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Eine Nacht in einem Zelt, das auf einem Parkplatz steht, hat nicht
viel mit Erholung und Schlaf zu tun. Ursprünglich hatte ich ja gar
kein Zelt dabei, das hat mir ein netter Herr dagelassen (ja, du kriegst
es wieder), doch auch an alles andere hatte ich nicht gedacht. Nur den
Schlafsack nahm ich gleich direkt von der Truppenübung mit. Ich war also
nach dem Aufstehen völlig hinüber, und als ich so versuchte, zwischen
meine Augenschlitze zu schauen und stark verlangsamt darüber nachdachte,
doch noch ein paar Turns zu fahren, taucht plötzlich The Wunderkind auf.
Und augenblicklich war ich hellwach.
The Wunderkind hatte schon im September 2006 mein Saisonende ruiniert,
als er mich mit jungfräulichen Knieschleifern und ohne jemals am Knie
gefahren zu sein mit einer Gott gegebenen Linienwahl demütigte. Diesmal
sollte es nicht anders sein. Seine kürzer übersetzte 2005er CBR ging
zwar
nicht besser als meine serienmäßige 07er. Dabei hat er sogar etwas
weniger Muskelmasse (sprich Speck) auf den Rippen, als ich. Ich hätte
aber schon eine Fireblade gebraucht, um eine Chance zu haben, obwohl ich
mir die diesmal durchaus ausrechnete. Ich hatte einen Vorteil: Ich
kannte diesmal die Strecke besser als er, und ich hatte bereits einen
Tag hinter mir. So war es nicht überraschend, daß er anfangs hinter mir
blieb, um sich den Kurvenverlauf einzuprägen. Nach 4 Runden ohne von ihm
überholt worden zu sein, selbst aber zahlreiche Überholmanöver
erfolgreich durchgeführt zu haben, sah ich nichts mehr, das zwischen mir
und einem ersten Triumph über ihn im Weg stehen könnte. Wir wohl
endgültig abgerissen sein, dachte ich. Und als ich so denke und
zufrieden in den Helm grinse, reißt es eine 600er innen an mir vorbei
und sticht schon in den Radius, während ich aufrecht versteifter Haltung
der Verzögerung entgegenwirke. Da es so schnell ging konnte ich beinahe nicht
erkennen, um wen es sich dabei handelte: The Wunderkind. Das war nun die
Antwort auf eine Frage, die mein Gehirn nicht kannte. Es kam
augenblicklich zu einem Shut-Down, die Motorik setzte aus. Ich rollte
willenlos, wie ein verlorener Reifen, am Streckenrand entlang, alles im
dritten Gang ohne zu bremsen und versuchte nur noch, nicht zu weinen.
Das Ende des Wochenendes, man soll aufhören, wenn's am schlimmsten ist.
Die Revanche folgt am 25. und 26. August am Hungaroring. Da sehen
The Wunderkind und ich uns wieder. Wir werden gemeinsam mit dem Scudo
anreisen. Sollte er es nochmal wagen, reise ich alleine wieder ab. |