Motorrad-Zulassungen 2025 - Dramatische Zahlen halb so wild?

Die Nachwirkungen von Euro5+ und der verzerrte Markt

Der europäische Branchenverband der Motorradhersteller veröffentlicht besorgniserregende Marktdaten zu den wichtigsten europäischen Motorradmärkten. Eine Einordnung von Entwicklungen im Zweiradmarkt.

Der ACEM (European Association of Motorcycle Manufacturers) ist der europäische Branchenverband der Motorradhersteller und vertritt Produzenten von Motorrädern, Rollern, Mopeds sowie weiteren Fahrzeugen der L-Kategorie. Der Verband veröffentlicht regelmäßig Marktdaten zu den wichtigsten europäischen Motorradmärkten und liefert damit eine belastbare Grundlage für die Einordnung von Entwicklungen im Zweiradmarkt.


Europa 2025: Rückkehr zur Normalität nach dem Ausnahmejahr

Im Jahr 2025 wurden laut ACEM in den fünf größten europäischen Motorradmärkten – Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien – insgesamt 1.002.848 Motorräder neu zugelassen. Gegenüber 2024 entspricht das einem Rückgang von 12,9 Prozent.


Spanien verzeichnete als einziger Markt ein Plus, während alle anderen Länder rückläufige Zahlen meldeten. Besonders stark fiel der Rückgang in Deutschland aus, wo die Neuzulassungen um 35,7 Prozent sanken. Auch Frankreich und Großbritannien lagen deutlich unter dem Vorjahresniveau.


Im Moped-Segment zeigt sich ein ähnliches Bild. In den sechs von der ACEM erfassten Märkten wurden 142.060 Mopeds neu zugelassen, ein Minus von 20,7 Prozent gegenüber 2024. Deutschland bildet hier eine Ausnahme mit leichtem Wachstum, während alle anderen Märkte rückläufig sind.


Euro5+ als dominierender Einflussfaktor

Die ACEM ordnet die Entwicklung klar ein: Der massive Rückgang 2025 ist die direkte Folge der Umstellung auf die Euro 5+ Abgasnorm. Bereits 2024 kam es zu außergewöhnlich hohen Zulassungszahlen, da Hersteller und Importeure große Stückzahlen noch vor Inkrafttreten der neuen Emissionsvorgaben zuließen.


Diese Vorzieheffekte und Lagerzulassungen sorgten 2024 für ein künstlich aufgeblähtes Marktbild. 2025 zeigt nun die erwartete Gegenbewegung. Die Zulassungszahlen kehren auf ein Niveau zurück, das die reale Marktsituation deutlich besser widerspiegelt.


Tageszulassungen: Statistik vs. Realität

Eine zentrale Rolle spielen dabei die Tageszulassungen. Um Euro5-Fahrzeuge weiterhin verkaufen zu können, wurden viele Motorräder formal zugelassen, obwohl sie noch nicht an Endkunden übergeben waren. Diese Fahrzeuge erscheinen vollständig in der Statistik, standen faktisch aber noch (teilweise unverkauft) im Handel.


Die ACEM stellt klar, dass diese Praxis die Zulassungszahlen 2024 massiv verzerrt hat. Der Rückgang 2025 ist daher kein plötzlicher Nachfrageeinbruch, sondern eine rechnerische Normalisierung nach einem regulatorisch bedingten Ausnahmejahr. Besonders Märkte mit hohem Händlernetz und großen Lagerbeständen – wie Deutschland – sind von diesem Effekt stark betroffen.


Deutschland Zulassungen 2025: 125er-Markt als Brennglas der Entwicklung

Besonders deutlich zeigen sich diese Effekte im deutschen 125er-Leichtkraftradmarkt. Im Jahr 2025 wurden 19.770 neue 125er zugelassen, was einem Rückgang von 47,9 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Hauptursache ist auch hier der massive Vorzieh-Effekt im Zuge der Euro5+-Umstellung, der die Zulassungszahlen im Vorjahr stark nach oben verzerrt hatte.


Im Jahresverlauf verstärkte sich der Effekt durch zusätzliche Kaufzurückhaltung, vor allem im preislich sensiblen Einsteigersegment. Der Markt erreichte gegen Jahresende ein besonders niedriges Niveau.


Trotz des starken Gesamtminus konnten sich einzelne Hersteller vergleichsweise stabil positionieren. Yamaha und Honda führen den 125er-Markt weiterhin an und halten ihre Marktanteile weitgehend. Beta behauptet sich als feste Größe im sportlich orientierten 125er-Segment, während KTM im Vergleich zum Vorjahr deutlich Marktanteile verlor. Insgesamt zeigt sich auch hier: Die Statistik wird stärker von regulatorischen Sondereffekten geprägt als von einem grundlegenden Nachfrageeinbruch, wobei insbesondere das Signal aus dem A1-Segment im Hinblick auf die Zukunft schmerzt.


Einordnung: Korrektur statt Kollaps

Sowohl die ACEM-Zahlen für Europa als auch die Entwicklung in Deutschland zeigen klar: 2025 ist kein klassisches Krisenjahr, sondern ein Jahr der Marktkorrektur. Die Effekte der Euro5+-Umstellung, kombiniert mit hohen Tages- und Lagerzulassungen im Vorjahr, prägen das Bild stärker als die tatsächliche Nachfrage.


Langfristig bleibt der Markt stabil. Gegenüber 2019 liegen die Motorrad-Zulassungen in Europa weiterhin 14,7 Prozent im Plus, und der Trend vom Moped hin zum Motorrad setzt sich fort – wenn auch deutlich langsamer als im Ausnahmejahr 2024.


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Bericht vom 29.01.2026 | 15.201 Aufrufe

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