist sie optisch, zumindest für meinen Geschmack, auffälliger als sie sich fährt.
Wie erhofft für mich das perfekte sportliche Tourenmotorrad mit übervoller Ausstattung die auch Sinn macht. Auf Reisen würde ich auf keines der Dinge verzichten wollen! Die Tracer hat viel zum perfekten ersten Motorradurlaub beigetragen!
Bericht vom 29.01.2026 | 1.940 Aufrufe