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kot |
Endurowandern 1
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11.04.2007 16:56:00 |
Druck
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Straßenfahrer kot im Eckl Enduro Arbeitslager in Nagycenk. Dreckig.
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Eckl Enduro
Perfection |
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Der Blick in den Abgrund. Stell dich deinen Ängsten,
stürz dich hinab und du bist am Gipfel der Gefühle. |
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Nils hatte mein Gerede vom gemütlichen
Endurowandern endgültig satt. Ich musste endlich am eigenen Leib
erfahren, daß Enduro nichts mit Gemütlichkeit zu tun hat.
Überzeugungsarbeit sollte das Eckl Enduro Training am 31. März leisten,
mein Arbeitsgerät hieß KTM EXC-F 250. Ja, die hat einen E-Starter. Man
muss es sich schliesslich nicht schwerer machen als unbedingt notwendig.
Abfahrt 8.00 Uhr von der Avia Tankstelle bei der
ehemaligen Zuckerfabrik. Natürlich wollte ich mich nicht ohne einen
Buddy ins Offroad-Verderben stürzen, deshalb begleitete mich Arlo, der
passenderweise gleich meine Kanten auf seinem Anhänger transportierte.
Eine halbe Stunde später waren wir auch schon am Ziel, Nagycenk liegt
nur 33 Kilometer von meiner Heimat Eisenstadt und 80 Kilometer von Wien
entfernt. Also auch für Kurzentschlossene aus dem Osten problemlos zu erreichen.
Auf der Parkplatz-Wiese vor dem Endurogelände in
Nagycenk erinnerte mich Vieles an eine Übung beim Bundesheer: Man
ist in einem fremden Wald. Es ist kalt. Man fühlt sich unwohl. Und man
wird bald im Dreck liegen. Der oberste Befehlshaber dieser Übung hieß
Matthias Vetiska. Hätte er für seine Teilnahmen an Endurorennen im In-
und Ausland Auszeichnungen bekommen, wäre er ein hoch dekorierter
Offizier. Er war schon auf jedem Schlachtfeld und bereit, uns zu
schleifen.
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kots Arbeitsgerät KTM EXC-F 250, vom übermütigen Arlo
schon vorab getestet. "Hab auf dem Gerät echte Komplexe bekommen. War
auf meiner eigenen Endurostrecke im Wald vom Papa um keine Sekunde
langsamer als mit meinem 300er Zweitakter. Es war noch dazu weniger
anstrengend. Und auf der Geraden zeigte der Tacho am Schluss 150." Seine
proletuiden Stunts mußte er dann natürlich auch gleich mit der 250er
vorzeigen. |
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Ganz wichtig für einen anstrengenden Tag im Gelände: Die
richtige Ausrüstung und die richtige Verpflegung.
Die Fotos oben zeigen, wie man's nicht machen sollte. |
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Der Vormittag wurde ausschliesslich
"Trockenübungen" gewidmet. Anfangs wurden die Grundlagen wie das Fahren
im Stehen und im Sitzen, die richtige Haltung in weiten und engen Kurven
sowie beim Beschleunigen und Bremsen durchgemacht. Besonders beim
Kurventraining wurde mir bewußt, was mir
beim Supermoto gefehlt hat. Hier wurden Lücken geschlossen. Und nur weil diese
Übungen in der Ebene stattfanden, heißt das nicht, daß es nicht
anstrengend war.
Nach den Basics gingen wir zu Phase 2 über und
nahmen die Kinder-Motocross Strecke in Angriff. Dort beschleunigten wir
aus den ersten Anliegern, bremsten enge Kurven an und hüpften schon ein
bisschen durch die Gegend. Damit war die Pflicht erledigt, jetzt folgte
die Kür.
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Mit dem Kopf voran und vollen Hosen die Wand herunter. |
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Der Weg zum Endurogelände führt über die
Motocross-Strecke. Für Anfänger die erste echte Herausforderung und
die perfekte Gelegenheit, um sich gleich auf steile
Bergauf- und Bergabfahrten einzustimmen. (Es wurde allerdings noch
erheblich steiler.) Nach der MX-Strecke muß man über einen Waldweg, der
immer unter Wasser steht. Wer wie ich glaubt, mit sauberer Ausrüstung
den Wald wieder zu verlassen, der glaubt es bis hier. Ohne Kärcher geht
da gar nichts mehr. Der Parcours selbst war bis auf ein paar Teilstücke
trocken und bot meistens ausreichend Grip.
Jetzt wurde nicht mehr lange gefackelt und schon
kurz nach unserer Ankunft im Gelände sammelten wir uns vor dem ersten
Steilhang. Nach dem Motto "What goes up, must come down" ging es nach
der Auffahrt auch gleich ebenso steil wieder runter. Augen auf und
durch, dachte ich und fuhr los. Ich fühlte mich wie auf dem Rücken eines
Bergfex, der mich empor schleppt, während ich hilflos an seinen
Schultern hänge. Irgendwie machte die KTM alles von alleine und sie
machte es richtig. Unglaublich, das muss ich gleich nochmal machen!
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Keiner kommt hier sauber raus. Man stürzt immer
dort, wo's weh tut. |
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Jedem anderen hätte ich geholfen. Bei Arlo machte ich
lieber Fotos. |
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Nachdem ich mich sozusagen selbst entjungfert und
meinen ersten Steilhang mehrere Male hintereinander erfolgreich
bezwungen hatte, wollte ich mehr und folgte dem Trainer zum nächsten.
Man wird da ziemlich schnell größenwahnsinnig. Nach ein paar Metern sah
ich in der Ferne eine helle Wand aus Lehm, Sand und Stein. Sah aus wie
ein kleiner Steinbruch, nur steiler. Unmöglich, das kann's nicht
sein, da wird die Physik etwas dagegen haben, Gott hat sicher nicht
gewollt, daß hier mal Menschen auf Zweirädern hinauf fahren. Doch
tatsächlich, es war das Ziel unserer Albträume. Das war zuviel, ich
wollte nicht, aber ich mußte, um zu Hause weiterhin blöd vom
Endurowandern reden zu können. Ich mußte einfach alles mitmachen, ohne
Ausnahme. Nach langem Zögern und dem von Arlo erbrachten Beweis, daß es
doch möglich ist, senkrecht eine Wand empor zu fahren, legte auch ich
den 1. Gang ein und ergab mich meinem Schicksal. Und siehe da, ich
erreichte auch dieses Mal das Gipfelkreuz. Irre welche Steigungen mit so
einer Enduro zu bewältigen sind, fühlt sich an wie an einer Seilwinde!
Ist vorher undenkbar, muss man erlebt haben.
Ständig wurde der Schwierigkeitsgrad erhöht,
immer wieder mußte ich mich überwinden. Gezwungen wird man übrigens zu
nichts. Wer auf einen Hang verzichtet, der hat immer die Möglichkeit,
eine andere, leichtere Route zu nehmen. Man sollte aber wirklich alles
versuchen. Mit der richtigen Schutzkleidung kann praktisch nichts
passieren.
Was mir aber besonders unangenehm auffiel, ist
die Tatsache, daß das 5-minütige Aufzahn eines im Hang liegenden
Motorrads ungefähr der Anstrengung eines 30-minütigen Turns unter
Volllast entspricht. Entsetzlich wie Kräfte raubend das ist. Besonders
auf rutschigem, weichem Untergrund hat man das Gefühl, das Motorrad
wiegt plötzlich 400 Kilo und die Muskeln haben sich abgemeldet. 'Oben
bleiben' ist also auch abseits der Straße oberstes Gebot!
Jede Abfahrt ist eine Herausforderung, jeder
Steilhang ein Kampf, jedes Bezwingen ein Triumph. Vergesst
Selbstfindungsseminare im Hochseilpark. Die wahre Action spielt sich
hier unten ab. Wer genug Mut aufbringt, der wird reichlich mit Stolz und
Selbstvertrauen belohnt. Ich freue mich schon auf die nächsten
Herausforderungen, die mir die Natur stellen wird. Wir sehen uns am 14.
April.
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Interessante Links:
www.eckl.co.at
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Text: kot
Fotos: kot, Arlo |
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