Ducati Panigale V4 Superleggera - Testbericht 2020

teuer, exklusiv und schnell - mehr geht nicht!

Beim Anblick der V4 Superleggera 2020 wird sich der ein oder andere fragen; „Das kann man auf der Straße fahren?“ Tatsächlich ist diese Frage mehr als berechtigt, denn schon das Erscheinungsbild auf Fotos flößt dem Betrachter höchsten Respekt ein, gleicht es doch eher einem Moto GP Motorrad oder einem Superbike WM Bike. 1000PS Racing-Experte Matthias Meindl ist die Diva in Mugello gefahren.

Text: Matthias Meindl

Beim tatsächlichen Gegenüberstehen hingegen stockte mir beim offiziellen Pressetest in Mugello allerdings regelrecht der Atem: Perfektion vom Feinsten, ganz nach dem Motto „dream matter“, so der Slogan, mit dem Ducati in die Offensive ging, um etwas zu erschaffen, was es als solches noch nie gab. Ein Traum von einem Bike, welches keine Wünsche offen lässt soll es sein!

Wertanlagen auf zwei Rädern - bitte nicht anfassen!

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Die Superleggera - hier wird selbst der Profi nervös

Ich weiß allerdings aus meiner Erfahrung im Rennsport, dass kein Motorrad alles kann. Ein Motorrad ist immer ein Kompromiss, was es an einer Stelle gut macht, kann es physikalisch bedingt nicht unbedingt zwingend an der anderen Stelle auch gut machen. Aber ich sollte eines besseren belehrt werden. Etwas nervös und zugleich neugierig war ich, als die ersten Journalisten mit der 152kg leichten Ducati mit Race Kit auf die Strecke gingen. Ich war der letzte, der ran durfte und saß somit auf heißen Kohlen. Der Sound, den ich allerdings in dieser Wartezeit von maximal zwei Superleggeras auf der Heimstrecke von Ducati hören durfte, war unglaublich. Dies senkte meine Nervosität nicht wirklich. Im Gegenteil.

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Die Ducati Panigale V4R als Basis für den Carbon gewordenen Traum

In der Zwischenzeit inspizierte ich die Spezialteile , welche für uns zur Verfügung standen. Die Basis der Superleggera ist die Panigale V4R 2020. Darauf wurden viele Teile zum einen erleichtert, zum anderen aber auch bessere Komponenten verbaut. Interessant war die Carbon Schwinge und der Carbon Rahmen. Es wurde viel in Entwicklung investiert, um das Bike zum einen stabiler zu machen, zum anderen aber den nötigen Flex für hohen Kurvenspeed zu garantieren. Hier entnahm man Ansätze und Erfahrungen aus der Moto GP. Ein besonderes Augenmerk habe ich persönlich stark auf das Fahrwerk gelegt, da ich mich mit der V4S Panigale 2020 etwas stärker auseinandergesetzt habe. Interessanterweise, verbaute man hinten eine 105er Titanfeder, welche sogar um 20 Kilonewton härter war als bei der V4S. Dies hat den Hintergrund, dass die Carbon Schwinge etwas länger ist als die normale Aluminium Schwinge und somit ein längerer Hebel zustande kommt. Die Superleggera wird damit etwas stabiler und kann die 234PS bei 152kg in der Race Kit Version besser in Beschleunigung umsetzen.

Die ersten Meter auf der 100.000 Euro teuren Ducati Panigale V4 Superleggera

Nun war es endlich soweit, ich durfte auf das Bike und mir selbst einen Eindruck von den versprochenen Eigenschaften machen. Ich bin sehr sensibel und merke sofort, ob ein Motorrad mir Vertrauen gibt oder nicht. In der dritten Kurve hatte ich ein wohl bisher unbekanntes Erlebnis auf einem fremden Motorrad. Ich konnte auf Anhieb maximal präzise fahren und in derartige tiefe Schräglagen gehen, dass ich sogar sofort mit dem Ellbogen am Boden war. Normalerweise passiert das erst nach vielen Runden auf einem Bike und erst, wenn ich Vertrauen gefunden habe. Das bedeutet, dass mir die V4 Superleggera von Anfang an ein Vertrauen vom Feinsten geliefert hat. Unglaublich!

Die Nervosität war weg und ich konnte mich voll und ganz dem Fahrerischen widmen. Ab der Hälfte der ersten Runde öffnete ich kompromisslos das Gas schon kurz nach dem Scheitelpunkt und war gar nicht so geflasht von der Leistung. Bis zu den ersten Bremspunkten! Mugello ist zwar nicht meine Hausstrecke, allerdings habe ich schon einige Runden dort gedreht und kenne die Bremspunkte. Diese hatten trotz der Bremse in Form eines Ankers so gar nicht mehr gepasst. Vermutlich weil ich mit 35 km/h mehr dort angekommen bin, als mit einem normalen 200 PS Motorrad. Nun verstand ich auch den Zweck der längeren Schwinge: Zum einen mehr Grip, zum anderen weniger Wheelie Neigung.

Winglets wie Schaufeln - nur optisches Gimmick oder entscheidender Performanceboost?

Die Aerodynamik trug ihren Teil dazu bei, dass sich die enorme Leistung relativ unspektakulär anfühlte. Das ist gut! Nur ein unspektakuläres Bike ist ein schnelles Bike. Angenommen man hätte einen 200er Puls beim Beschleunigen, würde einem die nötige Konzentration und Coolness fehlen, das Bike richtig zu bewegen. Trotz aller Stabilität ist die Handlichkeit allerdings nicht eingeschränkt, was eigentlich kaum zu glauben ist. Insofern hat Ducati tatsächlich einen fahrerischen Traum auf zwei Rädern erstellt. Ich denke es macht die Kombination aus Geometrie, Steifigkeit, Dämpfung und Aerodynamik. Diese Kombination ist einzigartig und tatsächlich wie in einem Traum beim Fahren.

Netter Bonus für alle Käufer der Panigale V4 Superleggera - Probefahrmöglichkeiten

Jeder Käufer dieser V4 Superleggera der 3ten Generation hat sogar die Möglichkeit bei einem speziellen Event kostenlos ein Superbike WM Motorrad zu fahren. Obwohl ich sagen muss, der Unterschied wird hierbei nicht mehr all zu groß sein, bei einer Rundenzeit Differenz von gerade mal 2 Sekunden bei einem Test zwischen SBK Motorrad und der Superleggera. Für all diejenigen, die noch mehr haben möchten, können dann mit Aufpreis sogar das Moto GP Motorrad aus 20/21 testen. Sowas gabs laut Ducati noch nie.

Fazit: Ducati Panigale V4 Superleggera

Das Motorrad ist jedenfalls mit seinem Preis von 100.000€ nicht gerade ein Schnäppchen, allerdings aus technischer Sicht seinen Preis wert. Diese Erkenntnis hat man aber erst, wenn man weiß, was Motorrad Rennsport kostet und man schon einmal selber ein Bike für die Rennstrecke aufgebaut hat. Ich jedenfalls habe als leidenschaftlicher Racer jede Runde damit genossen und würde sofort wieder aufsteigen.


  • hohe Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten ohne Verlust von Agilität
  • Leistungsentfaltung trotz 234ps sanft und fahrbar
  • enorm hohe Transparenz am Vorderrad
  • hoher Preis
  • Tank- und Rastenergonomie nach wie vor unverändert zur Panigale
  • Mehr Knieschluss-Möglichkeit wäre wünschenswert

Bericht vom 30.06.2020 | 17.375 Aufrufe

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